Allgemein 26.02.2018 | 12:58von Thomas Richter

Bundesliga: Solingen besiegt Baden-Baden

Im Mittelpunkt des fünften Bundesliga-Wochenendes stand der Spitzenkampf Baden-Baden - Solingen am Spielort Aachen. Solingen gewann 4.5-3.5, entscheidend bei sieben Remisen Erwin l'Amis Sieg gegen Arkadij Naiditsch an Brett 7. Tags zuvor gewann Baden-Baden knapp aber ungefährdet 4.5-3.5 gegen Ausrichter DJK Aufwärts Aachen, diese Saison erstmals mit Ivanchuk am Spitzenbrett. Solingen und Aachen erzielten klare Siege gegen den Baden-Badener Reisepartner Speyer-Schwegenheim, letztere trotz Ivanchuks Niederlage gegen Oleksiyenko. An anderen Spielorten gab es diverse (Beinahe-) Überraschungen, die auch den Abstiegskampf beeinflussen. Sieben Mannschaften befinden sich weiterhin in der Gefahrenzone - Hamburg machte Boden gut, Mülheim grosse Schritte Richtung Klassenerhalt, Schachfreunde Berlin haben das rettende Ufer vermutlich erreicht.

Erwin l'Ami war Matchwinner für Solingen | Foto Michael Buscher, DJK Aufwärts Aachen

Wiederum zunächst zu den Aufstellungen der Spitzenteams: Baden-Baden hatte am Samstag "nur" sieben 2700er (sowie Movsesian, Elo 2671, an Brett acht) und mit Vachier-Lagrave und Anand "nur" zwei top10 Spieler. Peter Svidler und auch Jan Gustafsson spielten Banter Blitz zum vierten Geburtstag von chess24, Jan am Sonntag in anderer Rolle. Fabiano Caruana und Levon Aronian wollten vielleicht ihre Vorbereitung auf das Kandidatenturnier nicht unterbrechen - Mamedyarov tat es übrigens und spielte in der Zweiten Bundesliga Süd für, wie sich herausstellte, Aufsteiger Viernheim im entscheidenden Match gegen Emmendingen. Eher keine Rolle spielte wohl, dass Aronian 2016 zweimal in Mannschaftskämpfen gegen Rapport schlechte Erfahrungen hatte: er verlor sowohl in der Bundesliga als auch später beim Europacup für Vereinsteams (in Diensten von OR Padova gegen VSK Sveto Nikolaij Srpski). Solingen - Baden-Baden endete damals 4-4, später wurde Solingen deutscher Mannschaftsmeister 2015/2016.

Robin van Kampen wurde diese Saison erstmals eingesetzt | Foto Michael Buscher, DJK Aufwärts Aachen

Solingen spielte überraschend ohne Anish Giri - zwar diese Saison noch nicht eingesetzt, aber im Spitzenkampf war mit ihm zu rechnen. Vielleicht ebenso überraschend war, dass Robin van Kampen mitspielte - der Student sass zuletzt im August 2017 in der spanischen Primera Division (zweite Liga) am Brett, in der Saison davor spielte er allerdings Mannschaftskämpfe in mehreren Ländern (neben Deutschland und Niederlande auch England, Belgien und Island). Man muss Sonntag nicht in derselben Aufstellung antreten wie tags zuvor - Gastgeber Aachen rotierte an den hinteren Brettern - aber  Baden-Baden und Solingen trafen identisch aufeinander.

Baden-Baden - Solingen 3.5-4.5 - knapp und verdient

So sah es hinterher auch Livekommentator Jan Gustafsson, der keinen Hehl daraus machte, dass er seinen Baden-Badener Teamkollegen die Daumen drückte. Da er aus dem Urlaub in Gran Canaria kommentierte, musste er noch früher aufstehen als die Spieler - für Schachprofis ist Partiebeginn um 10:00 früh. Allerdings konnte er, im Gegensatz zu den Spielern am Brett, nach der Eröffnungsphase eine kurze Frühstückspause einlegen. Betrachte Jans knapp viereinhalb Stunden Livekommentar - das Video-Titelbild verrät bereits das schlechte Ende für seinen Verein:

