Berichte 13.11.2017 | 15:54von Colin McGourty

Champions Showdown, Tag 4: Naka, Fabi und So siegen

Die US-Stars Hikaru Nakamura, Fabiano Caruana and Wesley So haben ihre Duelle gegen Veselin Topalov, Alexander Grischuk und Leinier Dominguez beim Champions Showdown in St.Louis für sich entschieden und nehmen damit jeweils die Siegprämie von $60.000 mit nach Hause. Derweil baute Weltmeister Magnus Carlsen seine Führung im noch laufenden Match gegen Ding Liren weiter aus und dominierte seinen Gegner nach Belieben. Die Entscheidung in diesem Match fällt heute und morgen.

Veselin Topalov hatte gegen Hikaru Nakamura trotz allem Spaß! |Foto: Lennart Ootes, Offizielle Turnierseite

Carlsen überlegen

Fangen wir zunächst mit dem Match zwischen Magnus Carlsen und Ding Liren an, das einen ziemlich einseitigen Verlauf nahm.

Magnus Carlsen hat gegen Ding Liren fast immer alles im Griff| Foto: Lennart Ootes, Offizielle Turnierseite

Alle Partien könnt ihr mit einem Klick auf das Ergebnis nachspielen:

Die erste 20-Minuten-Partie am Sonntag war ein scharfe, aber ausgeglichene Angelegenheit, die in einem logischem Remis mündete, doch in der zweiten sah es so aus, als könnte Ding Liren seinen Gegner in typischer Carlsen-Manier langsam ausquetschen:


Hier allerdings wählte Ding Liren mit 36.Kh4 und 37.g5 den falschen Plan und hatte danach einen schwachen Bauern auf h5, den er nur mit dem Läufer decken konnte. Letztlich eroberte Carlsen diesen und führte die Partie mit der für ihn typischen chirurgischen Präzision zum Sieg.

Schwere Zeiten |Foto: Austin Fuller, Offizielle Turnierseite

Der Rückstand des Chinesen war damit auf 9 Punkte angewachsen, doch zunächst hielt er mit einem sicheren Schwarzremis noch dagegen. Dann aber ging in Runde 4 alles daneben. Schon in der Eröffnung ging einiges schief, und spätestens nach 22…d5! , womit Carlsen dem Läufer das Feld f5 freikämpfte, war klar, dass Weiß ernste Probleme ins Haus standen… 


…und nach dem gleichermaßen brutalen wie schönen 27…Tc3! war die Partie auch schon vorbei. Das Abzugsschach des Läufers auf b6 ist nur eine der tödlichen Drohungen.

Von diesem Schlag konnte sich Ding Liren in der nächsten Partie nicht erholen, vielmehr ließ er mit 27…Dc8? ein kaum minder brutales Finale zu:


28.e5! dxe5 (28…Lxe5 hätte 29.Se7+ zur Folge) 29.d6! (wieder ist nach 29…cxd6 30.Se7+ tödlich) 29…Ta8 30.Se7+ Lxe7 31.dxe7 und Schwarz gab auf, da der Bauer auf e7 zu stark ist.

Nach diesen Machtdemonstrationen gab sich der Weltmeister in der letzten Runde mit einem Remis in 33 Zügen zufrieden. Er meinte hinterher:

Ich versuche solides und objektives Schach zu spielen und in der Eröffnung nicht zu viele Experimente zu machen.  

Ab heute konzentriert sich das Interesse ganz auf diesen beiden | Foto: Lennart Ootes, Offizielle Turnierseite

Ding Liren war aber nicht der Einzige, der gestern ein Problem hatte.


Alle Partien findet ihr hier:

Nakamura 61,5:30,5 Topalov: Motivation!

Entspannte Tage für Hikaru Nakamura | Foto: Lennart Ootes, Offizielle Turnierseite

Ein Match aus St. Louis brachte wirklich keine Überraschung. Hikaru Nakamura hatte zuvor erklärt, er habe sich Veselin Topalov ausgesucht, um sich in dynamischem Schach zu messen, doch er wusste natürlich auch, dass er seinem Gegner bei kürzerer Bedenkzeit haushoch überlegen war. Vor dem Blitzen hatte Nakamura bereits 13 Punkte Vorsprung, und es war klar, dass der Bulgare das nicht mehr aufholen konnte. Mit drei Siegen zum Auftakt der Blitzpartien sicherte sich Naka bereits neun Runden vor Schluss die Siegprämie von $60.000!


