Features 07.11.2016 | 16:20von IM David Martínez

Carlsen-Karjakin Vorschau 2: Sergey mit Weiß

Seit dem Jahr 2006 herrscht in der Schachwelt wieder Einheit in der Frage nach dem Schachweltmeister. Von diesem Zeitpunkt an wurden fünf Matches ausgetragen, in denen es aber nur einer der Herausforderer, ein Gewisser Magnus Carlsen, schaffte, eine Partie mit den schwarze Steinen zu gewinnen (tatsächlich gewann er 2013 gegen Anand sogar gleich zwei). Das sollte Karjakin zum Nachdenken anregen, der ohnehin schon weiß, wie wichtig es in New York für ihn sein wird, mit einem starken Aufschlag servieren zu können. In diesem Artikel spekulieren wir darüber, was in den Weißpartien des des russischen Herausforderers aufs Brett kommen könnte.

Beim Tata Steel Chess 2016 in Wijk aan Zee - ein paar Monate vor seinem Sieg beim Kandidatenturnier - eröffnete Karjakin mit seinem üblichen 1.e4 | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess

Karjakin - Carlsen

Sergey Karjakin war während seiner gesamten Karriere einer herausragender 1.e4-Spieler. Nichtsdestotrotz hat er schon mehrfach mit Flexibilität auftrumpfen können, vor allem in wichtigen Partien. Während des Kandidatenturniers und beim World Cup eröffnete er mehrheitlich mit 1.d4 und 1.Sf3.

Die finale Partie war eine Ausnahme - Sergey spielte 1.e4 und Caruana, der gewinnen musste, 1...c5

Bei der Analyse von Magnus' Repertoire stellen wir fest, dass er in letzter Zeit gegen 1.e4 etwas variierte. Vielleicht wollte er damit seinen zukünftigen Herausforderer etwas in die Irre führen. Jetzt wo der Weltmeister-Titel auf dem Spiel steht, müssen wir erwarten, dass seine Hauptwaffe nach wie vor die Berliner Mauer sein wird, vor allem dann, wenn er in Führung liegt.

Mein Tipp, vielleicht ein etwas überraschender, ist der, dass Karjakin Italienisch bzw. Giuoco Piano spielen wird. Er wandte die Eröffnung dieses Jahr zwar nur drei Mal an (davor hatte er sie seit 2005 nicht mehr gespielt), verglichen mit der Spanischen, die er sechs Mal spielte (sogar mehr als 200 Mal in seiner Karriere gegen nur eine Hand voll Giuoco Pianos).

Mit der Italienischen Eröffnung erzielte er dieses Jahr gleich zwei Siege. Einer davon war gegen Tomashvesky beim Tata Steel Chess, als er seinen Gegner trotz eines schlechten Turniers dominierte - tatsächlich war diese Partie sogar sein einziger Sieg im Turnier.


20.c4! war ein wichtiger Raumgewinn. Karjakin schnürte seinem Gegner nach und nach die Luft ab.

Bei seinem zweiten Sieg, gegen David Navara, gewann er in nur 24 Zügen. Wiederum stellte er sein überlegenes positionelles Verständnis zur Schau.

Keine Begegnung, von der man sich eine scharfe Partie mit Figurenopfern erhoffte... | Foto: Bilbao Chess

Gegen Anish Giri remisierte er in Bilbao zwar nur, aber sein Gegner sah sich mit horrenden Problem konfrontiert. Obwohl das zwar streng genommen nicht ganz zum Thema passt, kann ich nicht widerstehen, folgende Stellung zu zeigen:


Karjakin opferte hier seinen Turm auf g7, aber sein Angriff schlug nicht ganz durch. Die Engines zeigen in dieser Stellung den brillanten Zug 23.Lh6!! an, der zu einem großartigen Gewinn geführt hätte. Der Punkt ist, dass Weiß nach 23...gxh6 einfach ganz gelassen mit 24.Dxh6 zurücknimmt. Ein entscheidender Durchbruch auf g7 kann nur durch die Rückgabe von Material verhindert werden, da 24...Ld6 wieder mit einem ruhigen Zug, 25.Tg3, gefolgt von einer Turmverdopplung und dem Einstieg auf der siebten Reihe beantwortet werden würde. 

Man muss dazu sagen, dass Anish in dieser Partie mit frühem d5 spielte, was von Magnus nicht zu erwarten sein kann. Dieser bevorzugt es, die Stellung geschlossen zu halten und zu manövrieren.

Carlsen kiebitzt bei Karjakins Italienisch-Partie gegen Giri  | photo: Bilbao Chess

In Anbetracht seiner bemerkenswerten Behandlung dieser Variante glaube ich, dass  Karjakin zumindest in den ersten Partien Italienisch spielen wird, anstatt gegen die Berliner Mauer anzurennen. 

Nur für den Fall, dass Karjakin doch 1.d4 oder 1.Sf3 spielen sollte: Es ist zu erwarten, dass der Weltmeister dann mir der Damen-Indischen oder Ragozin Verteidigung verfahren würde. Eine Partie in der Ragozin-Variante zwischen Karjakin und Carlsen endete in einem Bilbao schnellen Remis.

Während Karjakin im Damen-Inder mit Schwarz immer mit La6 spielt (1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sf3 b6 4.g3 Ba6), variiert Magnus zwischen verschiedenen Versionen, normalerweise um seinen Gegner in unbekanntes Terrain zu führen - gegen Karjakin wird das im Damen-Inder nicht so leicht sein! Ich glaube demnach nicht, dass es Carlsens Idee ist, Damen-Indisch zu spielen und tippe eher auf Ragozin oder eine Variante aus dem Komplex des Abgelehnten Damengambits.

Wie wir gesehen haben, sind die Schwarzrepertoires von Magnus und Sergey ziemlich ähnlich. Das bedeutet, dass beide nach Stellungen streben werden, die sie mit beiden Farben spielen können - dies macht die theoretische Vorbereitung sogar noch intensiver. Jetzt ist der Startschuss nicht mehr mal eine Woche entfernt! Was glaubt ihr? Was wird Karjakins erster Zug sein, wenn er Weiß hat?









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