Features 07.03.2014 | 09:25von IM Georgios Souleidis

Carlsen, Grischuk und Co. über das Kandidatenturnier

Das Kandidatenturnier 2014 startet mit einem heftigen russischen Geschmack - vier der acht Spieler sind Russen und es findet im tiefsten Sibirien statt - in genau einer Woche. Auf der Webseite des russischen Schachverbands äußerten sich einige Großmeister, deren Stimmen wir im folgenden Beitrag zusammenfassen.

Auf den Sieger in Khanty Mansyisk wartet ein WM-Kampf gegen Magnus Carlsen, der das Kandidatenturnier 2013 in London gewann | Foto: london2013.fide.com

Obwohl die Prognosen kaum Überraschungen beinhalten, gibt es einige interessante Äußerungen unter den gefragten Großmeistern. Zum Beispiel erklärt Alexander Grischuk, warum der Gewinner des Kandidatenturniers ein völlig anderer Mensch sein wird und Ian Nepomniachtchi meint, dass Vladimir Kramnik unter dem weltmeisterlichen Einfluss von Magnus Carlsen leidet.

Anbei präsentieren wir einige Höhepunkte des Artikels auf der Webseite des russischen Schachverbands:


Magnus Carlsen

Ich kann es natürlich kaum erwarten, dass das Turnier losgeht. Es wird ein spannendes Spektakel und ich werde es komfortabel als Schachfan genießen. Theoretisch sind Aronian und Kramnik natürlich die Favoriten.

Fabiano Caruana

Die Hauptfavoriten sind Levon Aronian und Vladimir Kramnik. Aronian befindet sich in hervorragender Form, wie er es in Wijk aan Zee unter Beweis gestellt hat und gehört zur Generation der Spieler, deren Vorbereitung auf allerhöchstem Niveau ist. Sein einziges Problem ist einzig und allein psychologischer Natur; das war der Grund, warum er letztes Jahr nicht das Kandidatenturnier gewann.

Vladimir Kramnik ist einer der am besten vorbereiteten und kaltblütigsten Spieler der Welt und dazu noch mit enormer Erfahrung ausgestattet. Die einzige offene Frage betrifft seine Motivation, aber nur Personen aus seinem Team können diese beantworten. Er ist nicht mehr der Jüngste und vielleicht ist das seine letzte Chance, sich für ein WM-Match zu qualifizieren. Es ist interessant, dass er vor dem Kandidatenturnier kaum gespielt hat. Das kann zwar ein Vorteil sein, aber, wie wir im Falle von Radjabov 2013 in London gesehen haben, auch ein Nachteil. 

Sergey Karjakin hat eine Chance. Über die Jahre hat er sich zu einem absoluten Topspieler entwickelt und soweit ich das beurteilen kann, arbeitet er unheimlich viel.

Es stellte sich kürzlich heraus, dass der chess24-Mitarbeiter und Anands langjähriger Sekundant, Rustam Kasimdzhanov, Sergey Karjakin in Khanty Mansyisk helfen wird: "Ich sah keinen Grund, das weiter zu verbergen, da es eh jeder wusste" | Foto: Karjakins offizielle Webseite

Ich bin mir sicher, dass eine dieser drei Personen das Turnier gewinnen wird. Ich möchte die Stärken der anderen Spieler nicht 'runterspielen, aber aus meiner Sicht haben die genannten Großmeister die besten Chancen. Aber natürlich ist alles möglich und es kann gut sein, dass wir den Sieger bis zur letzten Runde nicht kennen. Ich werde das Turnier als Profi, aber auch als Schachfan verfolgen: Nicht nur wegen neuer Ideen in der Eröffnungsphase, sondern auch weil es sehr viel Spaß bereitet, diesen Großmeistern zuzuschauen.

Dmitry Jakovenko

Ich beginne mit den ausländischen Spielern. Der Favorit ist natürlich Levon Aronian, der außer seinem generell hochklassigen Spiel in den letzten Turnieren hervorragend gespielt hat. Veselin Topalov ist ein starker Turnierspieler, aber es erscheint mir unwahrscheinlich, dass er gegen das Trio Kramnik, Anand und Aronian ein Plus erspielen kann und ohne so ein Plus kann er kaum Erster werden. Shakriyar Mamedyarov und Viswanathan Anand räume ich einfach geringere Chancen ein.

Ich möchte keinen russischen Spieler rauspicken: Ich kenne sie alle nicht nur als Gegner, sondern auch persönlich und es wäre nicht korrekt, Informationen öffentlich zu machen. Ich denke, ihre Chancen auf einen Sieg sind geringer als beim "Rest der Welt". Aber natürlich werde ich ihnen die Daumen drücken.

Alexander Grischuk

Ich werde nicht besonders originell sein: Die Hauptfavoriten sind Aronian und Kramnik. Andere mögliche Gewinner sind Svidler, Karjakin und Mamedyarov, aber ein Sieg von Anand, Topalov oder gar Andreikin würde mich total überraschen.

Was sind die Stärken und Schwächen der Spieler?

Es ist unwahrscheinlich, von mir völlig neue Dinge zu hören, auch wenn ich ständig gegen sie spiele. Die einzige Sache, die mir einfällt, ist, dass Kramniks Eröffnungsvorbereitung, insbesondere mit den schwarzen Figuren, zu wünschen übrig lässt.

Ist die Regel, dass die Spieler aus dem gleichen Land direkt zu Beginn des Turniers gegeneinander spielen müssen, aus ihrer Sicht fair?

