Allgemein 11.01.2019 | 12:45von Colin McGourty

Ein Platz für das Kandidatenturnier für den Sieger des „FIDE Grand Swiss"

Ein Platz des Kandidatenturniers 2020, das Turnier wo der nächste Herausforderer für Magnus Carlsen bei der Weltmeisterschaft ermittelt wird, wird dieses Jahr in einem 11-rundigen Open mit Schweizer-System ermittelt. Das neue „FIDE Grand Swiss" wird die 100 bestplatzierten Spieler nach Elo zwischen Mitte 2018 und Mitte 2019 sowie einige weitere für ein vollständig finanziertes 15-Tage-Event einladen, das an das alte Interzonenturnier erinnert. Auf Kosten des Turniers fällt ein Platz weg, der nach Rating ermittelt wird. Somit wird dort nun, angeführt von Mamedyarov und Ding Liren, ein Wettstreit um einen einzigen Platz beginnen.

Interzonen-Turniere waren die Art von Turnieren, über die Menschen Bücher geschrieben haben...

Die neue Führung der FIDE hat bereits die Frauenweltmeisterschaft durch die Einführung eines Kandidatenturniers umgestaltet und heute wurde die erste große Veränderung im gesamten Zyklus verkündet. Ein Platz des 8-Spieler-Turniers, das am Anfang des nächsten Jahres stattfindet, wird an den Gewinner des FIDE Grand Swiss, das in der zweiten Hälfte dieses Jahres stattfindet, vergeben. Ein paar mehr Details (für die vollständigen Regelungen könnt ihr hier vorbeischauen):

  • Ein 11-rundiges Open nach Schweizer System mit einem einzigen Ruhetag nach Runde 6
  • Ein Preisfond von mindestens $400,000 (Bis zum 9. Februar werden Angebote von möglichen Veranstaltern entgegengenommen)
  • $70,000 für den 1.Platz, $50,000 für den 2., $40,000 für den 3. und weiter runter bis zu $2,000 für den 26-30. Platz 
  • Preise von Spielern die gleichauf sind werden geteilt, wenn der erste Platz geteilt ist, wird nicht durch einen Entscheidungskampf, sondern durch Zweitwertungen ein Sieger bestimmt, angefangen mit der Turnierleistung.
  • Entscheidet sich ein Spieler nicht mitzuspielen, rückt der nächste Spieler auf der Elo-Rangliste nach.
  • Es gibt zusätzliche Plätze für den Jugend- und Seniorenweltmeister, Qualifikanten der ACP Tour sowie eine nicht festgelegte Anzahl an Spielern, die der Organisator auswählen darf
  • Sämtliche Kosten für Reise und Unterkunft werden für die Spieler bezahlt

Das Turnier ist in vielerlei Hinsicht eine Rückkehr des großen Interzonenturniers, bei dem sich zwischen den 1950er und 1993 Spieler für das Kandidatenturnier qualifizieren konnten. Die Spieler qualifizierten sich hierfür über Zonen-Turniere (für unterschiedliche geographische Bereiche) und spielten dann meistens ein großes Turnier mit Rundlauf-Verfahren, später wurden die Turniere aber auch im Open-Format abgehalten. Boris Gelfand gewann das letzte FIDE-Interzonen-Turnier in Biel im Jahr 1993.

Der Hauptunterschied war, dass sich über das Interzonenturnier viele Leute für das Kandidatenturnier qualifizierten, bei diesem Turnier die ersten 10. | Quelle: Mark Weeks

Der große Vorteil dieses Formats ist es, dass eine relativ große Zahl von Spielern eine realistische Chance bekommt sich für das zweitgrößte Schachevent überhaupt zu qualifizieren. Es gab bereits positive Reaktionen von bekannten Großmeistern:

Einige gute Ideen von @Fide_chess!

Sieht nach einer wunderbaren Idee aus! Macht weiter so!

Wieder guter Job der FIDE.

