Berichte 14.11.2017 | 14:24von Colin McGourty

Champions Showdown, Tag 5: Magnus in einer anderen Welt

Ding Liren gewann am Montag die erste 10-Minuten-Partie gegen Magnus Carlsen, doch dann war der Weltmeister nicht mehr zu halten. Carlsen gewann sechs der restlichen sieben Partien und stellte damit vorzeitig den Gesamtsieg sicher. Die einzige Frage am Schlusstag ist damit, ob der Weltmeister mit seiner Blitz-Elo die magische Grenze von 3000 übertreffen kann.  

Magnus Carlsen erteilte Ding Liren am Montag eine Lektion | Foto: Austin Fuller, Offizielle Turnierseite

Alle Partien zwischen Magnus Carlsen und Ding Liren könnt ihr hier mit Computeranalyse nachspielen:

Außerdem findet ihr hier den gesamten Live-Kommentar von Yasser Seirawan, Jennifer Shahade und Maurice Ashley samt den Spielerinterviews am Ende als Video:

Magnus hatte sich nach den ersten beiden Turniertagen bereits ein stabiles Polster von 17 Punkten erspielt, doch zunächst zeigte Ding Liren, dass er sich durchaus noch nicht aufgegeben hatte.

In einem scharfen Sizilianer spielte er ohne Furcht vor der Fesselung des Turms auf g5 das mutige 21…f5!:


Nach 22.f4 wäre einfach 22…Lxf4! gekommen, und nach 22.exf5 ließ Ding 22…Dc6 folgen, wonach Magnus mit dem vorübergehenden Figurenopfer 23.Sd5+ den Angriff bremste. Nach 23…Dxd5 24.Le4 Dc4! musste der Weltmeister mit 25.b3 einen Bauern geben, um seinen Läufer auf e4 zu entfesseln.

Einmal wenigstens brachte Ding Liren den Weltmeister ins Schwitzen | Foto: Lennart Ootes, Offizielle Turnierseite

Ding ließ in der Folge nicht mehr locker und fuhr souverän den vollen Punkt ein. Einzig an einem etwas selbstbewussteren Händedruck sollte er vielleicht noch arbeiten!


Nach 48.Kxf1 d3 ist die einzige Frage, welchen Bauern der Schwarze umwandelt.

Nach dieser Partie durfte man ein spannendes Duell erwarten, und auch Magnus räumte ein, dass er zu Beginn der nächsten Partie ein wenig unsicher war:

Die erste Partie hat mich definitiv geärgert, und in der zweiten spielte ich nicht sonderlich gut. Ich stand deutlich schlechter, bevor er einen Fehler beging und Sxc5 zuließ, aber danach wurde ich ruhiger und spielte besser.

25.Lf1? war der Auftakt eines üblen Nachmittags für Ding Liren:


25…Sxc5! 26.dxc5 Lxc5+ 27.Kh1 d4! war die Pointe, doch es kam nach 28.Txb8+ Dxb8 29.Dc4 Txc3 30.Rxc3 dxc3 noch schlimmer:


Im Grunde hat Weiß hier nur 31.Dxc3, wonach er gute Rettungschancen hat. Trotz ausreichender Bedenkzeit spielte Ding Liren vermutlich in Erwartung von 31…Db2, wonach Weiß mit 32.Ld3 den b-Bauern halten könnte, 31.Dxc5??, doch stattdessen folgte a tempo 31…Db1! Weiß hat danach keine sinnvolle Verteidigung gegen den schwarzen c-Bauern und musste wenig später aufgeben.

Magnus Carlsen in Topform | Foto: Lennart Ootes, Offizielle Turnierseite

Danach glich der Verlauf der Partien nur noch einer Einbahnstraße, wie auch der Weltmeister bestätigte:

Natürlich spielte ich in der ersten Partie nicht sonderlich gut, aber danach wurde es deutlich besser. Im Grunde entschied ich mich, die ganze Angelegenheit nicht mehr als Schnellschach, sondern als Blitz zu betrachten. Ich wollte einfach schnell spielen und versuchen, die Partien am Laufen zu halten. 

Diese Strategie funktionierte bereits in der dritten Partie, als Ding mit 18…Lb7 (18…Ld7!, mit der Verteidigungsoption 19…Le8) ein zweizügiges Damenmanöver mit tödlichen Folgen zuließ:


19.Dg4! Kh8 20.Dh5! und Dings beste Option war das traurige 20…De8 21.Lxh6! f5 und nach dem Damentausch hatte Weiß einfach einen Bauern mehr.


