Berichte 01.08.2018 | 10:02von Carlos Colodro

Biel, R9: Shak gewinnt gegen Carlsen und sichert sich den Turniersieg

Durch einen Sieg im vorentscheidenden Duell hat sich Shakhriyar Mamedyarov vorzeitig den Turniersieg in Biel gesichert. Der Aseri besiegte Magnus Carlsen in der vorletzten Runde und liegt damit uneinholbar mit zwei Punkten Vorsprung an der Spitze. Dank seiner +5 in neun Runden hat Shak gleichzeitig die höchste Elo seiner Karriere erreicht. Die beiden anderen Partien endeten remis.

Shak spielt in Biel ein großartiges Turnier | Foto: Lennart Ootes, Turnierseite

Alle Partien aus Biel könnt ihr hier nachspielen:

Mamedyarov 1 - 0 Carlsen

Das zentrale Motiv dieser Partie war das riskante Spiel von Carlsen, der trotz der schwarzen Steine auf Sieg spielen musste, um noch in den Kampf um den Turniersieg einzugreifen. Mamedyarov derweil spielte kontrolliertes und solides Schach. Magnus versuchte einen Königsinder aufs Brett zu bringen, doch Shak ging einem scharfen Kampf aus dem Weg, indem er 8.e3 spielte:


Mamedyarov meinte hinterher zu seinem Bauernzug:

Normal mag ich diesen Zug nicht, aber ich bekam durch ihn eine normale Stellung. 

Carlsens Plan ging zunächst auf, da beide Spieler sich darüber einig waren, dass er nach der Eröffnung gut stand. Eigentlich war es eine dieser Stellungen, in denen ein Carlsen oft in Vorteil kommt. Doch wie Magnus selbst erklärte, war sein Siegeswille dieses Mal kontraproduktiv. Zum Beispiel im 19.Zug:


Carlsen spielte 19...Lf5, und nach 20.e4 Ld7 erkannte er, dass das einfache 21.De3 übersehen hatte. Magnus meinte nach der Partie:

Lf5 war ein extremes Versehen. [...] Ich habe De3 übersehen und habe mich deswegen ziemlich aufgeregt. 

Ab diesem Moment übernahm Mamedyarov das Kommando, und er schaffte es in der Folge, in ein Turmendspiel mit verschiedenfarbigen Läufern und vier gegen drei Bauern abzuwickeln. Die Stellung war gewiss nicht leicht zu gewinnen, doch ein frustrierter Magnus patzte erneut und stellte die Partie im 56.Zug ein:


Carlsen musste den Läufer auf der Diagonale a3-f8 lassen, um ihn für den gefährlichen weißen e-Bauern geben zu können – in der Pressekonferenz meinte er, Weiß hätte große Probleme gehabt, dieses Endspiel mit Mehrfigur zu gewinnen. Doch der Weltmeister spielte 56...Lc1?? und gab nach 57.e7 auf.

GM Niclas Huschenbeth hat die Partie ausführlich analysiert:

Shakhriyar Mamedyarov spielt in Biel bisher ein großartiges Turnier (vergessen wir nicht, dass noch eine Runde zu spielen ist), und hat gegen ein starkes Feld mit dem Weltmeister +5 erzielt. Er kommentierte dies mit den Worten, "...dies war vermutlich [mein] bestes Turnier". 

Blick in den Turniersaal | Foto: Lennart Ootes, Turnierseite

Seine Leistung ist so gut, dass er die höchste Elo seiner Karriere erreicht hat. Mittlerweile liegt er in der ewigen Bestenliste sogar nur noch knapp hinter Vladimir Kramnik:

Dagegen zeigte sich Carlsen in der Pressekonferenz frustriert, was Nico Georgiadis in der letzten Runde womöglich zu spüren bekommt: 

"Mir tut Georgiadis leid, der morgen gegen einen sauren Carlsen antreten muss. Der hat nach seinen letzten 18 Niederlagen 11-mal die nächste Partie gewonnen."

Navara 0.5 - 0.5 Svidler

Dies war die kürzeste Partie des Tages. Der strategische Kampf in der Eröffnung wurde durch Svidlers  11.Zug definiert:


Der Russische Meister spielte 11...d5, wonach sich die Spannung im Zentrum auflöste und wenig später die Damen getauscht wurden. In der Pressekonferenz erklärte Svidler, dass er eine ihm vertraute Stellung erreichen wollte. Zumindest teilweise gelang ihm das.  

Nachdem die Damenflügelbauern abgetauscht waren, verflachte die Partie aber endgültig. Im 40.Zug war das Remis unterschriftsreif.

Der traditionelle Handschlag | Foto: Lennart Ootes, Turnierseite

Nach Carlsens Niederlage liegt Svidler gleichauf mit dem Norweger auf Platz 2. In der letzten Runde hat er Weiß gegen Mamedyarov. Kann er Shak dessen bisher perfektes Turnier noch ein wenig verderben?

Georgiadis 0.5 - 0.5 Vachier-Lagrave

MVL spielte sein geliebtes Grünfeld, doch Georgiadis war gut vorbereitet. Schwarz strebte sein typisches Spiel am Damenflügel an, doch als die Damen getauscht waren, schien die Stellung sehr ausgeglichen zu sein:


In dieser Phase entwirrte Vachier-Lagrave seine Figuren und schob seine Damenflügelbauern nach vorn. Eine Zeitlang sah es so aus, als könnte er den Schweizer niederkämpfen, doch der verteidigte sich zäh und machte im Endspiel keinen gröberen Fehler. Mit Türmen und weißfeldrigen Läufern auf dem Brett einigten sich die Spieler im 42.Zug auf Remis.

MVL ist momentan die Nummer 9 der Weltrangliste| Foto: Lennart Ootes, Turnierseite

Wie bereits erwähnt, steht Georgiadis mit dem Weltmeister eine harte Prüfung in der Schlussrunde bevor, während MVL gegen David Navara Weiß hat.

Die Tabelle zeigt, wie dominant Mamedyarov in Biel aufgetreten ist:

Wer möchte, kann sich hier noch einmal die Runde mit dem Live-Kommentar von Danny King und Anna Rudolf anschauen:

Die letzte Runde beginnt bereits um 12 Uhr, und ihr könnt wie immer live auf chess24 dabei sein!

Weitere Links:


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