Berichte 26.10.2017 | 11:15von Colin McGourty

Bundesliga: Baden-Baden startet mit zwei Siegen

An seinem 27.Geburtstag bezwang Maxime Vachier-Lagrave in der Bundesliga Ernesto Inarkiev und steuerte damit einen Punkt zu Baden-Badens Sieg gegen Schwäbisch-Hall bei. Zum Auftakt am vergangenen Wochenende startete der Titelverteidiger mit zwei überzeugenden Siegen, obwohl Peter Svidler und Mickey Adams Niederlagen einstecken mussten. Jan Gustafsson blickt auf den Bundesliga-Start zurück und beschäftigt sich dabei auch mit der Glanzpartie von Jan-Krzysztof Duda gegen Pavel Eljanov.

Im Aufgebot von Baden-Baden stehen die aktuellen Plätze 2 bis 4 der Weltrangliste, doch gegen Schwäbisch Hall traten “nur” die Nummer 3 MVL und die Nummer 9 Vishy Anand an.

Alle Bundesliga-Partien könnt ihr hier nachspielen.

Der Ausgang wurde jedoch nicht an den Spitzenbrettern entschieden, wo MVLs Sieg gegen Ernesto Inarkiev von Peter Svidlers Niederlage gegen Dmitry Jakovenko wettgemacht wurde, sondern in den hinteren Regionen, wo  Etienne Bacrot, Arkadij Naiditsch und Rustam Kasimdzhanov ihren Gegnern überlegen waren:


Jan Gustafsson fasst das Geschehen des ersten Bundesliga-Wochenendes für euch zusammen:

Wie ihr sehen könnt, hat Jan die Stelle analysiert, in der Inarkiev komplett vom richtigen Pfad abkam, aber ihren Ursprung die Niederlage hatte schon im 22.Zug.


In dieser Stellung verbrauchte Inarkiev stolze 56 Minuten für 22.Dc1!? (22.Qg5 sieht deutlich natürlicher und stärker aus) und nach MVLs recht prompter Antwort 22…Tc8 kostete ihn 23.Dc3!? weitere 22 Minuten, womit ihm für den Rest der Partie nur noch wenig Bedenkzeit übrigblieb. Geburtstagskind MVL sprach im Interview über diese Partie und die anstehende letzte Station des FIDE Grand Prix:

Mein einziges Ziel kann sein, mich mit einem Sieg in Palma für das Kandidatenturnier zu qualifizieren.

Hier das Interview:

Ex-Weltmeister Rustam Kasimdzhanov stellte hier die Fragen, während er in seinem eigenen Interview meinte: „Ich habe weiterhin die Ambition, ein paar Bretter weiter vorn zu spielen.“ An beiden Tagen spielte er am letzten Brett und gewann seine Partie. Hier das Interview mit ihm von Maxime Vachier-Lagrave!

Eigentlich hätte Kommentator Jan Gustafsson die Interviews führen sollen, doch bei ihm reichte es nur zu Gesprächen mit Radek Wojtaszek, Viktor Laznicka, Etienne Bacrot und Arkadij Naiditsch, der nun schon seit elf Saisons in Folge für Baden-Baden antritt:

Neben Baden-Baden spielt mittlerweile auch das zweite von GRENKE gesponserte Team, die Schachfreunde Deizisau, in der Bundesliga, das Team gab am Wochenende sein Debüt. Im Gegensatz zu Baden-Baden, für die kein einziger Deutscher antrat, sieht das Konzept aber ein wenig anders aus. Der einzige Ausländer am Brett war für Deizisau Peter Leko, der allerdings glänzend Deutsch spricht:

Auch Matthias Blübaum and Georg Meier...

...standen Rede und Antwort, außerdem stehen im Team das 12-jährige Top-Talent Vincent Keymer und die beiden langjährigen Teammitglieder von Baden-Baden Rustem Dautov und Philipp Schlosser:

Am Sonntag mussten die beiden Teams gegeneinander ran, und zunächst ging Deizisau in Führung, als bei Mickey Adams alles schiefging:


Alexander Graf hatte nur noch 3 Minuten (gegenüber 17 von Adams) auf der Uhr, doch er brauchte nicht lang, um 25…Df4+! mit Damengewinn (Txe4+) zu finden. 

