Allgemein 10.10.2019 | 11:52von Colin McGourty

Carlsen & Caruana starten beim FIDE Grand Swiss

Magnus Carlsen und Fabiano Caruana sind ab heute beim FIDE Chess.com Grand Swiss auf der Isle of Man dabei, nachdem sie das gleiche Turnier im Vorjahr wegen der Vorbereitungen auf die Schach-WM verpasst haben. Während die Nummer 1 und 2 der Welt also antreten, fehlen sechs Spieler aus den Top Ten, wodurch Wesley So und Vishy Anand die Favoriten auf den einen Platz im Kandidatenturnier sind, den es zu gewinnen gibt. Einfach wird das aber nicht, denn es gehen 110 Spieler mit einer Elo von mindestens 2600 an den Start!

Magnus Carlsen zog bei der Eröffnungsfeier die weißen Steine | Foto: John Saunders, Turnierseite

Der FIDE Chess.com Grand Swiss 2019 beginnt am heutigen Donnerstag um 16 Uhr und ihr könnt alle Partien live hier auf chess24 verfolgen. Magnus Carlsen trifft in der 1.Runde mit Weiß auf den Ukrainer GM Yuriy Kuzubov. Hier alle Paarungen, die schon in Runde 1 einige interessante Duelle aufweisen:

Alles anders auf der Isle of Man

Obwohl es so aussieht, als würde auf der Isle of Man wieder das gleiche extrem starke Open wie in den Vorjahren ausgetragen, hat sich doch einiges geändert. Neuerdings wird im COMIS Hotel and Golf Resort gespielt, und statt den bisherigen 9 Runden werden nun 11 ausgetragen. Die größte Veränderung ist aber das Attribut “FIDE” im Namen, denn das Turnier ist nun ein Qualifikationsturnier für das Kandidatenturnier 2020. Nur der Gewinner sichert sich einen Platz, wobei auch der dritte Rang 3 reichen könnte, wenn der bereits qualifizierte Fabiano Caruana und Weltmeister Magnus Carlsen den Turniersieg unter sich ausmachen.

Fabiano Caruana kann ohne Qualifikationsdruck befreit aufspielen | Foto: John Saunders, Turnierseite

Ist es in Ordnung, dass Magnus und Fabiano mitspielen?

Es gab einige Diskussionen, ob Magnus Carlsen, der 2017 gewann, oder Fabiano Caruana, der 2016 erst im Stichkampf gegen Pavel Eljanov verlor, überhaupt mitspielen sollten. Obwohl sie selbst nicht ins Rennen um die Plätze beim Kandidatenturnier involviert sind, haben sie großen Einfluss darauf, wer sich qualifiziert. Carlsen ist selbst der Meinung, dass er gar nicht mitspielen dürfen sollte, wie er Jan Gustafsson während des Weltcups mitteilte: 

Magnus: Was mich betrifft, verstehe ich nicht, warum ich überhaupt mitspielen darf!

Jan: Meinst du, dass du beim Weltcup, auf der Isle of Man und an den Turnieren, bei denen man sich für den WM-Wettkampf gegen dich qualifizieren kann, nicht dabei sein solltest?

Magnus: Ja, das ist aus meiner Sicht ziemlich offensichtlich, aber ich will mich nicht als Moralapostel aufspielen!

Der russische GM Nikita Vitiugov, der auf der Isle of Man ebenfalls antritt, teilte diese Ansicht in einem Interview, das wir kürzlich veröffentlicht haben:

Wie beim World Cup ist es unmöglich, den Sieger des Grand Swiss vorherzusagen. Ein Platz im Kandidatenturnier ist natürlich ein großer Anreiz, keine Frage, er ist eine ernsthafte Motivation, auch wenn es nicht absolut klar ist (und dabei geht es darum, dass das Folgende aus sportlicher Sicht falsch ist), warum Weltmeister Magnus Carlsen und der bereits für das Kandidatenturnier qualifizierte Fabiano Caruana mitspielen dürfen. Sie brauchen so oder so kein Ticket für Jekaterinenburg, aber sie können das Turnier ernsthaft beeinflussen.

Auf der anderen Seite ist es für die Schachfans natürlich viel interessanter, wenn die besten Spieler dabei sind – und viele interessieren sich mehr dafür, wie der Weltmeister abschneidet, als für den komplizierten und steinigen Weg bis zu einem WM-Match. Außerdem ist das Ganze nicht neu, denn Magnus spielte 2017 bereits beim World Cup mit und hätte auch dieses Jahr teilnehmen können. Zudem lässt sich nicht verhindern, dass er Einfluss auf die Durchschnitts-Elo der anderen Spieler hat und damit auf die Vergabe des Rating-Freiplatzes.

