Berichte 02.10.2019 | 09:45von Colin McGourty

FIDE World Cup Finale, 2: Ding Liren siegt

Zum 70. Jahrestag der Volksrepublik China besiegte Ding Liren beim FIDE World Cup 2019 Teimour Radjabov und machte einen Riesenschritt in Richtung Gesamtsieg. Der Aseri meinte, “Ich wollte heute nichts Langweiliges spielen”, doch in diesem Fall galt das chinesische Sprichwort “Sei vorsichtig mit deinen Wünschen“. Schon am Mittwoch kann Ding das Match entscheiden, während bei MVL-Yu Yangyi nach dem zweiten, erneut recht ereignislosen Remis auf jeden Fall alle vier Partien ausgetragen werden.

Ding Liren fehlen noch zwei Remis oder ein Sieg, um als erster Chinese den World Cup zu gewinnen | Foto: Kirill Merkuryev, Turnierseite 

Alle Partien des FIDE World Cup 2019 in Khanty-Mansiysk könnt ihr hier nachspielen:

Und hier die Bilder von der Live-Übertragung mit Evgeny Miroshnichenko und Anna Rudolf:

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Vor zwei Jahren endeten beim Weltcup-Finale alle Turnierpartien remis, aber Ding Liren stand als Weißer in der zweiten Partie auf Verlust und in der vierten Partie klar schlechter. Bei verkürzter Bedenkzeit schlug Levon Aronian dann aber zu und gewann beide Schnellpartien. Seit dieser Zeit ist der Chinese noch stabiler geworden und es erweckt den Eindruck, dass er selbst in der verrückten Partie gegen Alexander Grischuk nicht ein einziges Mal die Kontrolle über die Stellung verloren hat.

Die zweite Partie Ding Liren-Radjabov war ein echter Kampf | Foto: Kirill Merkuryev, Turnierseite

Nachdem er eine Partie gewinnen konnte, in der beide Spieler die “Arbeitsverweigerung” des Vortags vergessen machen wollten, ist er der einzige Spieler in Khanty-Mansiysk, der noch keine Partie verloren hat. Ding Liren meinte, die Feierlichkeiten zum chinesischen Nationalfeiertag hätten ihn “etwas ambitionierter” gemacht, während Teimour Radjabov, wie bereits erwähnt, “nicht wieder etwas Langweiliges” spielen wollte. Er reagierte auf Englisch mit der Mikenas-Carls-Variante, 1.c4 Sf6 2.Sc3 e6 3.e4 c5, und Ding Liren nahm mit 4.e5 Sg8 die Herausforderung an:


Mit derartigem Schach machte Teimour Radjabov seinerzeit in der Schachszene Furore, als er mit 15 Jahren mit Schwarz Garry Kasparov schlug. In dieser Partie hatte Schwarz allerdings wenig Spaß, und nach 15.0-0-0 war Radjabov bereits aus dem Buch, obwohl diese Stellung schon mehrfach aufs Brett gekommen war, wie etwa 1991 im Kandidatenmatch zwischen Viktor Korchnoi und Jan Timman:


In dieser Partie folgte 15…Dxc5 16.Lxc5, worauf Schwarz direkt seinen Mehrbauern mit 16…d6 zurückgab. Hinterher waren sich beide Spieler einig, dass das die bessere Variante gewesen wäre, aber Radjabov entschied sich für das sofortige 15…d6!?. Dings Kommentar:

Vielleicht war d6 zu ambitioniert – er möchte den Bauern behalten, aber es stellte sich heraus, dass ich mehr als genug Kompensation habe.

In der Folge gewann Ding erst am Königsflügel Raum, machte dann einige Abwartezüge und stand schließlich nach Radjabovs 23.Zug bereits auf Gewinn:


Radjabov spielte 23…e5?!, und nach dem natürlichen 24.Sd5! Lf5+ 25.Ka1 De6 öffnete Weiß mit 26.gxf6! die g-Linie und machte sich diese den Rest der Partie zunutze. Die Stellung war allerdings schon äußerst schwierig für Schwarz, und Ding meinte zu dem Zug, “Ja, ich war überrascht, aber ich habe auch gesehen, dass er keinen anderen Zug als e5 hatte“. Die einzige Chance für Schwarz scheint aber 23…fxg5! 24.hxg5 und erst dann 24…e5! zu sein, wonach Weiß nicht die offene g-Linie bekommt.

