Berichte 10.10.2017 | 10:10von Colin McGourty

Europacup, Runde 2: Titelverteidiger ausgebremst

Evgeniy Najers Sieg gegen Pavel Eljanov war die einzige Gewinnpartie beim Europacup-Duell zwischen Legacy Square Capital und Alkaloid und sie sorgte dafür, dass der Titelverteidiger eine überraschende Niederlage einstecken musste. Vladimir Kramnik und Alexander Grischuk pausierten beim Turnierfavoriten Globus erneut, doch Shakhriyar Mamedyarov trug am Spitzenbrett mit einer Glanzpartie gegen Liviu-Dieter Nisipeanu zu einem überlegenen 4,5:1,5 bei. Auch die anderen Top-Teams im Open gewannen, während der Favorit bei den Damen Batumi erneut schwächelte und sogar eine Niederlage einstecken musste. 

Mamedyarov zeigte sich gegen Nisipeanu von seiner besten Seite und verhalf Globus zum Sieg | Foto: David Llada, Offizielle Turnierseite

Die Sonne schien während der 2. Runde des Europacups…

…als die Paarungen schon etwas heftiger wurden (mit einem Mausklick auf die Runde bzw. das Ergebnis könnt ihr alle Partien mit Computeranalyse nachspielen):

Das nach der Papierform engste Match erwies sich auch in der Praxis als die härteste Auseinander-setzung. Alkaloid, an Nummer 2 gesetzt und mit fünf Großmeistern über 2700 angetreten, hatte es mit den an Nummer 5 gesetzten Spielern von Legacy Square Capital zu tun. Bei fünf Remis an den anderen Brettern hing alles von der Partie Eljanov-Najer ab, die durch einen bösen Schnitzer Pavel Eljanov entschieden wurde:


Jedes Schlagen auf c4 ist spielbar, außerdem mehrere Damenzüge, doch stattdessen spielte Eljanov 20.a3? und trieb den Springer mit 20…Sd3 auf sein Wunschfeld. Jetzt nahm sich der Ukrainer acht Minuten Bedenkzeit, um nach 21.Dc2 Sxc1 22. bxc4 Nc3! 23.Nxc3 Qxc3! das ganze Ausmaß der Bescherung zu erkennen. Wenn Weiß die Dame schlägt, gewinnt die Gabel 24…Se2+ sie direkt zurück. Pavel hatte genug gesehen und gab auf.

Bittere Niederlage für Pavel Eljanov | Foto: David Llada, Offizielle Turnierseite

Die letzte Hoffnung auf ein Unentschieden war Yu Yangyi, doch er spielte gegen Boris Grachev so unerbittlich auf Gewinn, dass er selbst in Verlustgefahr geriet und nur wegen des Mannschaftsstandes ein Remis retten konnte.

Die Nummern 1 und 3 der Setzliste holten derweil souveräne Siege. Globus ließ einmal mehr Vladimir Kramnik und Alexander Grischuk aussetzen, doch Shakhriyar Mamedyarov löste seine Aufgabe gegen Liviu-Dieter Nisipeanu am Spitzenbrett erneut souverän. 

Shakhriyar Mamedyarov ist nun schon die Nummer 4 der Welt und braucht nur noch einen Sieg, um über 2800 zu kommen | Foto: David Llada, Offizielle Turnierseite

Mamedyarov zeigte sich von seiner besten Seite, und die durchaus bekannte Stellung nach 13.Da1 mit Druck gegen a6 und g7 war einem begnadeten Taktiker wie ihm auf den Leib geschneidert.


Nisipeanu gelang es, a6 eine Weile taktisch zu verteidigen, doch dann verlor er nach Shaks Vorstoß e4 die Übersicht und wurde Opfer einer schönen Kombination des Aseris. Nach 23…Lxf3 war der Zwischenzug 24.Tg5+! schon entscheidend.

Nach 24…Kf7 25.Tg7+ Ke8 26.gxf3 hatte Weiß den materiellen Gleichstand wieder hergestellt, und der schwarze König kam nicht mehr zur Ruhe. Das Ende kam denn auch prompt mit 26…Dc6 27.Tc1 Sd3 28.Tg8+ Kd7:


29.Se5+! Sxe5 30.Txd8+! Schwarz gab auf

Sichere Siege von Korobov und Khismatullin an den hinteren Brettern sorgten dafür, dass Karjakin, Giri und Nepomniachtchi sich Remis leisten konnten.

Denis Khismatullin steht nun bei 2 aus 2 | Foto: David Llada, Offizielle Turnierseite

Peter Svidler kam für sein Team Mednyi Vsadnik (Bronze Horseman) erstmals zum Einsatz und feierte einen perfekten Auftakt. Er musste gegen den Kroaten Hrvoje Stevic antreten und meinte, “In einer Variante, die er oft spielt, war ich ausnahmsweise gut vorbereitet”. Svidler blitzte seine Züge herunter, ehe sein Gegner mit einem Qualitätsopfer “einen interessanten Versuch startete, der aber nicht funktionierte”. Wie er weiter erklärte, hat Weiß eine technische Gewinnstellung, doch zur langwierigen Verwertung kam es gar nicht, da das schwarze Festhalten am b-Bauern zum direkten Untergang führte.


