Allgemein 23.05.2020 | 13:28von chess24 staff

Ding Liren: Der stille Killer

Der Aufstieg Ding Lirens verlief schrittweise aber unaufhaltsam. Als erster chinesischer Spieler, der jemals in einem Kandidatenturnier spielte, hat er auch zwei World-Cup-Finales erreicht und eine ungeschlagene Serie von 100 Partien ohne Niederlage, als er 2017-18 die 2800-Marke durchbrach. Ein Playoff-Sieg gegen Magnus Carlsen im Sinquefield Cup, mit dem er die Grand Chess Tour gewann, zeigte, dass er alle Waffen hat, um ganz nach oben zu gelangen. Liang Ziming beschreibt einen bescheidenen Helden, den man auf eigene Gefahr unterschätzt, in der fünften Fortsetzung der #HeritageChess-Kampagne, unterstützt von der Lindores Abbey Preservation Society.  


Schlank, schüchtern, bescheiden und höflich – dies ist Ding Lirens erster Eindruck bei allen. Es ist wirklich schwer zu glauben, dass er ein weltweit führender Schachgroßmeister ist, der derzeit als dritthöchster Spieler der Welt eingestuft wird (Rating 2791 im Mai 2020).

Ding Liren spielte 2019 in den Lindores Abbey Chess Stars die im schottischen Fife stattfanden. Er beendete das Turnier hinter Magnus Carlsen aber vor Sergey Karjakin und Vishy Anand. Hier bespricht er seine Partien mit den GMs Gennadi Sosonko und Daniel King

Ding Liren wurde 1992 in Wenzhou geboren, der einzigen Stadt in China, die den Titel „Schachstadt“ trägt. Es ist auch die Heimatstadt von Chinas erstem Großmeister Ye Rongguang und der Weltmeisterin der Frauen, Zhu Chen.

Ding ist ziemlich talentiert in Gedankenspielen. Seine Mutter erzählte mir einmal diese kleine Geschichte: Eines Tages spielte Ding Lirens Großmutter mit ihren Freunden Mahjong, einem sehr beliebten traditionellen chinesischen Spiel, mit dem zweijährigen Ding Liren im Arm. Ding lernte die Regeln nur durch Zuschauen und - schockierend für alle Anwesenden - entdeckte sogar einen Gewinntrick für seine Oma in diesem Spiel.

Ding Liren als Kind nach dem Sieg im Li Chengzhi Cup | Foto: Chessbase

Ding Liren lernte Schach im Alter von 4 Jahren. Mit Training von Chen Lixing, Huang Xiwen, Qu Weixin und Wang Cheng (alle erfahrene Schachtrainer in Wenzhou) machte Ding Liren schnelle Fortschritte und gewann mehrmals die Nationale Jugendmeisterschaft. Einige Jahre später wurde er für das Provinzteam von Zhejiang ausgewählt und von Wang Jiaquan und Wang Wenhao betreut (sie sind die Cheftrainer des Schachteams von Zhejiang. GM Ye Rongguang, GM Zhu Chen und GM Xu Yuhua stammen alle aus dem Zhejiang-Team).

Im Jahr 2009 gelang Ding Liren ein großer Durchbruch. Mit 17 Jahren gewann er zum ersten Mal die chinesische Nationalmeisterschaft und war damit der jüngste Spieler, der jemals den chinesischen Nationaltitel gewann. Er übertraf Bu Xiangzhi, Wang Hao, Wang Yue, Li Chao und andere chinesische Topspieler. Mit diesem großen Sieg erlangte Ding Liren nicht nur den Titel eines Großmeisters, sondern er entschloss sich auch, ein professioneller Schachspieler zu werden.

Weitere Durchbrüche gelangen in den folgenden Jahren dank harter Arbeit und ernsthaftem Training. Im August 2014 übertraf Ding Liren (2742) Wang Hao und wurde Chinas höchstgerankter Spieler. Im September 2017 qualifizierte sich Ding Liren als erster chinesischer Spieler für ein Kandidatenturnier, indem er das Weltcup-Finale erreichte. 

Ding Liren hat zwei aufeinanderfolgende World-Cup-Finales gespielt, aber beide verloren: gegen Levon Aronian (2017) und Teimour Radjabov (2019) | Foto: Anastasia Karlovich, Offizielle Website

Ein Jahr später, im September 2018, war Ding Liren der erste chinesische Spieler, der die 2800er-Marke überschritt, indem er den ehemaligen Weltmeister Veselin Topalov in einem Match in seiner Heimatstadt besiegte.

Eine Feier für Ding Liren, der Mikhail Tals Serie von 95 Partien ohne Niederlage überbot während der Shenzhen Masters 2018 - Ding schaffte sogar 100 Partien, ehe er gegen MVL beim gleichen Event verlor | Foto: Chinesischer Schachverband

Im vergangenen August gewann Ding Liren das Superturnier in St. Louis, USA, bei dem er Magnus Carlsen bemerkenswerterweise in den Tie-Breaks besiegte, eine Leistung, die er noch nie zuvor erreicht hatte und mit der nur wenige Weltklassespieler prahlen können.

Mit diesem historischen Sieg setzen viele Menschen in China ihre Hoffnungen darauf, dass er bald Weltmeister wird. Allerdings sagte Ding offen, dass er nie davon geträumt habe, Weltmeister zu werden. Stattdessen konzentriert er sich lieber auf den Prozess des Trainings selbst und hofft, wirklich wundervolle Partien zu spielen.


Liang Ziming

Liang Ziming ist Schachjournalist seit 2003, und er ist der Nachrichtenbeauftrage des chinesischen Schachverbands. Er arbeitet jetzt für chess24 an chinesischen Inhalten und Übersetzungen.


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