Berichte 15.11.2016 | 10:38von Colin McGourty

Carlsen-Karjakin, Partie 3: Sagenhaft

‌‌Hauchdünn verpasste Magnus Carlsen in der dritten Partie den Sieg gegen Sergey Karjakin, doch unser Kommentator Peter Svidler war begeistert und bezeichnete das dritte Duell als „sagenhaft“. Der Thriller entwickelte sich aus einer Berliner Verteidigung, die zunächst wenig Spannung verhieß, doch nach einigen gegnerischen Ungenauigkeiten roch Carlsen Blut. Fast jeder andere Spieler wäre vermutlich ohne große Gegenwehr untergegangen, doch Karjakin kämpfte wie ein Löwe und sicherte sich verdient das Remis – auch wenn er dafür die Hilfe seines Gegners brauchte!

Sergey Karjakin hat nach dieser Partie womöglich das Gefühl, er kann alles überleben! | Foto: Vladimir Barsky, Russischer Schachverband

Die Schach-WM 2016 hat mit dieser Partie definitiv so richtig begonnen, denn Carlsen und Karjakin kamen Sieg bzw. Niederlage sehr nah. Beide Spieler waren hinterher sichtlich verstört, wobei sich keiner von beiden sicher war, ob Magnus ein klarer Gewinnweg zur Verfügung stand (unsere Siliziumfreunde bejahen das).

Dabei hatte die Partie mit der als harmlos geltenden Berliner Verteidigung mit weißem 5.Te1 zunächst keinen erhöhten Puls ausgelöst:

"11 Uhr in Tiflis, 5.Te1 in New York. Sieht so aus, als würde ich heute eine gesunde Portion Schlaf bekommen."

Nach Carlsens Rückzug 10.Te2 konnte man die kommenden Ereignisse zumindest ansatzweise erahnen:


Der Zug sieht in der Tat ein wenig merkwürdig aus, aber viel eigenartiger war, dass Sergey und sein Team ihn offensichtlich in der Vorbereitung nicht gewürdigt hatten, obwohl er schon von Spielern wie Igor Kovalenko, Rustam Kasimdzhanov und Paco Vallejo gespielt wurde. Letzterer twitterte lapidar:

Karjakin meinte, der Zug sei schon in anderen Stellungen gespielt worden, aber nicht in dieser, und verbrauchte 25 Minuten, bis er 10…b6 spielte, um mit 11…La6 Kapital aus der Turmaufstellung zu schlagen. Magnus entschied sich für Kasimdzhanovs Zug 11.Te1, der zu einem der witzigsten Momente der Pressekonferenz führte. Als  Anastasia Karlovich fragte, ob 10.Te2 ein Ausrutscher war, griff Magnus dies auf und brachte die Zuhörer zum Lachen:

Ja, er ist mir aus der Hand gerutscht, daher habe ich ihn im nächsten Zug nach e1 gestellt!

Magnus zeigte unerwartete menschliche Schwächen... | Foto: Vladimir Barsky, Russischer Schachverband

Trotz seines hohen Zeitverbrauchs sah es zunächst so aus, als könnte Karjakin seine Probleme lösen. Nach 25.f4 jedoch war er auf einmal mit seiner Stellung unzufrieden. Danach ging es mit ihr immer weiter bergab:

"Mich überrascht, dass Karjakin nach Carlsens harmloser Eröffnungswahl so leiden muss; alledings sieht es immer noch sehr nach Remis aus."

Da hatte er die Rechnung ohne Magnus gemacht!

"Wie ein Vernehmer während der Spanischen Inquisition, für den die ersten drei Stunden lediglich ein Appetitanreger waren."

Svidler jedoch fand mahnende Worte, die sich als prophetisch erwiesen: 

Gegen jeden anderen würde ich sagen, Carlsen ist in seinem Metier - der fünften und sechsten Stunde, aber Sergey ist in langen Partien sehr stark.

Als Magnus an die Umsetzung seines Vorteils ging, fehlte ihm vermutlich die letzte Präzision, die wir sonst von ihm gewohnt sind, jedenfalls sah Teimour Radjabov das so:

"Carlsen ist momentan weeeeeiiiiiit von seiner Bestform entfernt."

Perfekt oder nicht, auf jeden Fall kam Carlsen dem Sieg so nah, dass die Computer schon die Anzahl der Züge bis zum Matt anzeigten, ehe er ihn wieder aus der Hand gab. Svidler meinte, normal wäre nun, dass „Carlsen in einen schalldichten Raum gehen und sich die Seele aus dem Leib schreien werde!“

Zunächst wussten sie Spieler jedenfalls nicht recht, was passiert war:

"Aus den Reaktionen nach der Partie: MC: Hast du einen Gewinn für mich gesehen. SK: Nein, aber es war sehr knapp." 

Die Fragen in der Pressekonferenz ließen den Spielern aber wenig Spielraum für Zweifel: 

"Hast du Angst vor den Erkenntnissen, die du durch das Nachspielen mit dem Computer bekommst?

Carlsen: 'Ja, absolut!'"

Niclas Huschenbeth hat die Partie für euch analysiert:


Und hier noch einmal der Live-Kommentar von Melanie und Nicolas Lubbe:

Überlassen wir der Nummer 2 der Welt, Fabiano Caruana, das letzte Wort:

"Dramatisch!"

Ein Viertel des Wettkampfs ist damit absolviert, und bisher gab es noch keinen Sieger:


Heute Abend um 20 Uhr geht es weiter mit Partie 4, und Melanie und Nicolas werden bei Karjakins zweiter Weißpartie wieder für euch mit von der Partie sein. Wie immer könnt ihr die Partie auch mit unseren kostenlosen Apps verfolgen:

         

Weitere Links:


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