Man kann den Matchverlauf so zusammenfassen: Fünf Partien endeten relativ schnell Remis - keine Salonremisen, aber im Parallelkampf Speyer-Schwegenheim - Aachen und an den anderen Spielorten waren zu diesem Zeitpunkt maximal ein oder zwei Partien beendet. Für Solingen spielten danach noch die drei Niederländer van Wely, van Kampen und l'Ami. Die Entscheidung fiel ("offiziell") kurz nach der Zeitkontrolle, wobei van Wely dann beim Stand von 4-3 für Solingen ein unverlierbares Turmendspiel mit Mehrbauer noch einige Züge weiterspielte. Insgesamt aus Solinger Sicht eine andere Matchdynamik als zuvor gegen Bremen - mit besserem Ende.

Weniger trocken kann man sagen, dass e4-e5 in mehreren Partien eine Rolle spielte, wie auch 1.e4 e5 und 1.e4 c5, nun zu allen Brettern:

Harikrishna - Vachier-Lagrave 1/2 | Foto Michael Buscher, DJK Aufwärts Aachen

‌Harikrishna - Vachier-Lagrave 1/2: In der gewählten Variante (1.Sf3 c5 2.c4 Sc6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 e6 6.g3 Db6) hatte MVL zuvor gewisse Probleme mit Schwarz - am vorigen Bundesliga-Wochenende gegen Grandelius (nach 7.Sdb5 Se5 8.Lg2 a6 9.Da4 Seg4?!) und zuvor beim FIDE Grand Prix in Palma de Mallorca gegen Harikrishna, der nun das seltene 7.Sf3 wiederholte. Diesmal war es gehaltvoll und durchgehend etwa ausgeglichen. Das schwarze Bauernopfer im 16. Zug war korrekt, im 20. Zug konnte MVL dann den Angriff des Ld6 auf seinen Tf8 ignorieren und mit 20.-bxa3!? eine Qualität opfern - aber das wollte er in einem wichtigen Mannschaftskampf wohl nicht riskieren. Nach ‌20...Te8 21.e5 verflachte es wenig später zum offensichtlichen Remis.

Anand-Rapport 1/2 | Foto Michael Buscher, DJK Aufwärts Aachen

‌Anand-Rapport 1/2 bekommt zwei Diagramme, da sich das Stellungsbild innerhalb weniger Züge änderte:



So stand es nach 10...Dc6 - krumm aber gut bis erzwungen, Schwarz muss b2-b4 durch Angriff auf den Bauern c3 verhindern. Dabei hat er zwei Randspringer, die Kombination von 5.-a6 und 8.-0-0-0 erscheint auch riskant - Livekommentator Gustafsson war zu diesem Zeitpunkt aus Baden-Badener Sicht optimistisch. Das Ganze begann mit 1.e4 Sc6!?.



So stand es wenig später nach 15...Tdf8. Zwischenzeitlich stellte auch Anand seine Figuren auf jedenfalls ungewöhnliche Felder, um eventuell doch b2-b4 zu spielen; Rapport konnte seinen Raumnachteil durch Öffnung der f-Linie neutralisieren. Nicht das erste Mal, dass der junge Ungar aus verdächtig erscheinender Stellung heraus Ausgleich (manchmal gar mehr) erzielen konnte - Gustafsson gefiel der "Trend" dieser Partie nicht. In der Bundesliga darf man erst (oder bereits) ab dem 20. Zug Remis anbieten - das tat Rapport mit 20...Db5, und Anand war einverstanden.

Ragger-Wojtaszek 1/2 war ein Najdorf-Sizilianer, von Weiss positionell mit 6.g3 beantwortet. Ragger hatte zumindest optischen Vorteil und wiederholte dann ab dem 21. Zug die Stellung, Jan in Gran Canaria war erleichtert.

