Berichte 08.06.2015 | 16:51von Colin McGourty

Französische Top 12: Bischwiller vor dem Sieg

Bei der französischen Mannschaftsmeisterschaft hat die Mannschaft von Bischwiller, in deren Reihen unter anderen Arkadi Naiditsch, Etienne Bacrot und Anish Giri stehen, alle bisherigen Kämpfe gewonnen, darunter auch mit 4,5 zu 3,5 gegen den schärfsten Rivalen Clichy. Bei nur noch zwei ausstehenden Runden steht die Mannschaft aus dem Elsass damit kurz vor dem Titelgewinn. Wir blicken auf die letzten fünf Runden zurück und haben uns dabei vor allem auf die Spieler konzentriert, auf die wir schon in unserem letzten Bericht das Augenmerk richteten.

In unserem letzten Bericht über die Höhepunkte der ersten vier Runden, konzentrierten wir uns auf drei Spieler, die besonders gut abschnitten. Schauen wir uns an, wie es ihnen im weiteren Turnierverlauf erging:

1. Maxime Vachier-Lagrave

Wie ihr euch vielleicht erinnert, konnte MVL zu Beginn drei Siege in Folge feiern, nachdem er zuvor 27 Partien sieglos war. Danach wurde er nur noch dreimal eingesetzt und holte dabei zwei Remisen (Ragger und Sokolov) und einen Sieg (Szabo). Nichts Spektakuläres also, sondern die konstante Fortsetzung des bisher Erlebten.

Markus Ragger war der erste Spieler, der Maxime Vachier-Lagrave bei den Französischen Top 12 ein Remis abknöpfte und seinem Team damit zu einem wichtigen Sieg verhalf | Foto: Teiki Arii, Französischer Schachverband

Warum spielte MVL nur sechs von neun möglichen Partien? Vermutlich bereitet er sich auf die kommenden Aufgaben vor. Schon nächstes Wochenende wird er beim Schnellturnier in Leon antreten, ehe er direkt nach Norwegen weiterfliegt und dort das Eröffnungsblitz beim Norway Chess-Turnier bestreitet!

2. Ivan Sokolov

Ivan Sokolov ließ es nach seinen 4 aus 4 etwas ruhiger angehen, demonstrierte aber weiterhin starke Form: Er holte zwei weitere Siege und drei Remisen, darunter gegen Maxime Vachier-Lagrave und Radek Wojtaszek.

3. JK Duda

Der 17-jährige Duda dagegen ließ nicht locker. Nach einem Remis gegen Wesley So und drei Siegen hintereinander ließ er weitere drei Siege folgen. Darunter waren schöne Angriffspartien wie hier gegen Glenn Flear:  


36.Sxg7!

Er zeigte aber auch starke Endspieltechnik:


Duda hatte gegen Anthony Wirig einen Tripelbauern mehr, der Sieg war aber alles andere leicht zu erzielen:

"Endet Dudas Siegesserie trotz drei Mehrbauern?" 

Am Ende schaffte er es, die Partie zu gewinnen. 

Falls Duda (im blauen T-Shirt) irgendwelche Zweifel an der Gewinnbarkeit seines Endspiels hatte, versteckte er sie sehr gut! | Foto: Französischer Schachverband

Damit hatte Duda sechs Siege in Serie errungen und damit die Chance, Caruanas Rekord vom Sinquefield Cup einzustellen. Wie Anish Giri, Vladimir Kramnik und Magnus Carlsen scheiterte er an der letzten Hürde. Am mangelnden Willen lag es aber nicht!


Hier opferte er mit 15.gxf6! die Dame. Anschließend spielte er weiter auf Gewinn, ehe er es übertrieb und sich letztlich gut verteidigen musste:


Duda hat gerade einen Läufer für den letzten schwarzen Bauern gegeben und eine Stellung erreicht, die laut Tablebase remis ist. Der junge Pole zeigte, dass er den Grund kennt, und errichtete mit 47.b4 und 48.h5 eine Festung. Danach zog er 22 Züge kang nur noch mit dem Turm und dem König hin und her – es dauerte ein wenig, bis Yuri Solodovnichenko seine Bemühungen einstellte!

Duda spielte dann in Runde 9 remis gegen Arkadij Naiditsch. Trotz dieses Ergebnisses verlor sein Team mit 5,5:2,5, womit Bischwiller weiter auf Titelkurs bleibt und Bois-Colombes kaum noch Chancen auf einen Medaillenrang hat.

