Berichte 23.09.2019 | 11:06von Colin McGourty

FIDE World Cup R4 Stichkämpfe: Xiong kommt nach Thriller weiter

Dem 18-jährigen US-Amerikaner Jeffery Xiong fehlen nach seinem dramatischen Sieg gegen Jan-Krzysztof Duda nur noch zwei gewonnene Matches, um sich für das Kandidatenturnier zu qualifizieren. Im Viertelfinale in Khanty-Mansisk stehen zudem die beiden Finalisten des letzten World Cups: Ding Liren schlug Kirill Alekseenko, und Levon Aronian lebte gegen Le Quang Liem gefährlich, behielt am Ende aber die Oberhand. Teimour Radjabov gewann das aserbaidschaniche Duell gegen Shakhriyar Mamedyarov, während die Nummer 9 des Setzliste Alexander Grischuk die Nummer 8 Leinier Dominguez schlug.   

Nach seinem dramatischen Sieg gegen Jan-Krzysztof Duda ist der 18-jährige Jeffery Xiong der Spieler mit der niedrigsten Elo im Turnier |Foto: Kirill Merkuryev, Turnierseite

Alle Partien des FIDE World Cup 2019 in Khanty-Mansiysk könnt ihr hier nachspielen:

Und hier die Bilder von der Live-Übertragung mit den Kommentaren von Evgeny Miroshnichenko und Daniil Yuffa:

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Mit fünf Matches war es gestern im Spielsaal recht voll! | Foto: Kirill Merkuryev, Turnierseite

Schauen wir uns anhand der anstehenden vier Viertelfinal-Matchs der Reihe nach an, wie es zu ihnen kam:

Ding Liren vs. Alexander Grischuk


Sowohl Ding Liren als auch Alexander Grischuk schafften es, ihre Aufgabe schnellstmöglich zu erledigen. Das zuvor hart umkämpfte Match Alekseenko-Ding Liren erfuhr eine rasche Wendung, als der Russe nach nur zwei Sekunden 15…Se5? spielte: 


Die Stellung ist sehr kompliziert, und wenn Ding sofort 16.f4? gespielt hätte, hätte Weiß nach 16…Lxe2! nichts gehabt. Nach erst 16.Lxf6! gewinnt Weiß aber in allen Varianten. 16…Lxf6 17.f4! und wenn Schwarz Materialverlust vermeiden will, wird er auf g7 mattgesetzt. In der Partie versuchte Alekseenko 16…Lxe2 17.Lxg7! Lxf1 18.Dh6! und musste nach 24 Zügen aufgeben.

Kirill Alekseenko spielte ein tolles Turnier, aber ein Fehler im Stichkampf machte alle Hoffnungen zunichte | Foto: Kirill Merkuryev, Turnierseite

Die zweite Partie war genauso spannend und hart umkämpft wie das gesamte restliche Match, aber obwohl der Russe nach Ding Lirens Qualitätsopfer einige Chancen hatte, reichte sein Vorteil nie aus.

Damit trifft der an Nummer 1 gesetzte Chinese im Viertelfinale auf Alexander Grischuk. Nach dem Match räumte Grischuk ein, dass Leinier Dominguez in der zweiten Partie “mit brillantem Schach” ausgeglichen habe, meinte aber auch, dass er kein Problem damit gehabt habe, danach erneut anzutreten: “Das war nicht meine erste Verlustpartie in meinem Leben, daher kann ich damit umgehen!”

Alexander Grischuk fordert nun Ding Liren heraus | Foto: Kirill Merkuryev, Turnierseite

In der ersten Schnellpartie hatte Dominguez gewissen Druck ausgeübt, bevor sie nach 39 Zügen mit Zugwiederholung endete. In der zweiten Partie kam laut Grischuk die Wende im 24.Zug, als der Exilkubaner die Stellung vereinfachen wollte:


24…c5?! 25.Tb3 cxd4 26.Txb6 dxe3 27.Txb7 Sxe5 28.Txe7 Txd1 29.Txe8 Sd3:


Schwarz steht kurz vor dem Ziel, da 30.fxe3 zu 30…Se1+ 31.Kf2 Sd3+ mit Zugwiederholung führt, aber ein Detail hatte Dominguez laut Grischuk übersehen: 30.Sc3! Nach diesem Zug konnte Weiß sich mit Mehrfigur konsolidieren, und trotz gegenseitiger Zeitnot schaffte es Grischuk, sich das Viertelfinalticket zu sichern.

Der Sieger des Duells Ding Liren-Grischuk ist dann auch Favorit auf das Erreichen des Kandidatenturniers, da dort mit Nikita Vitiugov oder Yu Yangyi auf jeden Fall ein Überraschungsmann wartet. Diese beiden Spieler schafften es, die höher eingestuften Wesley So und Ian Nepomniachtchi zu eliminieren.

