Berichte 30.08.2019 | 16:45von Colin McGourty

Ding Liren schlägt Carlsen und gewinnt den Sinquefield Cup

Die chinesische Nr. 1 Ding Liren erkämpfte sich den größten Erfolg seiner Karriere, indem er Magnus Carlsen im Stechen schlug und somit den Sinquefield Cup 2019 gewann. Es war auch gleichzeitig eine Premiere, da Carlsen zum ersten als Weltmeister seit 2007 das Nachsehen im Stechen hatte. Carlsen gab zu, dass Ding "heute viel besser gespielt hat, von daher hat er absolut verdient gewonnen." Die zwei Schnellschachpartien endeten Remis, bevor Ding die erste Blitzpartie auf Zeit gewann. Magnus musste das Rückspiel zwingend gewinnen, doch wurde er von einer brillanten Taktik gestoppt. Der chinesische Starspieler gewinnt neben dem Titel auch noch 82.500 Dollar.

Der 26 Jahre alte Chinese hatte allen Grund zum Lachen nach dem größten Erfolg seiner Karriere | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Alle Partien des Turniers und dem Stechen kannst du hier nachspielen:

Und hier findest du den Live-Kommentar zum Stechen:

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Zuletzt schaffte es Magnus Carlsen im Alter von 16 Jahren nicht, ein Stechen zu gewinnen. Damals verlor er im Kandidatenmatch in Elista gegen Levon Aronian. Seitdem lief die Carlsen-Maschinerie wie geschmiert:

Tarjei J. Svensen: Seit 2007 gewann Carlsen alle 10 Stechen.

Don Qvixote: Der Weltmeister und die Nr. 1 der Welt kommt - gefolgt von seinem Vater und seinem Trainer Peter Heine Nielsen - am St. Louis Schachklub an.

Mit neuem Wind unter den Flügeln kam der Weltmeister ins Stechen des Sinquefield Cups. Nach der zunehmenden Frustration von neun Remis in Folge hatte er sich mit Siegen gegen Wesley So und Maxime Vachier-Lagrave zurückgemeldet, um im letzten Moment noch den geteilten ersten Platz nach Punkten zu erreichen. Der unerwartete Erfolg bedeutete, dass es sich wie eine Zugabe für ihn anfühlte - wie er Maurice Ashley mit Hilfe der Casino-Terminologie erklärte (es fühlt sich einfacher an, mit Gewinnen und nicht mit dem eigenen Geld zu spielen):

Ich spiele mit dem Geld des Casinos, von daher mache ich mir keine Gedanken.

Die gleiche Psychologie funktionierte allerdings auch für Ding. Nachdem er sich am Ende etwas über die Ziellinie gerettet hatte, kam das Stechen einer Befreiung gleich:  

Das heute war ganz anders als gestern, denn gestern sagte ich ich es mit weniger Stress: Gestern habe ich ein ganzes Turnier gespielt, aber heute habe ich nur ein Match gespielt, also habe ich das Turnier mit einem sehr guten Ergebnis beendet. Heute ist es wie eine Zugabe..... Ich habe das Hauptziel erreicht, also fühle ich mich heute einfach entspannt und genieße die Partien.

Ding Liren zeigte, dass man Magnus sehr wohl im Stechen schlagen kann | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Das Stechen begann mit Magnus, der in der ersten Partie die weißen Steine führte. Er gab den Takt für den ganzen Tag vor. In einem Katalanen stand der Weltmeister bereits nach 11 Zügen schlechter und versank dann in einem epischen 7-minütigem Nachdenken (die Spieler hatten 25 Minuten für die ganze Partie) bei Zug 14. Er fand keine Lösung, außer dass er sich für eine Stellung mit Minusbauer entschied, in der Magnus schließlich ein Remis dank einer Blockade auf den schwarzen Feldern erzielte:

chess24: Kein Durchkommen. Die erste Partie endet remis!

