Berichte 13.09.2020 | 15:09von Colin McGourty

Chess 9LX 1: Kasparov schlägt Firouzja und rettet sich gegen Carlsen

Garry Kasparov fand brillantes Gegenspiel und besiegte den 40 Jahre jüngeren Alireza Firouzja. Ein guter Start für das Champions Showdown: Chess 9LX. Garry hatte danach Probleme gegen Magnus Carlsen in Runde 2, fand aber einen Weg, ihre erste Partie in einem Turnier nach 16 Jahren ins Remis zu führen. Das war der einzige halbe Punkt, den Magnus verlor: er verbuchte zwei Siege, einschließlich einer spektakulären Partie gegen die Nummer 2 der Welt, Fabiano Caruana. Leinier Dominguez führt überraschenderweise ebenfalls mit 2,5/3, nachdem er Hikaru Nakamura und Firouzja geschlagen hat.

16 Jahre später treffen Kasparov und Carlsen einander am Brett wieder.

Alle Partien zum Nachspielen:

Live-Kommentierung auf Englisch mit Jennifer Shahade, Yasser Seirawan and Maurice Ashley.

Live-Kommentierung auf Deutsch mit Jan Gustafsson:


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Runde 1: Firouzja 0-1 Kasparov

Mit größter Spannung erwartet wurde die Partie Kasparov-Carlsen, ihr erstes Treffen im Wettstreit seit dem Rapid-Turnier in Reykjavik in 2004, als Magnus erst 13 Jahre alt war. Gleich danach kam jedoch Firouzja-Kasparov, denn der 17-Jährige Alireza Firouzja ist derzeit der Spieler, der vielleicht das Zeug hat, einmal wie Magnus und Garry zu dominieren – obwohl es eine Menge Teenager gibt, die auch in diese Rolle einsteigen können, sollte Firouzja nachlassen.

Während sich die Partie entwickelte, wurde deutlich, dass Alireza zwar eine gute Position hatte, aber sehr langsam spielte. Garry kommentierte später:

Die erste Partie war schwer. Ich glaube, ich war in Schwierigkeiten, aber ich habe viel Gegenspiel erzeugt, und ich war sehr erfreut, schneller zu sein. Am Ende habe ich ihn ausgetrickst. Bedenkt man den Unterschied von 40 Jahren, war ich ganz gut!


32.c4? (32.Kc3! mit der Idee Kd4 ist der furchtlose Vorschlag des Computers), gespielt mit weniger als  20 Sekunden auf der Uhr, war der erste Schritt in den Ruin für Alireza, der in 32…d4! 33.Sxf5 Kxf5 34.Te1 h4! lief.


Garry lud seinen Gegner ein, eine Qualität zu gewinnen, was Alireza auch annahm mit 35.Le4+ (es gab keine gute Alternative) 35…Ke6 36.f5+ Kxe5 37.Ld5+ Kf6 38.Lxf7 Kxf7


Und plötzlich stellte sich heraus, dass der g-Bauer nicht mehr aufgehalten werden konnte. Auf 39.gxh4 folgt einfach 39…g3 40.Te2 Sf4, während in der Partie 39.Te2 hxg3 40.Tg2 mit dem schönen 40…Kf6! beantwortet wurde, und König und Springer eskortierten den g-Bauern. Garry, der vor einem Jahr sechs Partien ohne Sieg zu Beginn des Chess9LX-Matches mit Fabiano Caruana erlebte, war begeistert, einen so guten Start zu bekommen.

Einen dramatischen Start gab auch auf den anderen Brettern, nur eine Partie endete mit Remis. Maxime Vachier-Lagrave schiene nahe daran zu sein, Magnus Carlsens König mit den Türmen zu fangen, endete aber in einem verlorenen Turmendspiel. Peter Svidler vergab eine gute Position gegen Wesley So, indem er direkt in Schwierigkeiten hinein rochierte, während Leinier Dominguez einen schweren Anfang gegen Hikaru Nakamura überstand und schließlich einen bemerkenswerten Sieg davontrug.

Die überraschendste Partie war jedoch das Remis zwischen Aronian und Caruana. Fabi hatte eine sehr gute Stellung.


