Berichte 23.07.2018 | 09:22von Carlos Colodro

Biel, R1: Carlsen und Mamedyarov starten mit Siegen

Mit zwei sehr unterschiedlichen Siegen haben sich Shakhriyar Mamedyarov und Magnus Carlsen beim Accentus GM-Turnier in Biel nach Runde 1 an die Spitze gesetzt. Während Shak nur 28 Züge brauchte, um Nico Georgiadis vom Brett zu fegen, musste Magnus hart arbeiten, ehe David Navara fehlgriff. Die Partie zwischen Maxime Vachier-Lagrave und Peter Svidler endete remis.

Eine große Bühne mit Demobrettern für das Live-Publikum |Foto: Lennart Ootes, Turnierseite

Alle Partien aus Biel könnt ihr durch einen Klick auf die Runde bzw. das Ergebnis nachspielen:

Mamedyarov 1 - 0 Georgiadis

Die Veranstalter des Bieler Schachfestivals haben sich im Vorfeld entschieden, dem 22-jährigen Nico Georgiadis die Chance zu geben, sich mit einigen der stärksten Spielern zu messen. Die Auslosung meinte es jedoch nicht gut mit dem Schweizer Großmeister, denn er muss in den beiden ersten Runden mit Schwarz gegen Mamedyarov bzw. Svidler antreten. In seiner ersten Partie erlebte er direkt seine „Feuertaufe“, da er in der Eröffnung überrascht wurde und schnell einem vernichtenden Angriff ausgesetzt war.

Mamedyarov hatte im 8.Zug eine Neuerung ausgepackt:


Laut der Datenbank von chess24 war Viesturs Meijers (2493) bisher der Spieler mit der höchsten Elo, der diese Position ansteuerte, aber weder er noch die andern setzten hier mit 8.Tc1 fort. Shak meinte hinterher, er habe diese Stellung erwartet und sich gut auf sie vorbereitet. Das zahlte sich aus, denn Georgiadis verbrauchte schon hier 15 Minuten für 9...Lg4. Nach der Partie bekannte Shak, dass er Weiß hier schon im Vorteil sieht.

Auf jeden Fall ging es mit Schwarz rasch bergab, denn er verlor schon nach 22 Zügen einen Bauern:


Weiß spielte 22.Lxd5 Sxd5 23.dxc5 Sxc5 24.Sxd5, und nach 24...Tfd8 setzte Shak mit 25.Qg4 schon zum tödlichen Schlag an:


Es folgte 25...Lf8, mit Verteidigung des Feldes g7, doch das brutale 26.Sf6+ beendete quasi den Kampf. Nach 26...Kh8 27.Df5 g6 spielte Weiß erneut 28.Se4+, und Nico gab in dieser Stellung auf:


Schöner Sieg für Mamedyarov, der weiterhin über 2800 Elo auf dem Konto hat | Foto: Lennart Ootes, Turnierseite

Sein schneller Erstrundensieg könnte ein gutes Omen für Mamedyarov sein, der in den beiden Turnieren nach dem Kandidatenturnier solide Leistungen zeigte (50% in Shamkir und -1 beim Norway Chess). Auf die Frage, wie er sich seinen Aufstieg im Jahr 2017 erkläre, antwortete er, dass das Kandidatenturnier ihm einen Motivationsschub gegeben habe, da er ein klares Ziel brauche, um sich mit voller Energie auf Schach zu konzentrieren. Nun will er allerdings wieder etwas befreiter aufspielen und sich keine allzu großen Gedanken über seine Elo-Zahl machen.

Carlsen 1-0 Navara

Einen ganz anderen Verlauf nahm diese Partie. 

