Berichte 14.09.2015 | 13:24von Colin McGourty

Baku Weltcup, 1.3: Gelfand & Kasimdzhanov sind raus

Anton Kovalyov hatte sich für heute einen Flug in die Heimat gebucht. Diesen wird der kanadische Großmeister nach seinem Sieg im Stichkampf gegen den Weltmeister des Jahres 2004, Rustam Kasimdzhanov, und seinem damit verbundenen Weiterkommen jedoch nicht wahrnehmen können. Das war die zweite Überraschung des Tages, denn zuvor schaltete der aus Chile kommende IM Cristobal Henriquez bereits den Supergroßmeister und Gewinner des Weltpokals 2009, Boris Gelfand, im Stichkampf aus. An den anderen Brettern konnten die Favoriten ihrer Rolle größtenteils gerecht werden, obwohl Grischuk und Jakovenko auf eine harte Probe gestellt wurden. Der Wettkampf zwischen dem Armenier Gabriel Sargissian und dem Polen Mateusz Bartel dauerte bis zum alles entscheidenden Armageddon, bei dem sich Sargissian schließlich mit einem Remis mit den schwarzen Steinen durchsetzen konnte.

Anton Kovalyov kann anfangen zu träumen - wenn er nun Sandro Mareco schlägt, erwartet ihn höchstwahrscheinlich ein Match gegen Fabiano Caruana| Foto: official website

Wenn uns die bisherigen Knockouts eines gelehrt haben, dann dass der Vorteil der Topspieler bei weniger Partien oder einem kürzeren Zeitmodus längst nicht in einem solche Maße schrumpft, wie man es erwarten könnte. Es zeigt sich - und es sollte uns vielleicht auch nicht überraschen - , dass die Favoriten tatsächlich in allen Bereichen des Spiels besser unterwegs sind und wissen, wie sie sich durchsetzen...obwohl es natürlich immer auch Ausnahmen gibt!

Werfen wir einmal einen Blick auf die vier Stationen der Stichkämpfe in der ersten Runde:

Schnellschachpartien mit 25 Minuten

16 der 24 Wettkämpfe, die im Stichkampf entschieden werden mussten, fanden bereits nach den ersten beiden Schnellschachpartien mit 25 Minuten + 10 Sekunden pro Zug einen Sieger.

David Navara hatte es mit starkem Nachwuchs zu tun! | Foto: official website

2:0 Gewinner

Zehn Spieler, unter anderem Starspieler wie Navara, Tomashevsky, Fressinet, Nepomniachtchi, Inarkiev, Vitiugov und Radjabov konnten sich sehr deutlich durchsetzen. Letzterer knockte den 14-jährigen Sam Sevian in einem großartigen Kampf aus. Das junge Talent der USA wird aber sicherlich nicht das letzte Mal am FIDE-Weltpokal teilgenommen haben.

Sam Sevian beeindruckte mit seiner Feuertaufe beim Weltcup, konnte die Nummer 1 aus Aserbaidschan aber nicht in die Knie zwingen | Foto: official website

Generell erwies sich der Sonntag als ein sehr guter Tag für Aserbaidschan. Gadir Guseinov bewies, dass es sich bei seinem Sieg gegen Maxim Matlakov im ersten Spiel nicht um eine Eintagsfliege gehandelt hat und konnte beide Partien im Stichkampf für sich entscheiden.

