Berichte 04.06.2015 | 09:31von Colin McGourty

Französische Top 12, Höhepunkte der Runden 2 bis 4

Bei einem großen Mannschaftswettbewerb ist es nicht einfach, den Überblick zu behalten. Da wir außerdem davon ausgehen, dass die meisten Leser nicht viel mit Bischwiller, Clichy oder Mulhouse anfangen können, haben wir uns eher auf die bisherigen Höhepunkte als auf eine vollständige Zusammenfassung konzentriert. Dabei werfen wir einen Blick auf einige Volltreffer (MVL, Ivan Sokolov …) und einige Fehlschläge (Arkadij Naiditsch, Sebastien Feller …) der Runden 2 bis 4.

Manchmal ist es nicht leicht, ein Spieler mit 2700 Elo zu sein! | Foto: Französischer Schachverband

Volltreffer

1. Maxime Vachier-Lagrave

Wie schon in unserem ersten Bericht erwähnt, hatte Maxime Vachier-Lagrave eine 94-tägige und 27 Partien währende Durststrecke ohne Sieg zu bewältigen und fiel dabei in der Weltrangliste von Platz 11 im April auf Platz 28 im Juni zurück. Nach seinem Sieg in der ersten Runde ließ er nun weitere Siege folgen – in der 2. Runde schlug er in einer wichtigen Partie für sein Team Vladimir Baklan (Elo 2633) und in Runde 4 recht locker Sebastien Pucher, der mit 2298 allerdings auch klarer Außenseiter war. Mehr dazu später!

2. Ivan Sokolov

im Januar 2004 erreichte Ivan Sokolov seine bislang höchste Elo von 2706 - im selben Jahr trat er auch gegen einen vielversprechenden Jugendlichen an... | Foto: Wikipedia

Vier Partien, vier Siege – das ist die makellose Bilanz des 46-jährigen ehemaligen Landesmeister Jugoslawiens und Hollands. Sein größter Skalp war in Runde 4 Arkadij Naiditsch, aber die schönste Partie spielte er in Runde 2 mit Schwarz gegen Evgeny Postny:


Nach 23.g3 wurden die Damen getauscht, aber Sokolovs Läuferpaar war danach nicht aufzuhalten.

3. Jan-Krzysztof Duda

In unserem ersten Bericht erwähnten wir auch, dass der 17-jährige JK Duda gegen den Spieler mit dem höchsten Rating, Wesley So, mit Schwarz locker ein Remis erreichte. Die nächsten Partien gewann er in sehr aggressivem Stil, hatte gegen Sebastien Feller aber ein wenig Glück.

Duda - Feller im Hintergrund | Foto: Französischer Schachverband

Lange Zeit betrug Fellers Vorteil als Schwarzer laut Computer zwischen 2 und 7 Bauern, doch die Stellung war immer sehr kompliziert. Schließlich erreichten die beiden Spieler nach 50…d2? diese Stellung:


51.Txe5! Dxe5 52.Da7! und Schwarz konnte das Matt auf h7 nicht mehr verhindern.

4. Radek Wojtaszek mit Weiß

In der ersten Runde verlor Dudas polnischer Landsmann Wojtaszek überraschend mit Schwarz gegen einen IM, ließ dann ebenfalls mit Schwarz ein Remis folgen, doch in den Runden 3 und 4 holte er mit Weiß zwei absolut überzeugende Siege. Die Schlussstellung gegen Sebastien Maze sagt alles:


Ist Radek Wojtaszek momentan der schwierigste Gegner auf der Welt, wenn man die schwarzen Steine führt?

In Wijk aan Zee überspielte er zu Beginn des Jahres mit Weiß sowohl Magnus Carlsen als auch Fabiano Caruana und verlor dann zwar gegen Baadur Jobava und Ding Liren, doch diese Niederlagen hatten kaum etwas mit der Eröffnung zu tun – vielmehr schien es, als sei Vishy Anands schlicht und ergreifend mit den Kräften am Ende, nachdem er mit 107 Partien im Jahr 2014 der absolute Vielspieler in der Weltelite war.

Bei der russischen Mannschaftsmeisterschaft schlug er Ian Nepomniachtchi und stand gegen Vladimir Kramnik auf Gewinn, ehe er den Ex-Weltmeister noch entwischen ließ. Wojtaszeks Bilanz des Jahres 2015 mit Weiß kann sich sehen lassen: 14 Partien, davon 8 Siege, 4 Remisen und 2 Niederlagen.

5. Runde 2

Bisher war dies definitiv die spannendste Runde des Turniers, mit einigen aufregenden Partien, bösen Ausrutschern (Giri und Naiditsch verloren) und heftiger Action an allen Brettern:

Mit einem Klick auf das Ergebnis kannst du jede Partie ganz leicht aufrufen!

