Berichte 01.10.2019 | 08:39von Colin McGourty

FIDE World Cup Finale, 1: Ein normaler Tag

“Ich habe zwar eine Variante vorbereitet, doch dann gefiel sie mir kurz vor der Partie nicht mehr und ich habe mich entschieden, früh Feierabend zu machen – ein ganz normaler Tag für mich also!“ So lautete Teimour Radjabovs Auskunft, nachdem er zunächst die ersten 26 Züge seines Duells mit Ding Liren vom diesjährigen Shamkir Chess wiederholt, dann eine harmlose Neuerung gebracht und wenig später Remis gemacht hatte. Beim Spiel um den dritten Platz brachte Yu Yangyi gegen Maxime Vachier-Lagrave einen interessanten neuen Zug aufs Brett, der den Franzosen aber nicht sonderlich beeindruckte. MVL bezeichnete das entstehende Endspiel als „unangenehm“, hatte aber alle Zeit der Welt, um den Remishafen sicher zu erreichen.

Die beiden Finaltische | Foto: Kirill Merkuryev, Turnierseite

Alle Partien des FIDE World Cup 2019 in Khanty-Mansisk könnt ihr hier nachspielen:

Und hier die Bilder von der Live-Übertragung mit Evgeny Miroshnichenko und Anna Rudolf:

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Die letzte Woche des Weltcup verläuft fast ein wenig paradox, denn nach all den dramatischen Stichkämpfen zuvor und der bereits vollzogenen Qualifikation für das Kandidatenturnier werden nun noch zwei Matches mit vier Partien ausgetragen. Das kann durchaus auch spannend werden, wie das Finale 2015 zwischen Karjakin-Svidler gezeigt hat, aber dennoch wird man das Gefühl nicht los, dass die Spieler, nachdem sie schon Monate im Einsatz waren, nun ihre Ruhe wollen. Das gilt erst recht für das Match um den dritten Platz, dessen Sieger sich in diesem Jahr nur sehr unwahrscheinlich für das Kandidatenturnier qualifizieren wird.

Der Siegerpokal, um den es geht | Foto: Kirill Merkuryev, Turnierseite

Selbst unter diesen Vorzeichen handelte es sich bei der ersten Finalpartie zwischen Radjabov-Ding Liren aber um magere Kost. Teimour Radjabov hat mit Weiß in Khanty-Mansiysk einige tolle Partien gezeigt und allein vier Turnierpartien gewonnen, aber dieses Mal wiederholte er eine Variante im Marshall-Gambit, die er in diesem Jahr bereits beim Gashimov Memorial in Shamkir  gegen Ding Liren gespielt hatte. Wann würde er abweichen? Wie sich herausstellte, erst im 27.Zug, als die Stellung schon nichts mehr hergab:

Ding Liren überlegte neun Minuten, ehe er 27…Te2! zog, doch die restlichen Züge wurden von den Spielern aufs Brett geblitzt.

Radjabov erklärte seine Sicht der Dinge hinterher so:

Die Variante ist gut, denn als ich sie zum ersten Mal in Wijk aan Zee gegen Aronian gespielt, musste er ganz schön leiden. Gegen Ding habe ich die Variante in Shamkir zum zweiten Mal aufs Brett gebracht, und damals dachte er [nach 27.f3] ungefähr eine Stunde nach, wie er weiterspielen muss. Vor der heutigen Partie hatte ich einige Tage Zeit und hatte auch eine Variante vorbereitet, doch dann gefiel sie mir kurz vor der Partie nicht mehr und ich habe mich entschieden, früh Feierabend zu machen – ein ganz normaler Tag für mich also!

Ding Liren bezeichnete 27.a4 als “nicht so starke Neuerung” und wandte sich dann gedanklich dem heutigen chinesischen Nationalfeiertag zu.

Der andere Chinese, Yu Yangyi, überraschte ein wenig mit dem Statement, “Ich spiele sehr gern Schach, ich möchte gern noch mehr spielen – ich genieße Schach!” Er versuchte es mit der Neuerung 15.e5!? gegen eine Grünfeld-Variante, die Maxime Vachier-Lagrave bereits dreimal auf dem Brett hatte:


Nach nur zwei Minuten spielte der Franzose jedoch 15…Sg4, und erst nach 25 Zügen nahmen die beiden Spieler erstmals das Tempo raus. 

Eteri Kublashvili interviewt Maxime Vachier-Lagrave und Yu Yangyi | Foto: Kirill Merkuryev, Turnierseite

Yu Yangyi gab zu, dass er etwas vergessen hatte, als er länger über 26.The1 nachdachte:


Angesichts des materiellen Ungleichgewichts war die Partie unabhängig von den Computerbewertungen keineswegs totremis, und MVL räumte ein, dass die Stellung „ein wenig unangenehm“ war. Es gab aber einen Silberstreif am Horizont: 

Das Gute war, dass ich 25 Züge in fünf Minuten gemacht habe und dann für die restlichen 15 Züge sehr viel Zeit übrig hatte und alle Probleme umschiffen konnte.  

Nach 26…Lf7 27.c4 Lxc4 verschwanden die restlichen Damenflügelbauern vom Brett und das Remis war unterschriftsreif:

Hinterher fragte Eteri Kublashvili MVL, ob er wegen seiner Halbfinalniederlage sauer sei:

Natürlich, aber gleichzeitig war sie hochverdient, und ich konnte in meinem Kummer zwei Tage ausruhen und an alles Mögliche außer Schach denken!

MVL und Ding Liren haben nun den Vorteil, dass sie noch zweimal Weiß haben. Können die höher eingestuften Spieler das ausnutzen oder wird es am Freitag wieder Stichkämpfe geben?

Auch heute könnt ihr wieder ab 12 Uhr live auf chess24 dabei sein.

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