Features 03.09.2018 | 17:43von chess24 staff

Das Match des Jahrhunderts: Fischer-Spassky 1972

von GM Zenón Franco

Es ist mir eine Freude, meine Zusammenarbeit mit chess24 Anfang September zu beginnen - zum 46. Jahrestag des "Matches des Jahrhunderts", das WM-Match 1972 in Reykjavik zwischen Boris Spassky und seinem Herausforderer Robert "Bobby" Fischer. Es war viel mehr als ein sportliches Duell, stiess auf unerwartet grosse Resonanz und machte dadurch Schach viel populärer. Damit überrascht es nicht, dass es dazu auch viele Bücher und (Dokumentar-)Filme gibt. Lass uns kurz die Hintergründe und das Match selbst besprechen.

Zum Einstieg ein Video (auf Englisch), in dem Peter Leko den Besuch von Bobby Fischer bei ihm zu Hause in Ungarn bespricht.

Vorbereitungen für das Match

Das Match fand vor dem Hintergrund des Kalten Krieges statt. Zum ersten Mal kämpfte ein Amerikaner um den höchsten Titel gegen die zuvor unschlagbaren Sowjets - alle Weltmeister seit FIDE 1948 die Regie übernahm waren Sowjets. Und auch alle Herausforderer!

Nach dem Fall der Berliner Mauer wurden geheime KGB-Dokumente verkauft und veröffentlicht. Sie zeigten, dass Spasskys Titelverteidigung eine "nationale Angelegenheit" war. Fischers schachliches Niveau war herausragend, aber Spasskys theoretische Vorbereitung war besser - die stärksten sowjetischen Schachspieler schrieben Berichte mit Vorschlägen, um Spassky zu helfen.

Allerdings hat Spassky diese Vorschläge dann nicht voll berücksichtigt. Zum Beispiel war er davon überzeugt, dass Fischer nur 1.e4 spielen würde. Damit ignorierte er Kortschnois Hinweise, dass Fischer vielleicht andere Eröffnungen spielen könnte - im Match spielte Fischer dann mehrfach 1.c4 und war damit erfolgreich.

Einige Vorschläge waren auch widersprüchlich. Ex-Weltmeister Tigran Petrosian schrieb "Gegen 1.e4 kann man fast jede Verteidigung wählen, außer 1...e5". Dagegen empfahl ein anderer Ex-Weltmeister, Vassily Smyslov "Gegen 1.e4 müssen wir klassische Systeme mit 1...e5 vorbereiten".

Mit Weiß sagte Mikhail Tal, ebenfalls Ex-Weltmeister, "Gegen die Grünfeld-Verteidigung glaube ich nicht an das von Spassky oft gespielte 1.d4 Sf6 2.c4 g6 3.Sc3 d5 4. cxd5 Sxd5 5.e4". Paul Keres dagegen "Gegen Grünfeld empfehle ich 4.cxd5 und e4". Jeweils waren es gegensätzliche Empfehlungen der Berater.

Mikhail Tal glaubte nicht, dass Fischer wie zuvor gegen Browne (und in vier anderen Partien) die Aljechin-Verteidigung spielen würde... aber das tat Fischer dann im Match.

Alle boten Spassky ihre Hilfe an, einschliesslich Karpov, aber der Weltmeister akzeptierte diese Angebote nicht. Jahre danach lobte Spassky nur die Hilfe von Efim Geller, Teil seines Teams in Reykjavik.

Die Bilanz der Spieler gegeneinander war zuvor klar zugunsten von Spassky, der sich ziemlich sicher war, das Match zu gewinnen. Spassky hatte Fischer dreimal besiegt, zwei Partien endeten Remis.

Der Chicken Run

Nicholas Rays Film Rebel Without a Cause machte "the chicken run" bekannt - ein Duell, in Filmen häufiger als in der Realität, bei dem zwei Personen in Autos aufeinander zu rasen - wer als erster abweicht verliert.

