Berichte 29.08.2018 | 13:34von Colin McGourty

Caruana gewinnt Stichkampf gegen So und qualifiziert sich für das GCT-Finale in London

Nach Hikaru Nakamura, Levon Aronian und Maxime Vachier-Lagrave hat sich auch Fabiano Caruana für das Finale der Grand Chess Tour im Dezember in London mit 300.000$ Preisgeld qualifiziert. Im Stichkampf um Platz 4 der Tour-Gesamtwertung besiegte er Wesley So. Fabiano beschrieb sein bisheriges Jahr als "mehr als ich jemals erwarten konnte', aber wichtiger als alles andere ist das WM-Match im November. Sein Gegner Magnus Carlsen wärmte sich dafür auf mit leichten Sticheleien bei der Abschlusszeremonie des Sinquefield Cup.

Wird Fabiano Caruana als Weltmeister am Finale der Grand Chess Tour in London teilnehmen? | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour 

Caruana gab zu, dass er nach Carlsens Sieg gegen Nakamura in der letzten Runde des Sinquefield Cup das Schlimmste befürchtet hatte:

Ich bin unglaublich glücklich, vor allem über dieses Ende. Nachdem Magnus gestern gewann, dachte ich eine Sekunde lang, dass ich draussen bin. Dann verstand ich, dass ich (mit So) gleichauf bin und das war bereits eine grosse Erleichterung, dass ich immer noch eine Chance hatte. Aber gestern war eine Art Achterbahn der Gefühle, und heute auch.

Das Rennen um den vierten Platz in London war am Ende unglaublich eng: Caruana und So teilten Platz 4-5 mit 26 Punkten, knapp dahinter Sergey Karjakin mit 25,5 und Shakhriyar Mamedyarov mit 25 Punkten. Diesmal war ein Stichkampf mit zwei Spielern allerdings nicht kontrovers. Caruana und So spielten zunächst zwei Schnellpartien mit 25 Minuten Bedenkzeit plus 10 Sekunden delay. Danach hätten sie (eventuell mehrfach) zwei Blitzpartien gespielt, das war dann nicht nötig.

Caruana hat in der ersten Partie Schwarz | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Die erste Partie: So-Caruana 1/2

Du kannst die Partien des Stichkampfs und alle anderen Partien des Sinquefield Cup im Viewer unten nachspielen:

Und dies ist der Livekommentar zum Stichkampf:

Die erste Partie erinnerte an die inhaltslose Partie derselben Spieler in der letzten Runde mit klassischer Bedenkzeit. Allerdings hatte Wesley So mit Katalanisch immerhin bessere Chancen als zuvor gegen Fabis Russische Verteidigung nach 1.e4:


Caruana konnte dann mit dem taktisch genau berechneten 18…c5! 19.dxc5 Sb4! fast alle Probleme lösen, nach 33 Zügen einigten sich die Spieler auf Remis.

Die zweite Partie: Caruana-So 1-0

Kurz vor Ende der zweiten Partie | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Wiederum wurde es Katalanisch (anfangs Nimzo-Indisch mit 4.g3). Diesmal konnte Wesley So mit 24…Lxf2+ 25.Kg1 c5 die weisse Königsstellung schwächen und darauf hoffen, langfristig seinen Mehrbauern zu verwerten. Fabiano tauchte hier lange ab - hinterher erklärte er, dass er vor allem 26.Lf4 oder 26.b4 untersuchte, aber immer schlechter stand.


Erst nach langem Nachdenken fand er die Lösung:

Und dann sah ich dieses 26.Ta2! nach vielleicht 8 Minuten, also erst kurz vor dem Ende, und spielte es fast sofort.

Es waren eher 6 Minuten, aber dennoch ein Höhepunkt der Liveübertragung!

