Berichte 30.09.2019 | 19:57von Colin McGourty

FIDE World Cup HF: Schon wieder Ding Liren!

Der an Nr. 1 gesetzte Ding Liren besiegte seinen Landsmann Yu Yangyi und zieht damit ins Finale des FIDE World Cups zum zweiten Mal in Folge ein. Dieser Sieg bedeutet, dass er als auch Fabiano Caruana und sein Finalgegner Teimour Radjabov sich für das Kandidatenturnier 2020 fest qualifiziert haben. Auch Anish Giri ist damit nun wieder im Rennen um das Kandidatenturnier, da ein Platz als Elo-Qualifikant frei wird. Ding Liren schaffte den Einzug ins Finale bereits nach nur 2 Schnellschachpartien. Yu Yangyi leistete zwar lange Zeit auf Augenhöhe Wiederstand, doch in Zeitnot warf er schlussendlich die Partie weg. Yu Yangyi spielt damit gegen Maxime Vachier-Lagrave um Platz 3.

Ding Liren sprach zu Eteri Kublashvili nach dem Einzug ins Finale | Foto: Kirill Merkuryev, Turnierseite

Alle Partien des World Cups kannst du hier nachspielen:

Und hier kannst du dir noch mal den Kommentar von Jan Gustafsson und Laurent Fressinet anhören:

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Ding Liren steht im World Cup Finale

In den finalen Runden gibt es mehr Schiedsrichter als Spieler | Foto: Kirill Merkuryev, Turnierseite

Die Nr. 3 der Welt, Ding Liren, wurde gefragt, ob er glaubt, dass er sich seit dem World Cup Finale 2017, als er gegen Levon Aronian den Kürzeren zog, verbessert hätte. Darauf antwortete er:

Ja, ich glaube schon... Das letzte Mal startete ich als Nummer 9 der Setzliste, dieses Mal als Nummer 1!

Statistisch gesprochen war das ein schlecht zu widerlegendes Argument. Aber man sollte durchaus anmerken, dass es zuletzt nie viel bedeutete, die Nr. 1 der Setzliste bei Knoukout-Turnieren zu sein! Der einzige Spieler, der als Setzlistenerster ins Finale kam und dieses dann gewinnen konnte, war beim mit 128 Spielern umfassenden World Cup... Boris Gelfand im Jahr 2009. Nimmt man noch die FIDE Weltmeisterschaften der Vergangenheit mit in die Betrachtung auf, käme noch Vishy Anand dazu. Als Nr. 1 der Setzliste gewann er sogar zweimal das Turnier (auch wenn er 1998 dann gegen einen ausgeruhten Anatoly Karpov in einem zusätzlichen Match um den Titel unterlag). Einmal erreichte er das Halbfinale. Zu beachten ist: Die ersten drei großen Knockout-Turniere wurden mit nur 100 Spielern ausgetragen, wobei die besten Spieler erst in Runde 2 starteten:

WM-Knockout-Turniere

  • 1998: Vishy Anand (Sieger, aber verlor gegen Anatoly Karpov das WM-Match)
  • 1999: Vladimir Kramnik (verlor gegen Adams im Viertelfinale)
  • 2000: Vishy Anand (Sieger)
  • 2002: Vishy Anand (verlor gegen Ivanchuk im Halbfinale)
  • 2004: Veselin Topalov (verlor gegen Kasimdzhanov im Halbfinale)

World Cups

  • 2005: Vassily Ivanchuk (verlor gegen Cheparinov in Runde 2)
  • 2007: Vassily Ivanchuk (verlor gegen Nisipeanu in Runde 3)
  • 2009: Boris Gelfand (Sieger)
  • 2011: Sergey Karjakin (verlor gegen Judit Polgar in Runde 3)
  • 2013: Levon Aronian (verlor gegen Tomashevsky in Runde 3)
  • 2015: Veselin Topalov (verlor gegen Svidler in Runde 4)
  • 2017: Magnus Carlsen (verlor gegen Bu Xiangzhi in Runde 3)

Ding Liren stand gegen Sergei Movsesian für einen Zug lang auf Verlust, hat aber ansonsten eine absolut solide und beeindruckende Leistung abgeliefert. Er besiegte Shaun Press, Movsesian, Alireza Firouzja, Kirill Alekseenko, Alexander Grischuk und nun auch noch Yu Yangyi, womit er seit wieder einmal 20 Partien ungeschlagen ist.