Adams - van Wely 1/2 | Foto Michael Buscher, DJK Aufwärts Aachen

Auf dieser Partie beruhten zunächst Baden-Badener Hoffnungen. Auch hier ein Najdorf-Sizilianer und darauf 6.Le3 (englischer Angriff vom Engländer?) 6...e6 7.g3 (nein, wobei auf sofort 6.g3 6...e5 der, auch von Wojtaszek gewählte, Hauptzug ist). Nach ‌10.Te1 musste Schwarz seinen Lb7 überdecken (10...Le7? 11.e5! Lxg2 12.exf6 mit Figurengewinn, da beide schwarze Läufer hängen), das Najdorf-typische 10.-Dc7 war wohl präziser als das gespielte ‌10...Tb8?! (sagte auch Gustafsson, als 1.d4 und 1.e4 e5 Spieler nicht unbedingt Najdorf-Experte). So bekam Weiss nach ‌11.a4! bxa4 (machte Schwarz wohl ungern, aber 11.-b4 12.Sa2 ist auch problematisch) ‌12.Txa4 positionellen Vorteil, bis zum 20. Zug:


Und nun (zuletzt ‌20.f4 Sg6‌) war 21.e5?! nicht stellungsgemäss oder zumindest voreilig. Es folgte ‌21...dxe5 22.fxe5 Lb4 (22.-Tb4! war eventuell stärker) 23.Sb3 Lxg2 24.Dxg2 Sd5 25.Tea1 Lxc3 26.bxc3 Tc8 mit dieser Stellung:


Auch hier änderte sich der Charakter der Stellung innerhalb weniger Züge: Schwarz hat alle Probleme gelöst - nur er kann besser stehen, u.a. aufgrund des schwachen weissen Bauern auf e5. Ob van Wely später im Endspiel eine weisse Remiskombination übersah oder in der entstandenen Matchsituation absichtlich erlaubte ist unklar.

Ganguly-Vallejo 1/2 | Foto Michael Buscher, DJK Aufwärts Aachen

Das war eine von zwei mit 1.e4 e5 eröffneten Partien. Vallejo spielte dann Russisch, Ganguly nicht das modische 5.Sc3 sondern eine der alten Hauptvarianten. Die Neuerung ‌13.a4 (umgesetzte Idee Ta1-a2-e2) war wohl vorbereitet, Jan im fernen Gran Canaria machte sich gewisse Sorgen - zumal Vallejo nun viel Bedenkzeit investierte. Aber später konnte Paco Vallejo mit einem Bauernopfer alle Probleme lösen und stand eher besser, als er im 24. Zug das gegnerische Remisangebot akzeptierte.

Bacrot - van Kampen 1/2 war ebenfalls 1.e4 e5, dann Italienisch Giuco Piano. Bacrot verbrauchte früh viel Bedenkzeit, wohl auf der Suche nach Feinheiten und eventuellen Zugumstellungs-Tricks, van Kampen investierte 35 Minuten für 14...h6. Dann opferte Schwarz einen Bauern, für den er mit Läuferpaar und eingedrungenem Turm in der Partie volle Kompensation erhielt. Bacrot gab den Bauern zurück, van Kampen behielt seine Trümpfe. Dann verflachte es allerdings nebst Zugwiederholung, es war vielleicht Solinger Matchstrategie: Erwin l'Ami stand klar besser, seine Landsleute riskierten nichts mehr.

Vor der matchentscheidenden Partie an Brett 7 kurz zu ‌Movsesian-Predojevic 1/2 ‌an Brett 8: Weiss erreichte in einem Tarrasch-Franzosen (1.e4 e6 2.d4 d5 3.Sd2 c5 4.Sgf3 cxd4 5.exd5 Dxd5) wenig bis nichts, Remis nach 21 Zügen in verflachter Stellung.

Die entscheidende Partie l'Ami - Naiditsch kurz vor Schluss | Foto Ulrich Geilmann, Schachbundesliga

In der Cambridge Springs Variante des Damengambits (überraschende Eröffungswahl von Arkadij Naiditsch?) stand Schwarz anfangs passiv aber solide, dann konnte Erwin l'Ami seinen Raumvorteil nach und nach ausbauen - erstes Diagramm nach 25...Td8:



‌26.e5!? war hier vielleicht überraschend - d4-d5 sofort oder später ebenfalls möglich. Der zweite kritische Moment wenig später:


Nach ‌30...Sg6 droht Schwarz, sich mit -Ld8 nebst -Se7 zu entlasten, Weiss musste im Vorteilssinne das nicht unbedingt naheliegende 31.Sf4! finden - so spielte l'Ami nach acht Minuten. Es folgte ‌31...Sxf4 32.gxf4 Dd8 33.Df3 Tb8 34.f5! - Doppelbauer als Rammbock - und wenig später konnte Erwin l'Ami zu einem klar besseren Endspiel abwickeln.

