Allgemein 27.08.2017 | 00:12von Colin McGourty

Der Weltpokal beginnt in einer Woche! Vorhersagen?

Weltmeister Magnus Carlsen führt das 128 Spieler umfassende Feld beim unterhaltsamsten und demokratischsten Turnier im Schachkalender an: der Weltpokal beginnt nächsten Sonntag in Tiflis (Georgien). Bei diesem riesigen K.o.-Turnier wird es fast einen Monat lang durchgehend zur Sache gehen, immerhin kämpft die versammelte Weltelite um 120.000 Dollar für den ersten Preis sowie zwei Plätze im Kandidatenturnier 2018. Wir werfen einen Blick auf die kommenden Geschehnisse sowie Kandidaten für den Turniersieg und geben euch die Gelegenheit, die Turnierergebnisse selbst vorherzusagen.

Der FIDE-Weltpokal 2017 findet in der wunderschönen Stadt Tiflis (Georgien) statt | Bild: Offizielle Turnierseite

Es ist beinahe so weit. Am Sonntag, den 3. September, werden ab 15:00 Uhr Ortszeit (13:00 Uhr MEZ) die 16 weltbesten Spieler bzw. 40 der 45 Spieler oberhalb der 2700 an den Brettern zu sehen sein: der mit 1,6 Millionen Dollar dotierte Weltpokal 2017 beginnt. Unsere Seite zum Turnier ist bereits abrufbar:

The venue is the Hualing Hotel in the Georgian capital of Tbilisi:

  • Hualing Hotel, Tiflis, Georgien

Es wird schnell viel passieren: nach drei Tagen sind von den 128 Spielern nur noch 64 übrig, und nach drei Wochen wird schließlich ein Spieler übrig bleiben. Die Matches bestehen in den ersten sechs Runden aus zwei klassischen Partien sowie einem Tiebreak am dritten Tag, wenn noch kein Sieger feststeht. Hier werden zwei Schnellschachpartien (25 Minuten + 10 Sekunden/Zug) gespielt, danach jeweils im Bedarfsfall zwei weitere Partien: zweimal 10 Minuten + 10 Sekunden/Zug, danach zweimal 5 Minuten + 3 Sekunden/Zug, und schließlich eine Armageddon-Partie! Weiß hat 5 Minuten, Schwarz nur 4, Zeitaufschläge gibt es erst ab dem 61. Zug - ein Remis bedeutet, dass Schwarz in die nächste Runde kommt. Das Finale wird im gleichen Format abgehalten, allerdings mit vier klassischen Partien. Es ist jenes Format, das die meisten Schachfans kennen und lieben - zumindest seit 2005...

Eine sehr kurze Geschichte des Weltpokals

Diese riesigen Turniere im K.o.-Format (bis 2000 waren es 100 Spieler, von denen die besten Spieler für die zweite Runde gesetzt waren - danach waren es 128) finden seit 1998 statt. Sie wurden vom FIDE-Präsidenten Kirsan Ilyumzhinov eingeführt und bildeten die offiziellen Weltmeisterschaften, was für Kontroversen sorgte. Es gab wegen der potentiellen Zufälligkeit in solch kurzen K.o.-Matches viel Kritik, doch das Experiment wurde bis 2004 weitergeführt. Die Finalteilnehmer lauteten wie folgt:       

  • 1998: 1. Anand, 2. Adams (Karpov war allerdings in einem abschließenden Match gesetzt, in dem er Anand 5:3 besiegte)
  • 1999: 1. Khalifman, 2. Akopian
  • 2000: 1. Anand, 2. Shirov
  • 2002: 1. Ponomariov, 2. Ivanchuk
  • 2004: 1. Kasimdzhanov, 2. Adams

Rustam Kasimdzhanov war beim kürzlich ausgetragenen Sinquefield Cup als Fabiano Caruanas Sekundant vor Ort und erklärte einige Vorteile des alten Weltmeisterschaftssystems gegenüber dem aktuellen, und sprach auch über Magnus Carlsens Entscheidung zur Teilnahme am Turnier:

2005 wurde aus dem selben K.O.-Turnier mit 128 Spielern der alle zwei Jahre ausgetragene Weltpokal, über den sich nur zwei oder drei Spieler für das Kandidatenturnier zur Weltmeisterschaft qualifizieren konnten. Beinahe alle Bedenken zum Turnier waren verschwunden, und wir konnten das Turnier einfach genießen. Seit damals gab es diese folgenden Finalbegegnungen:  

