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Allgemein 28.07.2021 | 11:23von Joe

FIDE Weltpokal: Top 8 der Männer & Top 4 der Frauen stehen fest

Runde 5 des FIDE Weltpokals bot echten Nervenkitzel. Schließlich ging es darum, wer es in die Top 8 und damit ins Viertelfinale eines der wichtigsten Turniere des Jahres schafft. Bei den Männern wurden lediglich zwei der acht Matches in den regulären klassischen Partien entschieden. Vidit und Sam Shankland schafften es gegen Durarbayli und Svidler ins Viertelfinale. Für die restlichen Spieler ging es ins Stechen, das bis zuletzt unheimlich spannend blieb. Weltmeister Magnus Carlsen lieferte sich ein echtes Duell mit dem jungen Russen Andrey Esipenko, der ihm fast bis zum Armageddon die Stirn bot. Der ehemalige Weltmeisterschaftsherausforderer Sergey Karjakin schlug Maxime Vachier-Lagrave schließlich nach fünf Remisen im Schnellschach. Bei den Frauen stehen sogar bereits die Halbfinal-Paarungen fest, nachdem Anna Muzychuk Nana Dzagnidze im Stechen mit einer beeindruckenden Leistung im Schnellschach niederringen konnte.

Weltmeister Magnus Carlsen musste für seinen Platz in den Top 8 hart kämpfen. Andrey Esipenko war ein mehr als würdiger Gegner, der ihm einiges abverlangte | Foto: Anastasiia Korolkova, offizielle Website
















Wenn ihr die Partien nachspielen wollt und die Turniere der Männer und Frauen mit Computeranalyse verfolgen wollt, folgt den Links:
FIDE Weltpokal
FIDE Weltpokal der Frauen 


Carlsen vs. Esipenko: Der Weltmeister kommt ins Schwitzen


Weltmeister Magnus Carlsen musste für die Top 8 und damit einen Platz im Viertelfinale hart kämpfen. Denn sein Gegner Andrey Esipenko bot ihm lange Zeit tapfer die Stirn. Dabei sah das Match in der 5. Runde des FIDE Weltpokals zu Beginn noch sehr ruhig aus. Die 1. Partie endete bereits nach 24 Zügen in einem Remis durch Zugwiederholung. Nach und nach wurden die Partien länger, auch wenn das Ergebnis gleich blieb: Remis nach 36 Zügen, 48 und schließlich 85. Rückblickend betrachtet wirkt es wie der große Spannungsaufbau zum finalen Showdown. Scheinbar waren 25 Minuten Bedenkzeit für die beiden Kontrahenten noch immer zu viel Zeit, um ein entscheidendes Ergebnis herbeizuführen. 

Dies änderte sich mit Beginn der 5. Partie, bei der die Spieler nun 10+10 Bedenkzeit haben würden. In der Eröffnung sah die Stellung für Esipenko noch in Ordnung aus, doch dann reichten wenige kleine Ungenauigkeiten Magnus, die Partie nach und nach zu seinen Gunsten zu lenken.


18...Se4 erlaubt dem weißen Springer auf e5 nach d7 zu gelangen

18...Se4 erlaubte bspw. dem weißen Springer von e5 nach d7 zu gelangen, was Magnus sofort ausnutzte. Die Partie ging mit 19.Lxe4 dxe4 20.Sd7 f5 21.Sxf8 Dxf8 22.Lf4 Td8 23.Le5 Lxe5 24.dxe5 weiter und die d-Linie wurde somit für Carlsens Türme geöffnet. Außerdem konnte der Bauer auf c6 noch immer nicht geschlagen werden und blieb eine stetige Bedrohung. Nach weiterem Abtausch von Figuren erreichten die beiden Kontrahenten eine Stellung, bei der Carlsens c-Bauer nun zu einem Freibauern geworden war und doppelt gedeckt wurde. Nach 31.Td7 von Carlsen gab Esipenko schließlich auf, da mit bestem Spiel nach und nach trotzdem all seine Bauern fallen würden und er immer ein Auge darauf haben muss, den c-Bauern zu stoppen.