Ich erinnere mich daran, dass ein Freund vor etwa 20 Jahren dieses Spiel - unfreiwillig - mitmachen musste. An der Grenze zwischen Paraguay und Argentinien warnte ihn ein Beamter aus Paraguay, was in Argentinien passieren würde: einige Kilometer hinter der Grenze könnte ein Auto auftauchen, das ihn in genau diese Lage versetzt - wenn er abbremst oder zur Seite ausweicht, würde er überfallen. Man sagte ihm, dass es, wenn er die Reise fortsetzt, nur eine Lösung gibt: Gas geben und darauf vertrauen, dass das Auto des Verbrechers ausweichen wird. Und das geschah dann.

Der Ausdruck "chicken run" ist auch eine Metapher für eine Situation, die beide Seiten eskalieren lassen, wobei sie nichts zu gewinnen haben.

Um zu gewinnen, muss man den Gegner unter Druck setzen und ihn davon überzeugen, dass man nichts dagegen einzuwenden hat, alles zu verlieren.


Das Buch Bobby Fischer Goes to War von David Edmons und John Eidinow beschreibt das Match 1972 in Reykjavik. Dieses Buch vertritt die These, dass Fischer die Organisatoren genau so behandelte und immer grössere Konzessionen verlangte. Damit riskierte er seine Karriere mit dem einzigen Ziel, Weltmeister zu werden.

Bis 1972 hatte Fischer bei derlei riskanten Spielchen fast immer gewonnen. Einmal hatte er allerdings verloren: in Führung liegend verliess er das Interzonenturnier 1967 in Sousse.

Sobald Austragungsort und Preisgeld für das Match 1972 bekannt waren, spielte Fischer "chicken run" und verlangte deutlich mehr Preisgeld. Das wurde erst dann gelöst, als der britische Millionär (und Schachfan) James Slater den ursprünglichen Betrag verdoppelte. Dabei schrieb er Fischer einen persönlichen Brief mit Inhalt "Now come and play, chicken!"

Henry Kissinger

Henry Kissinger, Richard Nixons nationaler Sicherheitsberater, sprach Fischer. Eingangs sagte er "der schlechteste Schachspieler der Welt trifft auf den besten Spieler". Kissinger sagte Fischer, dass er nach Island reisen und die Russen in ihrem Spiel besiegen sollte. "Die Regierung der USA wünscht Dir das Beste, und ich selbst auch".

Das Gespräch dauerte zehn Minuten und verwandelte Fischer in einen überzeugten Patrioten. Er würde "unter allen Umständen" spielen, und bezeichnete die Interessen der USA als wichtiger als seine persönlichen Interessen. Frank Brady in seinem Buch Endgame: "Zu diesem Zeitpunkt betrachtete Bobby sich nicht nur als Schachspieler, sondern auch als sein Land verteidigenden Ritter des Kalten Krieges".

Allerdings leugnete Fischer später, dass Henry Kissinger ihn mit patriotischen Argumenten zum Spielen bewegte. Bobby gab prosaischere Gründe: "Es war nicht Kissinger, der die fehlenden Dollar lieferte...".

Laut Brady: "Nach Monaten von enttäuschenden Verhandlungen erreichte der Millionär Slater mit Hilfe des Diplomaten Kissinger das Unmögliche. Was bewegte Fischer dazu, in Island anzutreten?  Wohl drei Elemente: Stolz, Geld und Patriotismus".

Fischer war zuvor zweimal erst nach der zeremoniellen Auslosung angereist, und als er endlich in Reykjavik ankam... erschien er nicht zur Auslosung, obwohl er dazu vertraglich verpflichtet war. Er schickte seinen Vertreter William Lombardy und sagte, dass er selbst sehr müde sei.

Bobby Fischer mit Max Euwe

Das Match hing wiederum am seidenen Faden, aber nach vielen angespannten Momenten begann es am 11. Juli 1972, neun Tage später als anfangs vorgesehen. Die sowjetische Delegation verlangte eine förmliche Entschuldigung, die dann kam - von Fischer und vom FIDE-Präsidenten Max Euwe.

