Allgemein 05.09.2015 | 05:00von chess24 staff

Die besten Schachbücher aller Zeiten

Bei der Frage nach guten Schachbüchern scheiden sich gewöhnlich die Geister und es entstehen nicht selten hitzige Diskussion darüber, welchem Buch man denn nun wirklich Kultstatus einräumen darf. Jeder hat in Bezug auf den Schreibstil des Autors eigene Präferenzen, jeder stellt sich diese Frage vor einem anderen Spielstärkehintergrund und niemand hat alle Schachbücher gelesen. Niemand - außer natürlich das Team von chess24, das sich gestern Abend nach Feierabend mit einer Tasse starkem Kaffee bewaffnet hat und für euch einmal schnell alle Schachbücher auf dieser Welt gelesen hat, um heute mit einem überzeitlichen, unantastbaren und finalen Urteil aufzuwarten! 


Ernst beiseite:

Die tägliche Action auf den karierten Holzbrettern beim Sinquefield Cup 2015 ist passé und bis zum FIDE Worldcup, der am 10. September in Baku beginnt, bietet sich ein wenig Zeit, das ein oder andere Thema fürs Feuilleton unter die Lupe zu nehmen. So melden wir uns mit unserer Kolumne „Die 7. Reihe" wieder zum Dienst und möchten euch in dieser Episode einmal die in unseren Augen sieben besten Schachbücher aller Zeiten präsentieren: 

1. Meine großen Vorkämpfer (Buchreihe) von Garry Kasparov

Garri Kasparov setzte sich nicht nur als Schachspieler, sondern auch als Autor ein Denkmal. In seiner Buchreihe „Meine großen Vorkämpfer“, an der er über ein Jahrzehnt arbeitete, lässt er das Schaffen der großen Spieler vor seiner Zeit schachlich und historisch ausführlich Revue passieren. Das Mammutwerk umfasst in deutscher Sprache sieben Bände, beginnend bei François-André Danican Philidor und endend bei Anatoli Karpov. Kasparov analysiert die Partien seiner Vorgänger nach modernen Maßstäben, wodurch er das historische Material neu bewertet und ordnet. Der Leser wird auch in eine über 200-jährige Zeitreise in die Vergangenheit geschickt, auf der er die Entwicklung des königlichen Spiels bis in die Moderne nachvollziehen kann. In der englischen Ausgabe besteht die Buchreihe „My Great Predecessors“ aus bislang zehn Bänden. In fünf geht er analog zur deutschen Ausgabe auf seine Vorgänger ein, bevor er sich in den weiteren Bänden den Entwicklungen in den 70er Jahren und seinen WM-Kämpfen gegen Anatoli Karpov widmet.

Garry Kasparov (hier im Gespräch mit Maurice Ashley) ist nicht nur ein hervorragender Autor, sondern trat erst am Donnerstag beim Spaß-Wettkampf "Ultimate Moves" im Rahmen des Sinquefield Cups 2015 am Brett in Erscheinung. Hier könnt ihr euch das Abschluss-Event mit allen Top-Großmeistern in guter Laune nochmals zu Gemüte führen | Foto: Lennart Ootes

2. Die Endspieluniversität von Mark Dvoretsky

Mark Dvoretsky bildet mit Artur Jussupow ein kongeniales Duo, das zahlreiche Bücher veröffentlicht hat und als Trainergespann weltweit aktiv ist. Die „Endspieluniversität“ ist allerdings ein Soloprojekt und ein moderner Klassiker im Bereich der Endspielliteratur. Auf über 500 Seiten fasst der Autor die theoretischen Erkenntnisse zusammen und liefert seitenweise praktisches Material mit tiefen Analysen. Die Lektüre dieses Buches eignet sich sowohl für Amateure, die die einfachen Prinzipien erlernen möchten, aber auch für ambitionierte Schachspieler, die auf dem Weg zu einem Meistertitel sind.

3. Sternstunden des Schachs. Zürich 1953 von David Bronstein

Es ist ungewöhnlich, dass ein Großmeister ein Buch über ein Turnier veröffentlicht, an dem er teilnahm, aber „Sternstunden des Schachs. Zürich 1953“ ist so ein Buch. David Bronstein belegte beim Kandidatenturnier, an dem außer dem Weltmeister Mikhail Botvinnik die stärksten Spieler der Welt partizipierten, den 2. Platz. In seinem Werk analysiert Bronstein alle Partien der fast zwei Monate dauernden Veranstaltung, die durch den Ost-West-Konflikt gekennzeichnet war, und gewährt dem Leser einen Blick hinter den Kulissen. Sein Stil ist tiefschürfend, selbstkritisch und unterhaltsam. Zürich 1953 ist der Klassiker unter den Turnierbüchern. 