Zuletzt waren diese beiden Spieler beim Gashimov Memorial aufeinandergetroffen, wo Navara als Schwarzer zeitweilig sogar leicht besser stand. Dieses Mal landeten die beiden in einer komplizierten Mittelspielstellung, die Carlsen dazu einlud, seine Dame für Turm und Läufer zu geben:


Die Partie ging weiter mit 16.Sxb4 Txd1 17.Tfxd1. Nach einer längeren Manövrierphase erreichten die Spieler ein Endspiel, in dem Schwarz Dame plus drei Bauern für Turm, Springer und vier Bauer des Weißen hatte. In dieser Phase sah es so aus, als ob Carlsen aufpassen müsste, doch plötzlich verlor Navara den Faden und schob seine Königsflügelbauern zu überhastet nach vorn:  


Um auf Gewinn zu spielen, hätte Schwarz einen umsichtigen Plan ausarbeiten müssen, wie er am Königsflügel weiterkommen kann. An dieser Stelle konnte Weiß jedoch das offensichtliche 46.Sf6+ spielen und den h-Bauern gewinnen. Danach war klar, dass Weiß derjenige sein würde, der bis zum Ende der Partie auf Gewinn spielt.

Carlsen fand recht problemlos den richtigen Plan, um seinen e-Bauern vorzuschieben, ehe er im 59.Zug den Todesstoß setzte:


Nach 59.Tf5+ muss Schwarz seine Dame für die beiden weißen Figuren geben, wonach das Bauernendspiel für Weiß gewonnen ist. Fünf Züge später gab Navara auf.

Carlsen hat gute Erinnerungen an seine bisherigen Auftritte in Biel | Foto: Lennart Ootes, Turnierseite

In der Pressekonferenz nach der Partie räumte der Weltmeister ein, dass er nur gewinnen konnte, weil sein Gegner die Stellung falsch eingeschätzt hatte:

"Ich hatte eigentlich keine Gewinnambitionen, sondern stand einfach nur schlechter."

GM Niclas Huschenbeth hat sich die Partie angesehen und auf Englisch kommentiert

Vachier-Lagrave 0.5 - 0.5 Svidler

Vor zwei Jahren wurde in Biel kein Rundenturnier, sondern ein Zweikampf ausgetragen, an dem genau diese beiden Spieler beteiligt waren. Die französische Nummer 1 gewann damals klar mit 5,5:2,5, wobei Svidler sowohl im Schnellschach als auch in den Turnierpartien unterlegen war.

Die beiden Kontrahenten wiederholten eine Variante, die sie bereits im Vorjahr in Saint Louis auf dem Brett hatten. Vachier-Lagrave hatte damals großen Vorteil, konnte diesen aber nicht verwerten. Svidler erklärte in der Pressekonferenz wieder mal sehr anschaulich, was in seiner Partie los war:

Das letzte Mal, als ich die Variante ausprobiert habe, stand ich nach 20 Zügen auf Verlust, daher wollte ich das dieses Mal verhindern. 

Er erklärte genau, warum er erneut diese Variante gewählt hatte: 

Mit meiner heutigen Leistung bin ich deutlich zufriedener als mit der Partie in Saint Louis, wo wir diese Variante zum ersten Mal auf dem Brett hatten, aber ich weiß dennoch nicht genau, warum ich mich immer wieder auf so etwas einlasse.

Peter fand einige taktische Verteidigungszüge, die Vachier-Lagrave dazu zwangen, Vereinfachungen hinzunehmen und nach 39 Zügen ins Remis einzuwilligen. Auf die Frage, ob seine gute Bilanz gegen Svidler hilfreich war, antwortete MVL:

Er hat eine positive Bilanz gegen Magnus, daher muss er vor niemandem Angst haben.

Zwei gute Freunde mit guter Laune | Foto: Twitter Schachfestival Biel 

Hier könnt ihr euch noch einmal den englischen Live-Kommentar von Danny King und Anna Rudolf verfolgen:

Da das GM-Turnier in Biel doppelrundig ausgetragen wird, dürfen wir uns auf zehn aufregende Turniertage freuen (der einzige Ruhetag ist am Samstag), die jeweils um 14 Uhr beginnen. Natürlich könnt ihr alle Partien live auf chess24 verfolgen!

Weitere Links:


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