  • 2005: 1. Aronian, 2. Ponomariov
  • 2007: 1. Kamsky, 2. Shirov
  • 2009: 1. Gelfand, 2. Ponomariov
  • 2011: 1. Svidler, 2. Grischuk
  • 2013. 1. Kramnik, 2. Andreikin
  • 2015. 1. Karjakin, 2. Svidler

Einige Fakten zum Teilnehmerfeld

Die 128 Spieler, die 2017 dabei sind, wurden über ein kompliziertes System ausgewählt, in dem Wertungszahlen, Qualifikationsturniere, Nominierungen und mehr berücksichtigt werden - als Ergebnis sind fast alle der besten Spieler dabei, und es gibt eine große Vielfalt. Zum Beispiel:

Fehlende Spieler oberhalb der 2700: Veselin Topalov (Weltranglistenplatz 17), Leinier Dominguez (24), Arkadij Naiditsch (35), Dmitry Jakovenko (36) und Zoltan Almasi (40). Alle anderen spielen mit!

Ältester Teilnehmer: der sechsfache isländische Meister Johann Hjartarson ist 54 Jahre alt. Weitere Veteranen sind u.a. der Ägypter Essam El-Gindy (51), Alexey Dreev und Vassily Ivanchuk (48) sowie Vishy Anand (47)

Jüngster Teilnehmer: der 16-jährige Australier Anton Smirnov ist etwas jünger als die ebenfalls 16-jährigen Sam Sevian und Jeffery Xiong

Anton Smirnov beim jüngsten Match der Millenials in St. Louis, wo er auf Xiong und Sevian traf | Foto: Lennart Ootes, St. Louis Chess Club

Am stärksten vertretene Nation: Russland ist mit 20 Spielern am Start (mehr als 15% der Teilnehmer), während die USA und China mit jeweils neun Spielern vertreten sind

Erfolgreichster Spieler: Wie wir bereits im Abschnitt zur Geschichte weiter oben gesehen haben, hat Vishy Anand die K.O.-Phase solcher Turniere bereits zweimal gewonnen, während Ruslan Ponomariov einmal Erster (und damit jüngster Schachweltmeister) und zweimal Zweiter wurde. Peter Svidler weist das beste Ergebnis auf, wenn nur Weltpokale mit 128 Teilnehmern berücksichtigt werden: er gewann 2011 und wurde 2015 nach einer 2:0-Führung im Finale noch Zweiter.

Beste Spielerin: Die Nummer Eins der Frauen Hou Yifan wurde vom FIDE-Präsidenten nominiert. Die einzige andere Teilnehmerin ist Nana Dzagnidze, die vom Gastgeberland Georgien nominiert wurde.

Spieler mit der niedrigsten Wertungszahl: der Nigerianer Oluwafemi Balogun (geboren 1987) hat mit 2255 Elopunkten über 100 Zähler weniger als alle übrigen Teilnehmer. Er qualifizierte sich über den Sieg bei einem Zonenturnier: der in Monrovia (Liberia) ausgetragenen westafrikanischen Schachmeisterschaft. Er bekam durch diesen Sieg auch den FM-Titel zugesprochen und trifft in der ersten Runde auf den...

Spieler mit der höchsten Wertungszahl: Das ist mit 2822 natürlich Magnus Carlsen. Der Weltmeister musste im Gegensatz zu vielen seiner Rivalen nicht aus Qualifikationszwecken teilnehmen, ist aber seit Langem ein Befürworter des K.o.-Modus für Weltmeisterschaften. Er hat auch die Chance, ein Turnier zu gewinnen, das er noch nie gewann - die Tatsache, dass er sowohl im klassischen Schach als auch im Schnell- und Blitzschach an der Spitze der Weltrangliste steht, macht ihn natürlich zum perfekten Spieler für dieses Turnierformat. Sollte Magnus ins Finale vorstoßen, gibt es ein Playoff um den dritten Platz, da sich die beiden besten Spieler im Turnier für das Kandidatenturnier qualifizieren, in dem der nächste Herausforderer Magnus' um die Weltmeisterschaft ermittelt wird.    

Gestern war @MagnusCarlsen in unserem Büro in Oslo für ein Schachturnier mit unseren Angestellten, ihren Familien und Freunden!