Ding Liren im Rampenlicht | Foto: Kirill Merkuryev, Turnierseite

Es wurde noch schlimmer für Schwarz, als Ding mit 29.Se3! einen Zug spielte, auf den er hinterher stolz war:


Ich war sehr froh, dass ich diese Idee, meine Figuren umzugruppieren, gefunden habe, da mein Läufer nach d5 kommt und seine Figuren hängen.

Ding bezeichnete die Antwort 29…Sd4?! als Verlustzug, doch andere Züge hätten auch nicht mehr geholfen. Es sagt alles aus, dass das Qualitätsopfer 29…Txg2 zu den bevorzugten Zügen des Computers zählt.

In der Folge ging es für Weiß nur noch um die Verwertung des Vorteils und die Art und Weise, wie die Nummer 3 der Welt dies umsetzte, war beeindruckend. 34.Db6! ist ein gutes Beispiel für das fehlerlose Spiel von Ding:


Es gab viele weitere starke Züge, aber wie Evgeny Miroshnichenko in der Live-Übertragung herausstellte, muss man nicht einen Punkt angreifen, wenn man auch vier angreifen kann!  Am Ende trieb Ding im Stile Alpha-Zeros seinen h-Bauern nach vorn, als Radjabov die Bedenkzeit ausging:


39…Sxh6 scheitert nun an 40.Te1!, wonach 40…Dxe1 41.Dxf6# natürlich zum Matt führt. Nach 39…Se3 wollte Ding ursprünglich den Gewinnzug 40.Lc6 ausführen, entdeckte dann aber die “sehr schöne Stellung” nach 40.Te1! Radjabov gab auf, da er das Matt nur mit großen Materialeinbußen verhindern kann.

Radjabov räumte ein, dass er überspielt worden war:

Er spielte sehr stark, und da ich in der Eröffnung nicht gut gespielt habe, ist das Ergebnis folgerichtig.

Er war aber weiterhin philosophisch:

Ich bin damit natürlich nicht glücklich, aber irgendwann im Turnier musste so etwas passieren. Psychologisch gesehen, war ich auf dieses Resultat von der ersten bis zur letzten Runde vorbereitet, denn es kann alles passieren und man kann jederzeit verlieren … Das kommt vor, es ist normal, und gehört zum Leben eines Schachspielers dazu!

Mehr über die Partie erfahrt ihr in Ding Lirens Post-mortem-Analyse:

Die andere Partie kam nie richtig in Schwung, obwohl es keinen Grund gibt, die Kampfeslust der beiden Spieler anzuzweifeln. Yu Yangyi spielte Russisch und wiederholte eine Variante, die er zuletzt gegen Wei Yi in Danzhou gespielt hatte. Wei Yi probierte damals 11.h4, aber Maxime Vachier-Lagrave entschied sich für das bescheidenere 11.The1. MVL meinte, er habe den gegnerischen Läuferrückzug einige Züge später unterschätzt, wobei der entscheidende Moment der Partie vermutlich erst nach 19…Te8 kam:


Beide Spieler merkten an, dass Weiß gern 20.Txe8 Dxe8 21.f5 spielen würde, sahen aber auch, dass danach nichts droht, da Weiß nach Schlagen auf g6 nicht den Springer f6 gewinnt. Schlägt er zweimal auf f6, läuft er in das Grundlinienmatt Dxe1#!

Yu Yangyi und MVL haben die Hälfte des ungeliebten Matches um den dritten Platz absolviert | Foto: Kirill Merkuryev, Turnierseite

Nach 20.Lh4 versandete die Partie schnell im Remis, und die Spieler äußerten sich hinterher so dazu:

Damit könnte der FIDE World Cup 2019 bereits heute entschieden werden, wenn Ding Liren mit den schwarzen Steinen die dritte Partie gewinnt. Das ist nun etwas wahrscheinlicher, da Radjabov auf jeden Fall eine der beiden verbliebenen Partie gewinnen muss. Seid wieder live dabei, wenn wir auf chess24 ab 12:00 Uhr das Finale übertragen.

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