Später kommentierte Magnus:

Es hat offensichtlich etwas damit zu tun, dass er ein sehr guter Spieler ist, aber ja, ich hatte heute eindeutig einen sehr schwierigen Tag. Ich konnte nichts zum Laufen bringen, ich dachte zu lange nach und verteidigte vor allem nur in den meisten meiner Partien. Es war also kein knapper Sieg Dings.

Levon Aronian sagte später während des Ultimate Moves: "Ich kann euch sagen, das ist die beste Stellung, die Magnus heute den ganzen Tag hatte". Das war lustig, aber auch mehr oder weniger richtig, auch wenn Weiß in der zweiten Blitzpartie nur einen marginalen Vorteil in einem Katalanen erreichte, bevor die Partie nach 35 Zügen Remis gegeben wurde.

Ding Liren zwischen den Partien | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Traditionell wächst der Vorsprung von Magnus Carlsen gegenüber seinen Rivalen mit kürzerer Bedenkzeit, aber erst vor wenigen Wochen holte Ding Liren im St. Louis Blitz- und Schnellschachturnier 4,5 Punkte mehr als Magnus. Diese neue Form setzte sich in den 5-minütigen Blitzpartien fort, wo Magnus ein paar Minuten lang in der Eröffnung nachdachte, aber nichts Besseres finden konnte, als einen Bauern in der Hoffnung aufzugeben und um das Remis zu kämpfen. Diesmal war es nicht so einfach, und Magnus hatte weniger als 10 Sekunden auf der Uhr, als die Situation kritisch wurde. Vielleicht war die erste klare Gewinnchance für Ding bei Zug 42:


42.g5! sollte ein Mattnetz knüpfen, da auf 42…fxg5+ 43.Kf5! folgen würde und gegen die Drohung Tf8# wäre kein Kraut mehr gewachsen. Stattdessen spielte Ding 42.e5, was aber kein sofortiger Gewinnzug war. Der Druck war dennoch dauerhaft hoch und kurze Zeit später stand Ding wieder vor dem möglichen Sieg:


Zum Beispiel gewinnt hier 62.Lf6!, da 62…Td7 63.Th7! ein Schlüsselmanöver ist. 

Schiedsrichter Chris Bird weist darauf hin, dass die Partie vorbei ist | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Stattdessen kam 62.Kf6 c4! und die Stellung entwickelte sich alsbald zu einer dieser Stellungen, von denen man nicht so genau weiß, wie man sie gewinnen soll, wie Ding nachher zugab:

Ich habe in der Tat keinen Gewinn gesehen - selbst in der Schlussstellung ist ein Gewinn schwer zu erkennen.


Darauf kam es aber auch nicht mehr an. Zwar verteidigte sich der Weltmeister lange Zeit sehr gut (und verpasste die Möglichkeit, ein Remis durch dreimalige Zugwiederholung zu reklamieren), aber dann reichte ein Moment des Zögerns, um auf Zeit zu verlieren:

Grand Chess Tour: Die letzten Momente der ersten Blitzpartie

Nach dieser Niederlage musste er zwingend die zweite Blitzpartie gewinnen. Und die Waffe der Wahl war dabei der Spanier. Carlsen schnappte sich früh Raumvorteil, doch sein Bauernvorstoß g2-g4 schien ein wenig von Verzweiflung getrieben. Und als der Bauer endlich auf g5 auftauchte, hatte Schwarz eine gewinnbringende Idee:


Ding hatte bereits vorher gesehen, dass er hier über die wunderbare Ressource 32…La8!! (32…Ld8 ist ebenso spielbar, aber man muss sehen, dass nach 33.Dxa3 das starke 33…La8! kommen muss) verfügt. Falls 33.gxf6 Db7! und Schwarz gewinnt nach 34.Kf1, da Weiß nach 34…Dg2+ 35.Ke2 Df3+ die Züge wiederholen muss, was Ding zum Sieg im Match gereicht hätte.