Als Stevic mit weniger als einer Minute auf der Uhr den entscheidenden Fehler 27…b3? beging, gab er nach dem Damenfang 28.Ta5 auf:

"Peter Svidler im Studio: "Gestern hatte ich einen Ruhetag und habe ihn gut genutzt."  

Neben seinem Besuch bei Bartlomiej Heberla gab Peter auch noch ein kurzes Interview: 

Dabei verfolgte er das schöne Finale, das Vladimir Fedoseev gegen Maxime Lagarde aufs Brett zauberte:


33…Txg2+! 34.Sxg2 Tg8 35.Te2 e3! 36.d5 Lxd5 37.Df1 Tg4! 38.Td1 Tg4 39.Txe3 Dh2+ Weiß gab auf

Obwohl es zeitweilig gar nicht danach aussah, endeten die restlichen vier Partien remis.

Mateusz Bartel war der Matchwinner für AVE Novy Bor, die nun gegen Globus antreten müssen | Foto: David Llada, Offizielle Turnierseite

Eine Weile sah es so aus, als müssten die an Nummer 3 gesetzten Spieler von AVE Novy Bor sich mit einem enttäuschenden Unentschieden gegen den Beer Sheva Chess Club zufrieden geben, doch dann überlistete Mateusz Bartel am letzten Brett Alon Greenfeld.

Held des Tages war aber Daniele Vocaturo, der im 25.Zug die Qualität gewann, dann jedoch 141 Züge brauchte, um die Festung des slowakischen IM Tamas Petenyi zu knacken.

Tamas Petenyi hielt lange dagegen | Foto: David Llada, Offizielle Turnierseite

Naiditsch führte Odlar Yurdu zu einem sicheren Sieg gegen Riga Technical University, aber auf der Gegenseite durfte sich die WGM Laura Rogule mit einer Elo von 2325 über einen Sieg gegen den starken GM Gadir Guseinov freuen. Sie stand schon gut, als sie mit 31…Td6?? die entscheidende Hilfe bekam:


32.Lc7! nahm beide Türme aufs Korn, wonach Weiß sicher gewann. 

Anna Kantane ist nicht die einzige Frau im Open | Foto: David Llada, Offizielle Turnierseite

Damit kommen wir auch schon zu den Damen:

Die russischen Teams UGRA und Legacy Square Capital trennten sich 2:2 Unentschieden, und beim Spitzenkampf zwischen Bossa Nova und Timisoara rettete Natalia Zhukova mit einem Remis aus schlechter Stellung heraus gegen Elisabeth Pähtz den Mannschaftssieg.

Natalia Zhukova holte den entscheidenden halben Punkt| Foto: David Llada, Offizielle Turnierseite

Die Sensation der Runde war aber der Sieg von Odlar Yurdu gegen das favorisierte Team vom Batumi Chess Club Nona. Die Probleme, die sich bei den Georgierinnen schon am Vortag angedeutet hatten, verschärften sich noch. Salome Melia verlor brutal mit Weiß gegen Khanim Balajayeva und schon bei Nino Batsiashvilis Sieg nahm das Match dramatische Züge an. Erst brachte Gulnar Mammadova ein korrektes Figurenopfer mit 18.Sxg7!:

Danach stand sie die ganze Zeit besser, ehe sie mit 27.Da4? die Partie einstellte:


Hier hätte Nino die Partie direkt mit 27…Tf1+! beenden können, da 28.Kxf1 Sg3# wie 28.Kh2 Lg1+ 29.Kh1 Sf2# zum Matt führt. Stattdessen spielte sie 27…Sg3 und musste nach 28.Dh4+ Kg7 29.De7+ Tf7+ samt weißem Damenopfer noch lange kämpfen, bis sie nach 57 Zügen den weißen Widerstand gebrochen hatte.

Nana Dzagnidze verlor eine dramatische Partie | Foto: David Llada, Offizielle Turnierseite

Kein Happy End gab es für Nana Dzagnidze in einer Partie, in der beide Spielerinnen in schwerer Zeitnot verkehrten. Hier die Stellung nach 31.Dc5:


Nana hatte bereits einen einfachen Gewinn ausgelassen, doch hier war 31…Lh5! mit z.B. der Folge 32.Te3 Lf3!! immer noch vernichtend. Nach 31…Lf5!? 32.Tce1 Ld3? (32…Lxh3!) hatte Schwarz keinerlei Vorteil mehr, und bei der Zeitkontrolle stand Zeinab Mamedjarova schon komplett auf Gewinn. Ein guter Tag für die Mamedyarov-Geschwister!

Dadurch musste Harika Dronavalli ein leicht vorteilhaftes Endspiel gegen Ulviyya Fataliyeva gewinnen, doch ihre Gegnerin hielt stand und war entsprechend glücklich:

In der 3.Runde treten nun auch Kramnik und Grischuk an, wenn es für Globus gegen AVE Novy Bor geht:


Martin Bennedik hält uns auf dem Laufenden, wie es im Rennen um die Plätze im Kandidatenturnier steht:

Radek Wojtaszek hat bisher immer remis gegen Kramnik gespielt | Foto: David Llada, Offizielle Turnierseite

Ab 14 Uhr könnt ihr wieder alle Partien live auf chess24 verfolgen: Open | Frauen

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