Berichte 03.07.2020 | 18:02von Colin McGourty

Chessable Masters 12: Carlsen und Giri im Finale!

„Ich sehe dich im Finale!“, sagte Magnus Carlsen vor einer Woche, nachdem Anish Giri in seiner Vorrunde ebenfalls führte, und die Vorhersage hat sich nun erfüllt! Magnus sicherte sich einen Platz im Finale, indem er Ding in zwei Sets besiegte, aber Anish brauchte ein drittes Set gegen Ian Nepomniachtchi. Er begann mit einem holprigen Start, als Ian zuschlug und die erste Partie gewann, aber ein Blunder Nepos in der nächsten Partie glich den Stand aus, ehe Anish in der letzten Partie vor dem Armageddon endlich gewann.

Giri und Nepo tauschten von Anfang an Schläge aus.

Sieh dir die Action des Tages noch einmal an mit Kommentierung von Yasser Seirawan, Peter Svidler und Anna Rudolf. In der zweiten Hälfte kam auch Harikrishna dazu:

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Hier das Interview mit Anish nach dem Match:

Partie 1: Ein explosiver Start

Giri erklärte seinen Ansatz für den dritten Tag des Halbfinales:

Heute habe ich mich für mehr spielbare Positionen entschieden. In gewisser Weise hat es geklappt. Am ersten Tag habe ich eine der Partien zwingend aus der Eröffnung heraus gewonnen, also habe ich versucht, das Gleiche zu wiederholen, aber es ist klar, dass man nicht jeden Tag zwingend gewinnen kann. Deshalb habe ich heute beschlossen, vielleicht nur Schach zu spielen und ich bin froh, dass es geklappt hat.

Es hat zwar letztendlich geklappt, aber in der ersten Partie lief ein taktisches Scharmützel nach der Eröffnung nicht zu Giris Gunsten:

Schwarz hat keine taktische Lösung, und nach 14…Lg6 15.Lf5 hat der Springer auf b8 kein Feld mehr. Der weiße Vorteil wuchs und wuchs bis zum kritischen 22…Lf6:


Der brillante und logische Abschluss der Partie für Nepo wäre dies gewesen: 23…Th8+! Kxh8 24.Dh4 Kg8 25.Dh7+ Kf8 26.Lc5+!


Das ist alles erzwungen, und wenn Schwarz 26…Dxc5 spielen muss, ist es klar, dass Weiß gewinnt. Vielleicht hat Ian Geister gesehen nach 26…Te7 oder 26…Le7, aber wie man sieht, gewinnt Weiß schnell und erzwungen in diesen Varianten.

Aber nach 2,5 Minuten Nachdenken spielte Ian 23.Kg1?, was 23…Lxg5! erlaubte, und jetzt durfte Schwarz darauf hoffen, die Partie zu überstehen. Nach 24.Lxg5 Sc6! (endlich kam der Springer heraus) 25.Le3 hätte Schwarz die Stellung stabilisieren können mit 25…De6!, aber Giris 25…Se5 26.Dh3 Sc4? war ein Blunder mit nur 15 Sekunden auf der Uhr gespielt. Bald hatte Weiß wieder die Oberhand!

Es gab eine weitere kritische Situation nach Nepos bedrohlich aussehendem 31.Txc4?:


Giri spielte 31…Th8 und gab auf nach 32.Dxg7+ Dxg7 33.Te4+, aber wie sich herausstellt, wäre Schwarz wieder in der Partie gewesen mit der erstaunlichen Variante 31…De1+! 32.Kh2 De5+! 33.Kh3 bxc4 34.Te3 Dxe3+ 35.fxe3 Kf6!


Solche Nuancen findet man nicht mit nur noch wenigen Sekunden auf der Uhr.

Partie 2: Brillanz und Blunder

Anish musste ein Comeback zustande bringen, und tat das, was Magnus schon so oft vor ihm getan hat: Er griff auf das Londoner System zurück. Anfangs sah seine Position sehr vielversprechend aus, aber er schien in die Irre gegangen zu sein, bevor Ian einen Zug fand, bei dem unsere Kommentatoren lyrisch wurden:

Es ist nicht gerade intuitiv, hier 30...Kf8! zu spielen geradewegs in die Gabel Sd7+ hinein, aber es ist auch logisch – der Grund, warum Schwarz nicht Sg3 spielen kann, ist dass Tg2 einfach den Springer gewänne. Den König wegzuziehen, löst dieses Problem, und Giri entschied sich schließlich für 31.Sxe4, holte sich seinen Bauern zurück und deckte g3 ab.

Kaum waren die Kommentatoren damit fertig, Nepo zu loben, da lief er schon in eine Falle:


37.Txf5! exf5 (gespielt, nachdem Nepo 27 Sekunden verbrauchte, seinen Fehler zu verfluchen) 38.Sf2+ Kf6 39.Sxh1 und die Partie war praktisch vorbei.

Es ging noch eine Weile weiter, aber man hatte den Eindruck, dass Anish das genoss.

Damit war das Match wieder ausgeglichen, und beide Spieler führten die nächsten drei Partien, zwei Rapid und eine Blitz, ins Remis.

Es sah nach Armageddon aus, stattdessen kam das plötzlich Ende früher.

Partie 6: In den Angriff gestolpert

Während der ersten 22 Züge war nicht abzusehen, wie spektakulär diese Partie werden sollte, aber statt 22…h5 mit dem soliden 23.h4 zu beantworten, spielte Anish 23.h3!?


Er gab danach zu:

23.h3 war ein lustiger Moment. Ich habe 23…h4!? geblundert, denn die Idee hinter h3 war natürlich 24.g4, aber dann kommt 24…Sxe3+ 25.fxe3 Dg3+. Das wollte ich nicht erlauben, aber in der Partie nach 24.gxh4!, einem weiteren Zug (24…Lf6?), und dann 25.h5! war es plötzlich gut für mich. Das war eigentlich nicht der Plan, aber es lief zu meinen Gunsten.

Nepo setzte alles auf einen Angriff entlang der h-Linie, aber Giris 34.Dxc6! und 37.d5! sollte nicht nur die schwarze Stellung öffnen, sondern auch einer Verteidigungsressource vorbeugen:


41.dxe6! hieß, dass Schwarz nach 41…Th2+ 42.Kg1 keine Fortsetzung hatte, denn die Dame musste h1 abdecken.

Es war immer noch ein Wettrennen, aber eines, in dem Giri immer besser war, und Nepo gab auf, als ein Matt in 2 in Sicht war:

Also haben wir unser Traumfinale:

Magnus muss der Favorit sein, obwohl Giri das Mini-Match im Magnus Carlsen Invitational gewann, aber Favoriten gewinnen nicht immer.

Wie zuvor wird das Match über drei Sets ausgetragen, von Freitag an und potentiell bis Sonntag. Der Sieger erhält 45.000 $ und der Verlierer 27.000 $. Wenn Giri gewinnt, so hat er automatisch einen Platz im mit 300.00 $ dotierten Grand Final.


Wenn Magnus gewinnt, wäre das sein zweiter Turniersieg, und das würde einen Platz freimachen für einen Spieler, der kein Event gewonnen hat. Momentan wäre das Hikaru, aber Ding Liren könnte ihn überholen, wenn er in den Legends of Chess später in diesem Monat spielt. Hikaru endete nicht in den ersten 4 in den  Chessable Masters und qualifizierte sich damit nicht. Wie man sieht, war ihr Viertelfinalmatch wichtiger als es aussah!


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