Kann es Ding Liren dieses Mal besser machen im Vergleich zum World Cup 2017? | Foto: Kirill Merkuryev, Turnierseite 

Das Aufeinandertreffen mit der Nr. 2 Chinas war knifflig, denn die beiden Topspieler sind Freunde und es gewohnt, Eröffnungsideen zu teilen. Ding meinte dazu:

Manchmal überraschen wir uns gegenseitig durch die Wahl ungewöhnlicher Eröffnungen. Wir spielen nicht unsere regulären Varianten, um von unserem Repertoire abzuweichen.

Das andere Problem ist, dass obwohl beide ihr Eröffnungsrepertoire und ihr Verständnis dessen erweitern, sie beide einen scharfen Stil teilen, weshalb sie oftmals Stellungen anstreben, die andere Spieler bereits aus ästhetischen Gründen ablehnen würden. Es war natürlich wahrscheinlich, dass das Match eng werden würde - und so wurde es dann auch!

In der ersten Schnellschachpartie spielte Yu Yangyi 6.Db3 statt 6.Tc1, was Ding beim kürzlichen Sinquefield Cup gegen Magnus Carlsen zwang, eine fast unbeschreibliche Verteidigungsressource in ihrer klassischen Partie zu finden. 8.d5!? war dann ein mutiges Bauernopfer - es sagt schon alles, dass einer der beiden Spieler, die das bereits probierten, der wild und aggressiv spielende Timur Gareyev bei der letztjährigen Blitz-WM war:


Die Computer lieben die schwarze Stellung, aber unser Kommentatorenteam hatte Angst, dass Ding Lirens Leben auf dem Spiel steht. Sie hatten das Gefühl, dass er gut daran tat, 8…Sa5 9.Dc2 Sxc4 10.0-0-0 Bxc3! zu spielen und nicht etwas wie 10…g5, was sicher in Opfer auf g5 gelaufen wäre. Wie bereits angedeutet, beide Spieler behandeln unübersichtliche, taktische Stellungen extrem gut und die Partie sollte nach 31 Zügen nach scharfen, aber akkuraten Zügen mit der Punkteteilung enden.

Yu Yangyi trotze Ding Liren bis fast zum Schluss | Foto: Kirill Merkuryev, Turnierseite

Die zweite Partie war eine noch schärfere Englische Eröffnung. Die Spieler folgten dabei David Antons Partie gegen Praggnanandhaa vom Prague-Challengers-Turnier 2019. Doch Yu Yangyi spielte das korrekte 12…f5! und nicht Praggs 12…c6?, womit er seinem Landsmann Li Shilong folgte, der das bereits bei den chinesischen Mannschaftsmeisterschaften im letzten Jahr spielte. Der erste neue Zug war dann Yu Yangyis dynamisches 13…Sd7, ein temporäres Bauernopfer für Entwicklungsvorsprung:


Ein wenig mehr Öls ins Feuer wurde sobald gegossen mit 14.Lxf5 Sf6 15.Ld3 h6 16.Sh4 Sxd5!


Nun opferte Yu Yangyi eine Qualität: 17.Lh7+ Kh8 18.Sg6+ Kxh7 19.Sxf8+ Kg8 20.Sg6 doch Schwarz bekam nach 20…Df6! gutes Spiel für das investierte Material. Es folgten einige feine, einzige Züge von beiden Spielern. Und auch, wenn der Computer hier und dort Züge als nicht ganz akkurat ausweist, spielten die chinesischen Top-Spieler starkes und mutiges Schach.

