Berichte 03.10.2019 | 09:28von Colin McGourty

FIDE World Cup Finale 3: Radjabov sollte man nicht abschreiben!

Just als es so aussah, als ob Ding Liren den FIDE World Cup gewinnen würde, schlug Radjabov zurück und glich das Match mit einem beeindruckenden technischen Sieg aus. Die chinesische Nr. 1 wunderte sich im Anschluss, wo der rechte Pfad wohl verlassen wurde. Radjabov gab freimütig zu, dass wenn der Gegner in der Eröffnung einen wichtigen Schlüsselzug gekannt hätte, die Partie im Remis versandet wäre. Aber so wie es lief hängt nun das Match am seidenen Faden der letzten klassischen Partie. Yu Yangyi und Maxime Vachier-Lagrave befinden sich in der gleichen Position nach drei Remisen in Folge, auch wenn MVL offenbarte, dass er "in großen Schwierigkeiten" steckte.

Teimour Radjabov gewann eine feine technische Partie gegen die Nr. 3 der Welt | Foto: Kirill Merkuryev, Turnierseite 

Alle Partien des World Cups kannst du hier nachspielen:

Den Live-Kommentar von Anna Rudolf und Evgeny Miroshnichenko kannst du dir hier noch mal anschauen:

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Gerade als es so aussah, als ob der Sieg für Ding zum Greifen nahe wäre... | Foto: Kirill Merkuryev, Turnierseite 

Teimour Radjabov überrascht weiterhin in Khanty-Mansiysk und hat nun mit seiner letzten Weißpartie einen wichtigen Sieg eingefahren. Bereits zuvor gewann er mit Weiß Matchpartien gegen Jeffery Xiong und Maxime Vachier-Lagrave und nun auch gegen den schwer zu schlagenden Ding Liren. Die chinesische Nr. 1 umgibt nicht mehr der Hauch der Unverwundbarkeit, die er während seiner Serie von 100 ungeschlagenen Partien in Folge hatte - er verlor gegen Wesley So und Magnus Carlsen in Kroatien und dann ebenfalls eine Partie gegen Dmitry Andreikin in ihrem Match in China. Aber im Sinquefield Cup und im World Cup ist er nun für 33 Partien in Folge ungeschlagen gewesen. So wie die dritte Partie begann, dachten womöglich Ding als auch einige Zuschauer, dass Teimour sich schon darauf eingestellt hatte, mit Weiß ein schnelles Remis zu erreichen und dann alle Hoffnungen auf die finale Schwarzpartie zu setzen.

Die Eröffnungsphase kannst du mit dem 360-Grad-Blick verfolgen- ändere dazu einfach den Blickwinkel

Teimour wiederholte das Marshall-Gambit der Spanischen Eröffnung, das auf höchstem Level als sehr remisträchtig gilt. Doch im 16. Zug wich Teimour von der wenig ereignisreichen ersten Partie ab. Erst 21.Dxf5 war ein neues Zug und nach dem forcierten 21...Lxf5 und Teimours 22.Se4 haben wir wohl bereits die kritische Stellung der Partie erreicht:


Diese Idee hat Radjabov vorbereitet und er meinte dazu ehrlicherweise:

Natürlich ist es ein Remis - wenn du noch einen Zug kennst, der sehr wichtig ist, nämlich 22...c5, dann macht Schwarz schlicht Remis. Die Varianten sind nicht so einfach, aber der Zug remisiert praktisch auf der Stelle. Ich hoffte einfach, dass er ...c5 nicht kennt, denn dann ist die Stellung trickreich.

Alle Augen sind auf Radjabov-Ding Liren gerichtet | Foto: Kirill Merkuryev, Turnierseite 

Der Spielraum zwischen Lob für eine großartige Partie oder Kritik wegen mangelnden Kampfgeists ist nicht groß, und Radjabov merkte an, dass, wenn Ding den ...c5-Zug gekannt hätte, "jeder sagen würde, "warum hast du dich für diese Variante entschieden, obwohl sie ein forciertes Remis ist"? Zum Glück für Teimour und die Zuschauer kannte Ding den Zug jedoch nicht und verbrauchte 29 Minuten für 22...Bf8!? In geringer Tiefe hat der Computer gegen diesen Zug nichts einzuwenden, aber die Partie ging mit 23.Sc5 Sb4 24.Te5 g6 25.axb5 cxb5 weiter:


26.Se6! war ein taktischer Schlag, den Ding zwar gesehen hatte. Doch entging ihm ein "wichtiges Detail", wie er sagte. Weiß konnte zuerst die Bauern auf b5 tauschen, wonach der a-Bauer auf der a-Linie verwundbar bleibt. Doch scheint Schwarz auf den ersten Blick nach 26…Lxe6 27.Txe6 fxe6 28.Lxe6+ Kh7 29.Lxc8 immer noch in Ordnung zu stehen:


Hier dachte Ding noch einmal 17 Minuten lang nach, was verständlich war, denn er stand vor einer wichtigen Weggabelung. Sein Problem war allerdings, dass er zwischen Pest und Cholera zu wählen hatte:

Nach Lc8 kann ich entweder ...Txc8 oder ...Sc2 spielen, aber nach beiden Zügen habe ich eine schwierige Verteidigung vor mir.