Das Match begann mit der bekannten Partie, in der Fischer mit 29...Lxh2? einen Läufer für zwei Bauern opferte. Nach Wiederaufnahme der Hängepartie konnte Fischer das Endspiel nicht halten, Spassky gewann.

Fischer erklärte die Niederlage mit der störenden Präsenz von Kameras im Spielsaal, wieder führte dies zu Spannungen im Match. Nach der Partie wollte er vom isländischen Schachverband Anteile an den Bildrechten, was die Organisatoren ablehnten - auch weil sie die Rechte bereits an den amerikanischen Geschäftsmann Chester Fox verkauft hatten.

Vor der zweiten Partie gab es grosse Spannungen und weitere Diskussionen. Unglaublicherweise erschien Fischer dann nicht zur Partie, wodurch Spassky im Match automatisch 2-0 führte. Das schien definitiv, sowohl für das Match als auch für den Nebenschauplatz "chicken run".

Spassky wartet auf Fischer

Aus den USA gab es eine Reihe Befehle an Fischer, das Match fortzusetzen, am Ende war auch Kissinger wieder beteiligt. Schon zuvor hatte die New York Times in einem Editorial eine Fortsetzung des Duells verlangt.

Aber bei einem Rückstand von 0-2 im Match war dies für Fischer nicht leicht zu akzeptieren. Es gab sehr konkrete Zweifel, ob das Match weitergehen würde, vor allem nachdem Fischer auf drei Flügen in die USA Sitze gebucht hatte.

Der Hauptschiedsrichter Lothar Schmid versuchte, zu vermitteln. Er erklärte, dass er das Recht hatte, das Match in einen geschlossenen Raum unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu verlegen - er hatte zuvor mit Spassky gesprochen. Gegen die einstimmige Empfehlung seiner Berater akzeptierte Spassky Fischers Forderung, die dritte Partie ohne Publikum und ohne Fernsehkameras zu spielen.

Nur Spasskys extreme Bereitschaft zum Kompromiss löste diese Situation. Wenn er nicht bereit gewesen wäre, die dritte Partie unter diesen Bedingungen zu spielen, hätte man dafür sicher Verständnis. Das Match wäre dann fast sicher vorbei, und Spassky behielte seinen WM-Titel - die Schachgeschichte wäre anders verlaufen.

Warum spielte Spassky weiter? Alle Gründe dafür sind kaum zu ergründen. Ein Grund, vom grossen Psychologen Nikolai Krogius genannt, war: Spassky fühlte sich nach dem kampflosen Sieg in der zweiten Partie moralisch verpflichtet, das Match fortzusetzen. Eine andere Erklärung ist, dass Spassky im direkten Vergleich der beiden Spieler nach der ersten Partie 4-0 führte und sich in seinem Selbstvertrauen bestätigt fühlte. Er wollte am Brett gewinnen damit keine Zweifel entstehen, wer der weltbeste Schachspieler ist.

Vielleicht geschah etwas ähnliches im WM-Match 1910 zwischen Herausforderer Carl Schlechter und Weltmeister Emanuel Lasker. Es war ein Match über 10 Partien, und Schlechter führte vor der letzten Partie 5-4 - ein Remis reichte zum Matchsieg. In der letzten Partie erreichte Schlechter siegbringenden Vorteil, konnte zum Remis abwickeln und versuchte dennoch zu gewinnen - um ein "echter Weltmeister" zu sein. Der Rest ist bekannt: Lasker konnte die Partie noch drehen und blieb nach Gleichstand im Match Weltmeister.

Finanzielle Konsequenzen können wir auch nicht ignorieren. Ich weiss nicht, was im Spielervertrag stand, aber mit nur einer gespielten Partie hätte Spassky wohl nicht das gesamte Preisgeld für den Sieger erhalten.

Fischer brauchte mehrere Stunden für die Entscheidung, ob er nach diesen weiteren Konzessionen antritt. Erst 90 Minuten vor Beginn der dritten Partie akzeptierte er das Angebot, ohne Kameras und ohne Zuschauer zu spielen.