Kurz nach der Zeitkontrolle verabschiedete sich Livekommentator Jan mit den Worten (jedenfalls sinngemäss) "Das kann auch der zähe und trickreiche Arkadij Naiditsch nicht mehr halten, auch wenn es vielleicht noch ein zwei Stunden dauert. Draussen scheint bei 26 Grad die Sonne, ich habe Urlaub, tschüss!". Zuvor Anerkennung für die heutige Solinger Mannschaftsleistung und auch allgemein für das, was Mannschaftsführer Herbert Scheidt über viele Jahre dort aufgebaut bzw. auch bewahrt oder gerettet hat (vor einigen Jahren drohte wegen vorübergehendem Sponsorenmangel das Bundesliga-Ende für Solingen). Die Partie l'Ami - Naiditsch dauerte danach übrigens nur noch wenige Züge und Minuten, nach 46 Zügen gab Naiditsch auf.

Kürzer zu anderen Matches im Schatten der Spitzenpaarung:

Ivanchuk und andere ebenfalls in Aachen

Am Samstag gewann OSG Baden-Baden knapp aber ungefährdet 4.5-3.5 gegen Gastgeber DJK Aufwärts Aachen. In drei Remispartien war das Gleichgewicht nie gestört:

Ivanchuks Saisondebüt gegen MVL | Foto Guido Giotta, Schachbundesliga

Am Spitzenbrett erreichte Vachier-Lagrave mit seiner Spezialvariante gegen Caro-Kann (1.e4 c6 2.Sc3 d5 3.Sf3) wenig, bzw. nur zwischenzeitlich klaren Vorteil auf der Uhr. An Brett 2 war der 6.d3-Spanier zwischen Jorden van Foreest mit Weiss und Vishy Anand mit Schwarz immer ausgeglichen. Das galt auch für Brett 6 Handke-Bacrot (Berliner Mauer mit 5.Te1), in den beiden letzten Fällen relative Erfolge für die Aachener Spieler mit Elo unter 2700.

Ein Baden-Badener Sieg zeichnete sich früh ab: Bei ‌Naiditsch-Zaragatski 1-0 hatte Schwarz in der Guimard-Variante des Tarrasch-Franzosen (1.e4 e6 2.d4 d5 3.Sd2 Sc6!?) Entwicklungsrückstand und einen in der Mitte verbliebenen König. Dann tauschte Naiditsch zwei Leichtfiguren gegen Turm und Bauer:


Zuvor geschah ‌20.Lg7 Tg8 21.Dxh7 Txg7 22.Dxg7 DxSa5 23.Te1. "Turm gegen 2 Figuren" ist derzeit Thema von "Lubbes Lehrstunde" Montag abends (wie alle Shows auch später im Archiv zu betrachten) mit demnächst auch Beispielen, in denen der Turm gleichwertig oder stärker ist. Hier ist der bzw. sind die weissen Türme offensichtlich stärker: sie verfügen über offene Linien, der schwarze Lb7 muss den Bauern auf e6 decken und kann so nicht anders eingesetzt werden, der schwarze König ist im Gegensatz zum weissen verwundbar. Im weiteren Verlauf fielen die schwarzen Bauern auf f6 und e6, am Ende konnte Weiss wieder zwei Leichtfiguren für seinen Turm gewinnen.

Der andere Baden-Badener Sieg war plötzlich und überfallartig:


Bei ‌Wojtaszek-Lupulescu 1-0 stand Weiss kurz zuvor zwar angenehmer, aber Schwarz musste jedenfalls nicht schnell verlieren. Nach ‌25...Dc7? (25...De7 oder 25...Tc6) 26.Sf6+!! hatte Weiss plötzlich vernichtenden Königsangriff.