Maxime Vachier-Lagrave vs. Levon Aronian


MVL gegen Aronian ist eines der Viertelfinals, mit denen man aufgrund der Setzliste rechnen konnte, und dabei kommt es zur Neuauflage des Halbfinales von 2017, das Aronian nach dramatischem Verlauf im Armageddon gegen seinen Kumpel Maxime gewinnen konnte. Dieses Mal hat MVL den Vorteil, nach seinem Sieg im Turnierschach gegen Peter Svidler ausgeruht in das Duell gegen den Armenier gehen zu können, während Levon Aronian gegen die vietnamesische Nummer 1 Le Quang Liem hart kämpfen musste.

Wie erwartet, trug Levon Aronian im Stichkampf eines seiner berühmten Hemden | Foto: Kirill Merkuryev, Turnierseite

In der ersten Schnellpartie holte der Armenier wenig heraus, und in der zweiten stand der Titelverteidiger sogar am Abgrund. Hinterher meinte er:

Ich habe mich vor der Partie nicht gut vorbereitet und hatte Glück, dass ich die Stellung überlebt habe. Das wird mir für die nächsten Runden eine Lektion sein. 

14…Sd7?! sorgte für Probleme:


Le Quang Liem spielte korrekt 15.Sc6 Sf6!? 16.Sxd8 Sxh5 17.e5!


Aufgrund der drei Minuten, die Aronian hier überlegte, muss man vermuten, dass er nur mit 17.Sc6 gerechnet hatte, wonach Schwarz nach 17…Sf6 keine Probleme hat. Nach 17.e5 ist das Problem nicht nur, dass der Turm auf a8 angegriffen ist, sondern auch, dass der Springer auf h5 nach Lf3 keine Felder hat. Ab diesem Moment wirkte Aronian aber extrem konzentriert und nutzte einige gegnerische Ungenauigkeiten aus, um die Partie zu retten.

Das verlieh Aronian offenbar den notwendigen Schub, denn er konnte die erste 10-Minuten-Partie mit den schwarzen Steinen gewinnen. Das elegante 52…Ld5! sorgte dafür, dass der schwarze a-Bauer zur Dame lief:

In der zweiten Partie nutzte der zweimalige Weltcup-Sieger Aronian seine gesamte Erfahrung, um das Viertelfinale zu erreichen. Der Sieger des Duells gegen MVL wird dann im Halbfinale Favorit gegen Teimour Radjabov oder Jeffery Xiong sein.

Jeffery Xiong vs. Teimour Radjabov


Beginnen wir mit dem rein aserbaidschanischen Duell, wo es zunächst so aussah, als würde es wie in den Turnierpartien mit schnellen Remis weitergehen. Stattdessen jedoch waren die Stichkampfpartien der laut Teimour Radjabov “ärgerlichsten Paarung” hart umkämpft und Shakhriyar Mamedyarov kam einem Sieg in der ersten Partie recht nahe:


Das war nicht die letzte, aber die beste Chance. 43…Dh1+! gewinnt, aber dafür muss man nach der besten Antwort 44.Lg1 das alles andere als triviale 44…Th3!! 45.gxh3 gxf3! sehen. Nach 43…Dh5 gelang es Weiß, die Damen zu tauschen und ins Remis abzuwickeln. 

Das Duell, das keiner austragen wollte, ging letztlich an Radjabov | Foto: Kirill Merkuryev, Turnierseite

Mamedyarov hatte auch in der nächsten Partie seine Chancen, aber letztlich fiel die Entscheidung in der zweiten 10-Minuten-Partie. Radjabov kritisierte zu Recht Shakhs 35.Sxf7!?, aber zwei Züge später hätte Mamedyarov immer noch das Match gewinnen können:


Radjabov befürchtete aus gutem Grund 38.h6+! Weicht der König zurück, wird Weiß in wenigen Zügen mattsetzen. Somit ist 38…Kxh6 forciert, und nach dem einzigen Zug 39.gxh7! (in einigen Varianten läuft dieser Bauer zur Dame) dringt die weiße Dame ein. Obwohl der schwarze König schlecht steht, kann in Zeitnot natürlich alles passieren.

In der Partie stand Schwarz nach 38.gxh7? Dg3! auf Gewinn, und Radjabov konnte sie nach 39.Tf3 Dh4+ 40.Th3 mit 40…Txe4! und weißem Materialverlust sehenswert beenden. Radjabov nahm nach dem Match Stellung zu diesem Duell:

Damit kommen wir zum letzten, aber keineswegs uninteressantesten Duell zwischen dem 21-jährigen Polen Jan-Krzysztof Duda und dem 18-jährigen US-Amerikaner Jeffery Xiong.