Die dritte Partie wurde dann tatsächlich ohne Publikum und ohne Kameras gespielt. Es gab dann spannende Momente während der Partie - Fischer entdeckte eine Kamera und protestierte. Spassky stand auf und sagte, dass er im grossen Turniersaal spielen will.

Mit Können und Geduld rettete Lothar Schmid das Match. Er konnte beide Spieler überzeugen, indem er Fischer sagte, dass die Kamera ausgeschaltet sei und er sich beruhigen solle. Außerdem erinnerte er Spassky an sein Versprechen, weiterzuspielen - laut Brady in "Endgame" akzeptierte Spassky nach 10 Sekunden. 

In dieser wichtigen Partie erzielte Fischer seinen ersten Sieg gegen Spassky. Die Notation mit kurzen Varianten:

1. d4 ♘f6 2. c4 e6 3. ♘f3 c5 

4. d5 exd5 5. cxd5 d6 6. ♘c3 g6 7. ♘d2 

7... ♘bd7 

7... ♗g7 8. ♘c4 O-O 9. ♗f4 

8. e4

8. ♘c4  8... ♘b6 

8... ♗g7 9. ♗e2 O-O 10. O-O ♖e8 11. ♕c2 

11. a4 11... ♘e5 12. h3 g5 13. ♘f3 

11... ♘h5 !

11... ♘e5 

11... ♘b6 

12. ♗xh5 

12. g3 12... ♘e5 (12... f5 13. exf5 ♗xc3 14. ♗xh5 ♗xd2 15. fxg6 ♗xc1 16. gxh7+ ♔h8 17. ♗xe8 ♕xe8 18. ♖axc1 )

12. f4 ♗d4+ 13. ♔h1 ♘df6 

12... gxh5 

13. ♘c4

13. a4 ♘e5 14. ♘d1 !

13... ♘e5 

14. ♘e3 

14. ♘xe5 ♗xe5 15. ♗e3 15... ♕h4  16. f4 16... ♗xc3 no 17. ♕xc3 (17. bxc3 ♗f5! ) 17... ♖xe4 18. ♖f3 ♕e7 19. ♖g3+ ♗g4

14... ♕h4 !

15. ♗d2 

15. f3 

15... ♘g4!

15... ♘f3+? 16. gxf3 ♗e5 17. ♖fe1 17... ♕xh2+ 18. ♔f1 ♗g3  19. ♔e2 ♕xf2+ 20. ♔d3 b5 21. ♕d1 

16. ♘xg4 hxg4 

17. ♗f4 ♕f6 !

18. g3 ?

18. ♗g3 !

18... ♗d7 

19. a4 b6 

19... a6   20. a5

20. ♖fe1 

20... a6 21. ♖e2 b5 !

22. ♖ae1

22. axb5 axb5 23. ♖xa8 ♖xa8  24. e5?  24... ♖a1+ 25. ♔g2 dxe5 26. ♖xe5 b4!  27. ♘e4? 27... ♕a6!

22... ♕g6 !

23. b3 

23... ♖e7 

23... ♖ac8   24. ♕d2 (24. ♕d3?  24... c4! 25. bxc4 ♖xc4  24...♖e7 

24. ♕d3 !

24... ♖b8 25. axb5 axb5 26. b4 !

26... c4

26... cxb4 27. ♘a2 ♖c8 28. ♘xb4 

27. ♕d2 ♖be8 28. ♖e3 h5 !

29. ♖3e2 ♔h7 30. ♖e3 ♔g8 

31. ♖3e2 ♗xc3 32. ♕xc3 ♖xe4 33. ♖xe4 ♖xe4 

34. ♖xe4

34. ♖a1  34... ♖e8 

34... ♕xe4 35. ♗h6 

35. ♗xd6? ♕xd5 

35. ♕f6? ♗f5 

35... ♕g6 36. ♗c1 ♕b1 

37. ♔f1 ♗f5 !