Hochinteressant waren zum Beispiel Mathilde Congius Angriffspartie gegen Luc Bergez oder Natacha Benmesbahs Finale gegen Camille De Seroux:


Unsere Helden sitzen eigentlich am 2.Brett, aber da sie schon auf dem Foto sind, sei erwähnt, dass Slim Belkhodja und Jonathan Dourerassou auch eine kuriose Schlussstellung hinbekamen! | Foto: Französischer Schachverband

Fehlschläge

1. Bischwillers Problem (an den Spitzenbrettern)

In unserem Bericht zur ersten Runde erwähnten wir auch, dass Bischwiller mit Anish Giri, Arkadij Naiditsch und Etienne Bacrot eine furchterregende Spitze aufgeboten hat, doch diese erwies sich bislang als unerwartet stumpf. In Runde 2 verloren Giri und Naiditsch, während Bacrot einen IM mit 2432 Elo nicht besiegen konnte.

Man sieht nicht oft, dass ein theoretisch beschlagener Spieler wie Giri nach 16 Zügen auf Verlust steht, aber genau das geschah gegen Yuri Solodovnichenko (2592) nach 16.Sc5:


In der dritten Runde war Giri der einzige Spieler des Trios, der seine Partie gewinnen konnte, doch in Runde 4 remisierte er nach neun Zügen (!), während Naiditsch wieder verlor und Bacrot nach drei Remisen gegen Michal Krasenkow schon in der Eröffnung unterging. Krasenkows 30…Tf2! war ein hübsches und präzises Finale:


Warum nicht 30…Txg2? Dann hätte 31.Td7! remis gehalten, da der schwarze König  wegen 32.f4! und unabwendbarem Matt nicht nach f6 kann.

Schwerer Start für Etienne Bacrot! | Foto: Französischer Schachverband

Dagegen erfüllten die hinteren Bretter von Bischwiller ihre Aufgabe immer solide, wenn dies erforderlich war. In Runde 2 zum Beispiel retteten die Bretter 4 bis 7 eindrucksvoll die Ausfälle der vorderen Spieler:


Das Team von Vandoeuvre-les-Nancy hätte fast für eine Sensation gesorgt. | Foto: Website von Vandoeuvre Echecs

Das erklärt, warum Bischwiller als einziges Team neben Clichy bisher eine weiße Weste hat:

2. Sebastien Feller

Sicher ist es nicht einfach, nach einer langen Schachpause wieder in den Turnierzirkus zurückzukehren, doch wenn man dabei auch noch unter strenger Beobachtung der Schachwelt, da man zuvor beim Betrug erwischt wurde, ist es vermutlich noch schwieriger. Zumindest ist es Feller gelungen, dass man Computerhilfe in seinen Partien einigermaßen ausschließen kann:

"Sebastien Feller tut alles dafür, dass man ihm keinen Betrug mehr vorwerfen kann."

Nach den Niederlagen gegen David Navara und JK Duda folgte ein Remis gegen Fabian Dötlling (2588) und dann eine weitere schwere Niederlage gegen den Brasilianer Alexandr Fier in Runde 4. Beide Spieler rochierten lang, aber Fellers König geriet im Unterschied zu seinem Gegenüber unter schweren Beschuss!


Es folgte: 18.Saxc6+! Sxc6 (18…bxc6 19.Dxe7! Dxe7 20.Sxc6+) 19.Dd6+ Ka8 20.Sxc6 bxc6 21.Dxc6+ und der schwarze König stand im Freien. Feller schleppte die Partie bis zum 35.Zug weiter, konnte das Blatt aber nicht mehr wenden.   

3. Durcheinander bei den Aufstellungen

Feller fiel auch dadurch auf, weil er alle vier Partien am Spitzenbrett bestritt. Bei der französischen Mannschaftsmeisterschaft gibt es allerdings keine feste Brettreihenfolge, daher konnte Maxime Vachier-Lagrave zum Beispiel in der 4.Runde an Brett 5 gegen einen Spieler mit 2298 antreten.

Das führte zu Verwirrung:

Live Chess Rating: "Hallo, könnt ihr bestätigen, dass es sich in Runde 4 um Vachier-Lagrave und nicht um Maxime Lagrade handelte?"

FFE: "Ja, es war Maxime Vachier-Lagrave."

JK Duda, der in beiden ersten Runden am Spitzenbrett gesessen hatte, spielte in der 3. Runde an Brett 6, während Wesley So in Runde an Brett 4 auf die IM Anastasia Savina traf.

Momentan ist noch gar nicht so klar, ob dies wirklich ein Fehlschlag ist (uns fehlten aber welche!). Natürlich wünscht man sich Duelle der besten Spieler untereinander, aber durch die zusätzliche Ungewissheit können sich die Spieler schlechter auf einen Gegner vorbereiten, und dadurch kommt es zu spannenderen Partien!  

4. Laurent Fressinet

Wie gesagt, haben wir ein wenig Probleme, Fehlschläge zu finden, doch Fressinets vier Remisen waren zwar kein komplettes Desaster, kosteten ihn aber immerhin 9,6 Elo-Punkte.  

Fressinet bisher noch ohne Sieg! | Foto: Französischer Schachverband

Insgesamt stehen bei den französischen Top 12 volle 11 Runden auf dem Programm  - die beste Action gibt es hier auf chess24!

 Alle Partien könnt ihr auch mit unseren kostenlosen Apps verfolgen:

         

Zum Weiterlesen:


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