Scheinbar knapp wurde es durch ‌Donchenko-Movsesian 1-0 an Brett 8:


Zuvor war Donchenkos ‌43.b4!? Sxb4 44.Lc3 ein interessanter Versuch: der schwarze Sb4 hat nun keine anderen Felder, Dame und Läufer müssen ihn bleibend decken. Am Brett vielleicht nicht offensichtlich: wenn Weiss den König nach b3 überführt, kann Schwarz zwischenzeitlich -Lf8 und -Dd6-e7-f6 spielen (und nach f4 Df5) - dann hat er entweder Dauerschach oder kann mit der Dame mehrere weisse Bauern am Königsflügel erobern mit ausreichender Kompensation für die Figur. Nach 11 1/2 Minuten wählte Movsesian den Panikzug ‌44...e5. Später verpasste er noch eine Chance, ein schlechteres aber eventuell haltbares Endspiel zu erreichen - Weiss gewann dann mit Mattangriff.

Der Baden-Badener Matchsieg war dabei ungefährdet: Beim Stand von 3.5-2.5 aus Badener Sicht versuchten Adams und Vallejo, vorteilhafte und risikofreie Endspiele zu gewinnen. Das Läuferendspiel von Adams gegen Parligras war, trotz entsprechendem Engine-Urteil, womöglich nie gewonnen. Paco Vallejo verpasste dagegen gegen Falko Bindrich den Sieg - eindeutig am Ende in der Tablebase-Zone mit Turm und Bauer gegen Turm bei abgeschnittenem gegnerischem König, wohl schon zuvor mit beiderseits noch zwei Türmen, Läufern und mehreren Bauern.

Parallel verbesserte Solingen mit einem 7.5-0.5 gegen Speyer-Schwegenheim sein Brettpunktkonto. Bei Gleichstand nach Mannschaftspunkten am Saisonende gibt es allerdings einen Stichkampf um den Meistertitel. Den halben Punkt für Speyer-Schwegenheim erzielte Oleksiyenko am Spitzenbrett gegen Harikrishna, wobei er zwischenzeitlich gewinnen konnte.

Tags darauf ein ebenfalls glattes 5.5-2.5 für Aachen gegen Speyer-Schwegenheim:

Das Match Speyer-Schwegenheim - Aachen "von hinten" (Brett 8 im Vordergrund) | Foto Michael Buscher, DJK Aufwärts Aachen

Schwarzsiege für die "neuen" (tags zuvor nicht eingesetzten) Aachener Spieler an Brett 6 und 8 deuteten sich früh an:

Commercon-Burg 0-1 | Foto Michael Buscher, DJK Aufwärts Aachen

Simon Commercon misslang gegen Twan Burg bereits die Eröffnung. Schon das gerade gespielte 5.Sxd4 ist laut Livekommentator Jan Gustafsson wegen 5...e5 ungenau (erst 5.0-0), Details in Jans Videoserie Schwarzrepertoire gegen 1.d4, Teil 4: Nebenvarianten.

Mager-Braun 0-1 | Foto Michael Buscher, DJK Aufwärts Aachen

Denis Mager landete gegen Christian Braun früh in einem schlechten Endspiel.

Bei weiteren Siegen ihrer Rumänen Lupulescu und Parligras konnte Aachen den Rest verkraften: verpasste Siege für Michael Hoffmann (ebenfalls Samstag nicht eingesetzt) und Dr. Florian Handke, und auch eine Überraschung am Spitzenbrett:

Ivanchuk-Oleksiyenko 0-1! | Foto Michael Buscher, DJK Aufwärts Aachen

Ivanchuk wählte gegen die Berliner Mauer das Endspiel und landete später in einem glatt verlorenen Turmendspiel. Für Oleksiyenko, erfahrener Grossmeister mit seit einigen Jahren Elo knapp über 2600, damit an diesem Wochenende 1.5/2 gegen Weltklassespieler - 2/2 war möglich.