Hätte er gewusst, was folgte, dann hätte er hier vermutlich 31…Txa2 gespielt, aber wer hätte gedacht, dass nach 31…h6 der einsame unter Druck stehende a-Bauer 22 Züge später eine Dame werden könnte!


Das schwarze Material genügte immerhin für ein Remis.

Runde 2: Kasparov ½-½ Carlsen

Diese Partie bedeutete beiden Spielern viel, aber es war Magnus, der einen guten Start hatte. Garry klagte:

Die zweite Partie war viel schwerer und unangenehmer. Ich habe einen furchtbaren Zug gemacht, glaube ich, 5.Sc3. Sowas macht man automatisch, aber 5.Dc2! hätte die ganze schwarze Idee mit c5 verhindert.


„Das Schwierigste [bei Chess960] ist die Positionierung der Dame“, sagte Garry, und es sieht aus, als sei diese Einschätzung korrekt.Nach 5…dxc4 6.Lxc4 c5! dachte Garry 5 Minuten lang nach, nahm schließlich auf c5 und tauschte die Damen.

Es sah aus, als lief die erste Begegnung beider nach 16 Jahren in ein Remis aus, aber glücklicherweise wurde es bald spannender!

Garry nannte ein 15.g4!? „zu optimistisch“ und dachte 15.Lc2 sei ein erzwungenes Remis gewesen. Bald sah es aus, als habe Magnus einen Sieg, bis auch er 5 Minuten verbrauchte nach 31.Tf3:


Magnus klagte danach:

Das war eine sehr, sehr, sehr schlechte Partie. Er fing an, sich sehr hartnäckig zu verteidigen, und ich habe es einfach zergrübelt, als ich mich für 31…Tf7? entschied. Ich habe versucht, übergenau zu spielen, obwohl es dafür keinen Grund gab.


Magnus hatte sich 31...Lxe2 32.Kxe2 angesehen und dann entweder 32…exf4 oder 32…Txf4. Dann hatte er die Idee 31…Tf7? zuerst zu spielen, dabei aber 32.Te3! übersehen, wonach Garry wieder eine gut spielbare Position hatte. Magnus zeigte Emotionen:

Das Turmendspiel war sehr schwierig nach 42.Th6.


Es sieht aus, als könne 42…Kd7! noch gewinnen, aber nach Magnus’ 42…Kf7, gefolgt von 43.h5! gxh5 44.Txh5 b6 45.Te5! war es nur Remis.



Ansonsten gab es nur eine Partie mit vollem Punkt, ein Sieg Fabiano Caruanas über Maxime Vachier-Lagrave.

Runde 3: Carlsen 1-0 Caruana

Die Wiederauflage der Weltmeisterschaft 2018 enttäuschte nicht: Caruana erspielte sich zeitig eine gute Position.



27.g4! Sh3 28.f3! Sxg1 – hier sahen wir Magnus’ Genie aufblitzen! Nach 29.Txg1 g5 30.h4 gxh4? 31.Df2 Dg7 hatte er sogar die Wahl.


Er entschied sich für 32.Dxa7 statt den h-Bauern zu nehmen. Er gewann die Partie deutlich.

2,5/3 und geteilte Führung war kein schlechtes Ende des Tages, und obwohl Magnus sagte, er habe nicht gut gespielt, war der Titel einer norwegischen Nachrichtenseite doch eine sehr harsche Zusammenfassung: „Carlsen mit Mega-Blunder!“

Nur Leinier Dominguez stand mit Magnus gleichauf; er war in Topform. 

Wesley So blieb bei seinem üblichen Stil, hier und da einen Sieg einzustreichen und ansonsten sehr solide zu spielen; Levon Aronian spielte dreimal Remis.

Peter Svidler schließlich gewann gegen Garry Kasparov.


22…e3?! war ein mutiger Zug von Garry, aber er konnte dieses Opfer in der Partie nicht rechtfertigen. Es war Peters bemerkenswertester Sieg gegen Garry seit ihrer ersten Begegnung in Tilburg in 1997, aber er schien nicht sonderlich erfreut zu sein.

Damit waren Kasparov und Svidler bei 50%, Carlsen und Dominguez in Führung und MVL ganz unten mit 0/3.



Siehe auch:


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