Grischuk musste im innerrussischen Nominierungswettstreit seinem Freund Peter Svidler den Vortritt lassen | Foto: Alina l'Ami

Lasst uns ehrlich sein. Diese Regel wurde für den Rest der Welt ins Leben gerufen und nicht für Russland. Es hat auf uns Spieler aber überhaupt keinen Einfluss, auch wenn ich regelmäßig über Idioten im Netz stolpere, die davon überzeugt sind, dass Svidler und ich unsere Partien gegen Kramnik in London abgeschenkt hätten.

Natürlich ist die Regel prinzipiell dämlich, da man gegen ausländische Spieler genauso Partien abschenken kann wie gegen einen Landsmann.

Im letzten Jahr provozierte das Fehlen eines Playoffs zwischen den Siegern Carlen und Kramnik sehr viel Kritik, aber dieses Jahr hat sich nichts geändert. Ist das logisch?

Aus Sicht der FIDE ist es logisch, sich nicht um solche "Bagatellen" zu kümmern, während man prinzipiell sagen muss, dass ein Playoff auf jeden Fall stattfinden müsste. Aus meiner Sicht ist das noch nicht mal eine Diskussion wert.

Welcher der Spieler hat die größte Chance, Carlsen in einem Match zu überraschen?

Jeder, der gewinnt, wird realistische Chancen in einem WM-Match haben. Nach so einem Turniersieg ist jeder ein anderer Mensch, als er es vor dem Turnier war. Sogar wenn man Anand nimmt, dieser "andere" Anand hätte wieder eine Chance gegen Carlsen.

Ian Nepomniachtchi

Nach der Erfahrung des letzten Jahres muss man sagen, dass es nicht einfach ist, einen Favoriten zu benennen für so ein Turnier. Ja, Carlsen war Favorit letztes Jahr, aber in der ersten Hälfte des Turniers blieb er einiges schuldig: lange war Aronian vor ihm, kollabierte aber danach. Und am Ende war es eine Achterbahnfart. Kramnik hätte sich für das Match qualifizieren können. Dementsprechend ist es völlig unklar, ob einer der nominell favorisierten Spieler sich durchsetzen wird.

Nepomniachtchi (rechts) hat in den letzten Jahren mit Carlsen gearbeitet | Foto: Fred Lucas, 2011 Tata Steel tournament

Die letzten Turniere haben gezeigt, dass Levon in guter Form ist. Trotzdem ist es unklar, ob er mit der Last der Verantwortung klarkommen wird, da er deutlich besser spielt, wenn niemand etwas von ihm erwartet. Das gilt natürlich für viele Spieler, aber bei Aronian ist es überdeutlich: je größer der Druck, desto mehr Zeitverbrauch für jeden Zug, desto schwieriger ist es für ihn zu spielen. Das hat sich auch 2011 bewahrheitet bei seinem Match gegen Grischuk, wo er mehrere vielversprechende Stellungen nicht verwerten konnte.

Natürlich darf man Kramnik nicht aus den Augen lassen, insbesondere, da er auch zu Hause spielen wird. Ja, auch Vladimir Borisovich hat nicht mehr Nerven aus Stahl. Aber London 2013 hat gezeigt, dass er für ein einziges Turnier zu brillanter Form finden kann - auch wenn auf Kosten von anderen Turnieren davor und danach. Ich glaube, dass Kramnik sehr motiviert ist und seine Fähigkeit, die Spreu vom Weizen zu trennen und sich für das Turnier des Jahres zusammenzureißen, ist seine große Stärke.

Es ist schwierig, sich über die anderen Spieler zu äußern. Für mich ist es unmöglich zu sagen, wie z.B. Topalov spielen wird, weil es von so vielen Faktoren abhängt. Das Turnier hat noch nicht begonnen und er beschwert sich, dass sein Coach kein Visum erhält...

Svidler spielt immer gut in solchen Turnieren, aber nicht gut genug, um den ersten Platz zu erreichen. Er hatte ein exzellentes Turnier in London und gehörte zu den Besten, aber es reichte trotzdem nicht. Es reicht nicht, nur gut zu spielen - du musst auch unbedingt gewinnen wollen. Es ist seltsam, aber es kommt nicht nur auf die Qualität des Spiels an, insbesondere wenn so viel auf dem Spiel steht.

Welcher der Kandidaten kann Carlsen die größten Probleme bereiten?

Vor allem Aronian - das ist schon anhand ihrer Ergebnisse untereinander offensichtlich. Es besteht kein Zweifel, dass es auch Kramnik kann, aber er steht inzwischen unter dem "korrumpierenden Einfluss" des neuen Weltmeisters und es fällt ihm schwer, gegen ihn zu spielen! Ohne zu sehr ins Detail zu gehen kann man sagen, dass Levons Spielstil ihm erlaubt, sich nicht von pseudo-schachlichen Faktoren ablenken zu lassen und stattdessen einfach zu spielen und beste Züge zu machen. Das ist sehr wertvoll in Partien gegen Carlsen.

Carlsen und Aronian in unserem Direktvergleich


Wie fair ist die Regel, nach der die Spieler aus dem gleichen Land (in diesem Fall Russland) direkt zu Beginn des Turniers spielen müssen?

Ich denke nicht, dass das etwas Besonderes ist - das gab es schon zu Sowjetzeiten. Natürlich ist es nicht normal, aber es sollte keinen großen Einfluss auf das Turnier haben. Es wird doppelrundig gespielt, sodass jeder zweimal gegen jeden antritt.

Nehmen Sie das Kandidatenturnier als etwas wahr, das sich von anderen Superturnieren hervorhebt?

Ich habe gehört, dass man als Sieger des Kandidatenturniers zu einem WM-Match eingeladen wird! Natürlich steht es über die anderen Turniere und ist auch weitaus interessanter. Ich werde mich natürlich auch mal vom Monitor lösen, wenn es läuft, aber es wird sehr interessant werden, es zu verfolgen.


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