Berichte 06.04.2021 | 15:21von Fuxia Scholz

DSB-Kader Tag 1: Der Nachwuchs punktet

Am ersten Tag der DSB-Kader Challenge sahen wir zumindest bei den Damen aggressives Schach. Die Überraschungserfolge gehen an die jüngsten Spieler: Antonia Ziegenfuß und Frederik Svane, beide erst 16 Jahre alt, gelangen schöne Siege. Wir werfen einen Blick auf die wichtigsten Momente.

Schokolade gehört zum Ostermontag einfach dazu. Foto: Frank Hoppe schachbund.de


Frauen

Hier wurde auf allen Brettern erbittert bis zur klaren Entscheidung gekämpft.


Luisa Bashylina - Fiona Sieber

Schottisch, die klassische Variante mit 4…Lc5. Nach beidseitiger Rochade und 8…Dg6 — alles ausgeblitzt — schien Bashlylina aus der Vorbereitung zu sein. 9.f3?! nach acht Minuten Nachdenken ist mindestens ungewöhnlich. 



e4 hängt eigentlich nicht, denn nähme Schwarz hier, hätte Weiß eine wunderbare Initiative, beispielsweise 9.Te1 Dxe4?! 10.Ld3 De5 11.Sxc6 Sxc6 12.Ld4 Dg5 13.h4! Dd5 14.Le4 Qd6 15.Dh5 f5 (ein Verzweiflungszug!) 16.Lxf5. All dies wurde tatsächlich schon gespielt, genau einmal: In der Partie Mashinskaya - Vark 1997. Die endete mit einem klaren Sieg für Weiß im 20. Zug. Der Hauptzug in dieser Stellung ist übrigens 9.Sd2. Deckt e4, entwickelt eine Figur, alles gut.

Doch f3 war nicht der entscheidende Zug. Die Partie zog sich lange hin, es wurde viel Material abgetauscht, und erst nach dem Zeitaufschlag bei Zug 40 gab es Drama. 44.a4?? gab Schwarz die Gelegenheit zu einem Trick, den man im eigenen Repertoire haben sollte: 



44…a5! 45.axb5 b5! 46.axb5 cxb5 gäbe Schwarz einen sehr schwer aufzuhaltenden Freibauern auf der b-Linie. Siebers hingeblitztes 44…Nb2?? gab Bashylina noch eine letzte Chance, 45.Lg3 zu spielen und die Stellung ausgeglichen zu halten. Ihr 45.g3 jedoch lief in die Gabel 45…Sd3, und nach 46.Te2 Sxb4 war nichts mehr zu retten. 13 Züge später endete die Partie mit 0-1.

Jana Schneider - Melanie Lubbe

Die Partie begann ganz weltmeisterlich: Sizilianisch, Sveshnikov, Theorie bis zum seltenen 13.Df3



Die Idee ist hier ein schnelles g4 mit Sturm auf den schwarzen Königsflügel. Pavel Ponkratov hat damit Wesley So beim Aeroflot Open 2009 besiegt. Melanie schien das zu kennen: 13…Lg5 ist kanonisch, 14.h4 Bh4 auch, und dann … geht es eigentlich mit 15.g4 weiter wie in der erwähnten Partie Ponkratov - So. Da folgte Lf4 Sxf4 exf4. Schneiders 15.g3 verhinderte Lf4, aber ein Angriff ist das nicht mehr. Lubbe nutzte dieses Zögern, um selbst anzugreifen: 15…f5! ist nur konsequent.



16.Lh3 g6?! Der Computer will das schwer einzusehende 16…Da5 mit der Idee, nach 17.O-O per 17…fxe4 Dame und Läufer zugleich zu befragen. Nachfolgend wurde viel Material am Damenflügel abgetauscht, und schließlich geriet der Bauer auf f2 ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Schwarz verdoppelte die Türme auf der f-Linie, fand jedoch keinen Durchbruch, und schließlich hatte Weiß Freibauern auf den Linien a und b, denen ein nahes Upgrade bevorstand. Das wollte sich Melanie nicht mehr ansehen. 1-0 nach 53 Zügen.

Annmarie Mütsch - Elisabeth Pähtz

Annmarie Mütsch und Elisabeth Pähtz. Foto: Frank Hoppe schachbund.de


Italienisch, Giuoco Pianissimo, vorerst kein Drama, obwohl Pähtz die Partie im Mittelspiel dominierte. Und dann 35.Ta1??



Der Computer empfiehlt statt dessen 35.c5! dxc5 36.Td5 Sc6 37.Txg5 Txg5. Damit hätte Mütsch das Feuer erstmal ausgetreten. Pähtz bestrafte den Fehler sofort: 35…h4! 36.Sf5 hxg3 37.Sxg3 Tg4 38.Dh7 Dc6+ – Weiß gab auf. 0-1

Josefine Heinemann - Antonia Ziegenfuß

Noch ein Sizilianer, diesmal die Paulsen/Bastrikov-Variation mit Dc7. Spannend wurde es nach 25.Sf4?! Fehler oder Bluff? Weiß kann hier übernehmen, aber es ist kompliziert.



