Allgemein 14.02.2020 | 21:12von Colin McGourty

Die Paarungen des Kandidatenturniers 2020 stehen fest

Das Kandidatenturnier 2020, das Magnus Carlsens nächsten Herausforderer bestimmt, beginnt in etwas mehr als einem Monat und die Paarungen wurden heute bekannt gegeben. Es werden Radjabov-Caruana, Ding Liren-Wang Hao, Giri-Nepomniachtchi und Grischuk-Alekseenko in Runde 1 aufeinander treffen. Das Schachturnier, auf das sich viele am zweitmeisten in diesem Jahr freuen, beginnt am Dienstag, den 17. März im russischen Jekaterinburg. Wir werfen einen ersten Blick auf das, was wir erwarten dürfen, obwohl wir noch weitere Berichte folgen lassen werden, bevor es dann auch endlich losgeht.

FIDE Präsident Arkady Dvorkovich beim Ziehen der Paarungen im russischen Sportministerium in Moskau | Foto: Eteri Kublashvili, Russischer Schachverband

Schauen wir uns einmal direkt zu Beginn die Paarungen an. Alle Paarungen des zermürbenden, 14-rundigen Turniers kannst du sehen, wenn du in der Grafik unten durch die einzelnen Runden klickst. Beachte aber, dass die Paarungen nicht absolut zufällig sind, da Spieler aus der gleichen Nation so früh wie möglich aufeinandertreffen, um jedweden Vorwurf von Absprachen im Keim zu ersticken - daher spielen Ding Liren und Wang Hao in den Runden 1 und 8 gegeneinander, während die drei russischen Spieler in den Runden 1-3 und 8-10 aufeinandertreffen. Selbst dann, wenn sie theoretisch eine Absprache treffen wollten (was nur Verschwörungstheoretiker glauben würden), wäre es zu früh, um zu wissen, welches Ergebnis für ihre jeweiligen Länder das Beste ist.

Ebenfalls anwesend neben Dvorkovich waren der russische Sportminister Oleg Matytsin, der sagte, Russland erwäge die Einführung von Schach in Schulen, und die ehemalige Tennisspielerin Anastasia Myskina. | Foto: Eteri Kublashvili, Russischer Schachverband

Wo wird gespielt?

Das Kandidatenturnier 2020 wird im 5-Sterne-Hotel Hyatt Regency in Jekaterinenburg (der viertgrößten Stadt Russlands mit 1,4 Millionen Einwohnern) ausgetragen. Die Stadt befindet sich östlich des Ural-Gebirges und ist fast 2000km von Moskau entfernt. Die Einheimischen kann man jedoch sehr gut damit ärgern, wenn man Jekaterinenburg als Sibirien bezeichnet (zur in der Schachwelt bekannten Stadt Khanty-Mansiysk sind es noch einmal 1000km).


Warum findet es in Jekaterinenburg statt? Der Hauptsponsor ist der exzentrische lokale Geschäftsmann Andrej Simanovsky, der auch der Präsident des regionalen Schachverbandes ist. Sein Einzelhandelsunternehmen Sima-Land sponserte privat Aleksandra Goryachkina während des Matchs um die Frauenweltmeisterschaft und ist auch auf dem Logo des Kandidatenturniers zu sehen.


Wie sieht das Format aus?

Wie immer seit 2013 wird das Turnier mit 8 Spielern und doppelrundig ausgetragen, sodass jeder gegen jeden zwei Mal spielt, einmal mit Weiß und einmal mit Schwarz. In Summe macht das 14 Runden. Die Bedenkzeit ist "klassisch langsam", also 100 Minuten für 40 Züge, 50 Minuten für die nächsten 20 und 15 Minuten bis zum Ende der Partie - mit 30 Sekunden Inkrement beginnend mit Zug 1.

Trotz der Kontroverse über das Fehlen eines Stechens um den ersten Platz - vor allem, seit Magnus Carlsen und Vladimir Kramnik 2013 die gleiche Punktzahl erzielten - bleibt das Reglement unverändert. Wir werden nur dann ein Stechen im Schnellschach sehen, wenn der direkte Vergleich, die Anzahl der Siege und die Sonneborn-Berger-Wertung zwischen den Spielern, die auf Platz 1 liegen, gleich sind (was sehr unwahrscheinlich ist).

Eine nennenswerte Regeländerung gibt es aber trotzdem: Remisangebote vor Zug 40 sind nicht erlaubt.