Schwarz bekam zwar noch einmal Remischancen, doch letztlich konnte er die Partie nicht halten. Die vierte Partie illustrierte ein weiteres Problem des Chinesen, der auf Maurice Ashleys Frage, ob ihm die Bedenkzeitregelung ohne Zeitgutschrift Schwierigkeiten bereitet habe, meinte: 

Ja, aber das war nicht der Hauptfaktor. In einigen Partien wollte ich schnell spielen, aber das hat überhaupt nicht funktioniert. In anderen habe ich länger nachgedacht, und am Ende war die Stellung vermutlich haltbar, aber die Zeit reichte nicht.


Bislang hat sich Ding Liren in komplizierter Stellung gut verteidigt, doch Carlsen hatte deutlich mehr Zeit auf der Uhr und scheute sich nicht, seinen Gegner im 69.Zug über die Zeit zu heben. Womöglich hätte Ding die Schlussstellung aber ohnehin verloren.    

Die Zeit wurde zum (mit-)entscheidenden Faktor | Foto: Austin Fuller, Offizielle Turnierseite

Die Demonstration nahm in Partie 5 weiter ihren Lauf, als Magnus einen Bauern opferte und den Fehler 24…Db6? erbarmungslos bestrafte:


25.Le8! Te7 26.Dh5 und plötzlich ziehen dunkle Wolken über dem schwarzen König auf. Ding Liren kämpfte mit 26…Lf5!, doch Carlsen ließ mit 27.Dxf5 Tbxe8 28.Dg6 Kh8 29.g3! nicht locker. Wieder gab es Rettungschancen, doch dann wurden Ding Lirens ärgste Befürchtungen wahr:

Diese Leistung habe ich von mir nicht erwartet, denn ich habe einfach schlecht gespielt. Ich kann viel besser spielen, war aber vor dem Turnier sehr nervös, weil ich 30 Partien spielen musste. Das ist vor allem gegen den Weltmeister sehr ungewohnt für mich.

Ding Liren räumte ein, dass "sein Selbstvertrauen zerstört wurde" | Foto: Lennart Ootes, Offizielle Turnierseite

In der sechsten Partie punktete Ding mal wieder, als Carlsen Remis durch Zugwiederholung reklamierte, doch schon in der nächsten Runde sicherte sich der Weltmeister mit einem Sieg vorzeitig den Matchgewinn. Dabei machte er es mit 25.Dc2? (25.Lb1! hätte eine Figur gewonnen) unnötig spannend:


25…Df6! rettete den Springer, da 26.Txe4 nun an 26…Dxa1 scheitert. Schwarz stand gut und hätte die Partie vielleicht halten können, doch Carlsen pochte wieder einmal auf seine bessere Bedenkzeit. Im 85.Zug überschritt Ding die Zeit.

Ding bringt sich in der Pause auf den neuesten Stand |Foto: Austin Fuller, Offizielle Turnierseite

Würde Carlsen in der letzten Partie des Tages locker lassen? Natürlich nicht!


Ding Liren hätte den Bauern einfach mit 23.Sxg4 zurückgewinnen sollen, denn nach 23.Th1? deckte 23…Sf6! den Bauern und den Turm auf h5. Magnus gab sich aber nicht mit passiver Verteidigung zufrieden, sondern opferte nach 24.Th4 mit 24…Txe5! die Qualität und ließ dem Weißen mit seinen Springern anschließend keine Ruhe mehr.

Die Zuschauer bekamen einiges geboten | Foto: Lennart Ootes, Offizielle Turnierseite

Der Weltmeister zeigte seinem Gegner am gestrigen Tag eindeutig seine Grenzen auf:


Bleibt zu hoffen, dass sich Ding Liren nach diesem Tag erholt und in den Blitzpartien noch einmal dagegen halten kann.

Fabiano Caruana, Alejandro Ramirez, Cristian Chirila und Yasser Seirawan spielten in der Pause ein wenig Tandem | Foto: Austin Fuller, Offizielle Turnierseite

Heute geht es bereits zwei Stunden früher, also um 18:00 Uhr los, und wie üblich könnt ihr die Partien live mit dem Kommentar von Yasser Seirawan, Jennifer Shahade und Maurice Ashley auf chess24 verfolgen: Carlsen vs. Ding Liren

Das ist auch mit unseren kostenlosen Apps möglich:

         

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