38. ♔e2 ♕e4+ 39. ♕e3 

39... ♕c2+ 

39... ♕xd5? 40. ♕g5+ 

40. ♕d2 ?

40. ♔e1!  40... c3 41. ♕g5+ ♗g6 42. ♕e3  42... f6 

40... ♕b3 !

41. ♕d4 

41. ♗b2  41... ♕f3+ 42. ♔e1 ♕h1+ 43. ♔e2 ♗d3+ 

41. ♔e1  41... c3 

41... ♗d3+ !

42. ♔e3 

42... ♕d1 !

43. ♕b2 

43... ♕f3+ 44. ♔d4 ♕e4+ 45. ♔c3 ♕e1+ !

0-1

Krogius erwähnte den "weisen" Hinweis von Petrosian: "Es ist falsch, Fischer gegenüber auch nur die kleinste Konzession zu machen". Laut Larry Evans: "[Fischer] hatte tief in seinem Herzen irrationale Angst vor einer Niederlage. In Reykjavik konnte er diese Furcht erst überwinden nachdem er bemerkte, dass er Spasskys emotionales Gleichgewicht gestört hatte".


Vielleicht brach das Selbstvertrauen des Weltmeisters nach der dritten oder vierten Partie.

In der vierten Partie opferte Spassky mit Schwarz einen Bauern, übernahm die Initiative, stand besser und war nahe am Sieg. Bondarevsky: "Die gesamte Partie nach 19.De2 stand im Zeichen von starkem schwarzem Druck, aber diesmal leistete der Amerikaner zähen Widerstand und es wurde remis". Er ergänzte "Vielleicht hatte Schwarz keinen klaren Gewinnweg, das bleibt offen. Jedenfalls könnten nach meiner Einschätzung nur wenige Großmeister den schwarzen Druck aushalten und die Partie retten".

Die entscheidende Phase der fünften Partie:

20... g5!

20... ♘g4 21. ♖xf8+ ♖xf8 22. ♗d2 would be premature   ♗d2 would be premature  

21. ♗d2 ♕e8 !

22. ♗e1 ♕g6 

23. ♕d3 

23... ♘h5 

24. ♖xf8+ ♖xf8 25. ♖xf8+ ♔xf8 

26. ♗d1 

26. g3  26... ♘f6

26. ♗g3 ♘f4 

26... ♘f4 

27. ♕c2 

27. ♕b1 27... ♔e8  (27... ♕f6 28. g3 ♘h3+ 29. ♔g2 g4  27... g4   28. ♗h4 )

27... ♗xa4 !

28. ♕xa4 ♕xe4 

29. ♔f2 ♘d3+

0-1

Mit diesem Sieg konnte Fischer das Match ausgleichen. Danach gewann er auch die sechste Partie, von vielen Großmeistern als die beste im Match bezeichnet.

Miguel Najdorf, bei grossen Turnieren immer vor Ort, verglich sie mit einer Mozart-Sinfonie.

In einer sehr ritterlichen und - sicher in einem WM-Match - seltenen Geste klatschte neben dem Publikum auch Spassky Beifall und gratulierte Fischer zu seinem beeindruckenden Sieg.

Fischer übernahm die Führung und konnte sie in den nächsten fünf Partien ausbauen. Nach 12 Partien, bei Halbzeit im Match, führte er 7-5 nach fünf Siegen, drei Niederlagen (eine davon kampflos) und vier Remisen. 

Nun zu Partie 13, eine Lieblingszahl von Kasparov. Dies ist die letzte kritische Stellung:

69. ♖d1+? "

69. ♖c3+! a 69... ♔d4 (69... ♔e2  70. ♖xc4 f3 71. ♖c1 f2 72. ♔xb3 ) 70. ♖f3  70... c3+  71. ♔a1 (71. ♖xc3 a1Q+ ) 71... c2 72. ♖xf4+ o 72... ♔c3 (72... ♔d3 73. ♖f1 ) 73. ♖f3+ ♔d2 74. ♗a3! (Gligoric) 74... ♖xg7 75. ♖xb3 ♖c7  76. ♗b2  (76. ♔xa2 ♖a7! 77. ♖b2 ♔d1 )

69... ♔e2 

70. ♖c1 f3 !