Es folgte 26…Ld4 27.b4 Tad8 und hier dachte Fabiano bereits, dass es für ihn läuft – er ging davon aus, dass 27…Tf5 nur Remis ist. Caruana war froh, dass er Turm und Läufer auf d6 installieren konnte, betrachtete 44…g6 als den schwarzen König schwächende Konzession, und "erwog es kaum" als Wesley nach 49…Bd4 Remis anbot:


Fabiano dachte, dass sein vorgerückter c-Bauer Vorteil bedeutet. Damit lag er richtig, und nach 55…Kf7? (55…Tc4) gab es keinen Weg zurück:


Nach 56.Ta6 Ke6 57.Lf4+ Kd5 begann der Triumphmarsch des c-Bauern mit 58.c6. Wenig später gab So auf:

‌Das Ende von Caruana-So

Damit hat Caruana, unabhängig vom Ergebnis des WM-Matches im November, vom 11.-17. Dezember einen weiteren Termin in London. Ebenfalls im Rennen um den ersten Preis von 120,000$ sind Nakamura, Aronian und MVL.


Danach noch die Abschlusszeremonie des Sinquefield Cup 2018:

Es war eine weitere Chance, sich bei Sponsoren und anderen zu bedanken, Fabiano dankte auch seiner Familie:

Ich möchte mich bei meinen Eltern, in der zweiten Reihe, dafür bedanken, dass sie mich hier vor Ort unterstützt haben!

Caruana nannte Aronians Rxf7!?!! gegen Grischuk in der letzten Runde “einen der grössten Gangsterzüge, die ich jemals in meinem Leben gesehen habe", aber nun verhielt sich Levon kaum wie ein Gangster. Er sah das Positive an der umstrittenen Tatsache, dass drei Spieler den Turniersieg teilten:

Ich denke, es war gewissermassen symbolisch, dass der Sieg nach zehn Jahren wunderbarer Organisation und Unterstützung geteilt wurde. Denn wir alle, die Spieler, sind der Sinquefield-Familie so dankbar für alles was sie tun. Wir sind so gesegnet mit allem, einfach hier zu sein.

Magnus reagierte schlagfertig auf Maurice Ashleys Hinweis, dass er zuvor beim Sinquefield Cup nie schlechter abschnitt als Platz zwei:

Offen gesagt, ich war dreimal Zweiter und war nie allzu nahe am Turniersieg, vor allem das eine Jahr mit Fabi. Ich kann nicht sagen, dass ich Levons Einstellung teile, dass es schön ist den Turniersieg zu teilen. Es ist viel schöner, alleine zu gewinnen! Ich denke, dass Levon das auch so sieht.

Magnus wurde gefragt, ob sein Eingeständnis, dass er manchmal im Turnier nervös war, neu sei:

Mein ganzes Leben lang sagte ich den Leuten, dass ich nervös werde, aber sie haben nie zugehört, vielleicht ab jetzt! Ich denke, wenn man wirklich ehrgeizig ist und sehr auf seine Ergebnisse Wert legt, dann gehört es dazu. Es ist Teil des Spiels, das zu überwinden lernen dauert für die meisten ein Leben lang. Also hoffe ich, dass ich irgendwann soweit bin.

Gibt es weitere verbale Duelle zwischen Carlsen und Caruana vor dem WM-Match? | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour  

Wie bei der Eröffnungsfeier waren dann die interessantesten Momente kleine Sticheleien vor dem WM-Match. Fabiano wurde gefragt, ob das Turnier irgendwelche Fingerzeige zum Match lieferte:

Wir hatten praktisch identische Ergebnisse - Siege und Remisen gegen dieselben Spieler. Im direkten Duell stand ich unter sehr starkem Druck, da war Remis für mich ein ziemlich gutes Resultat. Ich sehe nicht, was dies für das WM-Match bedeutet. Wir zeigten beide, dass wir um Platz eins kämpfen, aber das ist kaum etwas Neues!

Magnus hatte dann das letzte Wort und wies darauf hin, dass eine gängige Tiebreak-Regel den geteilten Turniersieg verhindert hätte:

Ich will nicht kleinlich klingen - wobei ich es quasi bin! - aber ich hatte einmal öfter Schwarz, also…

Der Sinquefield Cup brachte vielleicht kaum neue Einsichten, aber sicherlich erinnerte er uns alle daran, dass das Match im November ein Klassiker werden kann.

Siehe auch:


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