Nach zwei Weißsiegen in den Turnierpartien ging es in der ersten Schnellpartie genauso weiter, als Duda in einem vermutlich remislichen Turmendspiel fehlgriff.

Duda musste nun nach seiner ersten Stichkampfniederlage in Khanty-Mansiysk unbedingt mit den weißen Steinen gewinnen. Und was spielte er? 1.a3!

Wie man sieht, funktionierte dies, doch dazwischen herrschte das pure Chaos. Das war allerdings nichts gegen die folgende Partie, wo Duda wieder zu 1.e4 griff und trotz Problemen im Mittelspiel die Serie der Weißsiege fortsetzen konnte:

"Aus irgendeinem Grund widerstand Xiong der Versuchung, das vernichtende 28...Sxg3+ zu spielen, aber es kann immer noch alles passieren." 

Statt 28…Sg3+! spielte Xiong 28…Te8?, und nur wenige Züge später folgte das inkorrekte Springeropfer 32…Sxg2?


Weiß hat nur einen guten Zug, aber der gewinnt die Partie: 33.Lxb6!, und nach 33…Sxf4 34.Lxa7+! (wieder der einzige Zug) 34…Kc8 35.Dc4+! hatte Duda leichtes Spiel.

Xiongs Stichkampf gegen Anish Giri war an Spannung kaum zu überbieten, aber der gegen Duda toppte das sogar noch! | Foto: Kirill Merkuryev, Turnierseite

Würde Duda es als erster Spieler schaffen, mit Schwarz remis zu halten und das Match zu gewinnen? Fast. In verschiedenen Phasen der Partie stand Schwarz sehr bequem, doch Xiong wickelte in ein kompliziertes Springerendspiel ab und ließ nicht mehr locker, nachdem Duda einen Fehler machte. Die letzte Partiephase war sauber berechnet: 


Duda hat sich gerade eine neue Dame geholt, aber das gegnerische Duo setzt Matt: 70.Sd2+ Ka2 (alle weißen Züge sind forciert) 71.Da4+ Kb2 72.Sc4+ Kb1 73.Dd1+ und Duda gab wegen Matt in zwei Zügen auf.

Das Gesetz der Serie wurde in der ersten 5-Minuten-Partie durchbrochen, als Xiong aus der Position der Stärke ein Remis erreichte. Damit hätte Duda zum Erreichen des Armageddon seinerseits das erste Schwarzremis schaffen müssen. Und seine Eröffnungswahl? 1.e4 Sf6!? – Die Aljechin-Verteidigung! Nach der Eröffnung stand Schwarz gut, aber dann folgte 15…Lg4?, was fast sofort mit 16.Se4! beantwortet wurde:


Die schwarze Idee bei Lg4 war das Qualitätsopfer auf f3, wonach der weiße Bauer d4 schwach geworden wäre, aber nun droht Weiß seinerseits mit Schlagen auf f6 und Angriff aller schwarzen Schwerfiguren mit Lg5. Duda war zur verzweifelten Verteidigung mit 16…h6 17.Dg3 Lf5 gezwungen, doch schien er sich danach aus schlechter Stellung mit einigen taktischen Tricks befreien zu können. Dann aber folgte der entscheidende Fehler nach 24.Lxh6:


Nach 24…Dc5+! ist die Stellung etwa ausgeglichen, und nach 25.Le3 folgt 25…Td1+ 26.Kf2 Df8+! 27.Sf3 Ld3!! mit Mattdrohung und Angriff auf den Turm. Das war alles andere als trivial, aber nach dem sofortigen 24…Td1+? 25.Kf2 Df8+ 26.Sf3 hatte Duda nichts Besseres als 26…Td7, was den Läufer auf e2 verliert. Mit Mehrfigur und vernichtendem Angriff ließ sich Xiong die Chance nicht entgehen.

Hier könnt ihr euch die letzte Partie ansehen:

Leider ist Jan-Krzysztof Duda damit ausgeschieden, seinen Ruf als mutiger und ideenreicher Spieler konnte er aber erneut festigen:  

"Ich bin immer ein Befürworter des K.O.-Formats und dafür, dass es einen Sieger und einen Verlierer gibt, aber beim Match Duda-Xiong hätte ich gern zwei Sieger gehabt!"

Xiongs Antwort auf die Frage, wie er sich fühle, war keine Überraschung:

Einfach nur kaputt, mehr kann ich dazu nicht sagen!

Er muss sich schnell erholen, denn schon heute steht das Viertelfinale an, wo er ab 12 Uhr auf Radjabov trifft. Alle Spieler haben schon $35.000 an Preisgeld sicher, doch sie sind auch nur noch zwei Matchsiege von einem Platz im Kandidatenturnier 2020 entfernt.

Alle Partien könnt ihr wieder live auf chess24 verfolgen!

Weitere Links:


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