Berichte 12.04.2019 | 20:30von Colin McGourty

Der 15-jährige Firouzja trumpft in Reykjavik mächtig auf

Der aufstrebende iranische Jugendstar Alireza Firouzja könnte in die großen Fußstapfen von Wei Yi treten, denn er könnte die 2700-Elo-Schallmauer vor seinem 16. Geburtstag durchbrechen. Nach 4,5/5 in der ersten Hälfte des GAMMA Reykjavik Opens steht er bereits bei 2683,3 Elo. Er geht auf dem geteilten ersten Platz in den Ruhetag, zusammen mit den armenischen Großmeistern Sergei Movsesian und Robert Hovhannisyan, nachdem Robert in Runde 5 Nils Grandelius geschlagen hatte. Praggnanandhaa, Gukesh, Prithu Gupta und Christopher Zoo gehören zu den weiteren jungen Talenten, die in der isländischen Hauptstadt mit am Start sind.

Alireza Firouzja ist mittlerweile die Nr. 2 der Juiorenweltrangliste hinter Wei Yi, aber er wird hoffen, dass er nicht so stagniert wie der chinesische Star in den letzten vier Jahren | Foto: Fiona Steil-Antoni, Reykjavik Open Facebook

Die Partien des Reykjavik Opens kannst du mit Computeranalysen nachspielen, wenn du auf eine der nachfolgenden Partien klickst:

Dieses Jahr ist das Reykjavik Open ein wenig schwächer besetzt als in den letzten Jahren. Kein 2700er spielt mit, auch wenn der an Nr. 1 gesetzte Gawain Jones lediglich zwei Elo von dieser Marke entfernt ist. Und die Nr. 2 der Setzliste, die schwedische Nummer eins Nils Grandelius, braucht keine weitere Einführung.

Die isländische Premierministerin Katrín Jakobsdóttir, begleitet von FIDE Präsident Arkady Dvorkovich, macht den ersten Zug für Gawain | Foto: Fiona Steil-Antoni, Reykjavik Open Facebook

Damit kommen wir auch schon zum Setzlistendritten, Alireza Firouzja. Das Grundthema des Turniers ist damit auch klar - die junge Generation klopft bereits laut an die Tür der Etablierten!

Der Franzose Matthieu Cornette ist bisher der einzige Spieler, der Firouzja bisher stoppen konnte | Foto: Fiona Steil-Antoni, Reykjavik Open Facebook


Der 15 Jahre alte Firouzja startete in das Jahr 2019 mit einem Rating von 2618, sprang dann allerdings im März um 39 Punkte auf 2657, nachdem er es schaffte, innerhalb eines Monats 28 gewertete klassische Partien zu spielen. In der letzten offiziellen Ratingliste wurde er mit 2669 geführt, exakt punktgleich mit dem Juniorenweltmeister Parham Maghsoodloo. Was das Live-Rating angeht, ist Alireza mit einem Rating von 2683,6 bereits die iranische Nummer 1 und die Nummer 55 der Welt. Er wird vermutlich nicht Wei Yis Rekord brechen können, der jüngste Spieler zu sein, der jemals die 2700 Elo erreicht hat (Wei Yi schaffte das mit 15 Jahren, 7 Monaten und 27 Tagen), aber er kann es wie Wei Yi und Magnus Carlsen schaffen, die 2700 zu erreichen, bevor er 16 wird. Sein Geburtstag ist der 18. Juni.

Die Geschwindigkeit, die er in Reykjavik zu Beginn des Turniers an den Tag legt, legt nahe, dass er sich damit beeilen will, denn seinen ersten Sieg an den Live-Brettern holte er gegen Julias Chittka mit einem krachenden Angriffssieg:


Wie bringt man es zu Ende? Firouzja wählte 21.Txh7+! Kxh7 22.Dh4+ Kg8 23.Lh6! Der einzige Gewinnzug, aber danach steht Weiß völlig auf Gewinn!

chess24: Fiona und Ingvar kommentieren jetzt das Reykjavik Open live!

Weiß wird die schwarzfeldrigen Läufer abtauschen, Dh6 spielen und auf g7 matt geben. Und es gibt nicht wirklich viel, was Schwarz dagegen tun kann.

In den verbliebenen vier Partien war es lediglich Matthieu Cornette vergönnt, Alireza ein Remis abzunehmen. Dabei ist es beeindruckend, wie leicht er starke Profis sowohl in taktischen als auch technischen Stellungen ausspielt. Ein schöner Moment war, als er die Dame für einen Bauern  mit 32…Dxd4! gegen den polnischen GM Daniel Sadzikowski opferte:

chess24: Der 15 Jahre alte Firouzja findet einen ästhetischen Weg, die Damen zu tauschen!

Das Turnier drehte sich aber nicht nur um Firouzja, weil dieser zum Beispiel in Runde 3 an den ersten drei Brettern von den indischen Großmeistern Praggnanandhaa (13 Jahre alt) und Gukesh (12) Gesellschaft bekam.

