Berichte 30.07.2017 | 22:16von Colin McGourty

Biel, R4-5: Bacrot führt, Hou Yifan ist Zweite

Etienne Bacrot liegt in Biel vor dem Ruhetag allein in Führung, nachdem er Alexander Morozevich und Noel Studer vernichtend geschlagen hatte - die zweite Partie wäre in Zeitnot jedoch fast noch verdorben worden. Hou Yifan ist ebenfalls sehr gut in Form und hat nach ihrem Erstrundensieg über Alexander Morozevich in der fünften Runde auch gegen David Navara gewonnen. Die tschechische Nummer Eins hatte zuvor Peter Leko besiegt, kämpft jedoch mit der Konstanz... nur beim Erscheinen auf der anschließenden Pressekonferenz nicht.

Bacrot fegte in der vierten Runde den dreifachen Turniersieger Morozevich vom Brett | Foto: Internationales Schachfestival Biel

In den Runden 4 und 5 wurden in Biel viele Partien entschieden - nur drei Begegnungen endeten remis. Ihr könnt alle Partien mit dem Selektor unterhalb nachspielen - klickt auf eine Partie, um sie mit Computeranalyse nachzuspielen, oder bewegt den Mauszeiger über einen Spielernamen, um dessen Ergebnisse bisher einzublenden:

Runde 4: Brutales Schach

In der vierten Runde endete nur eine Begegnung unentschieden, aber auch in dieser Partie zwischen Ponomariov und Hou Yifan hätte es ohne weiteres einen Sieger geben können. Ruslan Ponomariov hatte einen riskanten Versuch unternommen, um für Unordnung zu sorgen. An den anderen Brettern wurden die Spieler auseinandergenommen - Harikrishna brauchte nur 24 Züge, um den Schweizer Noel Struder nach einem bekannten Bauernopfer auf f5 zu überwältigen. 

Harikrishna gewann bislang eine Partie im Turnier und spielte viermal remis | Foto: Internationales Schachfestival Biel

Danny King hat diese Partie näher unter die Lupe genommen:

Die schönste und bedeutsamste Partie des Tages war Etienne Bacrots Triumph über Alexander Morozevich, und einen Tag später gab es beim Xtracon Open in Elsinore (Dänemark) bei Jobava - Short eine seltsame Parallele:

Jobava schlägt Short in einer der vernichtendsten Partien, die ihr je sehen werdet!

In der ersten Stellung ist bereits klar, dass Nigels Tage gezählt sind, daher hätte er auch das beste aus dem Debakel mit 32. ... a6! machen können, wonach die englische Nummer Drei alle seine Figuren auf Felder derselben Farbe gezogen hätte... im Mittelspiel kommt das nicht so häufig vor! Was uns wieder zurück nach Biel bringt, in der Alexander Morozevichs Vorstoß 15. ... d5?! in der Sizilianischen Verteidigung fürchterlich nach hinten losging:


Bacrot zog 16. f4! und 17. e5, und es war ein Fall, in dem Weiß auf den dunklen Felder dominiert, während die schwarzen Figuren auf den hellen Feldern hilflos waren. 

Etienne Bacrot konnte sich den Gewinnweg aussuchen | Foto: Internationales Schachfestival Biel

Schwarz war einige Züge lang nur durch ein Opfer des schwarzfeldrigen Läufers davon entfernt, alle Figuren auf den hellen Feldern zu haben, während Bacrot seine völlige Kontrolle mit 32. Dd6! zur Geltung brachte:


Schwarz kann erneut absolut nichts unternehmen, da das Schlagen der Dame zu einem trivial gewonnen Endspiel führt, während der schwarze König auf komische Weise gegen die weißen Matt- und anderen Drohungen hilflos ist. Einmal mehr hätte Moro einen kleinen ästhetischen Sieg erzielen können, indem er seine Dame auf ein helles Feld zog, aber es scheint, dass das den Spielern egal war - auch Bacrot beließ seinen a-Bauern während der ganzen Partie stur auf seinem hellen Ausgangsfeld...   

