Berichte 01.05.2015 | 06:46von IM David Martínez

Wieder China. Hallo Weltherrschaft!

Nach dem bahnbrechenden Triumph bei der Olympiade 2014 bestätigte China mit einem überzeugenden Sieg bei der Mannschaftsweltmeisterschaft 2015 erneut, dass sie das Zeug haben, die Schachwelt als Mannschaft zu dominieren. Die treibende Kraft des Teams war der 15-jährige Wei Yi, dessen Ergebnis von 7/9 an Brett vier ihm eine Goldmedaille einbrachte, sein Live-Rating auf 2717,5 anhob und ihn zur Nummer 34 der Weltrangliste machte. Die Ukraine gewann Silber und Gastgeber Armenien vervollständigte das Podium vor dem Favoriten Russland.

Das chinesische Herrenteam - außerdem das am besten gekleidete Team des Events! | Foto: Arman Karakhanyan, Offizielle Webseite

Alles was China nun noch fehlt, um seine Vorherrschaft über die höchsten Ränge der internationalen Schachwelt zu vervollständigen, ist ein Weltmeister bei den Herren. Ihre Mannschaft riss bei der Mannschaftsweltmeisterschaft in Zaghkadsor, Armenien vom 18.-29. April den Sieg an sich. Der etwas langsame Start - mit nur einem Sieg in den ersten drei Runden - war kein Anzeichen für den weiteren Verlauf des Turniers. China nahm an Fahrt auf und gewann nach einem vernichtenden Sieg gegen Armenien mit 3,5-0,5 alle Matches bis auf ein Remis gegen die Ukraine. Yu Yangyi war das einzige Teammitglied, das eine Partie verlor, obwohl er seine zwei Niederlagen mit drei Siegen wieder wettmachte. Ding Liren und Wei Yi zeigten beide Leistungen über 2800, was dazu führte, dass zumindest ein Topspieler zu dem Schluss kam, dass in der Schachwelt eine chinesische Ära begonnen hat:

‌"Wieder China. Hallo Weltherrschaft!"

Abgesehen von Chinas Triumph zog ein erneutes Scheitern der russischen Mannschaft die Aufmerksamkeit auf sich. Die Russen gingen als amtierende Weltmeister und Ratingfavoriten ins Turnier, verloren jedoch ihre ersten beiden Matches und erzielten erst in Runde 5 ihren ersten Sieg. Warum schaffen sie es einfach nicht, solche Events zu dominieren? Der ehemalige Trainer Evgeny Bareev hatte folgende Erklärung parat für den Grund, warum die Mannschaft ohne Vladimir Kramnik, Peter Svidler oder Ian Nepomniachtchi Schwierigkeiten hatte:

Was die Auswahl angeht, würde ich sagen, dass wir eine Mannschaft von Verteidigern hingeschickt haben... Sie sind alle sehr gute Verteidiger, aber eben doch Verteidiger und wir brauchten "Treffer". Und niemand greift uns heftig an, weil ein Remis gegen die russische Mannschaft als gutes Ergebnis angesehen wird.


Russland blieb wieder hinter den Erwartungen zurück  | Foto: Arman Karakhanyan, Offizielle Webseite

Alexander Grischuk, der am Topbrett acht Remis und eine Niederlage verbuchte und damit 14,5 Ratingpunkte einbüßte, fand keine Erklärung für das Scheitern, freute sich aber ansonsten, in dem armenischen Gebirgskurort zu sein:

Armenien ist wie eine Heimat für mich, weil mein Vater hier geboren wurde. Er hat mir viel über Armenien erzählt. Mir gefällt es hier wirklich gut. Zaghkadsor ist ein sehr schöner Ort. Am Erholungstag gingen wir spazieren und wurden am Ende vom Schnee überrascht. Aufgrund des Schnees konnten wir nicht mit dem Auto zum Hotel hochfahren. Wir mussten eine Stunde zu Fuß laufen. Es war lustig, aber gleichzeitig interessant und wunderschön.

