Berichte 26.09.2019 | 12:21von Colin McGourty

FIDE World Cup VF: Dramatisches Aus für Aronian & Vitiugov

Levon Aronian und Nikita Vitiugov sind in den Stichkämpfen des FIDE World Cup 2019 auf brutale Art und Weise ausgeschieden. Aronian erreichte mit einem Qualitätsopfer eine Gewinnstellung gegen Maxime Vachier-Lagrave, stellte danach aber eine Figur ein. Derweil hatte Vitiugov im Armageddon gegen Yu Yangyi nach zehn Zügen zwei Bauern mehr und brauchte nur ein Remis. Irgendwie schaffte er es aber, die Partie noch zu verlieren, und resümierte anschließend, dass der Weltcup wie das richtige Leben sei und früher oder später übel ende. In den Halbfinals Ding Liren-Yu Yangyi und MVL-Radjabov geht es nun um die Finalplätze und die Qualifikation für das Kandidatenturnier.

Zwei Wettkämpfe, die für große Dramatik sorgten! | Foto: Kirill Merkuryev, Turnierseite

Alle Partien des FIDE World Cup in Khanty-Mansisk könnt ihr hier nachspielen:

Und hier die Bilder von der Live-Übertragung mit Jan Gustafsson und Laurent Fressinet sowie Weltmeister Magnus Carlsen:

World-Cup-Aktion: Wenn du während des World Cups eine Premiummitgliedschaft abschließt, kannst du einen der beiden folgenden Gutscheine nutzen:

  1. Nutze den Code 2x1 und du bekommst zwei Monate Premium zum Preis von einem (9,99 €), oder
  2. Nutze den Code WORLDCUP und du bekommst zwei Jahre Premiummitgliedschaft zu einem vergünstigten Preis!  

Nach zwei dramatischen Stichkämpfen stehen die beiden Halbfinals fest:


Maxime Vachier-Lagrave muss jetzt noch Teimour Radjabov schlagen, um sich erstmals für das Kandidatenturnier zu qualifizieren, nachdem er gestern mit Levon Aronian den Mann besiegt hat, der ihn 2017 im Armageddon den Sprung ins Finale verwehrt hat. Falls es dem Universum darum ging, Gerechtigkeit herzustellen, muss man sich fragen, was es das auf so grausame Weise tat.

Anderthalb Partien lang hatte Levon Aronian alles unter Kontrolle | Foto: Kirill Merkuryev, Turnierseite

In der ersten 25-Minuten-Partie blitzte MVL als Schwarzer die ersten 20 Züge aufs Brett, allerdings hielt der Weltmeister seine Stellung für strategisch gefährlich. Magnus hatte dann zudem das Gefühl, dass Aronian aus pragmatischen Gründen das Remis ansteuerte, da er weniger Zeit hatte und Gewinnversuche vermutlich ohnehin nichts eingebracht hätten.

Am Ende zeigte MVL keine Gnade | Foto: Kirill Merkuryev, Turnierseite

In der zweiten Partie blitzte Maxime erneut die Eröffnung aufs Brett, aber dieses Mal geriet er in ernste Probleme, als Aronian ein Qualitätsopfer brachte:


27…Txf5! 28.exf5 Te3! und alles sah danach aus, dass Aronian in großem Stil das Halbfinale erreichen würde. MVL meinte:

Irgendwann habe ich einige seiner Ideen übersehen, worauf sich meine Stellung von leicht besser in leicht schlechter und schließlich klar schlechter verwandelte, nachdem ich das sehr starke Qualitätsopfer übersehen hatte. Irgendwie fand ich einen Weg, den Laden zusammenzuhalten und nicht gleich unterzugehen…

Das hätte aber nach 29.Tae1 De7 30.Txe3 Dxe3+ 31.Kh2 durchaus passieren können:


Der Schlüsselzug an dieser Stelle war 31…Se4!, was sich auf die Fesselung des Bauern d3 stützt. Dg3+ ist die offensichtliche Drohung, wonach die Bauern h3 und d3 wie reife Früchte fallen. Stattdessen folgte aber 31…De2+ 32.Kg1 Sxd3? (noch war es nicht zu spät für 31…De3+ und danach Se4) 33.bxa6!, wonach Weiß das Schlimmste überstanden hatte. Nach 37 Zügen hätte Aronian dann einfach die Züge wiederholen sollen:


Stattdessen spielte er aber 37…h5!? (“Ich denke, h5 war schlecht, da ich nach Dd1 auf jeden Fall Remis haben sollte – Vielleicht liege ich falsch, aber ich habe keinen Gewinn für ihn gesehen und auch keinen Weg, wie er in Vorteil kommt” – MVL) 38.Dd1 h4?? und stellte nach der gegnerischen Antwort 39.Tf3! entsetzt fest, dass Weiß einfach eine Figur gewinnt. Hier die Bilder, wie Magnus erkennt, dass 38…h4 der Verlustzug ist, und wie Aronian reagiert, als der gegnerische Gewinnzug aufs Brett kommt:

Die Partie dauerte noch bis zum 53.Zug, stellte für die französische Nummer 1 aber keine großen Probleme mehr dar. MVLs Fazit: 

Das war kritisch, aber beim World Cup kann man solche Momente nicht völlig umgehen. Ich hoffe, dass das ein gutes Zeichen war, aber das morgige Match wird auf jeden Fall sehr schwer und sehr wichtig.

 Aronians Aus war bitter, aber es sollte noch schlimmer kommen…

Vitiugov-Yu Yangyi entwickelte sich zur Nervenschlacht | Foto: Kirill Merkuryev, Turnierseite

Nikita Vitiugovs Stichkampf gegen Yu Yangyi begann mit zwei spannenden Remis, wobei der Russe in der zweiten Partie dem Sieg am nächsten kam. Er hatte auch in der ersten 10-Minuten-Partie eine Chance auf mehr:


Nach dem von Peter Svidler im Chat angegebenen 30…Tb6! hätte Schwarz alles unter Kontrolle gehabt und hätte mit dem a-Bauern auf Sieg spielen können. Magnus Carlsen und unser Kommentatorenteam hatte den Zug wegen der offensichtlichen Antwort 31.Sc8 verworfen, doch wie sich zeigt, hat Schwarz dann 31…La3! In der Partie folgte stattdessen 30…Tb3!?, was zu einem sehr remislichen Turmendspiel mit drei gegen zwei Bauern an einem Flügel führte. Zu Beginn gab Magnus Yu Yangyi eine zweiprozentige Gewinnchance, erhöhte aber nach Vitiugovs 41…g6 auf 10 Prozent Im 59. Zug folgte dann die Katastrophe:


Magnus hatte schon länger angemerkt, dass Schwarz irgendwann mit seinem König die siebte und achte Reihe verlassen müsste, und jetzt war der Moment gekommen. Stattdessen spielte Vitiugov aber 59…Kg8?? und gab nach 60.hxg5 hxg5 61.Te5 auf, da die weiße Stellung mit den zwei verbundenen Freibauern trivial gewonnen ist.

Nach seiner Niederlage sah Vitiugov auch die guten Momente | Foto: Kirill Merkuryev, Turnierseite

Damit musste Vitiugov nach seiner ersten Niederlage in Khanty-Mansiysk die zweite 10-Minuten-Partie unbedingt gewinnen, um noch weiterkommen zu können. Dieses Mal spielte er gegen Russisch 3.d4 und kam mit einer Traumstellung aus der Eröffnung. Nach 19…Dh6? konnte er praktisch direkt gewinnen, was Magnus schnell gesehen hatte:

Stattdessen kam aber 20.Sf1!? aufs Brett, wonach Weiß zwar weiter Vorteil hatte, dieser aber erst nach dem Geniestreich 37.Kg1!? größere Ausmaße annahm. Magnus entdeckte einen grandiosen Plan und erklärte ihn dann auch!

Der zweite Grund, warum Magnus 37.Kg1 gefiel, war die Verlängerung des Matches, den nach 38…Td7 war zwar das sofortige Matt verhindert, aber nach 39.Tf6! war die Partie vorbei.

Die 5-Minuten-Partien begannen mit einer dramatischen neunzigzügigen Schlacht, in der keiner der beiden Spieler größeren Vorteil erzielen konnte. Dasselbe galt für die zweite 5-Minuten-Partie, womit das Armageddon erreicht war.

Die Partie, in der Yu Yangyi fünf Minuten hatte und Vitiugov mit vier Minuten remis halten musste, ging rasant los und kurz darauf hatte Yu Yangyi mit 9.Le4??, was 9…Sxg2+ ermöglichte, die Partie eingestellt:

Yu Yangyi meinte hinterher:

Ich bin sehr nervös, weil ich sehr viel Glück hatte und Sxg2 nebst Sxf4 übersehen habe.