4. Radek Wojtaszek

Überhaupt nicht mehr gut läuft es für die polnische Nummer 1, und am Ende sind wir daran schuld. In unserem letzten Bericht fragten wir uns, ob Radek Wojtaszek momentan vielleicht sogar der beste Spieler mit Weiß weltweit ist, doch seitdem spielte er mit dieser Farbe remis gegen Axel Smith(2454), Alexander Donchenko (2570) und Ivan Sokolov (2623). Nimmt die beiden Remisen mit Schwarz dazu, hat der Pole ein enttäuschendes Turnier mit einem derzeitigen Elo-Verlust von 16,4 Punkten gespielt.

Jetzt aber zu den Updates der Enttäuschungen der ersten vier Runden:

1. Bischwillers Spitzenbretter

Mit Ausnahme eines Spielers haben sich die Spitzenbretter des Tabellenführers erwartungsgemäß von ihrem schwachen Auftakt erholt.

Anish Giri gewann locker gegen Laurent Fressinet in der womöglich entscheidenden Partie der gesamten Meisterschaft | Foto: Teiki Arii, Französischer Schachverband

Anish Giri trat mit vier Siegen in fünf Partien gewaltig aufs Gaspedal, darunter war auch der wichtige Sieg gegen Laurent Fressinet, durch den Bischwiller an dem dreimaligen Meister der Vorjahre Clichy vorbeizog. Sein einziges Remis in dieser Phase spielte er gegen David Navara.

Etienne Bacrot erholte sich von seinen drei Remisen plus eine Niederlage und legte einen Zwischenspurt mit drei Siegen, darunter gegen Dmitry Jakovenko, ein.

Etienne Bacrot zeigte gute Form, als es gegen Dmitry Jakovenko darauf ankam | Foto: Teiki Arii, Französischer Schachverband 

Arkadij Naiditschs Leiden dagegen gingen weiter. Er spielte dreimal gegen schwächere Gegner remis, ehe er gegen Sokolov verlor, aber nicht Ivan, sondern Andrei mit Elo 2520:


34.exf7! war ein wichtiger Zwischenzug in einem hübschen Finale. Andrei Sokolov sollte man definitiv nicht unterschätzen. Der heute 52-jährige zog vor 15 Jahren nach Frankreich, wurde aber 1982 noch als Starter der UdSSR Juniorenweltmeister, eher 1984 bei seiner ersten Teilnahme sowjetischer Meister wurde.

Andrei Sokolov zeigte eindrucksvoll, dass mit ihm immer noch zu rechnen ist| Foto: Teiki Arii, Französischer Schachverband 

Arkadij Naiditsch ist aus dem hehren Club der Spieler mit über 2700 Elo herausgefallen, doch könnte das durchaus auch Vorteile haben ... möglicherweise spart der aserbaidschanische Schachverband dadurch $20.000, falls der Wechsel wie geplant stattfindet!| Foto: Teiki Arii, Französischer Schachverband 

2. Sebastien Feller

Nach holprigem Start hat sich Feller in seinem ersten großen Turnier nach seiner Sperre gefangen. Er ließ auf ein Remis und drei Niederlagen einen Sieg und vier Remisen folgen, wobei seine Remisen gegen Riazantsev, Donchenko, Naiditsch und Krasenkow zustande kamen.

3. Laurent Fressinet

Nicht besonders gut ging es für Fressinet weiter der in Runde erneut remisierte und dann gegen Anish Giri in Runde 6 verlor. Anschließend holte er zwei Siege gegen schwächere Gegner. Die letzte Partie gegen Bart Michiels war in sofort interessant, weil der Belgier der Variante folgte, die Wesley So gegen Sam Sevian in der US-Meisterschaft gespielt hatte:


Hier wählte Laurent Fressinet aber die Computerempfehlung 16…Lb8 (obwohl der Computer immer noch meint, Weiß stünde fast auf Gewinn) und gewann. Sam Sevian patzte mit 16…De7?, gewann aber dennoch, da So zuletzt patzte. Bei den Französischen Top 12 liegt So im Rahmen der Erwartungen mit soliden fünf Siegen und vier Remisen.

Zwei Runden vor Schluss wird Bischwiller kaum noch einzuholen sein. Pleiten sind aber immer noch möglich. In Runde 8 hätte die letzte Partie des Tages Bischwiller den ersten Mannschaftspunkt kosten können. Nach zwei Siegen für Bischwiller und einem Sieg für Mulhouse kam alles auf das Damenbrett an (alle Teams müssen mindestens eine Frau einsetzen, diese kann aber an jedem Brett spielen.) Mathilde Choisy (2182) hatte schon einige Chancen verpasst, als sie nach 104 Zügen gegen Nino Maisuradze (2279) ein Matt in fünf verpasste.

Nino Maisuradze holte ein wichtiges Remis! | Foto: Teiki Arii, Französischer Schachverband 

Im heutigen Duell mit Strasbourg ist Bischwiller klarer Favorit:

Alle Partien könnt ihr natürlich auch mit unseren kostenlosen Apps anschauen:

         

Zum Weiterlesen:


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