Der einzige gute Zug ist hier, das Gambit anzunehmen: 26.Sxd6! Und dann folgt ein wildes Manöver, an dessen Ende Weiß mit Läuferpaar und einem Turm gegen zwei Türme spielt: 26…Lxg2 27.Kg1 Sh3 28.Qxh3! Lxh3 29.Sxb7 Lxb1 30.Kxf1 Txb7. Das ist nicht so leicht zu sehen; obendrein besteht bei so langen Taktiken immer die Gefahr, dass man sich verrechnet und einen wesentlichen Zug übersieht. Insofern ist Heinemanns 26.Td2 verständlich. 

Antonia Ziegenfuß und Josefine Heinemann. Foto: Frank Hoppe schachbund.de


Aber dann folgten zwei Fehler, und das entschied die Partie: 26…Le7 27.Tff2 Tbc8 28.h3? (28.Txf4 war schon nötig) 28…gxf5 29.Sg3? (29.Sc5 Bxc5 30.Dxc5 sieht immer noch nicht gut aus, ist aber besser als das, was jetzt kam) 29…Bc5! 30.Sxf5 Kh8. Aber hier hatte Weiß einfach keine Fortsetzung eines Angriffs. Zehn Züge später hatte die 16-jährige Ziegenfuß ein Matt in 9 Zügen in der Hand, und nach Heinemanns Aufgabe einen schönen Sieg. 0-1

Männer

Deutlich friedlicher begann das Turnier der Männer. Vier Mal Remis, und die einzige Partie mit einem vollen Punkt ging an den jüngsten, den 16-jährigen Frederik Svane, der für Vincent Keymer eingesprungen war.

Rasmus Svane - Daniel Fridman

Caro-Kann, Abtauschvariante mit Ld3, Bobby Fischers Lieblingsvariante. Hier passierte nur wenig, und nach genau 40 Zügen einigten sich beide auf Remis.

Dmitrij Kollars - Andres Heimann

Schottische Partie, aber diese ging in den berüchtigten Massenabtausch. Am Ende hatten beide jeweils einen Turm und zwei Bauern. Wieder ein Remis nach exakt 40 Zügen.

Frederik Svane - Matthias Blübaum

Blübaum ist ja dafür bekannt, dass er sehr gerne Französisch spielt. Darauf wollte sich der 16-jährige Svane nicht einlassen: 1.Sf3 Sf6 2.g3 c5, und wenig später sahen wir einem umgekehrten Sizilianer auf dem Brett. 

Frederik Svane und Matthias Blübaum. Foto: Frank Hoppe schachbund.de


Svane ließ sich Zeit mit dem Rochieren und traf schließlich eine strategisch interessante Entscheidung: 10. Lxc6!?



Der Punkt hierbei sind die beiden Springer auf der c-Linie: die können jetzt nicht mehr von Bauern angegriffen werden, und sie behindern die schwarzen Figuren erheblich. Im Folgenden achtete Saven darauf, die Stellung geschlossen zu halten. Die Damen wurden abgetauscht, und Blübaums Stellung war schon sehr unangenehm, als er Material opferte: 29…Tcd4?!



Schwarz bekommt hier einen Bauern und, wichtiger, Raum für den schwarzfeldrigen Läufer. Aber es reicht nicht. Svane erzwang des Tausch des letzten schwarzen Turmes und fiel in das schwarze Hinterland ein. Ganz allmählich konnte er seine Position verbessern, und als schließlich einen Bauern zu gewinnen drohte, gab Blübaum auf. Ein toller Einstieg für den an Nummer 10 gesetzten Svane, der jetzt einsam an der Spitze steht! 1-0

Niclas Huschenbeth - Alexander Donchenko

Italienisch, Zwei-Springer-Verteidigung. Der Computer sah ein paarmal leichten Vorteil für Schwarz, aber am Ende lief es auf ein kompliziertes Endspiel hinaus mit jeweils einem Springer und einem Läufer, in dem Schwarz den einen Mehrbauern nicht verwerten konnte. Nach dem Abtausch der Springer einigten sich beide auf Remis.

Luis Engel - Dennis Wagner

Vier-Springer-Spiel mit dem seltenen und merkwürdig passiven Zug 4.Le2. Dies erwies sich als thematisch: die ganze Partie über konnte keiner die Initiative an sich reißen. Weiß hatte zawr einen Bauern mehr, allerdings verdoppelt und gebremst von einem schwarzen Bauern … mit einer Zugwiederholung endete die Partie nach 55 Zügen.



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