Berichte 22.07.2015 | 13:45von Colin McGourty

Biel 2015, 2.Runde: Das Königsgambit lebt!

David Navara heißt der einzige Sieger der 2.Runde des Schachfestivals Biel. Gegen Pavel Eljanov entkorkte er laut eigenen Angaben „einen billigen taktischen Trick“ und erwischte seinen Gegner auf dem falschen Fuß. Damit machte der Tscheche seine Niederlage aus der 1.Runde wett, doch das eigentliche Spektakel fand auf dem Brett von Richard Rapport statt. Der Ungar setzte Mickey Adams das Königsgambit vor, wonach der Brite sich nicht lumpen ließ und wie sein Gegner in einem abenteuerlichen Ritt alles riskierte. Jan Gustafsson wirft einen genaueren Blick auf eines der atemberaubendsten Remisen aller Zeiten!

Richard Rapport bewies gestern erneut, dass die Romantiker beim Schach noch nicht ausgestorben sind.

Schauen wir uns zunächst die anderen Partien an.

Vachier-Lagrave ½ - ½ Wojtaszek

Von Anfang bis Ende eine korrekte Partie | Foto: Schachfestival Biel

Aufmerksamen Beobachtern von Supergroßmeisterturnieren dürfte nicht entgangen sein, wie oft Maxime Vachier-Lagrave in den letzten Monaten auf der Pressekonferenz erschien und sich darüber beklagte, dass er seine Vorbereitung vergessen habe. Um dieses Thema ging es auch, als MVL Danny Kings Frage beantwortete, ob sein Remis gegen Radek Wojtaszek „reine Theorie“ gewesen sei:

Für die meisten Spieler schon, aber mir gelang es wie durch ein Wunder, mich an eine Partie zu erinnern, die ich mir vor langer Zeit angeschaut hatte. Sie machte einen interessanten Eindruck, aber vermutlich ist die Variante eher für Blitzpartien geeignet.   

Während MVL sich in einem Katalanen früh Zeit nahm, haute Wojtaszek seine ersten 16 Züge blitzartig aufs Brett, ehe er nach einer kurzen Pause des Nachdenkens mit 17…g6! (Schwarz hatte zuvor den Springer auf g5 geschlagen) eine Neuerung brachte:


Die Pointe von Wojtaszeks Zug ist das anschließende 18…Sc6, gefolgt vom Schlagen des b-Bauern. Schwarz hatte wenig später einen Bauern mehr, doch das änderte nichts an der Einschätzung der polnischen Nummer 1: „Die Eröffnung ist einfach remis.“

Nach der Partie standen die beiden Spieler Danny King Rede und Antwort:

Eljanov 0-1 Navara

David Navara machte die Partie Spaß, Pavel Eljanov... eher nicht!

Auf dem Partie schien Pavel Eljanov nicht gerade der ideale Gegner für David Navara nach dessen Erstrundenniederlage in Biel zu sein. Navara meinte:

Ich habe gegen ihn dreimal Weiß gehabt und nur ein Remis geholt!

Dieses Mal lief es aber wie geschmiert für die tschechische Nummer 1. Nach kuriosem Eröffnungsverlauf hatte er eine außergewöhnliche Bauernstruktur, die ihm aber einen gefährlichen Angriff am Königsflügel ermöglichte:


Da Eljanov sich nicht wehrlos abschlachten wollte, opferte er hier mit 27.d5!? einen Bauern, um ein wenig Gegenspiel zu erlangen. Wenig später wurden die Damen getauscht, und es sah nach einem langwierigen Endspiel aus. Dann aber stellte Navara mit 42…Th7!? eine Falle auf, in die Eljanov mit 43.Txc5+? Lxc5 44.Txc5+ prompt tappte:


Nach 44…Kf6 45. Sxf4 wäre die Partie weitergegangen, aber 44…Te5!! führte beim Weißen zu einem bösen Erwachen. Die Partie endete mit den Zügen 45.Txe5 Kf6!, wonach der Turm auf e5 wegen der Mattdrohung auf h1 verloren ist und Schwarz leicht gewinnt. Eljanov gab auf.

Rapport ½ - ½ Adams

Richard Rapport spielt 2.f4!

Und damit kommen wir auch schon zur Sensation des Tages. Zwar war es keine riesige Überraschung, dass Richard Rapport das Königsgambit (1.e4 e5 2. f4) auspackte, aber diese heutzutage selten gewordene Eröffnung weckt lebhafte Erinnerungen an die Klassiker des 19. Jahrhunderts und so legendäre Partie wie Spassky-Bronstein, aus dem Jahr 1960. Sie schaffte es sogar in den berühmten James-Bond-Film “Liebesgrüße aus Moskau”, in dem der Führer der schwarzen Steine einen halbwegs vertrauten Namen hat!


Auf Twitter überschlugen sich die Kommentare 

"Interessante Eröffnungswahl von Rapport. Hat er genug Kompensation für den Bauern?

"Wow. Hat Richard 2...exf4 übersehen? Unglaublich..."

Oft führen die schönen alten Gambits heutzutage aber zu ausanalysierten trockenen Stellungen, die meist in langweiligen Remisen enden. Dieses Mal jedoch kam alles anders! GM Jan Gustafsson führt uns durch eine wilde und aufregende Partie:


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Während Adams nach diesem atemberaubenden Remis weiterhin in Führung liegt, konnte David Navara die rote Laterne an Eljanov weiterreichen:

Michael Adams behielt die Ruhe - und die Führung in der Tabelle! | Foto: Schachfestival Biel

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