Berichte 09.11.2018 | 10:35von Colin McGourty

Damen-WM in Khanty, R2: Weitere Favoritenstürze

In der 2.Runde der Damen-WM in Khanty-Mansiysk sind mit der Nummer 2 der Setzliste Humpy Koneru, der Nummer 6 Aleksandra Goryachkina und der Nummer 8 Tan Zhongyi drei weitere Favoritinnen ausgeschieden. Nur für drei der acht Matches in Runde 3 haben sich die Spielerinnen qualifiziert, die vorher gemäß der Setzliste dort erwartet wurden. Mit dabei ist dagegen weiterhin die 18-jährige Mobina Alinasab aus dem Iran, die ihren guten Lauf fortsetzen konnte, während die 15-jährige Zhu Jiner im längsten Match der Runde an Natalia Pogonina scheiterte.

Weltmeisterin Ju Wenjun schaffte den Sprung in Runde 3 (hier im Interview mit Eteri Kublashvili), aber viele ihrer favorisierten Kolleginnen scheiterten | Foto: Turnierseite

Alle Partien der Damen-K.O.-WM 2018 könnt ihr hier nachspielen:

Auch Runde 2 war schneller beendet, als man das von großen K.O.-Turnieren gewohnt ist. Acht der sechzehn Matches wurden im Stechen entschieden, aber nur einmal musste in die zweite Schnellschachrunde verlängert werden. Auch dieses Match wurde dann bei den Zehn-Minuten-Partien entschieden.

Der Nachwuchs beherrscht weiter die Konkurrenz

Mobina Alinasab konnte den guten Auftakt gegen Eli Pähtz auch in Runde 2 bestätigen | Foto: Turnierseite 

Einige Heldinnen der ersten Runde der Damen-WM konnten ihren Lauf in Runde 2 fortsetzen. Die 18-jährige iranische Meisterin und Nummer 55 der Setzliste Mobina Alinasab ließ ihrem überraschenden 1,5 zu 0,5 gegen Elisabeth Pähtz in Runde 1 einen noch überzeugenderen 2:0-Sieg in Runde 2 gegen Monika Socko folgen.

„Die 18-jährige Iranerin Mobina Alinasab schlägt zum zweiten Mal eine Spielerin, die über 200 Elo-Punkte mehr als sie hat!“

Derweil besiegte die 22-jährige chinesische Meisterin und Nummer 48 der Setzliste Zhai Mo (2352) erst Olga Girya mit 2:0 und ließ nun gegen Nino Batsiashvili erneut ein sicheres 2:0 in Runde 2 folgen.

Zhai Mo hat gegen nominell stärkere Gegnerinnen nun 4 aus 4 auf dem Konto | Foto: Turnierseite

Einmal mehr demonstrierte sie ihre außergewöhnlichen taktischen Fähigkeiten!


21…Lxc4! 22.Txc4 Dxg3!! 23.hxg3 Lxe3+ und Schwarz stand auf Gewinn. Als Belohnung wartet in Runde 3 die amtierende Weltmeisterin Ju Wenjun auf sie.

Sicher kommt irgendwann der Tag, an dem wir den Namen von Gulrukhbegim Tokhirjonova buchstabieren können! | Foto: Turnierseite

Die 19-jährige Gulrukhbegim Tokhirjonova aus Usbekistan ist zwar nur an Nummer 40 gesetzt, aber nach ihrem  Sieg gegen Alina Kashlinskaya in der ersten Runde holte sie sich in Runde 2 auch noch den Skalp der Nummer 8 des Turniers und Gewinnerin der letzten K.O.-WM Tan Zhongyi. Dieses Match wurde im Stechen entschieden, in dem die Usbekin die erste Partie gewann.

Die 21-jährige Chinesin Lei Tingjie from China ist schon zu etabliert, als dass ihr Sieg gegen Nana Dzagnidze eine große Überraschung wäre, aber trotz allem triumphierte mit der Nummer 22 gegen die Nummer 11 mit 1,5:0,5 die Außenseiterin.

Zhu Jiner scheiterte in Runde 2 knapp, aber sie könnte die nächste chinesische Starspielerin werden | Foto: Turnierseite

Die jüngste Spielerin im Feld, die 15-jährige Zhu Jiner aus China, hätte nach ihrem 2:0 gegen Lela Javakhishvili in Runde 1 um ein Haar auch Natalia Pogonina besiegt. Der Sieg in der ersten Turnierpartie hätte nicht überzeugender ausfallen können:


Starke Damen...