Nakamura ging deswegen aber nicht vom Gas, sondern ließ seinem Gegner mit neun Siegen und drei Remis nicht den Hauch einer Chance.

Am besten lässt sich das Blitzduell der beiden mit Partie 8 zusammenfassen, in der Topalov an einer Stelle in neun Zügen mattsetzen konnte, im Endspiel mit Mehrfigur aber immer noch klar auf Gewinn stand:   


Erst warf Topalov hier mit 76…Se5?? 77.Sxb8 den Gewinn weg, bevor er sogar noch den Springer einstellte und die Partie verlor!

Was für eine Partie! |Foto: Lennart Ootes, Offizielle Turnierseite

Und wie sieht es mit Topalovs Motivation aus? Die war, wie er Maurice Ashley zu erzählen wusste, ein Problem:

Ich bin ein guter Verlierer (lächelt), aber natürlich bräuchte ich mehr Spielpraxis. Mein Problem ist, dass ich nicht mehr so heiß bin, an meinem Schach zu arbeiten und mich zu verbessern. Ich habe die Motivation verloren und habe mittlerweile andere Prioritäten. 

Das Zugucken machte bei diesem Match durchaus Spaß, es war aber wie erwartet ein ungleiches Duell. Die anderen beiden Matches verliefen aber weitaus knapper. Alexander Grischuk und Leinier Dominguez musste man bei kürzerer Bedenkzeit als Favoriten ansehen, aber am Ende verloren sie trotz zwischenzeitlicher Führung noch recht deutlich. Hier die Veränderungen, die das in der Live-Blitzweltrangliste zur Folge hatte:


Grischuk 43:49 Caruana: Fabi kann durchaus blitzen

Fabiano Caruana räumte ein, dass er am Vortag nur noch wenig Chancen gesehen habe, doch nachdem er eine völlig verlorene Stellung noch gewinnen konnte, verkürzte er den Rückstand mit zwei weiteren Siegen zum Abschluss auf vier Punkte und war auf einmal wieder im Rennen.

Caruana ließ gegen Grischuk nicht mehr locker | Foto: Lennart Ootes, Offizielle Turnierseite

Im Blitzen war Grischuk aber dennoch Favorit, doch lief an diesem Tag einfach alles gegen ihn. Nach einem Remis in der ersten Partie verlor er eine remisverdächtige Stellung in der zweiten und musste dann sogar den Ausgleich hinnehmen. 26.e6! war einfach zu stark:


Nur einmal gab es Hoffnung für Grischuk:


Hier hätte Fabiano den Läufer auf d2 schlagen sollen, berührte aber seinen c-Bauern und musste sich nach 9…c6 10.Sxe4 dxe4 11.Sg5 mit Bauern- und schließlich Partieverlust abfinden. Grischuk war damit wieder in Führung, doch Caruana ließ danach keinen einzigen Sieg des Russen mehr zu.

Alexander Grischuk konnte den Abwärtstrend nicht mehr stoppen | Foto: Lennart Ootes, Offizielle Turnierseite

Der Amerikaner spielte einfach besser und schneller und variierte dabei sogar seine Eröffnungen. Zwei Runden vor Schluss hätte Grischuk die beiden letzten Partien gewinnen müssen, um noch auszugleichen, doch er konnte seinen Vorteil als Schwarzer nicht ausnutzen und musste sich mit einem vorentscheidenden Remis begnügen. Seine Enttäuschung war ihm merklich anzusehen und die Niederlage zum Abschluss nur folgerichtig.    


Was ging schief? Vielleicht lag es am Jetlag und der anstrengenden Mannschafts-EM, dass Grischuk so einbrach, aber er äußerte sich nicht zu den Gründen. Caruana sah den Grund für seinen Erfolg jedenfalls im Training:

Vor dem Turnier habe ich mit einem starken Gegner viele Blitzpartien ohne Zeitgutschrift bestritten. Ich wollte einfach nur schnell spielen und es nicht auf eine Zeitnotschlacht ankommen lassen.

