Berichte 22.09.2019 | 11:53von Colin McGourty

FIDE World Cup 4.2: So, Svidler & Nepo sind raus

Wesley So und Peter Svidler sind beide aus dem World Cup 2019 ausgeschieden, nachdem sie es nicht geschafft haben, ihre Matches gegen Nikita Vitiugov und Maxime Vachier-Lagrave auszugleichen. Die Überraschung der Runde hingegen war, dass die Nr. 5 der Setzliste, Ian Nepomniachtchi, ebenfalls nach Hause fahren muss, nachdem er gegen Yu Yangyi knapp am Sieg vorbeischrammte. Jeffery Xiong und Leinier Dominguez schafften ihre zwingend benötigten Siege gegen Jan-Krzysztof Duda (nach einer seltsamen Eröffnungswahl des Polen) und Alexander Grischuk (durch die Folgen Grischuks klassischer Zeitnot)! Das bedeutet, dass wir heute fünf Tiebreaks sehen werden.

Nikita Vitiugov machte keine Fehler und warf So aus dem Wettbewerb | Foto: Kirill Merkuryev, Turnierseite

Hier kannst du die Partien des World Cups nachspielen:

Und hier kannst du dir den Live-Kommentar von Jan und Lawrence noch einmal anhören:

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Jan erklärte die Promos, nachdem er zuerst die Beziehung von Lawrence Trent zu Elefanten geklärt hatte:

So and Svidler schaffen den Ausgleich nicht

In der vorherigen Runde hatten sieben Spieler nach dem ersten Tag des klassischen Schachs auf Abruf gewinnen müssen, aber keiner hatte es geschafft. Diesmal sahen wir auch ein paar Starspieler nichts aus der Eröffnung erreichen, wobei Nikita Vitiugov nicht ganz klar war, was Wesley So mit seiner Eröffnungswahl bezwecken wollte:

Ich dachte, dass er Chancen auf eine umkämpfte Partie hatte, was für ihn doch zwingend nötig war. Doch stattdessen wählte er ein leicht schlechteres Endspiel.

Nach 30 Zügen war die Stellung kaum mehr zu gewinnen und nachdem Nikita bereits Sergey Karjakin ausgeschaltet hatte, warf er nun auch noch Wesley So aus dem Wettbewerb.

Maxime Vachier-Lagrave muss nun nur noch zwei Matches gewinnen, um sich für sein allererstes Kandidatenturnier zu qualifizieren | Foto: Kirill Merkuryev, Turnierseite

Peter Svidler spielte 6.Sb3 gegen Maxime Vachier-Lagraves Najdorf und bereits einen Zug später stand eine Stellung auf dem Brett, die nie zuvor erreicht wurde. Kurzfristig sah es sehr vielsprechend aus für Weiß, der einen Bauern gewann, doch damit auch gleichzeitig Vereinfachungen zulassen musste. Peter schlug dann ein Remis durch Zugwiederholung aus, weil das die Niederlage im Match bedeutet hätte. Doch nach 31 Zügen musste auch sein Extra-c-Bauer dran glauben.

chess24: MVL ist der erste Spieler, der sich für das Viertelfinale des 2019er World Cups qualifiziert, nachdem er Peter Svidler zum zweiten Mal in Folge aus dem World Cup wirft.

Xiong und Dominguez zeigen, dass Comebacks möglich sind!

Jeffery Xiong zeigte wieder einmal Nerven aus Stahl und erzwang den Tiebreak | Foto: Kirill Merkuryev, Turnierseite

Ein Sieg auf Abruf ist jedoch nicht unmöglich, wie die beiden verbleibenden Spieler bewiesen. Der 18-jährige US-Großmeister Jeffery Xiong hatte bereits in der Runde zuvor seinen Kampfgeist gegen Anish Giri unter Beweis gestellt und schlug den 21-jährigen Polen Jan-Krzysztof Duda auf die ganz, ganz sanfte Weise. Er bekam viel Hilfe, da Jan-Krzysztof sich entschied, mit dem Feuer zu spielen, indem er eine Variante des Läuferspiels wiederholte, die er in der ersten Partie gegen Svidler im Rigaer FIDE Grand Prix bereits probiert hatte:


Zu diesem Zeitpunkt hatte Duda 25 Minuten damit verbracht, lediglich seine Züge gegen Svidler zu wiederholen, und die 7 Minuten, die er in 10...e4 investierte, deuten darauf hin, dass er das Schlimmste befürchtete: Einerseits in Xiongs Vorbereitung gelaufen zu sein und andererseits die Variante nach der Partie gegen Svidler nicht tiefgründig aufgearbeitet zu haben. Dort hatte sich Peter für 11.Sh4 entschieden, während sich Xiong diesesmal wenig überraschend für die computergeprüfte Alternative 11.Se5 entschied. Xiong gestand im Anschluss an die Partie:

Es war eine tolle Eröffnungswahl und -Idee von meinem Trainer und Sekundanten. Die erste 15, 16 Züge hatten wir denke ich vorbereitet und als er davon abwich, steht er auch sofort schlecht.

