Interviews 05.02.2016 | 09:31von Colin McGourty

Carlsen: "Das wird das offenste Kandidatenturnier bis jetzt"

Weltmeister Magnus Carlsen gab unserer Reporterin Fiona Steil-Antoni ein exklusives Interview, nachdem er das Tata Steel Masters zum fünften Mal gewann und damit einen Rekord erreichte. Magnus sprach sowohl über das Turnier in Wijk aan Zee als auch über die Schachevents der nächsten Monate. Er verriet außerdem, warum er nicht bei der Zurich Chess Challenge mitspielt, und warum er seinen Vorschlag für K.O.-Runden bei der Weltmeisterschaft zur Zeit noch nicht schriftlich einreicht.

Magnus hält stolz seine fünfte Trophäe vom Topevent in Wijk aan Zee in den Händen | Foto: Fiona Steil-Antoni

Das Interview fand Sonntag abend nach der Schlusszeremonie des Tata Steel Chess Festivals 2016 statt.


Fiona Steil-Antoni: Ich spreche gerade mit dem Turniersieger Magnus Carlsen. Zunächst einmal Glückwunsch! Ein Ergebnis von plus fünf - wie zufrieden bist du insgesamt?

Magnus Carlsen: Ich bin sehr zufrieden. Ich bin nicht so gut gestartet, aber dann bin ich ein paar mehr Risiken eingegangen und am Ende konnte ich es mir sogar leisten, wieder ein bisschen zu bremsen.

Du hast Anands Rekord von fünf Siegen in Wijk aan Zee erreicht. Wie wichtig sind dir solche Rekorde?

Nicht so sehr, aber ich nehme sie gerne mit. (lacht)

Carlsen, Adhiban & weitere Sieger (die Organisatoren!) bei der Schlusszeremonie des Tata Steel Chess 2016 | Foto: Fiona Steil-Antoni 

Was ist dein nächstes Event nach Wijk aan Zee?

Ich nehme an ein paar unterschiedlichen Events teil, zum Beispiel spiele ich bei einer riesigen Simultanvorstellung in Hamburg, aber ich spiele kein klassisches Schach mehr bis zum Norway Chess im April.

Im Februar findet ein Turnier statt – die Zurich Chess Challenge –, das mit einer schnelleren Zeitkontrolle gespielt werden wird. Gibt es einen bestimmten Grund dafür, dass du daran nicht teilnimmst?

Naja, ich wurde nicht eingeladen, also das ist der Grund, warum ich nicht teilnehme! (lacht)

Hast du eine Meinung zu der kürzeren Zeitkontrolle? Bevorzugst du längere Zeitkontrollen wie in Wijk aan Zee?

Ich habe hin und her überlegt. Im Moment gefällt es mir sehr gut, mit längeren Zeitkontrollen zu spielen, weniger Fehler zu machen und das was ich tue, unter einer gewissen Kontrolle zu haben. Es ist auch schön, schneller zu spielen, eher auf die Intuition zu setzen und Gegner hinsichtlich der Zeit unter Druck zu setzen. Ich spiele gerne klassisch, aber natürlich macht es auch Spaß, schneller zu spielen. Ich weiß nicht, was dort gilt – 30 Minuten oder 40 Minuten?

40 Minuten.

40 Minuten ist etwas seltsam, weil man dann wirklich mit der Qualität einer klassischen Partie spielen will, aber irgendwann einfach nicht die Zeit hat um nachzudenken. Es ist alles eine Frage der Anpassung.

Ein weiteres großes Turnier, das im März stattfindet, ist das Kandidatenturnier, das du sicherlich genau verfolgen wirst. Kannst du Vorhersagen treffen oder gibt es jemanden, der deiner Meinung nach gewinnen sollte - oder lieber nicht gewinnen sollte!?

Nein, ich würde es vermutlich für mich behalten, wenn ich mir bei jemandem wünschen würde, dass er nicht gewinnt! (lacht) Aber ich werde das Turnier sowohl als Weltmeister als auch als Schachfan verfolgen. Es ist schwer zu sagen. Ich denke, das wird das offenste Kandidatenturnier, das es jemals gab. Einen Favoriten auszuwählen wäre unmöglich und ich denke, es wird vermutlich sehr knapp und entscheidet sich erst in der letzten Runde.

Wei Yi, ein potentieller zukünftiger Weltmeister, bei der Schlusszeremonie in Wijk aan Zee | Foto: Fiona Steil-Antoni

Zum Abschluss: du hast vor einer Weile gesagt, dass du bei der WM gerne ein K.O.-Format hättest. Würdest du diesbezüglich jemals einen schriftlichen Antrag stellen?