Ein Chinese schafft es ins Finale - nur welcher? | Foto: Kirill Merkuryev, Turnierseite

Problematisch allerdings war die verbrauchte Zeit, denn Yu Yangyi hatte nur noch 1 Minute, während sein Gegner in der kritischen Partiephase noch über 5 Minuten verfügte:


Hier konnte Schwarz 33...Txc7 spielen. Nach 34.Txb2 Dxb2 sammelt Weiß mit 35.Dxf4 den Springer und und das Material steht gleich. Schwarz kann die Variante zwar verbessern, indem er erst den Springer mit 33...Sxg2! opfert, aber Yu Yangyi griff stattdessen zum fehlerhaften 33.h4?, was mit 34.Dg5! ausgekontert wird. Yu Yangyis 34...Txc7? verschlimmerte dann die Lage nach 35.Txb2:


Schlägt Yu Yangyi den Turm auf b2, dann würde in der oben skizzierten Variante kein Springer mehr auf f4 hängen, aber Weiß hätte 36.Dd8+!, was den Turm auf c7 gewinnt. Hier hätte Yu Yangyi bereits aufgeben können, aber in so einer wichtigen Partie tut man das natürlich nicht. Er spielte weiter mit 35…Dxg5 36.Sxg5, aber mit Qualität weniger ist der Drops gelutscht, weil die weißen Figuren so gut positioniert sind, dass es niemals gut ausgehen kann für Schwarz. Die Aufgabe kam dann im 43. Zug.

Howard Staunton: Der mutige Drache des karierten Brettes verdient höchste Anerkennung dafür, dass er diesen Kampf mit äußerster Weitsicht, fundiertem Urteilsvermögen und Sorgfalt im Detail geführt hat.

Ding Liren steht damit nicht nur im World Cup Finale, sondern auch im Kandidatenturnier, welches in Jekaterinenburg in der zweiten Märzhälfte 2020 stattfinden wird. Der Gewinner des Turniers mit 8 Spielern wird gegen Magnus Carlsen um die Weltmeisterschaft später in 2020 spielen. Die bisherigen Kandidaten sind:

  1. Fabiano Caruana (Verlierer des WM-Kampfs 2018)
  2. Teimour Radjabov (World Cup Finalist)
  3. Ding Liren (World Cup Finalist)

Die verbliebenen Spielern werden sein:

  • 1 Sieger des FIDE Grand Swiss
  • 2 von der FIDE Grand Prix Serie
  • 1 durch Elo-Rating – bis vor Kurzem war das noch Ding Liren, der mit seinem prognostiziertem Durchschnittsrating von 2807 für 2018 sicher im Sattel saß. Doch nun führt Anish Giri mit 2783 vor Maxime Vachier-Lagrave mit 2776. Das sieht auf den ersten Blick nicht nach viel aus, ist aber absolut signifikant:

Martin Bennedik: Anish Giri führt mit 6 Punkten vor MVL im Durchschnittsrating. Es gibt noch drei weitere Elo-Listen, weshalb MVL 25 Punkte in der Novemberliste auf Giri gutmachen müsste, um ihn zu überholen.

Martin Bennedik: Korrektur: Die FIDE hat bestätigt, dass der World für die November-Liste gewertet wird. Das bedeutet, Anish Giri hat 7 Punkte Vorsprung im Durchschnittsrating und MVL müsste 27 Punkte auf Giri in der Novemberliste gutmachen zusätzlich zu seinen 8 Punkten vom World Cup.

Und ein Platz wird noch per Wild Card vergeben. Gemäß den Regularien müssen die Organisatoren einen Spieler wählen, der entweder in den Top 10 der Durchschnittsratings vertreten ist oder als bester Nichtqualifikant beim Grand Swiss, dem Grand Prix oder... dem World Cup abgeschlossen hat. Ein letzter Hoffnungsschimmer bleibt also für MVL und Yu Yangyi in den nächsten vier Tagen im kalten Khanty-Mansiysk. Zudem geht es um einen Unterschied von 10.000 Dollar zwischen Platz 3 (60.000 Dollar) und Platz 4 (50.000 Dollar). Für Ding Liren und Teimour Radjabov wird es eher darum gehen, eines der schwierigsten zu gewinnenden Turniere zu gewinnen, die es in der Schachwelt gibt. Hinzu kommen 80.000 Dollar für Platz 2 bzw. 110.000 Dollar für Platz 1. Ding fasst das so zusammen:

Zumindest ist es besser, um Platz 1 zu spielen statt um Platz 3.

Die Matches beginnen am Montag und dauern bis Donnerstag. Sollte vor dem Finaltag ein Spieler bereits 2,5 Punkte oder mehr haben, wird die finale Partie nicht gespielt. Und natürlich gibt es möglicherweise auch wieder Tiebreaks, dann aber erst am Freitag! Schau dir hier die Partien an.

Weitere Links:


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