Features 13.10.2015 | 08:27von Macauley Peterson

Blindschach-Simultanvorstellung von Magnus Carlsen in Wien

Als er Anfang letzter Woche auf dem Weg nach Berlin zur Weltmeisterschaft im Blitz- und Schnellschach war, machte Weltmeister Magnus Carlsen einen Abstecher nach Wien. Dabei trat er in einer Blindschach-Simultanvorstellung gegen fünf Amateurspieler an, und es gab einen Twist: Die Spieler hatten nur 12 Minuten Zeit und konnten jederzeit Züge ausführen! Blindschach ist auch so ziemlich anspruchsvoll und Magnus hatte es bereits in Simultanvorstellungen ohne Zeitzählung erfolgreich mit zehn Gegnern aufgenommen. Bei dieser Veranstaltung verlor er jedoch in zwei von fünf Partien auf Zeit.

Carlsen zeigte in Wien mit im wahrsten Sinne des Wortes verbundenen Augen eine tolle Show

Der Showkampf, der von Carlsen Sponsor Simonsen Vogt Wiig veranstaltet wurde, war dem Weltmeister zufolge "ein Experiment". Er war zuvor unter ähnlichen Umständen gegen drei Gegner angetreten, hatte dieses Mal aber anfangs Probleme, die Bretter vor dem geistigen Auge auseinanderzuhalten. Schaut euch an, wie der erste Versuch nach weniger als 10 Minuten abgebrochen wurde:

Die Ursache war zum Teil eine unglückliche Verwechslung beim ersten Zug an Brett Zwei, als Kommentator Jan Gustafsson, der außerdem Carlsens Züge an den ersten drei Brettern ausführte, irrtümlich 1.e4 spielte, obwohl Magnus 1.d4 gesagt hatte. Carlsen ließ den fehlerhaften Zug gelten, das zerstörte jedoch bald die mentalen Grenzen, die er zwischen den fünf Partien errichtet hatte.

Nach einer kurzen Pause wurden die fünf Bretter auf Null gesetzt und das Simultan wurde fortgesetzt. Magnus setzte drei Gegner matt und hätte in den anderen beiden Partien gewonnen, wenn nicht die Zeit abgelaufen wäre; der Uhrenstand wurde erst sehr spät in den Partien genau kommuniziert und dann war es bereits zu spät, um sie zu retten. 

Abgesehen von dem Schlamassel waren die etwa 80 geladenen Gäste des privaten Events, das in den Redoutensälen in der historischen Hofburg von Wien abgehalten wurde, offensichtlich guter Stimmung und gebührend beeindruckt. Ihr könnt die ganze Show in dem folgenden Video nachspielen, das aus Aufnahmen unserer Live-Übertragung zusammengesetzt wurde.

Ihr könnt außerdem jede Partie öffnen, um sie euch genauer anzuschauen:

Nach dem Event schnappten wir uns Magnus, um ein paar Fragen zu seiner Simultantechnik und zum kürzlich beendeten Weltpokal zu stellen und zu fragen, ob er immer noch der Meinung ist, dass dieser ein gutes Format für die Austragung der Weltmeisterschaft wäre - das hatte er vor zwei Monaten vorgeschlagen. Zu Anfang fragten wir ihn, wie er ins Blindschach eingestiegen war:

Macauley: Hast du ein paar Tricks, um die Bretter im Geiste auseinanderzuhalten?

Magnus: Ich verbinde ein Gesicht mit einem Brett, aber wenn sie zu verschiedenen Zeitpunkten und aus verschiedenen Ecken auf mich zukommen, ist es in erster Linie ein Experiment... ohne die Uhr kann ich natürlich sehr viel mehr erreichen.

Würdest du Inkrements benutzen, wenn du es wiederholen könntest?

Ich denke, dass die begrenzte Zeit ein großer Teil des Vergnügens ist, aber vermutlich hätte ich entweder ein bisschen mehr Zeit gebraucht oder wir hätten ein bisschen besser gedrillt werden müssen — wir hätten wahrscheinlich ein bisschen üben müssen.

Die Weltmeisterschaft soll nächstes Jahr im Oktober stattfinden, es wurde aber noch kein Austragungsort oder andere Informationen bekanntgegeben. Denkst du, dass das wahrscheinlich noch passieren wird?

Ich denke, dass die Weltmeisterschaft vermutlich stattfinden wird, aber was den Zeitpunkt oder den Ort angeht, habe ich genausowenig Ahnung wie ihr.

Wir haben gerade ein ziemlich verrücktes Weltpokal-Finale erlebt. Denkst du immer noch, dass das ein vernünftiger Weg für die Austragung der Weltmeisterschaft wäre?

Ich weiß nicht, ob es ein vernünftiger Weg wäre, aber ich denke, es wäre ein fairer und auch unterhaltsamer Weg. Ich denke, es würde großen Spaß machen — es tut mir leid für Peter [Svidler], das hat er ehrlich gesagt ziemlich episch verhauen — aber ich freue mich auch für Sergey [Karjakin]. Er ist ein netter Typ. Aber es gab beide Male auch gegen Ende der Kandidatenturniere furchtbare Fehler. Wenn der Einsatz hoch ist und die Spieler müde sind, wird es unabhängig vom Format Fehler geben...

...Schach entwickelt sich weiter. Früher wollte man — im Capablanca - Aljechin Match z.B. — keine entschiedene Partie um den letzten Sieg spielen, weil man dachte, dass dann zuviel durch Glück entschieden würde. Und heute lachen wir darüber, das entwickelt sich also auch weiter.

Siehe auch:


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