Bis zum 17.Zug hatte Schwarz riesigen Vorteil:


Vitiugov meinte danach:

Das ist sehr schwer zu erklären. Wenn man nur eine Sekunde nachdenkt – zwei Bauern… Ich beschloss, sehr schnell zu spielen, und das kam dabei heraus… Es war grausam. Ich habe alles zugelassen. Aber das Leben geht weiter. Das ist nicht das Ende der Welt.

Mit mehr Zeit hätte er hier sicher 17…Dc5! gesehen, wonach Weiß aufgeben kann. Der gefesselte Springer auf d4 ist nicht mehr zu retten, da 18.Ke3 an 18…Sc4+! mit Damengewinn scheitert. Auch an dem reflexartigen 17…Sd7 war nichts verkehrt, wenngleich nach 18.Thg1 Sf6?! 19.De5! vom schwarzen Vorteil nicht mehr viel übrig war. Und nach 19…Sxe4+ 20.dxe4 f6 21.Dh5+ Df7 22.Dc5 war es schon kritisch:


Schwarz muss immer noch sehr vorsichtig sein, da Weiß Sb5 droht, aber mit Zügen wie 22…a6 oder 22…Df8 wäre das Remis immer noch möglich gewesen. Stattdessen war der Preis des Damentausches nach 22…De7? zu hoch. Nach 23.Dxe7+ Kxe7 24.Txg7+ Kf8 25.Tag1 verkehrte Schwarz schon in großen Problemen und musste vor allem auf die schlechte weiße Bedenkzeit hoffen. Yu Yangyi griff aber nicht mehr fehl und trifft nun auf seinen Landsmann Ding Liren.

Vitiugovs Enttäuschung war nur allzu verständlich:

Der Russe besaß die Größe, sich hinterher dem Interview zu stellen, wobei er auf die Frage, was er mit seinem Preisgeld von $35.000 machen werde, verständlicherweise antwortete, dass er sich darüber keine Gedanken gemacht habe. Stattdessen sprach er darüber, dass der Weltcup wie das wahre Leben sei, und erklärte, warum Yu Yangyi verdient weitergekommen ist:

Er hat etwas weniger Fehler gemacht – bei diesem System muss man nichts Überragendes leisten, sondern immer nur ein bisschen besser als der Gegner sein.

Damit trifft im ersten Halbfinale MVL auf Teimour Radjabov, während das andere Halbfinale zwischen den beiden Chinesen Ding Liren und Yu Yangyi ausgetragen wird. Sofern die chinesischen Schachfunktionäre Einfluss auf den Ausgang des Weltcups nehmen wollen, werden sie dafür sorgen, dass Ding Liren verliert, da er seinen Platz im Kandidatenturnier über die beste Durchschnitts-Elo schon fast sicher hat und zwei chinesische Teilnehmer in Yekaterinburg natürlich ein Erfolg wären. Andererseits wäre der Sieg beim Weltcup an sich schon ein Erfolg, und da hätte Ding sicher die etwas besseren Chancen als Yu Yangyi. Unterm Strich gibt es zunächst aber keinen Grund, von einer Absprache auszugehen!

Yu Yangyi hat die Chance, ein wenig aus Ding Lirens Schatten herauszutreten | Foto: Kirill Merkuryev, Turnierseite

Wie immer könnt ihr alle Partien des Halbfinales ab 12 Uhr live auf chess24 verfolgen.

Weitere Links:


Sortieren nach Datum (absteigend) Datum (absteigend) Datum (aufsteigend) meiste Likes Benachrichtigung bei neuen Kommentaren

Kommentare 0

Guest
Guest 7828733075
 
chess24 beitreten
  • Kostenlos, Schnell & Einfach

  • Sei der Erste, der kommentiert!

Registrieren
oder

registriere dich und leg los!

Ich bin älter als 16 Jahre.

Mit einem Klick auf 'Registrieren' stimmst du unseren Nutzungsbedingungen zu und bestätigst, dass du unsere Datenschutzrichtlinie und den Abschnitt über die Verwendung von Cookies gelesen hast.

Lost your password? We'll send you a link to reset it!

Nach der Übermittlung deiner E-Mail-Adresse erhältst du von uns eine E-Mail mit einem Link zum Zurücksetzen des Passworts. Wenn du dann weiterhin nicht auf deinen Account zugreifen kannst, melde dich bitte beim Kundendienst.

Welche Funktionen möchtest Du aktivieren?

Wir respektieren Deine Privatsphäre und Datenschutzbestimmungen. Einige Komponenten erfordern das Speichern von personenbezogen Daten in Cookies oder dem lokalen Speicher.

Show Options

Hide Options