Auch in der zweiten Partie schien die Chinesin alles unter Kontrolle zu haben, doch 22…Le5? verlor überraschend:


Nach 23.Lxe5! Dxe5 24.Tad1! kann Schwarz auf lange Sicht den Materialverlust durch die Fesselung auf der d-Linie nicht mehr verhindern. Auch in den beiden 25-Minuten-Partien stand Zhu Jiner besser (sie spielte sogar das Evans Gambit), verlor dann aber nach weiteren verpassten Chancen mit 0:2 in den Zehnminutenpartien. Der letzte Zug der zweiten Runde der Damen-WM war hübsch anzuschauen:


48…Dxd2! und Zhu Jiner gab auf, da eine Springergabel auf f1 die weiße Dame gewinnt.

Weitere Überraschungen

Doch nicht nur die jungen Spielerinnen überzeugten. Die 31-jährige polnische Meisterin Jolanta Zawadzka sorgte mit Ihrem Schwarzsieg in der zweiten Turnierpartie nach kompliziertem Verlauf dafür, dass Humpy Konerus Schach-Comeback kein Happy End erfuhr.

„Jolanta Zawadzka: Ich bin so kurz nach der Partie immer noch ein wenig schockiert. Ich war darauf vorbereitet, morgen nach Hause zu fahren. Als Erstes muss ich umbuchen, und dann muss ich mich erholen, um morgen wieder anzugreifen!”

Die 35-jährige Ekaterina Atalik, die in Russland geboren wurde und nun für die Türkei spielt, war nahe dran, die ehemalige Damen-Weltmeisterin Mariya Muzychuk aus dem Turnier zu werfen. In der ersten Partie, die 122 Züge dauerte, zeigte sie, dass sie mit Springer und Läufer mattsetzen kann.

Das Match zwischen Atalik und Muzychuk war hart umkämpft | Foto: Turnierseite 

In der zweiten Partie hatte sie Weiß und das „Pech“, dass sie nicht in einer totremisen Stellung landete, sondern gewinnverheißenden Abgriff mit vielen Möglichkeiten fehlzugreifen bekam. Im 29.Zug beging sie dann den entscheidenden Fehler, aber die rettende Idee der Schwarzen war nicht einfach zu sehen gewesen::

„Mariya Muzychuk stand kurz vor dem Ausscheiden, doch welchen Zug hatte  Ekaterina Atalik in dieser Stellung übersehen?“

31…De1+!! 32.Txe1 Sf2+ ermöglichte Schwarz den Damentausch, und als sich der Rauch verzogen hatte, hatte sie einfach eine Figur mehr und gewann nach 40 Zügen die Partie. Mit einem Sieg in der zweiten Stichkampfpartie erreichte die Ukrainerin schließlich die nächste Runde.

Enttäuschung für Aleksandra Goryachkina | Foto: Turnierseite

Der überzeugendste Sieg der Erfahrung gegen die Jugend gelang der 46-jährigen dreifachen Russischen Meisterin Alisa Galliamova, die die 20-jährige und zweifache Russische Meisterin Aleksandra Goryachkina mit 2:0 besiegte.

Favoritensiege

Ansonsten kamen die Favoritinnen weiter, und mit Anna Muzychuk gegen Antoaneta Stefanova, Alexandra Kosteniuk gegen Harika Dronavalli und Kateryna Lagno gegen Natalia Pogonina treffen in Runde 3 die Spielerinnen aufeinander, die laut Setzliste dort erwartet wurden.

„Wie in der 1.Runde qualifiziert sich Anna Muzychuk mit einem 2:0 gegen Anastasia Bodnaruk als erste Spielerin für die nächste Runde!“

Es wird allmählich ernst, denn mit einem weiteren Sieg stehen die Spielerinnen im Viertelfinale, wonach sie nur noch einen weiteren Schritt von der sicheren Qualifikation für das Kandidatenturnier entfernt sind.

Die 18-jährige Zhansaya Abdumalik ist gegen Jolanta Zawadzka in Runde 3 die Favoritin| Foto: Turnierseite

Angesichts der anstehenden WM in London ist nur die Frage…

„Vor dem Match! Wird der Kämpfer aus dem westlichen Königreich den König aus dem Norden entthronen? Bald werden wir es wissen. Die Teilnehmerinnen der Damen-WM, die weit hinter der Mauer stattfindet, haben sich entschieden, wem sie die Daumen drücken.“

… ob überhaupt jemand zuschaut!

Ihr könnt dabei sein, und ab 11 Uhr den englischen Live-Kommentar von Alexander Morozevich und Pavel Tregubov auf chess24 vefolgen!

Weitere Links:


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