4. Meine 60 denkwürdigen Partien von Bobby Fischer

In „Meine 60 denkwürdigen Partien“ analysiert und kommentiert Robert James „Bobby“ Fischer eine Auswahl seiner Partien, die er zwischen 1957 und 1967 gespielt hat. Fischer unterzieht seine Partien einer kritischen Analyse, wodurch das Werk für alle Spielstärken sehr lehrreich ist, lässt aber auch Einblicke in sein Denken und Fühlen zu, wodurch der Leser auch der Person näherkommt. Das Werk ist ein Klassiker der Schachliteratur und in seiner ersten Ausgabe aus dem Jahr 1969 längst vergriffen. Es gibt einige in verschiedenen Sprachen erschienene Nachfolgeausgaben, auch unautorisierte, von denen sich jeder Schachfreund eine sichern sollte.

5. Angriffslektionen 1 & 2 von Jacob Aagard

In seiner zweibändigen Reihe „Angriffslektionen 1 & 2“ legt Jacob Aagard ein Meisterwerk zum Thema „Angriff“ vor. Auf über 700 Seiten und in 15 Kapiteln behandelt er alle taktischen Motive, von der Fesselung bis zum intuitiven Opfer. Aagard besticht durch seine tiefen Analysen, seinen persönlichen aber gleichzeitig um Objektivität bemühten Schreibstil und seine wissenschaftliche Vorgehensweise. Er hat alle Klassiker zum Thema studiert und evolutioniert mit seiner Arbeit den Status Quo. „Angriffslektionen 1 & 2“ wurde 2010 vom britischen Schachverband als Buch des Jahres ausgezeichnet.

Großmeister Ilja Zaragatski präsentiert euch stolz unseren scheckheftgepflegten Schachbücherschrank

6. Mein System von Aaron Nimzowitsch

„Mein System“ ist vielleicht das berühmteste Lehrbuch der Schachgeschichte. Es richtet sich insbesondere an Anfänger sowie Amateure und diente vielen Schachmeistern insbesondere zu Beginn ihrer Karriere als Einstiegswerk. Aaron Nimzowitsch gehörte zu Beginn des 20. Jahrhunderts weltweit zu den stärksten Spielern und beschritt mit seiner Arbeit neue Wege, indem er zahlreiche und für die damalige Zeit moderne Konzepte einführte. Das Buch ist unterteilt in drei große Blöcke mit den Titeln „Die Elemente“, „Positionsspiel“ und „Beispielpartien“. Das Original erschien im Jahr 1925, es gibt aber inzwischen einige Neuauflagen, die in verschiedenen Sprachen veröffentlicht wurden.

7. Von den Legenden lernen von Mihail Marin

„Von den Legenden lernen“ ist ein ausgezeichnetes Lehrbuch für den ambitionierten Schachspieler. Mihail Marin betrachtet acht Weltklassespieler aus einer sehr persönlichen Sicht und anhand bestimmter Stellungsmotive, die er dem jeweiligen Spieler zuspricht - z.B. widmet er sich Akiba Rubinsteins exzellenter Turmendspieltechnik. Dabei ist er immer nach größtmöglicher Objektivität bestrebt. Für diese methodisch-wissenschaftliche Herangehensweise ist der Autor auch in seinen anderen Werken bekannt und das macht ihn zu einem herausragenden Akteur der Schachliteratur. „Von den Legenden lernen“ wurde 2005 von der renommierten Webseite chesscafe.com als Buch des Jahres ausgezeichnet.


So sieht zumindest die Pflichtlektüre in unserer Schachbibliothek aus! Ihr seid anderer Meinung? Dann habt ihr leider unrecht und solltet eure Meinung noch einmal überdenken teilt uns doch einfach per Kommentar mit, welche Bücher bei euch besonders hoch im Kurs stehen und warum. Welches Schachbuch hat eurer Spielstärke einen gehörigen Push nach oben gegeben und welches muss man einfach jedem Schachliebhaber wärmstens ans Herz legen? 


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