Interviews 20.09.2018 | 09:34von Colin McGourty

Carlsen vor der WM: “Ich hoffe, dass Caruana den Druck spürt!”

Knapp zwei Monate vor dem Beginn der Schach-WM in London stellte sich Magnus Carlsen während seines Trainingslagers im Kragerø Resort südwestlich von Oslo den Fragen der norwegischen Medien. Der Weltmeister hofft, dass der Druck im ersten WM-Match seiner Karriere Spuren bei Fabiano Caruana hinterlässt. Gleichwohl hat er keine Illusionen, dass es leicht werden könnte, zumal Caruana schon lange „fast auf meinem Niveau“ ist.

Dank englischer Untertitel konnte man Carlsens norwegische Kommentare besser verstehen... | Screenshot: Dan / VG.no

Traditionell bezieht Magnus Carlsen vor seinen großen Matches in Kragerø ein Trainingslager. Erstmals war dies vor seinem ersten WM-Kampf gegen Vishy Anand der Fall:

Dieses Jahr ist er wieder da, und mit ihm seine Sekundanten Peter Heine-Nielsen und Laurent Fressinet sowie – warum auch nicht? – der frühere norwegische Beach-Volleyball-Star Jan Kvalheim. Als die Kameras von VG.no liefen, wurde das eher unbekannte “Fußballgolf” gespielt, das durchaus Spaß zu machen scheint! Für alle Schachfans, die kein Norwegisch können, gibt es englische Untertitel.

Einige Zitate von Magnus und seinem Team kann man in dem Artikel von VG.no nachlesen, weitere Äußerungen gibt es auf NRK.no.

Der besondere Druck einer WM

Während Magnus Carlsen bereits seinen vierten WM-Kampf bestreitet, ist Fabiano Caruana erstmals qualifiziert. Carlsen hofft, dass sich dies positiv für ihn auswirkt:

Ich hoffe, dass Caruana den Druck spürt! Dann hätte ich zu Beginn des Matches einen Vorteil.

Der Weltmeister stellte klar, dass sich nicht einmal zwei nervenzerreißende Kandidatenturniere mit dem vergleichen lassen, was man bei einem Kampf um den höchsten Titel im Schach durchmacht:

Man kann sich mental so gut vorbereiten, wie man will, aber wenn man am Brett sitzt, ist ein zusätzlicher Druck da. 

Magnus meinte weiter, dass er 2013 in Chennai in den ersten drei Partien schlecht gespielt habe und Probleme bekommen hätte, wenn Vishy Anand in Topform gewesen wäre. 

Magnus vor Beginn der zweiten Partie in Chennai | Foto: Anastasiya Karlovich

Dieses Mal ist es Magnus, der darauf hofft,  die mangelnde Erfahrung seines Gegners ausnutzen zu können:

Gelingt es mir am Anfang einige Schläge auszuteilen - nicht unbedingt im Sinne von gewonnenen Partien, sondern indem ich ihn unter Druck setzen kann - wird der Druck auf Caruana sogar noch steigen.  


Über Fabiano Caruana

Magnus bezeichnet Fabiano Caruana als den “auf dem Papier definitiv schlimmsten Gegner in einem WM-Kampf”, und meinte damit, dass der Amerikaner ihm die meisten Probleme bereiten kann. Sein Kommentar:

Mir ist schon lange klar, dass Caruana sich fast auf meinem Niveau befindet, aber er war bislang nicht stabil genug. Dieses Jahr war er nun sehr stabil, hat seine Elozahl verbessert und sich für einen Wettkampf qualifiziert, der vermutlich sehr hart wird.

In St. Louis vergab Magnus eine große Chance, die letzte Partie der beiden vor der WM für sich zu entscheiden | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour 

Caruana steht für etwas, das Magnus als generellen Trend ansieht:

Mir scheint, meine Gegner haben immer weniger Respekt vor mir. Das hat auch etwas Gutes, da ich mehr Chancen bekomme, wenn sie etwas aggressiver gegen mich spielen. 

Fabiano hat Grund, optimistisch zu sein:

Er hat mich in all den Jahren mehrmals überspielt. Meine Bilanz ist gut, aber ich musste sehr hart dafür kämpfen und habe sogar einige Partien verloren.

Tarjei J. Svensen, der auch auf die Interviews verwiesen hat, hat sich die Bilanz der beiden Kontrahenten angeschaut (mit einem Klick auf das Datum des Tweets könnt ihr den gesamten Beitrag lesen):

Magnus bezeichnete Caruana auch als einen anderen Spielertypen als Vishy Anand oder Sergey Karjakin, die er als “sehr theorielastig und gut vorbereitet” bezeichnete, während Caruana nicht so abhängig von der Eröffnung ist.

Über die Matchstrategie


Was hat Magnus außer einem guten Start noch vor? Natürlich wollte er keine Details verraten, doch gab er zumindest einen Hinweis darauf, wie seine Pläne aussehen. Auf die Frage, ob er sein Spiel dem Stil seines Gegners anpassen werde, meinte er:  

Das ist schwierig und wäre auch nicht sonderlich klug. Meines Erachtens sollte ich eher versuchen, das Match zu diktieren, als mich zu sehr auf ihn zu konzentrieren. Ich weiß recht gut, was er gut und weniger gut kann, aber ich möchte mich nicht zu sehr danach richten, weil ich dann meine eigenen Stärken nicht mehr ausspiele.

Magnus ist einer der wenigen Spitzenspieler, die auf die Teilnahme an der Olympiade verzichten, aber es ist davon auszugehen, dass er beim Europacup der Vereinsmannschaften im Oktober an den Start geht. Außerdem plant er einen Trip nach London, um sich das Spiellokal anzuschauen und sein WM-Quartier auszusuchen. Vor dem Match wird er noch ein weiteres Trainingslager absolvieren, aber an einem „wärmeren Ort als Kragerø”. Das grenzt die Auswahl ein!


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