Berichte 21.09.2019 | 17:09von Colin McGourty

FIDE World Cup 4.1: Kein guter Tag für die USA

Die US-Stars Wesley So, Jeffery Xiong und Leinier Dominguez müssen am heutigen Samstag allesamt gewinnen, ansonsten scheiden sie aus dem FIDE World Cup 2019 aus. Obwohl der Tag ruhig begann, gewannen die Weißspieler am Ende vier Partien. Nikita Vitiugov überspielte So in einer positionellen Partie, Xiong ging in Flammen unter nach einem brillanten Durchbruch von Jan-Krzysztof Duda und Leinier Dominguez brach unter Alexander Grischuks Druck in einem trickreichen Endspiel zusammen. Peter Svidler ist der letzte der Spieler, der nun einen Sieg braucht, nachdem er eine schwierige Partie gegen Maxime Vachier-Lagrave verlor.

Der 18 Jahre alte Jeffery Xiong, der Held der letzten Runde, wurde kalt von einem brillanten Bauernopfer Dudas erwischt | Foto: Kirill Merkuryev, Turnierseite

Alle Partien des World Cups kannst du hier nachspielen:

Und hier kannst du dir den Live-Kommentar des Tages anschauen:

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Die Ruhe vor dem Sturm

Als die vierte Runde begann, schien es, als ob die Spieler die Notwendigkeit eines weiteren Ruhetages verspürten oder zumindest nicht bereit waren, Risiken einzugehen, da es um einen Platz im Viertelfinale des World Cups ging. Aronian-Le Quang Liem war ein Spanier, bei dem die Spieler rasant eine Stellung anstrebten, in der die meisten Figuren bereits abgetauscht waren. Sie verbrauchten nicht wirklich viel Bedenkzeit und die Partie endete nach 31 Zügen mit einem Remis.

Levon Aronian hatte weder ein extravagantes Hemd an noch spielte er extravagante Züge. Stattdessen nahm er mit Schwarz ein lockeres Remis mit | Foto: Kirill Merkuryev, Turnierseite

Die eigentliche Überraschung war, dass die Begegnung Mamedyarov-Radjabov länger dauerte, zumindest in Bezug auf die verbrauchte Zeit. Auch wenn der Ausgang der 5.Te1-Variante der Berliner Verteidigung unausweichlich schien, beendeten die Spieler die Partie durch eine Zugwiederholung mit Zug 25. Die Nr. 1 und 2 Aserbaidschans sind bekannt dafür, dass Partien zwischen ihnen Remis enden. Doch dieses Match muss irgendwann einen Sieger haben, spätestens im Armageddon würde Schwarz ein Remis zum Sieg reichen!

Ding Liren konnte gegen den 22 Jahre alten Kirill Alekseenko nicht gewinnen | Foto: Kirill Merkuryev, Turnierseite

Die anderen beiden Remispartien waren vollblutige Kämpfe, in denen Ding Liren es nicht schaffte, erst in einem 4 vs. 3 und später in einem 3 vs. 2 Damenendspiel gegen Kirill Aleseenko seinen Vorteil zum Sieg zu verdichten. Die Computer sind der Meinung, dass Ian Nepomniachtchi mögerlicherweise gegen Yu Yangyi einen Bauern gewinnen und damit ernste Frage hätte aufwerfen können. Aber der wie immer schnell spielende Nepo verpasste diese Chance.

Vitiugov, Duda, MVL und Grischuk gehen in Führung

Trotz des bisher so reibungslosen Turniers, das Wesley So bisher bestritt, befindet er sich jetzt in einer Situation, in der er zwingend gewinnen muss. | Foto: Kirill Merkuryev, Turnierseite

Am Ende war es ein Tag, an dem viel Blut vergossen wurde, und der 32-jährige Russe Nikita Vitiugov beeindruckte erneut. In der vorangegangenen Runde hatte er es geschafft, seinen superstarken Landsmann Sergej Karjakin auszuschalten, nachdem Sergej mit Schwarz in eine schwierige Stellung stolperte. Diesesmal machte der wohl noch solider spielende Wesley So nie einen klaren Fehler, sondern wurde in einer Russischen Verteidigung schlicht positionell übergespielt. Die Nr. 4 der Setzliste schienen mit 34....gxf4 echtes Gegenspiel zu bekommen, was die Deckung des e5-Bauern entfernte und die Schleusen zum weißen König öffnete:


Doch Nikita sah keine Gespenster und spielte 35.Da5! Dxe5 36.Tb7!, sodass nach 36…Txb7!? 37.axb7 der b-Bauer die Partie entschied. Der weiße König bewies sich als sicher genug und Nikita machte keinen Fehler, bis er mit Stil gewann, indem er einen Bauern zur Dame umwandelte:

chess24: Nikita Vitiugov macht keinen Fehler und besiegt die Nr. 4 der Setzliste, Wesley So!