Wo sind die anderen Top-Spieler?

Bei einem derart stark besetzten Turnier klingt diese Frage vielleicht merkwürdig, aber trotz des Platzes für das Kandidatenturnier sind nicht mehr Spitzenspieler dabei. 2018 fehlten Magnus und Fabiano, und es waren 20 Spieler mit einer Elo von mindestens 2700 dabei. Dieses Jahr sind es 21. 2018 waren sechs Spieler der Top 10 (Aronian, Giri, MVL, Kramnik, So und Anand) dabei, und dieses Jahr sind es vier Carlsen, Caruana, So und Anand).

Bezogen auf die Qualifikation für das Kandidatenturnier, ist Vishy Anand an Nummer 2 gesetzt | Foto: John Saunders, Turnierseite

Die folgende Liste zeigt, welche 2700+-Spieler der FIDE-Rangliste vom Oktober dabei sind (), und welche nicht:  

1. Magnus Carlsen [Weltmeister]
2. Fabiano Caruana
[schon für das Kandidatenturnier qualifiziert]

3. Ding Liren
4. Anish Giri
5. Ian Nepomniachtchi
6. Maxime Vachier-Lagrave
7. Shakhriyar Mamedyarov

8. Wesley So [Nummer 1 der Setzliste der Spieler, die einen Platz im Kandidatenturnier erringen können]
9. Vishy Anand
[2]

10. Leinier Dominguez

11. Yu Yangyi [3]
12. Sergey Karjakin
[4]
13. Alexander Grischuk
[5]
14. Levon Aronian
[6]

15. Teimour Radjabov
16. Vladimir Kramnik
17. Richard Rapport

18. Harikrishna [7]
19. Radek Wojtaszek
[8]
20. Vladislav Artemiev
[9]
21. Hikaru Nakamura
[10]

22. Dmitry Andreikin
23. Veselin Topalov
24. Jan-Krzysztof Duda

25. Nikita Vitiugov [11]
26. Peter Svidler [12]
27. Wang Hao
[13]
28. Bu Xiangzhi
[14]

29. Wei Yi
30. Evgeny Tomashevsky

31. Vidit [15]

32. David Navara

33. Maxim Matlakov [16]
34. Jeffery Xiong
[17]
35. Le Quang Liem
[18]
36. Sam Shankland
[19]

Natürlich gibt es verschiedene Gründe, warum Spieler das Turnier ausgelassen haben. Das extrem enge Programm in diesem Jahr und vor allem die sich überschneidenden Grand Chess Tour und FIDE Grand Prix haben dafür gesorgt, dass die Spieler jede Gelegenheit nutzen, um sich zu erholen, und dafür sogar Opfer bringen. Für einen Spieler wie Ding Liren, der bereits vor dem Weltcup durch die beste Elo praktisch sicher qualifiziert war, war es eine klare Sache, das Turnier auf der Isle of Man auszulassen, während Ian Nepomniachtchi uand Shakhriyar Mamedyarov darauf setzen, sich ihren Platz im Kandidatenturnier via FIDE Grand Prix zu sichern.

Sam Shankland muss Peter Leko und Paco Vallejo etwas zeigen | Foto: John Saunders, Turnierseite

Womöglich haben einige Spieler sogar angenommen, dass das Grand Swiss so stark besetzt ist, dass sich der Aufwand für eine derart kleine Qualifikationschance nicht lohnt. Durch die eher dürftige Beteiligung der Weltspitze sieht das nun vermutlich etwas anders aus, aber vermutlich kam für einige die Erkenntnis zu spät, um ihre Pläne noch zu ändern.

Außerdem gab es regelrechten Streit!

Die Fälle Anish Giri und Maxime Vachier-Lagrave

Als Ding Liren das Finale des World Cup 2019 erreicht hatte, konnte sich Anish Giri freuen, denn er war auf einmal vor Maxime Vachier-Lagrave Favorit auf den Elo-Freiplatz für das Kandidatenturnier 2020. Wenig später wurde bekannt, dass Giri seine Teilnahme auf der Isle of Man abgesagt habe. Die Annahme, und diese wurde von Giri nicht dementiert, lag nahe, dass die Nummer 1 der Niederlande seine Elo nicht gefährden wollte und deshalb auf einen Start verzichtete. Vordergründig handelte es sich dabei um eine vernünftige praktische Entscheidung, aber wie MVL verdeutlichte, ist es gar nicht so einfach, die Teilnahme an einem offiziellen FIDE-Turnier zurückzuziehen:

„Ich bin fast deiner Meinung, aber die Regeln des FIDE Grand Swiss verbieten den Spielern, sich ohne einen triftigen Grund vom Turnier abzumelden, nachdem der Vertrag unterschrieben wurde – andernfalls hätte ich mich im Juli angemeldet, wenn ich gewusst hätte, dass ich jederzeit wieder zurückziehen kann.“

Was aber ist ein “triftiger“ Grund? Reicht “Erschöpfung” schon aus oder die Begründung, sich auf ein anderes Turnier wie die Mannschafts-EM konzentrieren zu wollen, oder schlicht einfach die Möglichkeit, seine Chancen auf eine Qualifikation für das Kandidatenturnier zu maximieren. Giri ist nicht der einzige Spieler, der züruckgezogen hat, auch Leinier Dominguez und FIDE-Direktor Emil Sutovsky haben sich abgemeldet. In den Turnierregeln heißt es zudem auch nur, dass ein Spieler sanktioniert werden “kann”.

Es gibt viele gute Gründe, ein Turnier auszulassen

Nach dem Rückflug aus Khanty-Mansiysk vertrat Maxime Vachier-Lagrave die Meinung, dass ein kurzfristiger Rückzug vor Turnierbeginn zumindest finanzielle Konsequenzen haben sollte, aber er meinte auch, dass er den Kampf um die Qualifikation als Elo-Bester noch nicht aufgegeben habe. 

Ist das Turnier auf der Isle of Man dieses Jahr also schwach besetzt?

Überhaupt nicht! Der große Unterschied ist dieses Jahr der Bereich zwischen 2600-2700. 2018 waren 21 Spieler in der unangenehmen Lage, dass sie zwar stark waren, aber nicht stark genug, um die Reisekosten ersetzt zu bekommen. Dieses Jahr hat die FIDE die hundert Elo-besten Spieler eingeladen und es befinden sich 89 Spieler genau in diesem Korridor.

Somit ist noch nicht klar, ob Open-Spezialisten wie Hikaru Nakamura und Vladislav Artemiev, die in Gibraltar so gut abgeschnitten haben, auch auf der Isle of Man glücklich werden. Angesichts der von Beginn an starken Gegnerschaft muss man von vielen Remis ausgehen, womit die Spieler dafür sorgen, dass sie bis zum Schluss im Rennen sind. Gegen Ende kommt es dann aber sicher öfter zu Alles-oder-Nichts-Partien!

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Levon Aronian hat ebenfalls schon gezeigt, dass er Open gewinnen kann

Auf wenn muss man achten?

Turnierfavorit ist natürlich Magnus Carlsen, und die zusätzlichen zwei Runden erhöhen seine Chancen noch mehr. Außerdem ist noch ein Rekord möglich:

"Carlsen steht aktuell bei 90 Partien und 435 Tagen ohne Niederlage und kann jetzt Dings Rekord von 100 Partien ohne Niederlage brechen. Seine Bilanz in diesem Jahr bei Turnierpartien: +25, = 37, -0" 

Scrollt man die Liste herunter, findet man aber auch für fast jeden Spieler der Top 15 einen Grund, warum er dieses Turnier gewinnen kann, und an einem guten Tag hat auch jeder Spieler der Top 100 eine Chance!

Ungeachtet aller Prognosen, sind viele interessante Spieler am Start. Die junge Garde ist zum Beispiel mit Jeffery Xiong, Parham Maghsoodloo, Andrey Esipenko, Nihal Sarin, Nodirbek Abdusattorov, Gukesh und Vincent Keymer vertreten, während Alireza Firouzja leider fehlt.

Schafft es einer der jungen Wilden, sich den Platz im Kandidatenturnier zu sichern? | Foto: John Saunders, Turnierseite

Was gibt es noch zu gewinnen?

Neben der Qualifikation für das Kandidatenturnier gibt es natürlich auch noch eine Menge Geld zu gewinnen. Insgesamt werden beim Grand Swiss $432.500, von denen der Sieger allein $70000 erhält. Für die Damen wurden insgesamt $33.000 ausgelobt, die beste Frau erhält $10.000. Für die Damen gibt es also einiges zu gewinnen, und mit Harika Dronavalli, Elisabeth Pähtz und Titelverteidigerin Alina Kashlinskaya, die mit ihrem Mann und Gewinner des Vorjahrs Radek Wojtaszek angereist ist, gehen einige starke Frauen an den Start.

Jorden van Foreest & Erwin l'Ami unterhielten sich mit einem vielversprechenden Talent aus Norwegen... | Foto: John Saunders, Turnierseite

Ab 16 Uhr könnt ihr live auf chess24 dabei sein!

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