Berichte 02.08.2018 | 09:08von Carlos Colodro

Biel, R10: Siege für Carlsen und MVL

Das Accentus Biel GM Turnier endete am Mittwoch im örtlichen Kongresszentrum. Shakhriyar Mamedyarov schloss sein hervorragendes Turnier mit einem Remis gegen Peter Svidler ab. In den beiden anderen Partien gewannen die Elofavoriten: Magnus Carlsen und Maxime Vachier-Lagrave besiegten Nico Georgiadis und David Navara. Mit diesen Ergebnissen wurde der Weltmeister alleiniger Zweiter hinter Mamedyarov.

Die Partie des Tages zwischen Vachier-Lagrave und Navara | Foto: Lennart Ootes, Turnierseite


Du kannst alle Partien des GM-Turniers in Biel im Viewer unten nachspielen:

Doppelrundige geschlossene Turniere wurden auf hohem Niveau relativ selten - selbst die Weltelite spielt mittlerweile auch in Opens. Da sich Spieler in doppelrundigen Turnieren detailliert auf ihre Gegner vorbereiten können, besteht das Risiko von vielen Remisen. Das war in Biel allerdings wahrlich kein Problem.

In zehn Runden hatten 14 von 30 Partien Sieger und Verlierer, und viele Remisen waren umkämpft. Dafür sorgte vielleicht auch das "gemischte" Teilnehmerfeld. Am Ende waren die Spieler fast genau nach Elo sortiert - nur Mamedyarov und Carlsen "tauschten die Plätze" - aber dennoch war es ein aufregendes Turnier.

Anscheinend holen ein sorgfältig ausgewähltes Teilnehmerfeld und eine angenehme Atmosphäre das Beste aus den Spielern heraus.

Und nun zu den Partien der letzten Runde: 

Vachier-Lagrave - Navara 1-0

MVL gewann und erzielte so +1 | Foto: Simon Bohnenblust, Turnierseite

Mit diesem Sieg in der letzten Runde erholte Vachier-Lagrave sich von seinem schlechten Start und verlor letztendlich nur 0,6 Elopunkte. In der Pressekonferenz sagte er, dass in der zweiten Hälfte des Turniers sein Schach "zurück kam" - in den sechs Monaten zuvor lief es einfach nicht so wie er gerne wollte.

Andererseits ging es für Navara bergab. Er hatte das Gefühl, dass er nach dem Ruhetag schlechter spielte. Am Ende erzielte er in Biel -2 und verlor 9,6 Elopunkte. Der Tscheche kann sich dabei schnell rehabilitieren, da er ab Montag in der spanischen Mannschaftsmeisterschaft spielt.

In der Partie bekam MVL nach Navaras ungenauer Zugfolge "einen guten Italiener". Weiß übernahm die Initaitive am Königsflügel und opferte im 20. Zug einen Springer für Angriff:


Mit der weissen Dame tief im gegnerischen Lager hatte MVL nach 20...gxf5 mit seinen (im Anschluss) vorgerückten f- und g-Bauern sehr gute Angriffschancen. Durch Damentausch konnte Navara ein schnelleres Matt verhindern, aber danach erschienen beide weisse Türme auf der siebten Reihe. In dieser hoffnungslosen Stellung gab Schwarz auf:


Carlsen-Georgiadis 1-0

Georgiadis hatte eine gute Stellung aber patzte am Ende | Foto: Simon Bohnenblust, Turnierseite

Es war ein merkwürdiges Turnier für beide Spieler. Carlsen gewann mit Powerschach seine beiden ersten Partien, aber konnte danach seine Chancen nicht nutzen. Georgiadis erzielte dagegen in zehn Runden nur drei Remisen.

Carlsens Vorsprung auf der Eloliste ist nun auf 14 und 19 Punkte vor Caruana bzw. Mamedyarov geschrumpft. Er spielte dabei sehr unternehmungslustige Partien - Grund zum Nachdenken für Team Caruana vor dem WM-Match im November.