Hartes Training!

Der Weg zum Titel

Wir können bereits in der ersten Runde mit Aufregern und Aufregung rechnen (ein beachtenswertes Duell ist etwa das zwischen dem jüngsten Spieler Anton Smirnov und Titelverteidiger Sergey Karjakin), während es in der zweiten Runde fast überall zu Kämpfen zwischen Schwergewichten kommen wird: so etwa Carlsen - Dreev,  Svidler - Amin, Kramnik - Areshchenko, Ivanchuk - Duda, Harikrishna - Ponomariov, Aronian - Hou Yifan, Matlakov - Andreikin, Radjabov - Artemiev, Vallejo - Tomashevsky, Nakamura - Anton, Caruana - Fressinet, Wei Yi - Rapport, Gelfand - Wang Hao...

Das alles beruht selbstverständlich auf der Annahme, dass sich jeweils die Favoriten (auf Grund der FIDE-Liste vom August 2017) durchsetzen. Das Viertelfinale könnte so aussehen:

  • Magnus Carlsen - Maxime Vachier-Lagrave
  • Vladimir Kramnik - Levon Aronian
  • Wesley So - Hikaru Nakamura
  • Fabiano Caruana - Shakhiryar Mamedyarov

Der Weg zum Titel würde für die Top 10 so aussehen:

  • 1. Magnus Carlsen: R1: Balogun, R2: Dreev, R3: Bacrot, R4: Svidler, VF: MVL, HF: Kramnik, F: So

Ihr könnt hier bei bracketcloud nachsehen, was passiert, wenn die Favoriten gewinnen

  • 2. Wesley So: Ruiz Castillo, Mareco, Vallejo, Nepomniachtchi, Nakamura, Caruana, Carlsen
  • 3. Fabiano Caruana: Solomon, Fressinet, Vitiugov, Wei Yi, Mamedyarov, So, Carlsen
  • 4. Vladimir Kramnik: Dai Changren, Areshchenko, Ivanchuk, Giri, Aronian, Carlsen, So
  • 5. Levon Aronian: Cawdery, Hou Yifan, Matlakov, Karjakin, Kramnik, Carlsen, So
  • 6. Shakhriyar Mamedyarov: Liu Guanchu, Kuzubov, Gelfand, Ding Liren, Caruana, So, Carlsen
  • 7. Hikaru Nakamura: Mollah Abdullah, Anton, Fedoseev, Anand, So, Caruana, Carlsen
  • 8. Maxime Vachier-Lagrave: Khusenkhojaev, Grachev, Eljanov, Grischuk, Carlsen, Kramnik, So
  • 9. Alexander Grischuk: El Gindy, Jones, Navara, MVL, Carlsen, Kramnik, So
  • 10. Vishy Anand: Yeoh, Akobian, Adams, Nakamura, So, Caruana, Carlsen

Natürlich wird voraussichtlich keines dieser Szenarien genau so eintreffen, vor allem deshalb, da die Matches in nur zwei Partien und danach im Schnellschach entschieden werden. Und das bringt uns zu...

Eure Vorhersagen

Ihr könnt uns in den Kommentaren mitteilen, wer eurer Meinung nach gewinnen oder die Überraschung des Turniers wird. Und falls ihr unerschrocken seid, könnt ihr auch versuchen, die Ergebnisse aller 127 Matches vorherzusagen! 

Geht einfach zur Turnierklammer, die wir bei Challonge eingerichtet haben, klickt auf "Erstelle eine Vorhersage" und gebt dann eure Tipps ab. Ihr könnt das einfach zum Spaß machen, aber falls ihr eure Vorhersage vor dem Turnierbeginn an uns schickt, könnt ihr während des Turniers Punkte bekommen - wir haben sogar einen Preis für euch (entweder eine kostenlose Premium-Mitgliedschaft oder vielleicht eine Schachlektion mit einem unserer Starspieler für den Sieger).

Bleibt nur noch, euch auf den Turnierbeginn (Sonntag, den 3. September, ab 15:00 Uhr MEZ) und die Sendung bei chess24 hinzuweisen. Wir werden voraussichtlich Live-Berichterstattung auf Englisch und auf Spanisch anbieten, aber noch sind nicht alle Einzelheiten geklärt.

Weitere Links:


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