Olimpiu G. Urcan: Unglaubliches Spiel von Ding Liren. Oder wie Yasser Seirawan sagte: Was für ein Durchbruch für diesen feinen, jungen Mann.

Magnus kämpfte daher mit dem objektiv minderwertigen 33.Dxa6 weiter, was dazu führte, dass wir einen weiteren fantastischen Zug sehen konnten. In der Partie gab Ding seine Dame für zwei Türme auf (der Computer schlägt vor, dass es besser war, es nicht zu tun, aber das auch nur wegen einer komplizierten taktischen Rechtfertigung), aber wie sich herausstellte, war noch genügend Material auf dem Brett für einen letzten Angriff. Ding kommentierte später: "Ich war sehr glücklich, in der letzten Partien mit dem Feuer zu spielen, nicht auf Unentschieden oder nur aufs Überleben", und die Art und Weise, wie alles klappte, mag ein wenig an Schicksal erinnern. Ding gab zu, dass er nicht die Zeit hatte, die Variante sorgfältig zu berechnen, also verließ er sich auf seine Intuition:


38...Lxg5! 39.Dxd6?! (39.Se2! war der einzige Zug, wenn du das, was kommst, kommen siehst, doch Weiß hätte hier schwerlichst gewinnen können) 39…Lf4! 40.Lc5 Das droht Matt in einem Zug und Weiß stünde auf Gewinn, gäbe es nicht… 40…Se7!!


Die weiße Mattdrohung ist pariert und das Gegenmatt ...Th1# ist schwer zu parieren, da der g3-Springer gefesselt ist.

Der Sinquefield Cup 2019 ist zu Ende | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Bei so einem schönen Finale musste selbst Magnus lächeln:

Olimpiu G. Urcan: Selbst der Weltmeister muss die brillante Taktik mit einem kurzen Lächeln würden.

Was für eine Art, solch ein Turnier zu gewinnen! 

Garry Kasparov: Tolle Leistung von Ding Liren in St. Louis, der einige exzellente Partien spielte. Und Magnus schlug er auf brillante Weise im Blitz. Er verdient den Sieg absolut!

Das bedeutete, dass Ding Liren in sieben Jahren der sechste Sieger des Sinquefield Cups wird. Dafür bekommt er 82.500 Dollar und 16,5 Grand Chess Tour-Punkte:


Damit rückt er auf den zweiten Platz in der Gesamttabelle vor und darf sogar noch ein Turnier spielen. Damit ist ihm die Finalteilnahme in London kaum noch zu nehmen:


Nach dem Stechen ließ Magnus keine Entschuldigungen gelten:

Heute war er viel besser als ich. Er ist der verdiente Sieger!

Das war das erste Mal seit 8 klassischen Turnieren, dass Magnus nicht gewinnen konnte. Aber er konnte dennoch etwas aus dem Turnier mitnehmen:

Ich hätte heute gerne gewonnen, aber ich habe es in den letzten zwei Tagen geschafft, einiges zu retten, also bin ich nicht allzu enttäuscht.

Man kann halt nicht immer gewinnen | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Für Ding Liren hingegen fühlte es sich wie ein Wendepunkt an. Er sah von Tag zu Tag selbstbewusster und komfortabler an der Spitze aus, auch wenn er Englisch sprach. Er kämpfte sich auch in das Turnier hinein:


Er hatte das Gefühl, einen schlechten Start erwischt zu haben:

Mein Spiel war nicht gut, besonders gegen Karjakin stand ich schlecht und gegen MVL stand ich nach der Eröffnung besser, fand aber keinen Plan. Ich glaubte, nicht gut in Form zu sein...

Doch dann kam die Partie gegen Anish Giri, welche Garry Kasparov und Peter Svidler als positoinielles Meisterwerk priesen. Ding gefiel die Partie auch:

Mein Sieg gegen Anish hat mir viel Selbstvertrauen gegeneben. Das ist die Art von Schach, die ich früher spielte, das sind meine Lieblingsstellungen. Ich habe gut gespielt!