Aber wie gut wird es in das derzeitige System passen? Naja, lasst uns einen Blick auf die Qualifikanten des letzten Jahres werfen. Da waren:

  • Der geschlagene Spieler der letzten Weltmeisterschaft - Karjakin
  • Die Finalisten des Word-Cups - Aronian und Ding Liren
  • Die ersten beiden beim FIDE Grand Prix– Grischuk und Mamedyarov
  • Die ersten beiden nach Durchschnittsrating im Jahr 2017 – So und Caruana
  • Ein Spieler, den der Organisator bestimmen durfte (Wildcard)  – Kramnik

Bislang ist Fabiano Caruana der einzige Spieler, der sicher einen Platz für das Kandidatenturnier 2020 haben wird. Zudem steht auch fest, dass der World Cup später dieses Jahr in Khanty-Mansiysk stattfinden wird. Was wir nicht haben sind genau Regelungen über das Kandidatenturnier, aber es ist davon auszugehen, dass das System, abgesehen von der heute verkündeten Veränderung, ähnlich wie letztes Jahr sein wird. Die FIDE erklärte, dass der Platz des Grand Swiss Open auf Kosten des Platzes sein wird, der sonst durch das Durchschnittsrating des Jahres 2019 bestimmt werden würde (2017 wäre Wesley So davon betroffen gewesen).

Nur noch einen Platz zu haben ist eine schlechte Nachricht für Spieler, die gehofft haben sich über ihr Rating qualifizieren zu können, Shakhriyar Mamedyarov and Ding Liren führen dieses Rennen zurzeit mit einem beachtlichen Vorsprung an. Die Nummer 4 der Weltrangliste, Ding Liren (Carlsen und Caruana müssen sich nicht qualifizieren) ist ganze 30 Punkte vor der Nummer 5, Ansih Giri. Ihre komfortable Führung wird nun plötzlich zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen. Peter Heine Nielsen hat ihre Situation in einem Kommentar unter einem Post auf Facebook von FIDE Direktor Emil Sutovsky beschrieben.

Das wird wehtun für Mamedyarov und Ding? Wäre es nicht besser und fairer das Freilos (Wildcard) der Organisatoren rauszunehmen?

Diese Diskussion wirft einen Blick auf die Einschränkungen, die der FIDE auferlegt wurden, als sie, noch unter der alten Führung, den Vertrag von Agon/World Chess unterzeichneten. Es stellt sich heraus, dass Agon der „Besitzer" der Wildcard für 2020 und sogar für 2022 ist, sodass es ohne ihre Erlaubnis nicht möglich ist diesen Platz durch einen Platz der Grand Swiss zu ersetzen. Da die Wildcard etwas ist, das im Gegenzug für Sponsoring gekauft werden kann, ist es unwahrscheinlich, dass sie das freiwillig zulassen würden.

Die derzeitig große Unbekannte des Zyklus ist die Stellung des Grand Prix. Werden diese etwas unpopulären Turniere, die von Agon im vorangegangenen Zyklus durch ihr Regelwerk zu Übertragungen noch weiter verkrüppelt wurden, dieses Jahr wiederkehren? Wenn nicht wäre es möglich den Platz für das höchste Durchschnitts-Rating wieder hinzuzufügen und eventuell einen zweiten Platz an das Grand Swiss zu geben - etwas das die Regeln bislang offen lassen:

Die endgültige Zahl der Qualifikanten über das Fide Grand Swiss zum Kandidatenturnier 2020 wird spätestens bis zum  1. März vom präsidialen Vorstand der FIDE entschieden.

Einiges ist also immer noch unbekannt und Turnier-Organisatoren weltweit müssen verzweifelt versuchen den überfüllten Terminplan der FIDE, mit der Grand Chess Tour und neuen FIDE Events, auszujonglieren...

Ich ändere den Beruf #Chess #Jonglieren

... aber Schachfans können sich auf ein weiteres spannendes Turnier in der 2. Hälfte von 2019 freuen. Und Spieler am Scheitelpunkt der Qualifikanten könnten plötzlich über ihr Rating nachdenken. Ist es Zeit für ein Kandidatenturnier mit Jan Gustafsson?

Endlich Zeit für ein Jandidatenturnier (Jandidate)!

Was denkst du über das neue Event? Wenn du in oder in der Nähe der Top 100 bist, hast du vor zu spielen? Welche Veränderungen würdest du im Qualifikationszyklus vornehmen? Lass es uns in den Kommentaren wissen!

Siehe auch:


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