Gadir Guseinov hat eine ELO von 2634 und ist damit die Nummer sechs in seinem Land| Foto: official website

Das schönste Duell fand jedoch zwischen Bruzon und Vidit statt. Das junge indische Talent Santosh Gujrathi Vidit inspirierte uns kürzlich durch sein Übersehen eines einzügigen Matts beim Lake Sevian Turnier, einen Artikel über die fünf unglaublichsten verpassten Matts zu veröffentlichen. Wir wollen nicht noch mehr Salz in seiner Wunde streuen...aber es war schon eine Leistung, dies gegen Kubas Lazaro Bruzon zu wiederholen...und sogar gleich zweimal! (zumindest aber eineinhalb Mal)


Vidit hatte die bessere Stellung aber wenig Zeit und packte hier 38...Sf4?? aus, woraufhin er postwendend eine kalte Dusche erhielt: 39.Sg4 Matt

Fairerweise muss gesagt werden, dass er im Rückspiel in einer Situation war, in der er unbedingt gewinnen musste und bei der jeder Schachspieler leicht fehlgreifen kann. Nach 54 Zügen hatte er Gewinnchancen, nach 55 Zügen war die Partie ausgeglichen, nach 56 Zügen verloren und nach 57 Zügen...


Das Leben ist hart!

1.5:0.5 Gewinner

Russlands Vladimir Fedoseev und die Schiedsrichterin saßen Indiens Adhiban aus verschiedenen Blickwinkeln gegenüber | Foto: official website

Lu Shanglei (Moiseenko) und Wang Hao (Perunovic) konnten sich für ihre Niederlagen am Tag zuvor revanchieren und vertreten China weiterhin beim Event. Außerdem gab es Siege für Onischuk (Volokitin) und Fedoseev (Adhiban).

Hou Yifans Eigenschaft, niemals aufzugeben, könnte sie in Baku weit bringen | Foto: official website 

Hou Yifan gewann auch mit 1.5:0.5, obwohl es sich dabei erneut um einen Drahtseilakt handelte. Mit einer beeindruckenden Coolness drehte sie die erste Partie noch zu ihren Gunsten herum und überlebte in der zweiten Partie im Haaresbreite einen allem Anschein nach durchschlagenden Angriff ihres Gegners: 

"Brillante Verteidigungsarbeit von Hou Yifan!"

Die erste Sensation des Tages bestand in einer Niederlage von einem der erfahrensten und erfolgreichsten Spielern bei solchen Events - Boris Gelfand. 

Boris Gelfand ist noch immer unter den 20 besten Spielern der Welt und ihn in einem solchen Event zu schlagen, ist definitiv nicht leicht | Foto: official website

Sicherlich wäre es anders gelaufen, wenn der 47-Jährige seinen großen Stellungsvorteil in der ersten Partie in Baku nicht in Zeitnot weggeworfen hätte. In den beiden folgenden Partien konnte keiner der beiden Spieler seinen Mehrbauern verwerten und so kam es zur vierten Partie. Boris befand sich mit Weiß bereits in einer schlechteren Stellung, als er mit 24.f3?! einen Bauern opferte, um seinen Läufer auf dem Käfig zu befreien:


Die gewonnene Aktivität konnte aber den Bauern und den geschwächten weißen König nicht kompensieren und später stellte Gelfand sogar noch eine Figur ein. Das soll die Leistung von Cristobal Henriquez Villagra aber nicht schmälern. Der IM aus Chile spielte die Partie mit größter Präzision bis zum Ende, verdiente sich ein großes Lob und einen Wettkampf gegen Julio Granda in der zweiten Runde. 

Der junge Iljiushenok war genauso schwer zu schlagen, wie sich sein Vorname aussprechen lässt... | Foto: official website

An den verbleibenden Brettern gab es sechs Unentschieden und einen schockierenden Schlagabtausch mit wechselseitigen Siegen. Der Schock bestand nicht darin, dass Dmitry Jakovenko seine erste Partie gegen seinen jungen Landsmann Ilia Iljiushenok gewinnen konnte, sondern darin, wie Jakovenko in der zweiten Partie unter die Räder geriet. Er nahm sich sechs Minuten und 36 Sekunden, bevor er 14…Tf8??! spielte.