Als dann 17…Sfd7?! 18.h4! auf dem Brett stand, war Schwarz bereits in großen Schwierigkeiten, denn 20.Df4! betonte die weiße Überlegenheit noch weiter:


Es sieht kontraintuitiv aus, einen Damentausch anzubieten, wenn Weiß gute Aussichten auf einen Königsangriff hat, aber in diesem Fall würde ein Tausch auf f4 den d5-Bauern dreimal angreifen und er könnte nicht mehr verteidigt werden. 20....Tc6?! 21.Dxd6 Txd6 verteidigte zwar d5, aber nach dem energischen 22.Sc5! Tb8 23.23.Te7! fällt die schwarze Stellung auseinander. Xiong verwertete seinen Vorteil in der Folge sauber:


28.Sxd5! Schachengines mögen den Zug zunächst nicht, aber nach 28…Txd5 29.Td1! Ke6 wäre Schwarz auf ewig gefesselt und Weiß würde leicht gewinnen. Stattdessen probierte Duda noch 28…Kg6, doch kam das im Prinzip der Aufgabe gleich. Nach 41 Zügen war die Partie dann auch zu Gunsten Xiongs vorbei.

Und das sagt Xiong zu seinem Comeback:

Leinier Dominguez brachte ebenfalls den ersten neuen Zug in einem Italiener gegen Alexander Grischuk aufs Brett, aber die Partie wurde danach alles andere als entspannt. Grischuk riss schnell die Initiative an sich mit den schwarzen Steinen spielend. Doch dann fiel er (nicht zum ersten Mal in seiner Karriere) massiv in Rückstand auf der Uhr. Dominguez erklärt dieses Verhalten wie folgt:

Es ist eine sehr scharfe Stellung, sehr kompliziert, aber es war meine einzige Chance, diese Art von Stellung anzustreben, und natürlich hat Schwarz viele, viele Möglichkeiten. Ich denke, das war eines der Dinge, die Alexander in Zeitnot brachten, und nachdem er 5 Minuten für 25 Züge hatte, war ich ziemlich optimistisch.

Der ewig Kampf ging in die nächste Runde: Grischuk vs. die Uhr | Foto: Kirill Merkuryev, Turnierseite 

Grischuk übersah einen taktischen Trick, hatte dann aber immer noch gute Chance, unter anderem bei Zug 28:


28…h3! wie auch bereits einige Male zuvor in der Partie wäre hier stark für Schwarz gewesen. Aber mit nur noch 2 Minuten gegenüber 18 von Leinier entschied sich Grischuk für den taktischen Schlag 28…Sxg2?. Doch als Dominguez mit dem kaltblütigen 29.Kh1! erwiderte, war klar, dass Schwarz einen hohen Preis für den Bauern gezahlt hatte. Nach 29…Dxd2 30.Tad1 spielte Grischuk aus Verzweiflung 30…Se3?!, aber einen wirklichen Trick dabei gab es nicht. Nach 31.fxe3 musste Dominguez nur noch den Mattangriff über die f- und g-Linie führen. Als Grischuks Zeitnot vorüber gab, gab er im 41. Zug auf, da das Matt nicht mehr zu verhindern war.

chess24: Leinier Dominguez schlägt zurück und erreicht das Stechen, nachdem sich Alexander Grischuk in Zeitnot selbst umgebracht hat!

Grischuk-Dominguez ist wieder so ein Stechen, bei dem man keinen klaren Favoriten ausmachen kann:

Nepomniachtchi rast der Niederlage entgegen

Nie Nr. 5 der Setzliste Ian Nepomniachtchi spielte mit seiner üblichen Geschwindigkeit gegen Yu Yangyi, aber manchmal sah es so aus, als hätte er einen Todeswunsch oder zumindest einen "Wunsch nach Ruhe":

Ian Nepomniachtchi: Ein wenig traurig darüber, aus dem World Cup auszuscheiden, obwohl ich beinahe gewonnene Stellungen in beiden Partien hatte. Aber das macht das KO-System aus. Endlich ein wenig Ruhe für mich.

