Allgemein 14.05.2014 | 20:45von chess24 staff

Die Schacholympiade in Geldnöten

Die Schacholympiade In Tromsø hat einen ernsten Dämpfer erlitten, nur drei Monate, bevor am ersten August der erste Zug ausgeführt werden soll. Das worst-case Szenario? Die Absage des ganzen Events. Tarjei Svensen berichtet von den heutigen News aus Norwegen.

von Tarjei J. Svensen

Die Schacholympiade in Tromsø  dieses Jahr scheint in ernster Gefahr zu sein, nachdem es heute Nachrichten von der norwegischen Regierung gab. Was ist los?

"Schacholympiade könnte abgesagt werden" war die sensationelle Überschrift der norwegischen Zeitung Nordlys

Es folgt eine Zusammenfassung der jüngsten Geschehnisse.

“Ernsthafte Konsequenzen”

Während der heutigen Revision des norwegischen Staatshaushalts wurde verkündet, dass die Veranstaltung die zusätzlichen 15 Millionen NOK (etwa 1.85 Millionen EUR), die die Organisatoren beantragt hatten, nicht erhalten werde. 

Die Nachricht schlug in einem Großteil der einheimischen Presse am Mittwoch große Wellen - “Schacholympiade in Tromsø könnte abgesagt werden", “Schacholympiade 2014 von der Regierung schachmatt gesetzt”, “Die Lage ist kritisch und dramatisch”, “Schacholympiade braucht Geld”, waren nur einige der Schlagzeilen.

"Regierung versetzt Schacholympiade in Geldnöte", war Aftenposten's Überschrift

"Tromsø zieht in Betracht, die Schacholympiade abzusagen" titelte VG Nett 

Jøran Aulin-Jansson, der Präsident des norwegischen Schachverbands, äußerte sich bei VG:

Die Folgen sind sehr ernst. Wir sind in einer Situation, in der wir abwägen müssen, ob wir die Schacholympiade ausrichten können.

Wir hatten große Hoffnungen, dass dieser Betrag gedeckt werden würde. Ich dachte, die Politiker würden den Sinn darin erkennen.

Staatssekretär Knut Olav Åmås scheint zusätzliche finanzielle Hilfe von der Regierung auszuschließen:

Die Veranstalter der Schacholympiade haben bereits  75 Millionen NOK [etwa 9.23 Millionen EUR] vom Staat erhalten. Das sind fünf Millionen mehr als ursprünglich beantragt, sie haben zusätzliche fünf Millionen für die Eröffnungsfeier bekommen.

Wenn man Hilfe vom Staat kriegt, muss man das Event der Summe anpassen, die man beantragt und erhalten hat. Wir sind nicht in der Lage, weitere Hilfe zu geben.

Obwohl der Staatssekretär weitere Mittel ausschließt, muss das Budget am 20.Juni noch vom Parlament diskutiert und genehmigt werden. Wie dem auch sei, es scheint als müsse deutlich vorher eine Entscheidung her.

Hintergrund

Im Mai 2010 gab die norwegische Regierung  eine Garantie für 75 Millionen NOK, welche entscheidend für die Bewerbung um die Ausrichtung der Schacholympiade in Tromsø. Zum Zeitpunkt des Beantragens der staatlichen Mittel, im April 2009, war es jedoch noch nicht bekannt, dass eine Bewerbung die Ausrichtung des FIDE World Cup 2013 beinhalten müsse, um berücksichtigt zu werden.

Hans Olav Karde, der Voristzende des "Tromsø 2014" Vorstands, sagte iTromso.no:

Dadurch erwischten wir einen schlechten Start. Die Kriterien, auf denen unsere Bewerbung 2009 basierte, wurden unterwegs geändert. Der World Cup kostete 13.6 Millionen NOK. Eine Rekordzahl von Nationen wird an der Schacholympiade im August teilnehmen, was unsere Kosten für Unterbringung und Verpflegung um 2 Millionen NOK erhöht.

Nach einem “Plan B” gefragt,sagte Karde :

Zuerst müssen wir mit unseren Besitzern sprechen. Sollten wir das von uns erwartete Geld nicht bekommen, müssen wir uns zusammensetzen und überlegen, was als Nächstes kommt.

Die Tromsø 2014 Organisation gehört 90% Gemeinde Tromsø und zu 10% dem norwegischen Schachverband. Keiner der Beiden hat die Ressourcen, die benötigten Mittel zu stellen.

Auf die Frage, ob man das Event drei Monate vor Beginn absagen könne, sagte Karde zu VG:

Wir haben natürlich gewisse Verpflichtungen der FIDE gegenüber. Wir haben Garantien gegeben, dass sie unser Geld andernorts zur Organisation der Schacholympiade einsetzen können, sollte die Ausrichtung in Tromsø scheitern.

Karde dementierte, dass sein Statements nur den Sinn hätten, “Politiker unter Druck zu setzen, Geld zu geben":

Es geht nicht darum, irgendjemand unter Druck zu setzen, sondern zu erkennen, dass wir einen Punkt erreicht haben, an dem wir erklären müssen, wie die Lage ist. Die Zahlen gehen nicht auf, also müssen wir ehrlich sein.

Karde sagt, man benötige eine Entscheidung bis Ende Mai, um planen zu können ob das Event ausgerichtet werden kann oder nicht.