China verdankt seinen Sieg den weißen Figuren. Von 18 Weißpartien gewannen die chinesischen Spieler 9 und in den anderen 9 machten sie Remis, während sie mit Schwarz nur einen Score von +1 erzielten (3 Siege und 2 Niederlagen), mit 13 Remis. Ihre allgemeine Herangehensweise bestand darin, nicht zuviele Risiken einzugehen, und mit Weiß gelang es ihnen, viele Siege aus ausgeglichenen Stellungen zu erzwingen. Es sollte jedoch darauf hingewiesen werden, dass in der vorletzten Runde alles hätte schiefgehen können, da sowohl Yu Yangyi als auch Wei Yi dabei waren, mit Weiß gegen Bruzón bzw. Yuri González zu verlieren. Sie schafften es aber trotzdem, ihre Partien zu gewinnen!

Schauen wir uns die endgültigen Platzierungen an, sowohl bei den Mannschaften als auch bei den einzelnen Brettern:

Teamplatzierungen

Rk.Team12345678910TB1 TB2 TB3 
1China222331523.0397.5
2Ukraine2241221.0355.0
3Armenien½21118.0315.5
4Russland221020.5349.0
5USA23231019.5338.3
6Ungarn222½22917.0302.0
7Israel22818.5322.3
8Kuba1123716.5286.0
9Indien12½3716.0274.3
10Ägypten0½1211110.0186.3

Brett 1

Rk. NameRtgTeam%Pts.Games
1GMAronian Levon2770Armenia66.76.09
2GMDing Liren2751China61.15.59
3GMDominguez Perez Leinier2729Cuba55.65.09
4GMHarikrishna P.2731India55.65.09
5GMGelfand Boris2747Israel50.04.59
6GMLeko Peter2713Hungary50.04.08
7GMShankland Samuel L2661USA44.44.09
8GMGrischuk Alexander2794Russia44.44.09
9GMPonomariov Ruslan2713Ukraine43.83.58
10GMAmin Bassem2634Egypt35.72.57

Levon Aronian verbuchte am Topbrett 3 Siege und 6 Remis und kommentierte später die Leistung des Siegers der Mannschaftsweltmeisterschaft von 2011, Armenien, mit folgenden Worten:

Da wir einen schlechten Start bei der Mannschaftsweltmeisterschaft hinlegten, sind die Bronzemedaillen gar nicht schlecht. Ich habe immer gesagt - einer für alle und alle für einen. Da Sergei Movsesian und Vladimir Akopian nicht in Topform waren, war es recht schwer für uns und wir kamen einfach vom Spiel her nicht zusammen. Wenn man das alles berücksichtigt, ist der dritte Platz eine tolle Leistung.

Gabriel Sargissian erklärte, dass zusätzlicher Druck auf den Gastgebern lastete:

Wir starteten schlecht in die Mannschaftsweltmeisterschaft. Nach vier Runden hatten wir nur zwei Punkte, was ein sehr schlechtes Ergebnis ist. Nach und nach fingen wir an, besser zu spielen. Ich kann nicht erklären, warum - vielleicht war die Anspannung im Weg. Wir wollten wirklich gewinnen und unseren Sieg den Opfern des Völkermords an den Armeniern widmen, aber leider klappte das nicht. Ich denke, dass Bronze für unser kleines Land gar kein schlechtes Ergebnis ist.

Aronian tat für Armenien alles, was er konnte | Foto: Arman Karakhanyan, Offizielle Webseite

Brett 2

Rk. NameRtgTeam%Pts.Games
1GMLenderman Aleksandr2617USA71.45.07
2GMIvanchuk Vassily2731Ukraine61.15.59
3GMKarjakin Sergey2757Russia56.34.58
4GMYu Yangyi2724China55.65.09
5GMBruzon Batista Lazaro2691Cuba50.04.59
6GMSargissian Gabriel2674Armenia50.04.08
7GMSutovsky Emil2628Israel37.53.08
8GMErdos Viktor2612Hungary33.32.06
9GMSethuraman S.P.2634India27.82.59
10GMShoker Samy2482Egypt25.02.08