Die finale Stellung der 1. 10+10 Partie nach 31.Td7


Es ist wohl unnötig zu erwähnen, wie schwer es ist, gegen den Weltmeister in einer entscheidenden Partie des Stechens auf Knopfdruck gewinnen zu müssen. Doch genau mit dieser Mammut-Aufgabe sah sich Esipenko in der 6. Partie nun konfrontiert. 

Umso überraschender war, wie elegant Andrey Esipenko den Weltmeister in der folgenden Partie in einer Italienischen Eröffnung nach und nach überspielte. Weiß steht laut Computer bereits vor dem ersten gröberen Fehler des Weltmeisters besser. Nach 21...Tab8 von Magnus konnte Esipenko jedoch stetig die schwarze Stellung erobern: 22.Sc4 Lc5 23.Lxc5 Dxc5 24.Tb6 Se8 25.Teb1 (ein sehr schöner natürlicher Zug, der die Türme verdoppelt und umso mehr Druck auf den Damenflügel aufbaut) Dc7 26.Db3 Dd8 (die weiße Dame tritt mit in den Angriff, während die schwarzen Figuren immer mehr zurückgedrängt werden) 27.Da3 Df6 28.Sxd6 (der Springer ist nun endlich bereit, den Bauern auf d6 zu schlagen!).


Carlsens Figuren sind zurückgedrängt, 30...f6 war kein guter Zug

Nach 30...f6 steht Esipenko laut Computer sogar auf Gewinn, wenn er das schlichte c4 spielt. Denn der Bauer wird vom Läufer auf f1 gedeckt. Doch auch in der Partie gelang es dem Russen ein Bauernendspiel mit einer überlegenen Bauernstruktur zu erreichen, nachdem er seinen Turm geschickt manövrierte, um die verbliebenen Schwerfiguren abzutauschen. In der finalen Stellung sind die weißen Bauern schneller und können nicht davon abgehalten werden, zur Dame zu werden!


Die finale Stellung nach 64.Kd6

Damit gelang es Esipenko das Match bis zum Blitzschach zu bringen, da das Ergebnis nach zwei klassischen und vier Schnellschach-Partien noch immer ausgeglichen war. Würde es bis zum Armageddon kommen?

Die Partie, von der Andrey Esipenko spricht, ereignete sich in der 8. Runde des Tata Steel Turniers in diesem Jahr. Dort gelang es Esipenko Carlsen zu schlagen. Doch würde ihm dies auch in einem Match beim FIDE Weltpokal gelingen, bei dem das Viertelfinale auf dem Spiel steht?

Leider nicht, denn stattdessen stellte der Weltmeister (in allen drei Disziplinen) sein gesamtes Können zur Schau und brillierte im Blitzschach. Magnus Carlsen konnte beide Blitzpartien sowohl mit Schwarz als auch Weiß für sich entscheiden, um einem Armageddon zu entgehen. 

Magnus Carlsen war sichtlich erleichtert, das Match gewonnen zu haben | Foto: Anastasiia Korolkova, offizielle Website
















Doch Andrey Esipenko hatte eine beachtliche Leistung gezeigt. Denn vor seinem epischen Duell mit Magnus hatte er bereits seinen Landsmann Daniil Dubov in der 4. Runde besiegt, der schon als Sekundant für den Weltmeister gearbeitet hatte und ein starker Gegner ist. Die Leistung verspricht eine großartige Zukunft für den 19-jährigen Großmeister und wir sind gespannt auf seine weiteren Turniere!


Die French School of Suffering: MVL scheidet gegen Karjakin aus


Das Match Maxime Vachie-Lagrave vs. Sergey Karjakin verlief ähnlich wie das Match Carlsen vs. Esipenko. Doch anstelle von vier Remisen kam es zwischen dem Franzosen und dem Russen sogar zu ganzen fünf unentschiedenen Partien. Es mag mit Blick auf den Ruf der beiden Spieler wenig überraschen, dass derart viele Remisen zustande kamen. Schließlich ist Maxime dafür bekannt, in schlechteren Stellungen lange zu leiden, diese aber schließlich zu halten. Magnus Carlsen nannte dies einmal die ‌french school of suffering oder die französische Schule des Leidens. Sergey hingegen wird auch der Verteidigungsminister genannt, da er Festungen errichten kann und oftmals nicht zu durchringen wirkt. Dieses kuriose Aufeinandertreffen kommentierte auch Laurent Fressinet im englischen Live-Kommentar, als MVL in der 5. Partie ein Remis in 91 Zügen hielt:

Dies alles änderte sich dramatisch in der 6. und damit finalen Schnellschach-Partie mit 10+10 Bedenkzeit. Eigentlich sah die Partie aus der Eröffnung sehr ruhig und ausgeglichen aus und auch der Computer gibt wenn überhaupt nur einen minimalen Vorteil für Weiß. Doch dann erlaubte Maxime, dass der schwarze Turm nach h2 gelangte und mit 26.a4 sogar, dass Sergey auf g2 schlagen konnte. Vermutlich dachte er, dass er selbst genug Gegenspiel auf dem Damenflügel hatte. Doch stattdessen waren die schwarzen Bauern auf dem Königsflügel viel zu gefährlich. Wenig später war die Partie nach 26...Txg2 27.Kf1 f3 28.b5 e3 29.fxe3 Na5 30.La3 Sb3 31.Td1 axb5 Weiß gibt auf, vorbei.


Die finale Stellung nach 31...axb5

Denn Weiß kann nicht verhindern, dass die Schwarzen Bauern zur Dame werden, während der weiße Freibauer ganz einfach geschlagen werden kann. 

Der Verteidigungsminister konnte schließlich die französische Schule des Leidens übertrumpfen! | Foto: Anastasiia Korolkova, offizielle Website

















Die Paarungen des Viertelfinales stehen fest


Neben Weltmeister Magnus Carlsen und dem ehemaligen Weltmeisterschaftsherausforderer Sergey Karjakin schafften es auch Etienne Bacrot, Jan-Krzysztof Duda, Vidit, Vladimir Fedoseev, M.amin Tabatabaei und Sam Shankland in die Top 8 und damit ins Viertelfinale. Mit Alexander Grischuk, Peter Svidler und Maxime Vachier-Lagrave sind in der 5. Runde erneut mehrere Favoriten aus dem Turnier ausgeschieden und wir dürfen auf die nächsten Runden gespannt sein! Hier noch einmal die Ergebnisse der 5. Runde im Überblick.


Anna Muzychuk kämpft sich über Stechen ins Halbfinale der Frauen


Beim FIDE Weltpokal der Frauen wurde das Viertelfinale bereits gespielt. Dies verlief jedoch wesentlich weniger dramatisch als die 5. Runde bei den Männern. Für das Halbfinale hatten sich ohne Stechen bereits nach den klassischen Partien Aleksandra Goryachkina, Alexandra Kosteniuk und Tan Zhongyi qualifiziert. Einzig das Match zwischen Anna Muzychuk und Nana Dzagnidze lief nach zwei Remisen in den klassischen Partien auf Schnellschach hinaus. 

Anna Muzychuk machte im Stechen gegen Nana Dzagnidze keine Gefangenen | Foto: Anastasiia Korolkova, offizielle Website

Doch Anna Muzychuk machte im Schnellschach keine Gefangenen. Beide Partien mit 25 Minuten Bedenkzeit endeten im 37. Zug, nachdem Muzychuk ihre Kontrahentin überspielte. Damit stehen die Paarungen des Halbfinales des FIDE Weltpokals der Frauen fest. Aleksandra Goryachkina, die vor kurzem als 6. Frau jemals die 2600er Grenze überschritt, wird gegen Anna Muzychuk antreten, die u.a. auch als Trainerin bei der Challengers Chess Tour Jungtalente fördert. Die andere Halbfinal-Paarung ist zwischen der Russin Alexandra Kosteniuk und der Chinesin Zhongyi Tan. Wer wird es ins Finale schaffen? 

Heute um 14:00 Uhr beginnt im FIDE Weltpokal das Viertelfinale, während die Frauen einen Ruhetag haben, bevor sie morgen zum Halbfinale antreten werden. Alle Partien der jeweiligen Turniere könnt ihr hier verfolgen: 

FIDE Weltpokal

FIDE Weltpokal der Frauen


‌Siehe auch:


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