Wann wird gespielt?

Die Eröffnungszeremonie findet am 16. März statt und das Turnier beginnt dann am 17. März. Es werden jeweils drei Runden gespielt, wonach eine Ruhetag folgt - bis zu den letzten beiden Partien:

17. März: Runde 1
18. März: Runde 2
19. März: Runde 3

20. März: Ruhetag

21. März: Runde 4 
22. März: Runde 5
23. März: Runde 6

24. März: Ruhetag

25. März: Runde 7
26. März: Runde 8
27. März: Runde 9

28. März: Ruhetag

29. März: Runde 10
30. März: Runde 11
31. März: Runde 12

1. April: Ruhetag

2. April: Runde 13
3. April: Runde 14

Die Partien beginnen um 15 Uhr lokaler Ziel. Das bedeutet, dass die Runde um 11 Uhr deutscher Zeit startet. Aufgrund der Zeitumstellung in Europa wird sich diese Zeit jedoch noch während des Turniers um eine Stunde nach hinten verschieben, da in Russland ganzjährig die gleiche Zeit gilt.

Um was geht es?

Der Preisfonds ist mit 500.000 Euro dotiert, aber es geht eigentlich nur um den ersten Platz, der dem Gewinner das Recht gibt, später im Jahr ein Match gegen Magnus Carlsen um den Weltmeistertitel zu spielen. Dieses Match wird voraussichtlich im Rahmen der Expo in Dubai im November 2020 stattfinden, mit einem Preisgeld von mindestens 2.000.000 Euro, also doppelt so viel wie in London 2018.

Wer spielt mit und wie haben sich die Teilnehmer qualifiziert?

Hier findest du die Teilnehmer am Kandidatenturnier und wie sie sich qualifiziert haben (die Elo-Zahlen sind die aktuellen):

NameFEDEloWeltranglistenplatzQualifikation
1Fabiano Caruana28422Verlierer des WM-Kampfs 2018
2Ding Liren280532019 World Cup: Zweiter
3Alexander Grischuk277742019 Grand Prix: Sieger
4Ian Nepomniachtchi277452019 Grand Prix: Zweiter
5Teimour Radjabov276592019 World Cup: Sieger
6Anish Giri276311Höchster Eloschnitt 2019
7Wang Hao2762122019 Grand Swis: Sieger
8Kirill Alekseenko 269838Wildcard

Kirill Alekseenko wurde von den Organisatoren ausgewählt, nachdem sich herausstellte, dass er als einziger russischer Spieler die Wildcard-Voraussetzungen erfüllte. Beim Grand Swiss auf der Isle of Man wurde er Dritter hinter Wang Hao und Fabiano Caruana, die beide bereits qualifiziert waren.

Die 8 Gladiatoren | Quelle: FIDE

Ist das diesjährige Turnier schwächer?

Es wurde gemutmaßt, dass das diesjährige Feld beim Kandidatenturnier schwächer sein könnte als sonst, aber die Zahlen belegen das nicht wirklich. Der Eloschnitt (basierend auf der Live-Liste) beträgt 2773. Das ist niedriger als 2013 (2786), 2016 (2778) und 2018 (2786), aber höher als 2014 (2770). Ähnlich war damals, dass Dmitry Andreikin (2709, Weltranglisteposition 42) wie Kirill Alekseenko dieses Jahr (2698 und Nr. 38 der Welt) Außenseiter waren, wobei sich Andreikin über den World Cup 2013 qualifiziert hatte. Am Ende wurde Andreikin Vierter.

Ansonsten waren die Felder des Kandidatenturniers trotz der sich ändernden Qualifikationsprozesse bemerkenswert konsistent. In diesem Jahr haben wir derzeit die Weltnummern 2-5 und die Nummer 9 (Radjabov) am Start, womit wir fünf Top-10-Spieler haben, genau wie in den Jahren 2013, 2014, 2016 und 2018! Einige große Namen fehlen natürlich - Vladimir Kramnik hat seine Karriere beendet, Levon Aronian verpasste die Qualifikation (obwohl er bei den letzten vier Kandidatenturnieren mit dabei war) und natürlich spielt MVL nicht mit, aber das ist nichts Neues.

