Berichte 16.11.2016 | 12:04von Colin McGourty

Carlsen - Karjakin, Partie 4: Verteidigungsminister

Sergey Karjakin schaffte es entgegen aller Wahrscheinlichkeit, weitere 6,5 Stunden und 94 Züge Folter durch Magnus Carlsen zu überstehen, indem er genau in dem Moment eine rettende Festung errichten konnte, als es den Anschein hatte, dass der Weltmeister endlich die Führung im Match übernehmen würde. Es war ein "verblüffender" Tag, um Peter Svidlers Wortwahl zu verwenden, da zuerst Sergey und danach Magnus ein einzelner eklatanter Fehler unterlief, der den Kurs der Partie jeweils änderte.

Das Nichtverwerten von Chancen ist etwas, das weder wir noch Magnus selbst von ihm gewohnt sind | Foto: Vladimir Barsky, Russische Schachföderation

Beginnen wir mit dem Ende, da zwei Tweets die vierte Partie der FIDE-Weltmeisterschaft 2016 gut zusammenfassten:

Letzte Nachricht: Putin hat Karjakin soeben zum russischen Verteidigungsminister ernannt.

Wirklich eine beeindruckende Verteidigung. Es kommt nicht alle Tage vor, dass Carlsen zwei klar bessere Stellungen hintereinander nicht verwertet.

Als Sergey gefragt wurde, wie es ihm nach einer neuerlichen Auferstehung von den Toten ging, antwortete er: "Fantastisch!", während Magnus, der klarerweise weit davon entfernt war, sich fantastisch zu fühlen, dennoch etwas Positives fand: "Ich denke wirklich, dass Angriff besser als Verteidigung ist.".

Sergey Karjakin beweist, dass sein Ruf als großartiger Verteidiger absolut verdient ist | Foto: Vladimir Barsky, Russische Schachföderation

Wie geriet Sergey Karjakin, der die weißen Figuren führte, also in die Rolle des Verteidigers? Nun, sein Anti-Marshall-Aufbau schien gut zu funktionieren, bis er nach 17. ... Sc4 an eine "Weggabelung" kam, wie es Svidler ausdrückte. Dieser Moment wurde für die Nachwelt festgehalten:

Ja, hier liegt Carlsen beim WM-Match ausgestreckt auf der Couch, während Karjakin nachdenkt!

Carlsen liegt im Hinterzimmer, während er um die Weltmeisterschaft kämpft, während Karjakin nachdenkt.

18. Sg4 bot eine solide Stellung, in der Weiß nicht schlechter steht, aber Sergey dachte, er habe einen Geniestreich entdeckt und spielte 18. Lxh6!?


Der Zug war an sich gut, aber Karjakin übersah Carlsens Antwort:

Mir wurde nach 18. ... Dc6 klar: Was habe ich gemacht?

Geschockt von dieser naheliegenden Antwort unterlief Sergey etwas, was die zusehenden Großmeister dieser Welt einstimmig als schweren positionellen Fehler bezeichneten - 19. Lxc4?, was den weißen hellfeldrigen Läufer freiwillig aufgibt und den b2-Bauern extrem schwach machte. Eric Hansens Reaktion sagte alles: 

Oder wenn ihr lieber Worte habt:

Offen gesagt war das einfach sehr schlecht von Sergey gespielt. Es ist leicht, hier zu sitzen und zu kritisieren, aber es stimmt.

Ab hier war es für Weiß nur noch eine Übung in Schadensbegrenzung, aber wenn dein Gegner Magnus Carlsen heißt und der Schaden so offensichtlich ist, ist die Wahrscheinlichkeit eines erfolgreichen Ergebnisses gering. Die Bewertung der weißen Zwickmühle blieb lange Zeit bei "traurig", für Sergey war es daher eine trostlose Aufgabe:

13 Stunden in einem finsteren Raum, um schwierige Fragen zu beantworten. Bei der Schachweltmeisterschaft braucht man fast schon die Ausdauer von Kriegsgefangenen.

Er blieb jedoch dran, und im 45. Zug war es überraschenderweise Magnus, der als erster fehlgriff:


Sergey meinte nach der Partie, er hätte nach 45. ... Le6 keine Hoffnung mehr gehabt, Magnus schloss jedoch die Struktur mit 45. ... f4?!, nur um später zu bemerken, dass er den Gewinn aus der Hand gegeben hatte.

Ich habe irgendwie den Eindruck, dass das Schließen der Stellung mit 45. ... f4 jeden Gewinnplan sehr viel schwieriger gemacht hat.

Er erklärte, warum er das Errichten einer Festung zuließ:

Ich glaube allgemein nicht sehr an Festungen im Schach. Es gibt Leute wie Anand, der eine Festung zu errichten versucht, sobald er schlechter steht, aber ich habe Erfahrung darin, solche Festungen einzureißen. Ich dachte, mit 45. ... f4 einfach zu gewinnen. Solange ich einen Pfad auf dem Damenflügel habe, muss das gewonnen sein - ich dachte nicht einmal darüber nach, ob es noch eine Festung ist, wenn ich meinen König nach b3 stelle. Das war sehr, sehr schlampig. Hut ab, dass er das gefunden hat, aber ich denke, dass das einfach ein sehr schwacher Moment war.

Nach 46. Ld4! zeigte sich, dass Schwarz auf keiner Brettseite in das weiße Lager eindringen konnte, obwohl sich der König auf die Reise nach a2 und zurück machte. 

Magnus' einziger erfolgreicher Durchbruchsversuch war vor Partiebeginn | Foto: Vladimir Barsky, Russische Schachföderation

In den letzten Stunden gab es wenig Drama, aber sehr viel Frustration:

Das sagt alles, nicht wahr?

Mehr zu dieser sehr interessanten Begegnung erfahrt ihr auf Video. Hier ist die Zusammenfassung von Niclas Huschenbeth:

Wir hoffen, bald eine Zusammenfassung von Peter Svidler hinzufügen zu können. In der Zwischenzeit könnt ihr auch die ganze Live-Übertragung der vierten Runde mit Melanie und Nikolas Lubbe noch einmal sehen:

Heute ist bei der Schach-Weltmeisterschaft der zweite Ruhetag, und Sergey Karjakin hat seine Wertungszahl durch die vier Remisen gegen den Weltmeister um vier Punkte nach oben geschraubt. Es sind nur noch acht Partien ausständig, ehe ein Tiebreak gespielt wird:


Am Donnerstag geht es ab 20:00 Uhr mit der fünften Runde weiter. Magnus wird wieder Weiß haben - hoffen wir, dass diese Partie genauso fesselnd wird wie die letzten beiden Begegnungen! Ihr könnt das Geschehen auch über unsere kostenlosen Apps mit verfolgen:

         

Weitere Links:


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