Aleksandr Lenderman erzielte einen wichtigen Sieg über Vassily Ivanchuk, der den USA zu einem Überraschungssieg gegen die Ukraine verhalf sowie zu einem ebenfalls überraschenden 5. Platz im Gesamtranking. Hinsichtlich der Matchpunkte liegen sie gleichauf mit Russland, obwohl ihr durchschnittliches Teamrating nur vor dem Ägyptens liegt. Mannschaftskapitän IM John Donaldson schreibt auf der Webseite des US-Schachverbandes:

Alex Lenderman, der erst ins Team gelangte, nachdem Hikaru Nakamura, Wesley So, Gata Kamsky und Ray Robson abgelehnt hatten, gewann ebenfalls vier Partien in Folge! Dazu gehörten Siege über Emil Sutovsky, Vassily Ivanchuk und Lazaro Bruzon. Alex' Score von 5/7 und seine Performance von 2818 brachten ihm an Brett Zwei die Goldmedaille ein. Es war schön zu sehen, dass Alex, der nicht viele internationale Gelegenheiten bekommt, seine Chance hier voll ausgenutzt hat.

Aleksandr Lenderman war einer der Überraschungsstars des Events | Foto: Arman Karakhanyan, Offizielle Webseite

Abgesehen von dieser einen Niederlage war Ivanchuk die treibende Kraft hinter dem ukrainischen Team und erzielte drei Siege. Er stand weder emotional noch aufgrund der Umgebung unter Druck, wie er einer armenischen Webseite erzählte:

Mir gefällt alles hier. Armenien ist ein Schachland und es ist schön, hier zu sein und Schach zu spielen. Es heißt, dass der Druck im Hochgebirge höher ist, aber das stört mich nicht.

Brett 3

Rk. NameRtgTeam%Pts.Games
1GMQuesada Perez Yuniesky2629Cuba68.85.58
2GMTomashevsky Evgeny2745Russia68.85.58
3GMSmirin Ilia2652Israel64.34.57
4GMBu Xiangzhi2681China62.55.08
5GMAkobian Varuzhan2622USA58.33.56
6GMAlmasi Zoltan2698Hungary56.34.58
7GMEljanov Pavel2733Ukraine50.03.57
8GMOnischuk Alexander2665USA42.93.07
9GMSasikiran Krishnan2654India37.53.08
10GMAdly Ahmed2595Egypt35.72.57
11GMMovsesian Sergei2665Armenia35.72.57
12GMRapport Richard2710Hungary25.01.56
13IMEzat Mohamed2479Egypt18.81.58

Die zwei kubanischen Medaillengewinner, Quesada und Domínguez | Foto: Facebook

Der erste Sieg von Goldmedaillengewinner Quesada war sein Triumph gegen den 19-jährigen Richard Rapport, dessen Abwärtsspirale sich nach dem Ende des Aeroflot Open in Armenien fortsetzte. Er verlor unglaubliche 38,9 Punkte in einem Monat:

Der Rapport-Report sieht düster aus | Quelle: 2700chess.com

Brett 4

Rk. NameRtgTeam%Pts.Games
1GMWei Yi2703China77.87.09
2GMKryvoruchko Yuriy2686Ukraine75.04.56
3GMMoiseenko Alexander2697Ukraine66.74.06
4GMRodshtein Maxim2667Israel64.34.57
5GMVidit Santosh Gujrathi2630India64.34.57
6GMVitiugov Nikita2736Russia64.34.57
7GMBalogh Csaba2651Hungary62.55.08
8GMNaroditsky Daniel2640USA57.14.07
9GMMelkumyan Hrant2651Armenia56.34.58
10IMFarahat Ali2389Egypt25.01.56

Wei Yi beendete das Turnier mit fünf beeindruckenden Siegen in seinen letzten sechs Partien! | Foto: Arman Karakhanyan, Offizielle Webseite

Alle Partien hier auf chess24 mit Computeranalyse nachspielen!

Siehe auch:


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