Almira Skripchenko frage Ding Liren, wie er feiern wird und er antwortete, dass er einen frühen Flug erwischen muss, um vor dem World Cup noch in China vorbeischauen zu können | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Giri wies darauf hin, dass er nicht das Gefühl hatte, schlecht gespielt zu haben, was Fabiano Caruana auch anmerkte, als er in Runde 9 in einer komplizierten Position vom Brett gefegt wurde. Dieser Sieg, Ding's zweiter Sieg über Fabi im Jahr 2019, ließ ihn schließlich genau 1 Elopunkt hinter der Nummer 2 der Welt auf der Ratingliste zurück, und es gibt jetzt einen offensichtlichen Wettbewerb darum, wer der gefährlichere Herausforderer für Magnus ist. Caruana ist im Kandidatenturnier 2020 als Verlierer der letzten WM gesetzt, während Ding Liren kolossal einbrechen müsste, um sich für das Turnier nicht über die Elo zu qualifizieren. Maurice Ashley fragte ihn, ob er an den Weltmeistertitel denke:

Zuerst muss ich das Kandidatenturnier gewinnen! Wenn Levon in Topform ist, spielt er riesig in geschlossenen Turnieren. Aber in den Kandidatenturnieren hat es nie so geklappt, da spielte er schlecht.

Es gibt keinen Grund zu glauben, dass das Schicksal auch Ding ereilen müsste. Insbesondere nach seinem Auftritt beim letzten Kandidatenturnier, als er ungeschlagen den vierten Platz mit +1 holte.

Was noch fehlt, ist die Pokalübergabe an Ding...

Olimpiu G. Urcan: Ding verlor nicht eine einzige Partie, er zerstörte mit Fabiano Caruana den Herausforderer im 2018er WM-Kampf, gewann das Stechen gegen den Weltmeister und schaffte gegen Anish Giri ein "positionelles Meisterwerk", wie Kasparov meinte. Er hatte eine gute Woche.

Davor gab es Ultimate Moves, bei denen Rex und Randy Sinquefield wieder einmal die Großmeisterteams in einem Blitzmatch mit 6 Partien anführten. Dabei wechselten die Spieler jeweils nach 5 Zügen. Randys Team gewann, obwohl es gegen ein Team mit Magnus Carlsen, Ding Liren und Garry Kasparov antreten musste. Dieses Team bestand auch aus Yasser Seirawan, der in Partie 2 nicht seine beste Stunde erlebte! 


Statt mit 18.Sd5! zu gewinnen, zog Yasser 18.fxe7? und wurde danach gnadenlos aufgezogen von beiden Teams. Levon Aronian:

Ich habe noch nie eine so perfekte Zugfolge von Yasser gesehen. Ich berechnete, wann Yasser dran sein würde und schuf die Voraussetzungen dafür, dass Yasser sein wahres Selbst zeigen konnte!

Garry Kasparov witzelte später:

Game 2 war eine Katastrophe… Ich will Yasser nicht die Schuld dafür geben, aber ich muss ihm die Schuld geben!

Das Ultimate Moves kannst du dir hier noch einmal anschauen (und die dazugehörigen Partien findest du hier):

Der Sommer mag dem Ende entgegen gehen, aber das ist nicht das Ende des Schachs in St. Louis. Ab Monday beginnt bis Donnerstag (2.-5. September) ein Schach960-Turnier über 20 Runden Schnell- und Blitzschach. Das Highlight der Matches wird sicherlich Kasparov gegen Caruana sein. Garry wird dann hoffen, dass sich Fabiano dann an seiner Ankündigung zu Beginn des Ultimate Moves verschlucken wird:  

Ich möchte Garry einen Vorgeschmack darauf geben, was ihn nächste Woche erwarten wird!

Hier werden wir auf chess24 natürlich wieder übertragen - aslo sei mit dabei!

Weitere Links:


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