Die Computer als auch Radjabov, der diese Stellung bereits zuvor mit dem Computer vorbereitet hatte, empfehlen 29...Sc2 als bedeutend besser, aber Ding spielte 29…Txc8 30.cxb4 Tc4. Nach 31.Lf6! gibt es keinen leichten Weg, die Stellung zum Remis abzuwickeln. Die besten praktischen Chancen hätte wohl der Abtausch der Läufer innerhalb der nächsten Züge geboten, um in ein Turmendspiel abzutauschen, selbst wenn einige dieser Turmendspiele womöglich objektiv verloren für Schwarz sein mögen.

Radjabov sagte, dass er überrascht war, wie leicht er seinen König ins Zentrum bringen und die Partie gewinnen konnte. Dings Schicksal war mit Zug 44 besiegelt:


44.Ld6! schneidet den schwarzen Turm vom Königsflügel ab. Was bleibt, ist eine letzte Falle. Hätte Radjabov nach 44…gxf5+ 45.Kxf5 Lg7 nun 46.Kg6?? gespielt, hätte sich das Blatt nach 46...Lf8! gewendet, weil der Läufer verloren geht. "Doch selbst nach all der Erschöpfung sehe ich solche Tricks noch!" meinte der Sieger im Anschlussinterview.

chess24: Teimour Radjabov schlägt Ding Liren und gleicht den Stand im Finalmatch aus - nun ist keiner der 128 Spieler des World Cups mehr unbesiegt!

46.Kg5! und die Partie war vorbei.

Damit haben beim FIDE World Cup in Khanty-Mansiysk alle der 128 startenen Spieler mindestens eine Partie verloren, auch wenn die Niederlage Ding anscheinend nicht allzu sehr wurmte:

Teimour Radjabov zeigt bei allem Gerede, das Turnier einfach hinter sich bringen zu wollen, und bei der allgemeinen mangelnden Motivation, Schach zu spielen, weiterhin die Fähigkeit, die ihn zu einem Superstar machte, als er vor fast zwei Jahrzehnten zum ersten Mal die Weltbühne betrat. Hier spricht er über seinen Sieg:

Das Spiel um den dritten Platz begann mit drei Unentschieden, aber in der dritten Partie kam Yu Yangyi dem Sieg nahe. Er entschied sich für einen seltenen d5-Vorstoß gegen MVLs Grünfeldindische Verteidigung, wobei die französische Nummer 1 ihrem Stil treu blieb, indem Maxime mit maximaler Aggression konterte, unter anderem mit dem Zug ...f7-f5.

"Noch einmal alles geben" so formulierte es Maxime vor der letzten klassischen Partie | Foto: Kirill Merkuryev, Turnierseite 

Es scheint so, als ob er alle seine Hoffnung in die Stellung nach 20…Qf6 gesetzt hätte:


Schwarz hat gleiches Material und entwickelt seine letzte Figur mit Tempo. Alles scheint also normal zu sein, doch Maxime meinte dazu: "Ich hatte das Gefühl, in großen Schwierigkeiten zu sein - ich unterschätzte, wie gefährlich die Stellung ist."

Er erwartete lediglich 21.Td2, wonach er dank 21...Se4! in Ordnung stehen sollte. Aber als 21.Te2! auf dem Brett erschien, realisierte der Franzose erst, dass sein beabsichtigtes 21…b6 22.Qb4 gefolgt von einem Turmzug ihn nach Sd5 in Schwierigkeiten stürzen würde. Der Druck wurde größer, doch plötzlich verschwand er ein paar Züge später nach Yu Yangyis 25.Td1 - ein Zug, den beide Spieler kritisierten:


Stattdessen hätte Yu Yangyi zu 25.Da3! greifen sollen, worauf Maxime hinwies: "Ich wusste gar nicht, wie ich danach weiterspielen soll. Vielleicht stehe ich dann einfach auf Verlust." In der Partie konnte der Franzose seine Probleme mit 25...Tc1! lösen, was die weiße Grundreihenschwäche ausnutzt. Nach 26.Tee1 ging die Partie stilecht weiter mit 26…S! 27.Db4 Txd1 28.Txd1 Db2! und bald endete die Partie im Remis, auch wenn Yu Yangyi die Damen nicht so schnell hätte tauschen müssen, wie er es tat. 

Im Anschluss sprachen die Spieler noch über die Partie:

Damit bleibt nur noch eine Runde klassischen Schachs im Marathon von Khanty-Mansiysk. Die Ziellinie ist also in Reichweite! Maxime Vachier-Lagrave fasste es zusammen mit den Worten "Noch einmal alles geben". Doch wenn wir am heutigen Donnerstag keine entschiedenen Partien sehen werden, wird es am Freitag mit einem Stechen weitergehen. Schalte ein und verpasse keine Action - live hier ab 12:00 Uhr auf chess24.

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