Noch Licht am Ende des Tunnels?

Levon Aronian feiert den armenischen Sieg bei der Olympiade 2012 in Istanbul | foto: David Llada, official website

Obwohl die Lage im Moment finster ist, gibt es noch Hoffnung. Karde äußerte sich am Mittwochabend auf NTB:

Auch wenn das Kulturministerium vorschlägt, uns den fehlenden Betrag nicht zu geben, wissen sie genau, warum wir ihn beantragt haben und was die Folgen der Ablehnung wären.

Aulin-Jansson möchte kein finales Datum äußern, wann Gewissheit herrschen müsse:

Je früher, desto besser. Es gibt noch Hoffnung, es wird Verhandlungen zwischen der Regierung und den Partnern geben. Ich hoffe, gesunder Menschenverstand setzt sich durch.

Ola Elvestuen, 2.Vorsitzender der Venstre  Partei, Partner der "Konservative und Fortschritt" Partei in der Regierungskoalition , schließt eine Absag des Events aus:

Dies ist ein wichtiger Fall, um den die Regierung sich hätte kümmern müssen. Dies ist nicht geschehen, als müssen wir es in den Budgetverhandlungen diskutieren.


Tromsø Vorstandsmitglied tritt zurück

Vor einem Monat wurde die Firma KPMG als Hauptsponsor von Tromsø 2014 verkündet. Weitere relevante Sponsoronverträge wurden vorher abeschlossen mit  Sparebank 1 Nord-Norge und der University of Tromsø, während NRK, das Staatsfernsehen, die Fernsehrechte erworben hat. 

Es ist jedoch nicht alles nach Plan gelaufen in Tromsø. Diverse Stimmen in der Tromsø Organisation haben offen ihren Ärger geäußert über die Bemühungen des norwegischen Schachverbands, Mittel für die Bewerbung um den Schach-WM-Kampf zu finden.

Anfang dieser Woche trat Ulf Hansen, Mitglied des Tromsø 2014 Vorstands, aus Protest von seinem Amt zurück. Er warf Aulin-Jansson, dem Präsidenten des Schachverbandes, fehlende Loyalität vor:

Ich halte dies für illoyal vom Präsidenten, es sieht aus wie ein Alleingang. Er ist auch der zweite Vorsitzende von Tromsø 2014, und das 2008.

Aulin-Jansson wies die Anschuldigungen zurück:

Ich teile diese Meinung in keinster Weise. Ich wollte nicht illoyal sein und hätte auch keinen Grund dazu. Wir müssen wohl akzeptieren, dass Ulf Hansen und ich verschiedener Meinung sind

In jedem Fall wird die Schachwelt hoffen, dass die Lage bald geklärt wird. Es ist an der Zeit, für die 1500 Spieler und Offiziellen, ihren Sommer zu planen. Als Beispiel hier ein heutiger Tweet des englischen Großmeisters Nigel Short:

Update: chess24 stellte dem Präsidenten des norwegischen Schachverbands Jøran Aulin-Jansson ein paar Fragen zur aktuellen Situation:

chess24: Hängt die Ausrichtung des Events an der vollen Summe von 15 Millionen NOK, oder könnte es auch mit einer kleineren Summe, sagen wir 10 Millionen und Einsparungen, stattfinden?

Aulin-Jansson: Die Schacholympiade braucht die volle Summe, um das Erlebnis zu schaffen, das wir jedem nach der Teilnahme wünschen. Die Organisatoren wissen seit einer Weile um diese Situation, aber haben versucht, im Vorfeld Mittel zu sparen, um die Kosten zu decken. Dies hat auch funktioniert, wenn auch nicht im erhofften Maße. Es gibt drei Hauptgründe, warum wir das Geld brauchen:

  • Die 13 Millionen für den World Cup
  • In unserem Budget planten wir mit 150 Nationen, es wurden aber 181
  • Bei unserer Bewerbung an den Staat baten wir um eine Summe in "2009 Geld", aber wir haben "2014 Geld". Soll heißen, es ist nicht inflationsbereinigt. Das macht einen Unterschied von ca. 6 Millionen NOK.

Zählt man das zusammen, ist man bei über 20 Millionen. Wenn wir nach 15 Millionen fragen, dann brauchen wir diese Summe.

Gibt es noch Kontakte und Diskussionen mit potentiellen Sponsoren?

Ja, wir sind mit mehreren Sponsoren in Kontakt. Kommen diese an Bord, können wir das Erlebnis weiter verbessern.

Hans Olav Karde sagte VG, man brauche bis Ende Mai eine Entscheidung, Sie sagen, es gibt kein finales Datum. Wann können wir mit einer Entscheidung rechnen?

‌So schnell wie möglich. Sprich, es ist dringend.

Staatssekretär Knut Olav Åmås vom Kultusministerium schließt weitere Hilfe aus und sagt, "das Event müsse sich an die Mittel anpassen, die es beantragt und erhalten hat". Was ist Ihre Meinung dazu?

Ich wünschte, er könne den Sinn in unserem Antrag sehen und warum wir es brauchen. Zum Glück tut Ola Elvestuen von Venstre dies und ich habe mit diversen anderen gesprochen, die den Sinn auch sehen.

Siehe auch:


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