71. ♗c5

71. ♖xc4 f2 72. ♖c1 f1Q 73. ♖xf1 ♔xf1 

71... ♖xg7

71... f2 

72. ♖xc4 ♖d7 

73. ♖e4+

73. ♖c1 ♖d1

73... ♔f1 74. ♗d4 

74... f2 

75. ♖f4 

75... ♖xd4! 76. ♖xd4 ♔e2 

0-1

"Nach dem Match sagte mir Fischer, dass er schon vor Spasskys fatalem Fehler durch einen Blick in Spasskys Gesicht wusste: der Weltmeister hatte sich mit einer Niederlage in dieser Partie bereits abgefunden." (Krogius).

Nach dieser Marathonpartie von insgesamt 9 1/2 Stunden führte Fischer 8-5 und brauchte nur noch 4,5 Punkte aus den verbleibenden 11 Partien.


Alles deutet darauf hin, dass Fischer nun weitere Risiken vermied und vorsichtig auf das Ziel zusteuerte. Die nächsten sieben Partien endeten remis. Fischer wechselte weiterhin seine Eröffnungen, und die Partien waren hart umkämpft.

Fischers Kommentar hinterher: "In der zweiten Hälfte des Matches spielte Spassky sehr gut. Ich fühlte, dass ich schwer unter Druck stand, außer in den zwei oder drei letzten Partien..."

Dabei verstanden die Sowjets nicht, wie ihr Spieler überwunden wurde oder warum er keine weiteren Partien gewinnen konnte. Vor der 17. Partie verbreitete Spasskys Sekundant Geller eine Stellungnahme über "den möglichen Einfluss auf Spassky von elektronischen Elementen oder chemischen Substanzen im Spielsaal". Unter "Verdacht" stand Fischers Stuhl. Als Fischer dies las, lachte er wie sonst nie während der zwei Monate in Reykjavik.

Die Organisatoren nahmen das ernst und untersuchten den Stuhl mit Röntgenstrahlen - sie fanden einen kleinen vergessenen Schraubenzieher und zwei tote Fliegen. Der ironische Kommentar des Korrespondenten der New York Times: "Jemand hat eine Autopsie vorgeschlagen... Starben die Fliegen einen natürlichen Tod? Oder starben sie, nachdem sie an sizilianischen vergifteten Bauern leckten?"

Beim Stand von 11,5-8,5 für Fischer wurde am 31. August die 21. Partie gespielt und dann in für Fischer vorteilhafter Stellung abgebrochen.

Spassky fand nicht den besten Abgabezug und verlor diese Partie. Brady: "Am nächsten Tag traf Harry Benson, Schotte und Fotograf für Time Life, Spassky im Saga Hotel. Spassky: ‘Es gibt einen neuen Weltmeister. Ich bin nicht traurig. Es ist nur ein sportlicher Wettkampf, ich habe verloren. Bobby ist der neue Weltmeister. Und nun mache ich einen Spaziergang an der frischen Luft'."

Fischer erwies sich als der beste Spieler. Insgesamt gewann er 12,5-8,5 und wurde der elfte Weltmeister. Der Beginn einer neuen und besseren Ära deutete sich scheinbar an. Fischer wollte seinen Titel jedes Jahr verteidigen - schon bei der Abschlussfeier wurde ein eventuelles Rematch 1973 in Las Vegas erwähnt. Fischer wurde in den USA als nationaler Held empfangen - Richard Nixon schickte ein Gratulationstelegramm mit Einladung in das White House. Der neue Weltmeister wollte einen nach ihm benannten Club gründen, internationale Turniere organisieren, usw. .


Es war dann alles eine Illusion, nichts davon wurde umgesetzt. Fischer sollte keine einzige weitere offizielle (Elo-ausgewertete) Partie spielen.

Siehe auch:


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