Das ist das erste moderne Kandidatenturnier, an dem weder Kramnik noch Aronian teilnehmen - noch 2014 waren sie die Nr. 1 und 2 der Setzliste, doch Anand gewann. Weder Kramnik noch Aronian haben das Kandidatenturnier jemals gewinnen können! | Foto: Homepage des Kandidatenturniers 2014

MVL hat niemals ein Kandidatenturnier gespielt, aber zu Beginn des Turniers stand er in der Weltrangliste jeweils wie folgt da: 2013: Platz 27, 2014: Platz 10, 2016: Platz 5, 2018: Platz 6, 2020: Platz 8. In 2018 war MVL der Spieler mit der höchsten Elo, der dennoch nicht am Turnier teilnahm. Doch auch Karjakin (Platz 5, 2013), Caruana (Platz 5, 2014), Kramnik (Platz 2, 2016) und Aronian (Platz 6, 2020) als auch So (Platz 7, 2020) fehlten zuletzt bei Kandidatenturnieren.

Wer ist der Favorit?

Fabiano Caruana und Ding Liren sind die Favoriten. Fabianos Sieg beim Tata Steel Masters macht ihn wohl zur klaren Nummer 1. Fabiano hat regelmäßig Superturniere gewonnen und hat natürlich die Erfahrung, 2016 sehr nahe dran gewesen zu sein und 2018 das Kandidatenturnier dann auch gewonnen zu haben. Ding Liren hat weniger Erfahrung, aber er hat 2018 in Berlin ungeschlagen +1 erzielt und insbesondere beim Sinquefield Cup im vergangenen Jahr gezeigt, dass er bereit ist, Superturniere zu gewinnen.

Ding Liren hat gezeigt, dass er selbst Magnus Carlsen im Schnellschach ebenbürtig sein kann - das könnte in einem WM-Match noch wichtig werden! | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Das Kandidatenturnier war jedoch selten ein Selbstläufer für die Favoriten. Magnus Carlsen war 2013 der einzige Topgesetzte, der das Turnier dann auch gewinnen konnte. Die anderen Sieger lauten Anand (Nr. 4, 2014), Karjakin (Nr. 7, 2016) und Caruana (Nr. 5, 2018).

Ian Nepomniachtchi, Wang Hao und Kirill Alekseenko stehen bei ihrem Kandidatenturnier-Debüt vor der schwierigen Herausforderung, zu gewinnen, aber zumindest Nepomniachtchi und Wang Hao besitzen eine gewisse Erfahrung. Wang Hao ist wie auch Teimour Rajdabov ein Star der Vergangenheit. Doch seine Klasse ist sicherlich von dauerhafter Natur.

Alexander Grischuk und Anish Giri sind zwei Spieler, die man nie abschreiben sollte, wobei Giri auch die Erfahrung gemacht hat, 2018 als Sekundant für Vladimir Kramnik zu arbeiten. Es ist möglich, dass er seine 14 Remis aus dem Jahr 2016 nicht nachahmen wird!

Über die Chancen der einzelnen Spieler werden wir in den folgenden Wochen noch Einiges zu berichten wissen.

Wird das Coronavirus das Turnier beeinflussen?

Eine große Unbekannte für das diesjährige Turnier hat nichts mit Schach zu tun. Das Coronavirus hat bei mehreren internationalen Großveranstaltungen für Verwirrung gesorgt - und das Kandidatenturnier mag da keine Ausnahme sein. Einige Länder haben Reiseverbote für Personen aus China verhängt. Während Russland noch nicht so weit gegangen ist, soll dennoch sogar der chinesische Generalkonsul Cui Shaochun nach seiner Ankunft in Jekaterinburg für 14 Tage unter Quarantäne stehen.

Ding Liren und Wang Hao mussten ihre Vorbereitungspläne in China ändern und müssen möglicherweise auch ihre Reisepläne noch anpassen, obwohl das Ganze dadurch etwas komplizierter wird, dass Wang Hao Zeit in Japan verbracht hat!

Essen mit GM Wang Hao in Tokio. Ich wünsche mir, dass er beim Kandidantenturnier im nächsten Monat gut abschneiden wird!

Natürlich kann aber auch nicht ausgeschlossen werden, dass andere bzw. weitere Spieler beeinträchtigt sein werden und dass Partien womöglich nicht vor Ort gespielt werden können.

Sicher ist jedoch, dass das Kandidatenturnier eines der faszinierendsten und am eifrigsten verfolgten Schachereignisse des Jahres 2020 sein wird. Wir werden hier einen Live-Kommentar auf chess24 mit einigen bekannten Namen haben, sowie weitere Berichte in den kommenden Wochen - schaut einfach häufig vorbei!

Weitere Partien:


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