In der Partie spielte Magnus gegen Sizilianisch das seltene 2.Sa3 und verzichtete dann mit 7.Kf1 auf das Rochaderecht. Dieses Experiment brachte dem Weltmeister keinen Vorteil, im Mittelspiel stand Schwarz gut. Allerdings ver(sch)wendete Nico etwas zu viel Bedenkzeit und hatte über 40 Minuten Rückstand auf der Uhr. Nach der Zeitkontrolle stand ein ausgeglichenes Endspiel auf dem Brett:


Remis schien sich abzuzeichnen, dann patzte Georgiadis - ähnlich wie tags zuvor Carlsen gegen Mamedyarov:


Nach 46...Le5, 46...Kg6 oder dem direkten 46...bxc3 wäre die Stellung weiterhin ausgeglichen. Nico spielte 46...b3 und gab nach 47.Sf3 bereits auf, da die schwarzen Damenflügel-Bauern auf den weissen Feldern nun Fallobst waren.

Svidler-Mamedyarov 1/2

Ein lockeres Remis für den Turniersieger | Foto: Lennart Ootes, Turnierseite

Mamedyarov zeigte, dass seine vielen guten Ergebnisse 2017 kein Zufall waren. Der Azeri blieb 2018 durchgehend im "Club 2800" und bedroht nun Caruanas zweiten Platz in der Weltrangliste. Es war schlichtweg eine unglaubliche Leistung von Shak - er erzielte nicht nur beeindruckende +5, sondern hatte die Lage auch in fast allen Partien immer unter Kontrolle.

Svidler landete derweil nach zwei Siegen und einer Niederlage auf dem geteilten dritten Platz. Er spielte viele interessante Partien, versuchte sich in scharfen Najdorf-Sizilianern, und zeigte, dass er auch in seinem Alter in unübersichtlichen Stellungen gut rechnen kann. Natürlich glänzte er auch in Pressekonferenzen nach den Runden.

In dieser Partie wurden die Damen früh abgetauscht. Weiß hatte danach das Läuferpaar, dafür allerdings eine schlechte Bauernstruktur. Die Stellung blieb durchgehend ausgeglichen, bis sich die Spieler hier auf Remis einigten:


Die Abschlusstabelle:

Der Livekommentar von Danny King und Anna Rudolf zu Runde 10: 

Im Open, das überall (auch auf der Bieler Turnierseite) "traditionell" recht stiefmütterlich behandelt wird, gewann der Inder GM Vaibhav mit 7/9. Dennis Wagner war Wertungsbester von acht Spielern mit 6.5/9, Wermutstropfen nur die Niederlage gegen Vaibhav in Runde 5. In dieser Gruppe auch u.a. der Elofavorit Pavel Eljanov, überraschend der Mongole IM Bilguun (mit GM-Norm) und Alexander Donchenko. Wagner und Donchenko hatten gute Turniere und gewannen 14 bzw. 9 Elopunkte.

Auch im August diverse Schachturniere: letzte Runde im Danzhou GM Turnier am Freitag, die Entscheidung in der Britischen Meisterschaft fällt am Wochenende, das Abu Dhabi Masters beginnt am 7.8. (Topspieler Le Quang Liem, Rapport, Cheparinov, Fedoseev und Dubov, außerdem u.a. Short, Morozevich und auch diverse junge Talente, keine deutschen Teilnehmer). Ab 11.8. trifft sich die Grand Chess Tour in Saint Louis. Ab 17.8. versucht Vincent Keymer beim Sants Open in Barcelona, nach seiner zweiten GM-Norm beim Xtracon Open die dritte Norm zu erzielen. In diesem Fall würde er wohl auch Elo 2500 knacken und hätte alle Voraussetzungen für den GM-Titel erfüllt. Gemeldet u.a. auch Liviu-Dieter Nisipeanu.

Siehe auch:


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