Praggnanandhaa und Gukesh können sich in den nächsten Jahren darauf konzentrieren, ihr Schach zu verbessern, denn den Kampf um die Erreichung des GM-Titels haben sie bereits hinter sich | Foto: Fiona Steil-Antoni, Reykjavik Open Facebook 

Es ist ein wenig kurios, dass die zwei indischen Wunderkinder in der Tat vier der fünf Runden nebeneinander spielten, obwohl Praggnanandhaa mit drei Siegen und zwei Remis einen halben Punkt mehr holte als Gukesh, der einen Partie gegen den Co-Führenden Sergei Movsesian verlor. Ein weiterer amerikanischer Star, der 12 Jahre alte amerikanische IM Christopher Yoo steht bei 3,5/5, inklusive eines spannenden Königsinders gegen den isländischen Veteranen, Großmeister und sechsfachen nationalen Meister Johann Hjartarson.    

Christopher Yoo zeigte keine Angst gegen eine lokale Legende | Foto: Fiona Steil-Antoni, Reykjavik Open Facebook

Ein weiterer Inder, der 15 Jahre alte Prithu Gupta, spielte die vielleicht spektakulärste Partie bisher und besiege den Franzosen Maxime Lagarde:


21.Te6!!? ist noch nicht einmal der beste Zug in der Stellung (21.Lx7+), aber man sieht es nicht häufig, dass eine Figur, die auf ihrem Ausgangsfeld einmal angegriffen ist, auf ein Feld zieht, wo sie zweimal angegriffen ist. Nach 21…c6?! (21…Lf6! und der Computer bevorzugt Schwarz!) 22.Te1 cxd5 23.Lxf7+ Dxf7 24.Txe7 Dh5 25.Db3! Lh3 gab es noch mehr Chaos mit Türmen!   


26.Txg7+! Kxg7 27.Dxb7+ Sd7 28.Dxa8. Das war nicht das Ende der Geschichte, denn Schwarz erwiderte 28…Ne5! mit einigen nervigen Mattdrohungen, aber 29.Lh6+! brachte Weiß auf die Gewinnerstraße. Unglücklicherweise für Prithu verlor er im Anschluss gegen Aryan Tari und Nils Grandelius in den folgenden beiden Runden. Dennoch kann er weiterhin um seine dritte und finale GM Norm kämpfen.

Tania Sachdev ist derzeit die beste Frau beim Reykjavik Open | Foto: Fiona Steil-Antoni, Reykjavik Open Facebook

Genauso wie bei den Kids sehen wir beim Turnier einige Internetstars in Aktion. Der 19 Jahre alte amerikanische GM Andrew Tang, der besser bekannt für das Spielen von Bulletpartien ist, hatte einen glücklosen Start, als er eine Gewinnstellung verdarb. Sein Gegner in Runde 1 war der 15 Jahre alte Stephan Briem (Elo 2138), also nicht gerade ein lokaler Held:


35…Dxh2+! war der finale Schlag wie aus dem Taktiklehrbuch. Andrew gab auf statt sich 36.Kxh2 Th5+ 37.Th3 Txh3+ 38.Kg1 Th1# zeigen zu lassen. Aber dann kam er mit drei Siegen und einem Remis ins Turnier zurück.

Eine Schachpartie mit Ausblick... | Foto: Fiona Steil-Antoni, Reykjavik Open Facebook

Ein weiterer Schach-streamender Spieler, der kanadische GM Aman Hambleton, war auf der richtigen Seite eines bekannten Taktikmotivs in Runde 2. Kannst du es auch sehen?

chess24: Weiß zieht und gewinnt! Heute gibt es zwei Runden beim Reykjavik Open.

Danach kamen zwei Remis gegen höher bewertete Großmeister, einer von ihnen wird nach und nach immer aktiver auf Twitter:

ChessBase India: Urkomische Reaktion, nachdem er in Gewinnstellung mit der Dame über die Zeit gehoben wird.

Jorden van Foreest: Meine Wenigkeit, nachdem ich eine sehr gute Stellung gegen Amam Hambleton heute versaubeutelt habe.

Aman musste dann eine harte Niederlage gegen den ehemaligen niederländischen Meister Erwin l’Ami einstecken. Er wurde in einem komplexen Endspiel ausgespielt, obwohl er zu Beginn besser stand. Dennoch gewinnt er für seine derzeitige Performance immer noch Elo.

Robert Hovhannisyan fand einen schönen Trick im Endspiel, um Nils Grandelius in Runde 5 zu besiegen und zu den Führenden aufzuschließen | Foto: Fiona Steil-Antoni, Reykjavik Open Facebook

Hier siehst du die derzeit am besten positionierten Spieler bei noch vier zu spielenden Runden:

Rk.SNo NameTypFEDRtgPts.Rprtg+/-
13GMFirouzja AlirezaU16IRI26694,528458,5
8GMHovhannisyan RobertARM26304,5285712,1
35GMMovsesian SergeiARM26374,5284910,8
46GMLupulescu ConstantinROU26344,528189,0
59GMTari AryanNOR26154,026593,1
64GMl'Ami ErwinNED26474,026832,6
713GMVan Foreest JordenNED25984,026211,7
810GMLagarde MaximeFRA26124,02484-0,5
942IMEggleston David JENG24014,024413,5
101GMJones Gawain C BENG26984,02631-2,5
1129GMLibiszewski FabienFRA24884,026226,7

Alle Partien aus Reykjavik kannst du live hier auf chess24 verfolgen, inklusive des Live-Kommentars von Fiona Steil-Antoni und Ingvar Johannesson.

Weitere Links:


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