Das war noch nicht alles am Sonntag in Aachen, laut Mannschaftsführer der zweiten Mannschaft (und Fotograf für diesen Artikel) Michael Buscher "Grosskampftag":

Zweite Bundesliga Solingen II - Aachen II | Foto Michael Buscher, DJK Aufwärts Aachen

Diese Partien werden nicht live übertragen. Am Aachener Spitzenbrett mit Weiss GM Pruijssers, der gegen IM Wegerle laut Buscher "Russisch nicht widerlegen konnte". An Brett 4 fehlt momentan Fotograf FM Buscher. Solingen hatte eigentlich Heimrecht, aber auf dieses verzichtet. Die dritte Mannschaft von DJK Aufwärts Aachen (Regionalliga) hatte ebenfalls Heimspiel. Die ersten Mannschaften von Aachen und Solingen, Reisepartner in der Bundesliga, treffen am zentralen letzten Wochenende in Berlin aufeinander.

Bereits erwähnt: Parallel steht nach Sieg im entscheidenden Match gegen Emmendingen der SC Viernheim als Sieger der Zweiten Bundesliga Süd und Aufsteiger in die Bundesliga fest. Mit ihrer Aufstellung (Mamedyarov, Malakhov, Kryvoruchko, Amin, Smirin, Kovalenko, Anton Guijarro, Fedorchuk, Maze, usw.) ist Abstiegskampf nächste Saison wohl kein Thema, stattdessen können sie oben mitmischen. Jan Gustafsson sagte, dass Baden-Baden keine Angst vor Viernheim hat - allerdings hatten sie im Spitzenkampf der Zweiten Bundesliga einen höheren Eloschnitt als Solingen eine Etage höher... .

Siem van Dael, jüngster Spieler vor Ort? | Foto Michael Buscher, DJK Aufwärts Aachen

Simba7 - so nennt er sich auf chess24 - ist (*20.2.2004) gut zehn Jahre älter als chess24. Da die Zweite Bundesliga West nur am Sonntag spielte, konnte er tags zuvor den vierten Geburtstag von chess24 mit feiern - 50% im Banter Blitz: Sieg gegen Miss Tactics (in dieser Blitzpartie eher nicht), Niederlage gegen Chessexplained. Buscher: "Siem spielt noch an 8, aber langfristig sicher höher".

Demokratie in Deizisau

Alle vier Mannschaften erzielten 2-2 Mannschaftspunkte - wohl weniger als erwartet für Gastgeber Deizisau, und mehr für die Schachfreunde Berlin. Bei drei Ergebnissen vielleicht nur die Höhe überraschend: Schwäbisch Hall war gegen Berlin Favorit und gewann 6-2, zwei andere Matches (Deizisau-Dresden 5.5-2.5 und Dresden - Schwäbisch Hall 5.5-2.5) hatten keinen klaren Favoriten.

Überraschend dagegen am Sonntag ‌SF Berlin - Deizisau 5-3, dafür gab es drei Gründe: 1) Alexander (Graf) misslang gegen Alexander (Seyb) die Eröffnung - seine Dame wurde ständig gejagt und im 21. Zug gefangen (Alternative aus schwarzer Sicht: Matt für den Zentralkönig). Nach Sieg zum Auftakt gegen Michael Adams war dies für Graf in den letzten vier Runden die dritte Niederlage gegen IMs mit Elo 2400-2450. 2) Auch die Dame von Vincent Keymer geriet gegen IM Lauber auf Abwege - und er fand nicht die beste Version, sie teuer zu verkaufen. 3) An den verbleibenden sechs Brettern hatte Deizisau zwar jeweils mindesten 95 Punkte Elovorteil, konnte allerdings keine Partie gewinnen.

Knappe und klare Ergebnisse in Hockenheim

Die knappen Ergebnisse gab es am Samstag. Beim 4-4 gegen Hofheim war für den Tabellenletzten Norderstedt mehr als ein Mannschaftspunkt möglich, die Schlüsselpartien: Für Norderstedt hatte IM Kopylov aus der Eröffnung heraus Läuferpaar gegen Turm und konnte diesen Vorteil verwerten - Gegner GM Ginsburg hatte die Nebenvariante im Fianchetto-Königsinder wohl ungenau behandelt. Ausgleich für Hofheim durch Boris Margolin in einer wilden Partie gegen Falko Meyer: über weite Strecken stand laut Engines Schwarz (Margolin) besser, vor der Zeitkontrolle war es einige Züge lang 0.00. Direkt nach der Zeitkontrolle fand Meyer nicht den Remisweg, oder wollte er etwa gewinnen? An Brett 8 konnte der Norderstedter FM Polischuk gegen IM Arno Zude ein Turmendspiel mit zwei Mehrbauern nicht gewinnen.