Yu Yangyi gab zu, dass er in der ersten Partie in Gefahr schwebte, und dann vergaß er in der zweiten Partie seine Analysen einer scharfen Variante im Grünfeldinder. Schwarz war zwei Bauern im Vorteil und traf eine logische, aber fehlerhafte Entscheidung im 20. Zug:


Der Abtausch der Damen mit 20…Da4?! sieht natürlich aus, aber es scheint so, als ob Nepo noch weiter an sehen Bauern hätte kleben können und mit 20...Dc4 gute Gewinnchancen gehabt hätte!

Yu Yangyi stellte sicher, dass es zumindest ein Chinese unter die letzten 8 schafft | Foto: Kirill Merkuryev, Turnierseite

Stattdessen geschah 21.Dxa4 Lxa4 22.Lxc5 und die Stellung ist ungefähr ausgeglichen, aber nach ein paar unbedachten Zügen stand Nepo plötzlich in Folge von 27.f5! auf verlorenem Posten:


27…gxf5 28.Lxf5+! Txf5 29.Txe7! und Schwarz müsste den Turm aufgeben, um Matt zu verhindern. In der Partie kam 27…g5 und Yu Yangyi konnte zwischen mehreren guten Gewinnmöglichkeiten pro Zug wählen. Das kostete Zeit, aber die chinesische Nr. 2 ließ trotz Zeitnot auch im kritischen Moment nichts mehr anbrennen, auch wenn das vielleicht nicht die sauberste Lösung gewesen sein mag:


36.Th8+! Kxh8 37.fxg7+ Kxg7 38.Lxg4 und Weiß hatte einen Läufer mehr und würde zwei Züge später die Zeitkontrolle erreichen. Als er das schaffte, brachte Yu Yangyi den Punkt auch fix nach Hause.

Noch drei weitere Stechen

Die restlichen drei Matches endeten in zwei Unentschieden, wobei Teimour Radjabov und Shakhriyar Mamedyarov niemanden mit dem schnellsten Remis des Tages überraschen konnten. Die größte Spannung lag darin, ob sie durch 3-fache Wiederholung der Stellung oder durch ein Remisangebot mit Zug 30 den Friedensschluss herbeigeführt hatten - denn beides passierte gleichzeitig! Wenn die Art und Weise, wie die klassischen Spiele endeten, im Voraus entschieden wurde, könnte man meinen, dass die aserbaidschanischen Spieler beschlossen haben, nur im Tiebreak zu kämpfen, so dass der Gewinner für den Rest des Turniers ausgeruht ist.

Das graue Hemd bedeutet, dass Levon seine ausgefallenere Garderobe für die Tiebreaks aufheben wird | Foto: Kirill Merkuryev, Turnierseite

Aronian-Le Quang Liem war ebenfalls ein unspannendes und schnell zu vergessendes Remis, aber Alekseenko-Ding Liren war die längste Partie des Tages. Der 22 Jahre alte Kirill Alekseenko brachte die Nr. 1 der Setzliste nah an den Rand der Niederlage, nachdem er eine Variante wiederholte, die bereits in Anand-Ding Liren beim diesjährigen Norway Chess Turnier diskutiert wurde.


Beim Norway Chess spielte Ding 15...d5, doch hier dachte er 8 Minuten lang nach und spielte dann das direktere 15…Lxe1. Die Kuriosität war, dass die Partie, obwohl sie sich ganz unterschiedlich entwickelten, in der gleichen Situation endeten, in der Ding sich in einem schwierigen Endspiel mit einem Turm gegen einen Läufer und einen Springer verteidigen musste. Vielleicht hat die Erfahrung - in Norwegen spielten sie 107 Züge, wobei Vishy am Ende tatsächlich sogar noch zur präzisen Verteidigung gezwungen war - der chinesischen Nr. 1 geholfen, wieder das Remis zu retten. Dieses Mal schaffte er das bereits nach 60 Zügen.

Kirill Alekseenko bleibt der einzige Spieler im Wettbewerb mit einer Elo unterhalb von 2700 | Foto: Kirill Merkuryev, Turnierseite

Drei Spieler stehen also bereits im Viertelfinale, unter anderem mit der überraschenden Paarung Vitiugov gegen Yu Yangyi. Die restlichen 10 Spieler kämpfen heute um das Ticket zum Viertelfinale. Verpasse auf keinen Fall die Action, ab 12:00 Uhr geht es los!

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