Berichte 27.11.2016 | 03:47von Colin McGourty

Carlsen - Karjakin, Partie 11: 80 % Psychologie

Ein 34-zügiges Remis in Partie 11 bedeutet, dass Magnus Carlsen und Sergey Karjakin bei der Schachweltmeisterschaft 2016 mit 5,5:5,5 gleichauf liegend in die letzte klassische Partie am Montag gehen. Magnus spielt mit Weiß, nachdem er am Samstag mit den schwarzen Figuren bequem Remis hielt und sogar kurz die Initiative an sich gerissen hatte. Der Weltmeister sagte, dass das Match für ihn "in eine gute Richtung geht", Sergey merkte jedoch an, dass es zuvor zu 80% um Schach ging, jetzt aber zu 80% um Psychologie. Es muss sich erst zeigen, wessen Nerven besser halten.

Der selbstbewusste, entspannte Magnus Carlsen war zurück, aber das Weltmeisterschafts-Match verläuft noch zu eng, um einen Sieger zu küren! | Foto: Vladimir Barsky, Russische Schachföderation

Wir kamen nach drei packenden Krimis zur elften Partie, die das Match aufgerüttelt hatten und beide Spieler sowohl dem Sieg als auch einer Niederlage nahe kommen ließen; unser Video-Zauberer Jose Huwaidi hat das Drama gut eingefangen:

Als sich der Staub jedoch gelegt hatte, befanden wir uns plötzlich wieder am Anfang. Das Match war ausgeglichen, Magnus hat sein Selbstbewusstsein zurückerlangt und wir beginnen von vorn. Keiner der Spieler konnte bei nur noch zwei verbleibenden klassischen Partien entspannt an die Sache herangehen - das klassische Szenario im Schach-Weltpokal -, allerdings gab es auch keinen Anlass mehr, alles aufs Spiel zu setzen.

‌Nette Pose, Magnus.

Nach der Partie meinten beide Spieler, sie hätten Peter Svidlers Videoserie nicht gesehen, aber Magnus war wenigstens so nett und entschuldigte sich für dieses Versäumnis:

Es tut mir leid, Peter! Ich bin allgemein ein großer Fan seiner Arbeit, aber nein... Ich denke nicht, dass er allzu enttäuscht sein wird.

Der Grund der Frage war, dass nach der neunten Partie, in der die Spieler einer Variante aus Svidler's Archangels 23 Züge lang folgten, in der elften Partie wieder The 6. d3 Spanish according to Svidler aufs Brett kam. Carlsen wich mit 9. ... Le6 von seinem Spiel in der zweiten Partie ab, danach wurden bis 13. ... fxe6 die größten Partien in dieser Variante von Peter selbst gespielt. Die Wege trennten sich im 14. Zug, da Dominguez und Anand 14. a4 gegen Svidler spielten, während der von Peter empfohlene Zug 14. Dg4 war:

chess24-Premium-Mitglieder können Svidlers eBook hier lesen

Peter erklärte, er spiele diese Variante nicht mehr, weil "ich Weiß nicht diesen ganzen Druck geben möchte", und die Stellung war weit weniger harmlos, als es den Anschein hatte. Karjakin entschied sich jedoch für 14. f4, und im nächsten halben Dutzend Züge sahen wir ein Katz-und-Maus-Spiel: Vereinfachungen und ein schnelles Remis hingen drohend in der Luft, aber keiner der Spieler schien besonders große Eile zu haben, dort hin zu gelangen.

Dadurch geriet die Partie ins Stocken, es gab jedoch einige merkwürdige Pausenfüller:

Schachgrundlagen mit @GMJanGustafsson & @polborta

Heutige Episode: Kanadische Geographie

Der FIDE-Präsident, die Frauenweltmeisterin und zwei frühere Weltmeister schauten in einer Bar in Bukarest (oder vielleicht Medias, wo Hou Yifan und Kramnik am Montag ein Match spielen) etwas, das manche als "Piraten"-Sendung bezeichnen könnten:

Ein WM-Herausforderer war genauso verwirrt wie wir alle:

Etwas passiert hier. Es ist nicht genau klar, was.

Im chess24-Chat kommentierte Laurent Fressinet, der offenbar erneut Sekundant Magnus Carlsens ist: "Es ist ausgeglichen, aber Schwarz wird besser stehen." Wir sahen, was er meinte, als Magnus nicht "automatisch" den Bauern zurückschlug, sondern das überraschende 19. ... d5! spielte:


Das scharfkantige 19. ... d5!?