Hockenheim - Hamburger SK 4.5-3.5 war für die an einigen (nicht allen) Brettern nominell recht klar unterlegenen Hamburger ein Achtungserfolg, mehr allerdings auch nicht - weiterhin Abstiegskampf. Tags darauf gelang Hamburg da beim 6-2 gegen Hofheim ein Befreiungsschlag, und Hockenheim zerlegte Norderstedt 7.5-0.5.

Klare und überraschend knappe Ergebnisse in Mülheim

Gastgeber Mülheim befindet oder befand sich ebenfalls in der Abstiegszone, dabei waren sie gegen die beiden Münchner Mannschaften klar favorisiert und konnten dies bestätigen: 6-2 gegen MSA Zugzwang und 7-1 gegen Bayern München.

Werder Bremen war gegen die Münchner Teams ebenfalls klarer Favorit und hatte im Vorbericht den "Sprung auf Platz zwei" angepeilt - dafür brauchten sie neben vier Mannschaftspunkten auch relativ viele Brettpunkte. Matthias Krallmann warnte allerdings: "Werder ist in diesen Spielen klarer Favorit, darf aber keine Mannschaft unterschätzen. Beiden Münchener Teams gelang in dieser Saison bereits ein Überraschungserfolg. Bayern München besiegte den Tabellenvierten aus Hockenheim und Zugzwang München schlug den Tabellenfünften Deizisau."

Haben sie die Gegner dann doch unterschätzt, oder was lief nicht nach Plan? Jedenfalls wurden es drei Mannschaftspunkte und 8.5 Brettpunkte. Eine Ursache war, dass die Niederländer in Bremer Diensten Schwächen zeigten. Am Samstag reichte es für ein 4.5-3.5 gegen Bayern München, trotz oder wegen Schneider(2390) - GM Spoelman(2586) 1-0 und IM Belezky(2386) - GM Werle (2526) 1-0. Bremen gewann unter anderem durch den Schwarzsieg von GM Hracek gegen IM Fedorovsky, der damit die dritte GM-Norm für seinen Gegner zumindest vertagte.

Am Sonntag dann nur 4-4 gegen MSA Zugzwang, und damit war der Favorit gut bedient. An Brett 7 und 8 war aus Bremer Sicht statt 1.5/2 auch 0/2 möglich: GM Werle besiegte FM Eichler mit eigentlich inkorrektem Königsangriff, und im IM-Duell entwischte Alexander Markgraf gegen den Münchner Mannschaftsführer Markus Lammers mit Remis. Hracek gewann zwar wiederum (gegen GM Bromberger), aber Spoelman verlor wiederum - heute glatt mit Weiss gegen IM Zysk(2400).

Ausserdem am Spitzenbrett GM Fressinet - IM Mons 0-1, dazu eine Stellung die - da Fressinet zuvor aufgab - nicht mehr aufs Brett kam:


Beide hätten zuvor eine neue Dame bekommen, aber nach 78...Dg4+ gewinnt Weiss (im Zusammenspiel von Dame und Läufer) forciert die schwarze Dame. Fressinet fehlte quasi ein Tempo, das er allerdings zuvor nie gewinnen konnte. Ein weiterer Erfolg für Leon Mons, der sich schon tags zuvor mit einem Remis gegen David Navara eine GM-Norm gesichert hatte.

Solingen stapelt noch tief - "durch uns bleibt die Bundesliga bis zum letzten Wochenende nun spannend". Tatsächlich haben sie mit Hockenheim, Deizisau, Schwäbisch Hall und Aachen - derzeit in der Tabelle auf Platz 4-7 - noch starke Gegner. Kann Deizisau dem Baden-Badener Mutterverein doch noch den Meistertitel (oder jedenfalls einen Stichkampf) ermöglichen?

Siehe auch:


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