60…Lxb8 61.Dc5+ gefolgt vom Matt auf b4 oder b6 beendet die Partie, doch Wesley So gab vorher auf.

Jan-Krzysztof Duda schaut sich die anderen Partien an | Foto: Kirill Merkuryev, Turnierseite

Wenn das ein positionelles Meisterwerk war, könnte man Duda-Xiong eine mustergültige Angriffspartie nennen, auch wenn sie sicherlich nicht komplett fehlerfrei war. In einem Versuch, das Gegenspiel des Gegners zu verhindern, entschied sich Duda für ein Qualitätsopfer, das riskant gewesen wäre, selbst wenn es nicht auf einem Überseher basiert hätte. Denn Jefferey Xiong hatte das starke 19...Tb8! in der Hinterhand:


Duda sagte, er übersah, dass Schwarz nun 20...Ld7 21.Da3 Lb2! droht, was die Dame fängt, sodass er gezwungen war, 20.d4 zu spielen. "Das war nicht die Idee," sagte er, doch nach 20…Lxa5 21.Dxa5 Tb2 (21…Ld5! war ein Zug, den Duda im Anschluss als besser beschrieb) war er auch nicht zu optimistisch, was seine Chancen angeht.: "Ich denke, in der Praxis gibt es immer etwas Spiel für Weiß, egal, was der Computer sagt!"

Tatsächlich wurde die Partie bald zu Gunsten von Weiß gedreht, wobei Jan-Krzysztofs Springer Zugang zu wunderbaren Feldern auf d4, c6 und schließlich e6 erhielt. Dann verwandelte 34...g5? plötzlich eine schwierige Stellung in eine verlorene, als Duda den schönen Durchbruch 35.e5!! fand!

chess24: JK Duda findet einen brillanten Durchbruch!

Hätte er mehr als 4 Minuten auf der Uhr gehabt, hätte Xiong vielleicht die bessere Verteidigung 35...Dh5 gefunden, doch nach 36.exd6 würde er immer noch in argen Schwierigkeiten stecken. Duda bezeichnete die Kombination als "pure Berechnung", und in der Partie folgte 35…dxe5 36.Da7! Dh6 

Olimpiu G. Urcan: Jan-Krzysztof Dudas eleganter, entscheidender Durchbruch gegen Jeffrey Xiong: 35.e5!! dxe5 36.Da7

37.d6! und es gab kein Verteidigung mehr für Schwarz. Auch wenn Duda nach 37…Tc1 38.Txc1 Txc1+ 39.Kg2 g4 40.h4 gxh3+ 41.Kh2 Dg6 immer noch auf der Hut sein musste:


Ein unvorsichtiger Zug wie 42.d7?? würde wegen des Tricks 42...Rh1+ verlieren! 43.Kxh1 Qe4+ und Matt wäre unverhinderlich, aber als Duda 42.Da8+ spielte und die h1-a8-Diagonale deckte, war es Zeit zum Aufgeben.

Das war der vierte Sieg in der vierten Weißpartie für Duda, dessen neues Live-Rating mit 2752,9 nicht nur sein eigener Höchststand ist, sondern sogar den offiziellen Rekord von Radek Wojtaszek übertrifft, was bedeutet, dass Jan-Krzysztof der höchstbewertete polnische Spieler aller Zeiten sein wird, wenn er dieses Niveau in den nächsten Tagen beibehält (es gibt natürlich Raum für Diskussionen darüber, ob er damit der stärkste polnische Spieler aller Zeiten ist, wenn man an Akiba Rubinstein und Miguel Najdorf denkt).