Das war der alte Magnus, der aus nichts etwas schuf, und er meinte später: "Ich dachte, dass ich sicher die Initiative hätte." Sergey war ebenfalls beunruhigt, aber nicht so sehr, dass er in Panik verfallen wäre. Er folgte seiner Vorgehensweise, die er früher im Match gezeigt hatte: statt einen riskanten Bauern zu schlagen lenkte er die Partie in sichere Bahnen:

Ich bin nicht davon beeindruckt, wie ich heute gespielt habe, aber ich habe vermutlich einen guten Zug gefunden, 20. Lg5, da es für mich bereits gefährlich wird, wenn ich ihn nicht spiele.

Der Zug schien zu einer schnellen Punkteteilung zu führen, aber Magnus hatte noch eine kleinere Überraschung parat, als er seine Hoffnungen auf einen starken e-Freibauern setzte. Anish Giri weiß, wie Magnus Gehirn arbeitet:

#Schachmuster xD #CarlsenKarjakin

Am Ende kam es zu keinen dramatischen Folgen mehr; Sergey konnte seinen Blutverlust stoppen, genau wie Nigels "barbarische" Helferin in München:

Nigel hatte einen kleinen Unfall, aber eine bayerische Kellnerin konnte ihn retten!

Die Spieler stellten ihre Bemühungen im 34. Zug mit Dauerschach am Brett ein, und alles in allem war es eine gut gespielte Partie wie jene, die wir zu Beginn dieses Matches zu sehen bekamen. Alles war gut.

Gut, gut! Gute Partie, gutes Remis, gute Match-Situation für beide, gute Aussichten, gute Show. Gut.


Zum Glück haben wir für eine ordentliche Zusammenfassung der Partie unseren eigenen Spanisch-Experten Peter Svidler:

Ihr könnt auch die Live-Berichterstattung von Nikolas Lubbe hier nachholen:

Wir haben bereits von der Pressekonferenz nach der Partie zitiert, wo das Tagesthema war, dass Magnus sein Mojo zurück hatte:

Das Match geht für mich in eine gute Richtung. Heute, muss ich sagen, war ich viel ruhiger als in den letzten Partien.

Der Weltmeister gab auch eine nette Antwort auf die abgedroschenste Frage im Schach: ob das Spiel Sport, Wissenschaft oder Kunst sei:

Ich denke, dass Schach in dieser Form definitiv mehr ein Sport als alles andere ist. Natürlich hat die getane Arbeit zuhause etwas mit Wissenschaft zu tun, aber ich fürchte, um Kunst zu finden, müssen sie woanders suchen, da es größtenteils um das Finden des richtigen Ergebnisses geht.

Die Aufmerksamkeit der Presse war ähnlich der, die Sergey zum ersten Mal erlebte, als er im März das Kandidatenturnier gewonnen hatte | Foto: Vladimir Barsky, Russische Schachföderation

Sergey strahlte nicht gerade Selbstbewusstsein aus und stand seinen Stellungen am Brett vielleicht zu negativ gegenüber, aber er sagte sinnvolle Dinge, als er nach der vor ihm liegenden Herausforderung gefragt wurde:

Ich weiß nicht, wie die Partie verlaufen wird, aber ich möchte  einfach versuchen, mein bestes Schach zu zeigen, und dann werden wir sehen.

Kurz gesagt, sind wir zurück beim Kräfteverhältnis angelangt, das wir zu Beginn des Matches hatten... und erinnert euch, wie das ausging!


Somit haben wir am Montag die letzte klassische Partie, in der Magnus die weißen Figuren führen wird. Die Schachfans können es kaum erwarten!

Russland isoliert. Alle Schachspielerinnen halten zu Carlsen. Nur die russischen Spielerinnen sind für Karjakin.

Sollte diese Partie remis enden, folgt ein Tiebreak am Mittwoch - Carlsens 26. Geburtstag! Es ist an der Zeit, sich dem Format zu widmen:

  1. Ein Match über vier Schnellschach-Partien mit 25 Minuten + 10 Sekunden/Zug Aufschlag.
  2. Im Falle eines Gleichstandes folgen bis zu fünf Mini-Matches zu je zwei Blitz-Partien mit 5 Minuten + 3 Sekunden/Zug.
  3. Nur wenn nach diesen 14 Partien noch kein Sieger feststeht, wird der Weltmeister in einer Armageddon-Partie ermittelt, in der Weiß 5 Minuten hat, Schwarz 4, aber ein Remis macht Schwarz zum Sieger.

Am Montag sind wir ab 20:00 Uhr bei der Entscheidung dabei! Ihr könnt alle Partien auch über unsere kostenlosen Apps mit verfolgen:

         

Weitere Links:


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