Peter Svidler landete einen überzeugenden Endspielsieg gegen Georg Meier und glich aus, doch für die Entscheidung sorgten einmal mehr die hinteren Bretter, die das zweite 5,5:2,5 sicherten.


Eine der schönsten Partien des Wochenendes spielte der 19-jährige Jan-Krzysztof Duda, der Pavel Eljanov in einer derart überzeugenden Weise überspielte, dass er bereits jetzt beste Chancen auf den Preis für die Partie des Jahres hat. Bereits in der Saison 2015/16 sicherte er sich diese Ehrung mit einem feinen Sieg gegen Grzegorz Gajewski.

Jan-Krzysztof Duda hat mit 19 Jahren bereits die Elohürde von 2700 genommen | Foto: Georgios Souleidis, Schachbundesliga 

In einem Italiener spielte Duda früh g4 und opferte dann mit noch unrochiertem König eine Figur:


14.Sxe5!!? Sxe5 15.Sxd4 und es dauerte nicht lang, bis Dudas Bauernkette in Richtung schwarzen König marschierte. Wie Jan Gustafsson korrekt anmerkte, stand spätestens nach 27.Txg5! fest, dass der Schwarze riesige Probleme hatte:


27…Sxg5 scheitert an 28.Dh4+, daher empfiehlt der Computer dem Schwarzen, das weiße Angriffspotential mit einem Opfer auf d3 zu reduzieren. Stattdessen folgte 27…Df7? 28.Dg3 Sc6? 29.Lb3, wonach die Partie entschieden war. Nach dem Schlusszug 35.Lxe5 dominiert Weiß komplett das Brett:


Diese Partie wäre für den Ausgang des Matches Hamburg gegen Dresden entscheidend gewesen, wenn Jonas Lampert seine Gewinnstellung gegen Roven Vogel verwertet hätte, doch es war nicht sein Wochenende. Nach dem Remis gegen Vogel verlor er anderntags auch noch die entscheidende Partie gegen die Schachfreunde Berlin. 

Jonas Lampert analysiert seine Partie gegen Ilja Schneider, Alexander Seyb sieht dabei zu | Foto: Martina Skogvall, Bundesliga 

Pavel Eljanov erlebte ebenfalls ein Wochenende zum Vergessen, denn nach seiner Niederlage gegen Duda kam er am Sonntag gegen um 300 Punkte schwächeren Lawrence Trent nicht über ein Remis hinaus. Schon am Samstag zeigte Lawrence gute Form, als er nur einen brillanten Zug vom Sieg gegen einen starken GM entfernt war:

"Wie man sieht, fand ich den Gewinn in diesem Endspiel nicht, aber der Computer hat eine brillante Lösung parat. Weiß zieht und gewinnt!"

Des Rätsels Lösung war 42.Sf5!!, wonach Weiß in allen Varianten gewinnt. Nach 42.g5 konnte der Polnische Meister und viermalige Weltmeister im Problemlösen Kacper Piorun die Partie jedoch remis halten. 

"Schaffe ich es, mich nicht selbst umzubringen und so gutes Schach zu spielen wie an diesem Wochenende, kann das eine sehr gute Saison werden."

Lawrence spielt am 1.Brett von Norderstedt und ist ein Teamkollege von IM Andrey Ostrovskiy, der jeden Dienstag den Training Tuesday auf chess24 anbietet  und wie Trent ein tolles Wochenende hinlegte. Am Samstag schlug er den gefährlichen italienischen GM Daniele Vocaturo und am Sonntag hielt er gegen Zoltan Almasi (Elo 2707) remis.

Das nächste Bundesliga-Wochenende ist am 11.-12. November, mehr oder weniger direkt nach der Europäischen Mannschaftsmeisterschaft, die diesen Samstag beginnt. Jan Gustafsson wird dann ebenfalls als Kommentator tätig sein, aber auf Englisch!

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