Mit Evgeny Miroshnichenko führt er uns hier durch die Partie:

In den anderen beiden Partien erlebten unsere russischen Freunde Peter Svidler und Alexander Grischuk unterschiedliche Schicksale. 

Du schon wieder! | Foto: Kirill Merkuryev, Turnierseite

In einem klassischen Spanier wich Maxime Vachier-Lagrave mit 8.c3 von der Variante 8.d4 ab, die Liviu-Dieter Nisipeanu noch eine Runde zuvor gegen Peter gespielt hatte. Und hier zögerte der 8-fache Russische Meister bereits ein wenig. Unsere Kommentatoren waren alsbald besorgt um Peters Stellung, da er kurz darauf einem verlorenen Bauern hinterher lief. Der Computer gibt zwar volle Kompensation an und die Bewertung 0.00, doch schaut selbst:


Für einen Menschen macht die Stellung absolut keinen Spaß. Dazu Maxime::

Ich denke, die Eröffnung im Allgemeinen war für mich ein Erfolg, in dem Sinne, dass die Position sehr gut spielbar war. Sie ist sehr nahe am Ausgleich, aber dieser wiederum ist nicht ganz einfach zu erreichen. Peter versuchte, die Dinge zu erzwingen, indem er Bauern tauschte und versuchte, so viel Material wie möglich vom Brett zu nehmen. Aber die Stellung war ziemlich unangenehm, meine Figuren waren aktiver, und so funktionierte die Taktik am Ende für mich. Wir haben dann in eine Stellung abgetauscht, in der ich einen Bauern mehr, aber er Chancen auf ein Remis hat.

Das schwarze Gebäude brach nach 34.g3 zusammen, weil Svidler Dynamit an das Fundament seiner Stellung legte:


34…Dxe4? 35.gxf4 Tc6 und Schwarz mag praktische Chancen gegen den weißen König haben, aber nicht gegen einen brillant rechnenden Maxime. Er verlängerte Peters Leiden nicht unnötig und spielte schnell 36.f5! Dxf5 37.Ld6! und der weiße König ist objektiv gesehen absolut sicher. Noch war etwas Sorgfalt geboten, aber Maxime beendete die Partie sicher, und Svidler gab kurz danach auf.

Wo ging es schief? | Foto: Kirill Merkuryev, Turnierseite

Das sagte Maxime zur Partie:

In der letzten Partie machte Alexander Grischuk mit Weiß lange Druck, doch Leinier Dominguez meisterte den Ritt auf der Rasierklinge für 40 Züge, bevor er einen Fehler beging.

Leinier Dominguez hatte absoluten Grund dazu, sich Sorgen zu machen | Foto: Kirill Merkuryev, Turnierseite

Grischuk meinte, dass 36…e5?! eine Ungenauigkeit war, die ihm Chancen ermöglichte. Er war glücklich darüber, im 52. Zug über einen Trick zu verfügen:


52.Lc6! Das droht Matt auf e8 und erzwingt das hässliche 52…f5. Dieser Bauer sollte schlussendlich fallen, doch der Ausgang der Partie war erst klar, als Leinier mit Sekunden auf der Uhr auf 76.f5 mit 76...c2? reagierte:

Romain Edouard: Leinier spielte diesen Zug aus Panik heraus, obwohl er mit 76...Lg5 77.Kg4 Kd7! hätte warten können, während nach 78.f6 es Zeit für 78...c2! (oder 78...Lxf6 89.exf6 c2!) gewesen wäre.

Selbst wenn Weiß sofort auf c2 nimmt, weist die 7-Steiner-Tablebase einen Sieg für Weiß aus. Aber Grischuk spielte schnell das genauere 77.f6+! Kf8 und erst jetzt 78.Lxc2. Andere Züge wie 76...Lg5 hätten vielleicht zu einer objektiv ausgeglichenen Stellung geführt, aber Alexander kommentierte dieses mögliche Remis später so: "Vielleicht ist es Remis, aber es ist kompliziert."

Am heutigen Samstag finden also die Rückkämpfe statt und alles ist dafür bereitet. Vier Spieler, unter anderem einige Stars, müssen alles geben, um zu gewinnen. Verpasse auf keinen Fall den Kommentar von Jan Gustafsson und Lawrence Trent ab 12:00 Uhr MEZ.

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