Damit kommen wir zum letzten Duell!

So 47,5:44,5 Dominguez: “Noch eine Überraschung”

So und Dominguez wurden später weggesetzt, weil sie zu viel Krach machten! | Foto: Lennart Ootes, Offizielle Turnierseite

Alle Matches könnt ihr hier noch einmal anschauen:

Wesley So meinte nach dem Match, “Wir haben so laut auf die Uhr gehauen, dass wir von Magnus’ Tisch weggesetzt wurden.“ Nach drei Siegen zum Abschluss von Tag 3 ließ er gleich zwei weitere Siege folgen und dabei drehte er im Vergleich zur fünften Partie des Vortages den Spieß um:


Damals stellte So seinen Turm auf d1 wegen Sf3+ ein, doch hier gewann er mit 45…Sf3+! 46.Lxf3 Txe1+!

Alles lief weiter für den Amerikaner, der schon nach fünf Partien seinen Rückstand wettgemacht hatte. Erst nach einem weiteren Sieg von ihm hatte auch Dominguez einmal etwas zu feiern:


So hatte gerade 24…Te6 gespielt, gab aber direkt auf, da 25.h7+ Kh8 26.Dxf7 zu Matt in drei Zügen führt. Danach hätte es noch einmal spannend werden können, doch erst verpasste Dominguez in der nächsten Partie das Remis und dann kam es in der 10.Partie noch schlimmer für ihn:


Dominguez hatte schon einmal den Sieg verpasst, hier aber noch einmal eine klare Gewinnstellung. Wesley nahm vermutlich an, dass 54.Dxg4 wegen dem Abzugsschach 54…e2+ nicht geht, doch dann folgt 55.Dxd4+ ebenfalls mit Schach und Weiß gewinnt leicht. Stattdessen folgte jedoch 54.Kf1?? und Wesley erzwang Remis durch Zugwiederholung, obwohl er sogar auf Gewinn spielen konnte.

Am Ende triumphierte Wesley So | Foto: Austin Fuller, Offizielle Turnierseite

Den entscheidenden Punkt holte er sich dann aber in der nächsten Partie, als Dominguez unbedingt gewinnen musste, überzog und letztlich verlor. Für den Kubaner reichte es in der Schlussrunde nur noch zu einem bedeutungslosen Sieg als Trostpflaster.


Damit sind drei der Champions Showdowns entscheiden, und während Magnus Carlsen noch zwei Tage in St.Louis spielt, können sich seine Mitstreiter Wesley So, Nakamura und Caruana schon auf die Ende des Monats beginnenden London Chess Classic vorbereiten! 

Gelingt Ding Liren gegen den Weltmeister auch noch ein Comeback? | Foto: Austin Fuller, Offizielle Turnierseite

Auch heute übertragen wir die Live-Übertragung mit Yasser Seirawan, Jennifer Shahade und Maurice Ashley ab 20 Uhr auf chess24: Carlsen vs. Ding Liren

Alle Partien könnt ihr auch mit unseren kostenlosen Apps verfolgen:

         

Weitere Links:


Sortieren nach Datum (absteigend) Datum (absteigend) Datum (aufsteigend) meiste Likes Benachrichtigung bei neuen Kommentaren

Kommentare 3

Guest
Guest 3404038663
 
chess24 beitreten
  • Kostenlos, Schnell & Einfach

  • Sei der Erste, der kommentiert!

Registrieren
oder

registriere dich und leg los!

Mit einem Klick auf 'Registrieren' stimmst du unseren Nutzungsbedingungen zu und bestätigst, dass du unsere Datenschutzrichtlinie und den Abschnitt über die Verwendung von Cookies gelesen hast.

Lost your password? We'll send you a link to reset it!

Nach der Übermittlung deiner E-Mail-Adresse erhältst du von uns eine E-Mail mit einem Link zum Zurücksetzen des Passworts. Wenn du dann weiterhin nicht auf deinen Account zugreifen kannst, melde dich bitte beim Kundendienst.