Wenn ich einen schriftlichen Antrag stellen würde, bräuchte ich vermutlich etwas mehr Unterstützung, als das zur Zeit der Fall ist, aber ich denke immer noch, dass das System besser sein kann.


Schauen wir uns die kommenden Events kurz im Detail an, die Magnus erwähnt hat:

Zurich Chess Challenge, 12.-15. Februar

Die sechs Spieler bei der fünften Ausgabe des Turniers sind: Anand, Kramnik, Nakamura, Aronian, Giri und Shirov. Nach einem Blitzturnier, bei dem die Paarungen festgelegt werden, spielen die Spieler jeweils einmal im "neuen klassischen Schach" gegeneinander – 40 Minuten pro Spieler, mit einer 10-Sekunden-Gutschrift pro Partie. Jeden Tag gibt es zwei Partien, außer am letzten Tag, an dem der Blitzschach-Teil des Turniers stattfindet.

Vier der Teilnehmer in Zürich treten später im Kandidatenturnier an, wobei Kramnik bei dessen Start vermutlich immer noch ein höheres Rating haben wird, da das "neue klassische Schach" vom Weltschachverband als Schnellschach eingestuft wird | Fotos: Zurich Chess Challenge

Hier erfahrt ihr mehr über die neue Zeitkontrolle: Skvortsov über die Notwendigkeit, die Bedenkzeit zu verkürzen. Und in einem früheren Interview erhaltet ihr Hintergrundinformationen darüber, warum Magnus nicht eingeladen wurde: Carlsen verpasst Zürich, nachdem einem Sponsoren die Geduld ausgeht.

Außerdem wird am Samstag, den 13. ein "neues klassisches" Match mit zwei Partien zwischen Boris Gelfand und Alexander Morozevich abgehalten.

Carlsens 70-Bretter Simultanvorstellung, Hamburg, 20. Februar

Spielt gegen den Schachweltmeister! | Quelle: Die Zeit

Magnus Carlsen tritt im Rahmen des 70. Jahrestags der Gründung der deutschen Wochenzeitung Die Zeit gegen 70 Spieler auf einmal an. Potentielle Gegner können ihre Bewerbung bis zum 7. Februar einreichen, um an der Show teilzunehmen, die von der Zeitung zusammen mit Play Magnus organisiert wird.

Kandidatenturnier, Moskau, 11.-29. März

Dieses Event muss man nicht groß erklären. In dem Doppelrundenturnier mit 14 Runden treten acht Spieler gegeneinander an, der Preis ist das Recht, in einem Match im November gegen Magnus Carlsen zu spielen: Giri, Aronian, Caruana, Nakamura, Anand, Topalov, Karjakin und Svidler nehmen teil.

Das Gebäude des Central Telegraph in Moskau | Foto: Wikipedia/moscowjob.net

Der Veranstaltungsort, auf den im März die Augen der ganzen Schachwelt gerichtet sein werden | Foto: worldchess.com

Die Vorbereitung laufen bereits, als Veranstaltungsort wurde kürzlich das historische Gebäude des Central Telegraph im Herzen Moskaus angekündigt. Es wurde 1927 erbaut und kürzlich renoviert, jetzt wird es als Zentrum für Hi-Tech-Unternehmen genutzt.

Altibox Norway Chess, Stavanger, 18.-30. April

Bis jetzt wurde die Teilnahme von sechs Spielern an der 4. Ausgabe des Norway Chess bestätigt: Carlsen, Kramnik, Topalov, Aronian, Giri und Vachier-Lagrave. Auch dieses Jahr wird über einen Platz wieder durch ein Qualifikationsturnier entschieden, Hammer, Hou Yifan, Grandelius und Tari treten sowohl im klassischen Schach als auch im Schnellschach gegeneinander an, um einen Gewinner zu bestimmen. Dieses Event findet vom 23.-26. März während des Oster-Schachfestivals in Fagernes statt. 

Gelingt es Magnus endlich, das Superturnier in seiner Heimat zu gewinnen? | Foto: Fiona Steil-Antoni

Damit bleiben noch drei Spieler zu bestimmen, wobei die Überschneidung zwischen Norway Chess und der US-Landesmeisterschaft für Nakamura, Caruana und So ein Dilemma darstellt. Über dieses Thema und darüber, warum das Turnier nicht mehr zur Grand Chess Tour gehört, erfahrt ihr hier mehr: Norway Chess verlässt die Grand Chess Tour

Siehe auch:


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