Dieses Mal wurde die Partie fünf Züge vor dem Matt beendet, aber sie war genauso überzeugend wie jene in Dänemark:


Nicht der beste Arbeitstag für Alexander Morozevich | Foto: Internationales Schachfestival Biel

David Navara zeigte, wie man einen Vorstoß auf d5 durchführen sollte - mit 22. d5! gegen Peter Leko:


Die schwarzen Figuren zogen umher, bis der d-Bauer mit 30. d6! einen weiteren Nadelstich ausführen konnte:


Weiß konnte bald eine Figur auf f7 opfern und Schwarz in einem Mattnetz fangen - eine Partie, die es wert ist, nachgespielt zu werden!

Für Navara und Leko verlief das Turnier sehr durchwachsen | Foto: Internationales Schachfestival Biel

Somit bleibt nur noch der erste Sieg (nach drei Punkteteilungen) für den Lokalmatador Nico Georgiadis, der einige schöne Taktiken fand, um seinen positionellen Vorteil gegen Rafael Vaganian noch zu einem Sieg zu verwerten:


28. ... e4! 29. Sxe4 Sxe4 30. Dxe4 Lxb2! und Schwarz hat nicht nur den Bauern zurückgewonnen, da der a-Freibauer nicht aufgehalten werden kann.

Nico erzielt seinen ersten Sieg gegen einen Mann, der das Turnier vor 32 Jahren 1985 gewinnen konnte; damals war es ein Interzonenturnier mit Spielern wie Yasser Seirawan und Nigel Short | Foto: Internationales Schachfestival Biel

Runde 5: Klare Führungen     

Die fünfte Runde verlief für den 65-jährigen Vaganian nicht besser, wie er nach einem tragikomischen Übersehen in einer bereits schwierigen Stellung einräumte:


Hier hatte Vaganian gedacht, dass Alexander Morozevich 16. Dxe2 statt 16. Txe2 gezogen habe, und spielte im Blitztempo 16. ... c4 - und bemerkte erst dann, dass sich die Dame noch immer auf d1 befand und Morozevich einfach mit 17. Lxa4 einen Bauern nehmen konnte. Danach bot die Partie keinen großen Kampf mehr.

In Studer - Bacrot sah es nach einem Massaker aus, als Etienne die Stellung mit 23. ... f5! sprengte:


Es war notwendig, aber danach wurde es chaotisch, wie Danny King erklärt!

Der Nummer Eins der Frauen Hou Yifan gelang der andere Sieg des Tages, womit sie still den Schaden an ihrer Wertungszahl repariert, den sie mit fünf Niederlagen beim Grand Prix in Genf erlitten hatte. Sie besiegte Morozevich in der ersten Runde, spielte in den nächsten drei Partien remis, und gewann eine beinahe Carlsen-eske Partie in der fünften Runde gegen David Navara. 

Hou Yifan besiegt den Mitfavoriten David Navara | Foto: Internationales Schachfestival Biel

Die tschechische Nummer Eins spielte Najdorf, aber Hou Yifan konnte auf dem Brett die Kontrolle behalten, bis sie mit 29. Dd2 aus einer Fesselung gelangte und eine einfache Frage stellte: Wie planst du, den Bauern auf a5 zu decken?


Das war ein Rätsel, für das es keine Lösung gab, und nach 29. ... Lxd4 30. Lxd4 Sd7 31. Dxa5 war es nur noch eine Frage von Zeit und Technik. 

Vielleicht war Navara wegen Toby Black verwirrt... | Foto: Internationales Schachfestival Biel

Hou Yifan behandelte den Rest der Partie mit vollkommener Leichtigkeit und liegt dadurch alleine hinter Etienne Bacrot auf dem zweiten Platz:


Vier Runden sind noch zu spielen, und es wird nicht einfach, dass ein Franzose zum fünften Mal in Folge das Turnier gewinnt (MVL schaffte das bei den letzten vier Ausgaben!) - nach den Partien gegen Peter Leko und Hou Yifan spielt Etienne zum Schluss noch gegen die topgesetzten David Navara und Harikrishna. 

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