Abgesehen von einigem Feuerwerk auf dem Brett stand er nach 15.Sxh7 auf Verlust. Nach 14...0-0 hätte der Computer hingegen den Schwarzen bevorzugt. Ein Twitter-Benutzer hatte eine Theorie:

"Ich vermute, dass Jakovenko im 14. Zug rochieren wollte, aber zuerst seinen Turm angefasst hat?! Anders kann ich mir 14...Tf8 nach einer sechsminütigen Denkpause nicht erklären."

10 Minuten Schnellschach

Damit blieben 14 Spieler und 7 Wettkämpfe für eine beschleunigte zweite Stichkampfrunde. Der Modus mit 10 Minuten + 10 Sekunden pro Zug brachte allerdings nur zwei weitere Gewinner hervor. 

Igor Lysyj marschierte mit einer Armee von vier verbundenen Freibauern auf seinen Gegner Constantin Lupulescu zu und überrannte seinen Gegner. Die anschließende zweite Partie konnte Lysyj auch für sich entscheiden, da sein Gegner die Stellung überzog, Eltaj Safarli ging in der Zwischenzeit mit wehenden Fahnen gegen Csaba Balog unter:


22…Txb3+?!! Sergey Shipov, der auf Russisch kommentierte, war überzeugt, dass dieser wundervolle Angriff für Schwarz gewinnt und das einzige Problem war, dass Eltaj zu wenig Zeit zum Nachdenken hatte. Unsere Freunde aus dem Silicon Valley teilen die Einschätzung von Shipov nicht ganz, aber es lohnt sich trotzdem, die Partie durchzuspielen und herauszufinden, warum. Safarli verzettelte sich bei einem vielversprechenden Angriff in der nächsten Partie ebenfalls und hätte die Partie auch verlieren können. Balogh ging aber kein Risiko ein und wählte eine Zugwiederholung, die ihm ein Remis durch Zugwiederholung und damit das Weiterkommen einbrachte.

Nicht jeder aserbaidschanische Spieler schaffte es in die nächste Runde. Safarli unterhielt aber immerhin das Publikum zu Genüge. | Foto: official website

Bartel und Sargissian schlugen sich abwechselnd und während die anderen Partien alle im Remis endeten, konnten Yusup Atabayev gegen Grischuk und Iljiushenok gegen Jakovenko sehr gut mithalten. (Schaut euch dieses verrückte Endspiel an, in dem beide Seiten den Kürzeren hätten ziehen können)

Wenn Grischuk auf Twitter vertreten wäre, hätte er womöglich Giris #smooth hashtag wiederholt- für Atabayev ist es nicht alltäglich, in sechs Spielen in Folge gegen einen der besten Spieler der Welt ein Remis zu holen| Foto: official website 

5 Minuten Blitz

Die in der Luft liegende Bedrohung des Armageddons führte dazu, dass alle Spieler hochkonzentriert an ihre Blitzpartien herangingen. In diesem Modus endeten auch - abgesehen von einem Wettkampf- alle Matches der ersten Runde. Grischuk und Jakovenko konnten hier ihr Können unter Beweis stellen, überfuhren ihre Gegner mit Weiß und widerlegten jeweils mit Schwarz die wilden Angriffe ihrer Gegner. Grischuk gewann in 19 Zügen, Jakovenko in 23. Grachev und Motylev – gleiches Land, gleiches Rating - schienen nicht voneinander zu trennen zu sein...


...aber Motylev saß zunächst im Hinspiel mit Schwarz am längeren Hebel und konnte dann einen ansehnlichen technischen Sieg mit Weiß in der achten Partie einfahren.

Kovalyov ist nur Monate jünger als es Kasimdzhanov war, als er Weltmeister wurde. | Foto: official website

Es war allerdings immer noch genug Zeit für eine späte Sensation. Diese brachte uns der 23-jährige Anton Kovalyov, der gegen den ehemaligen Weltmeister Rustam Kasimdzhanov spielte und beim Schnellschach und in der ersten Blitzpartie in einigen Schwierigkeiten steckte. Kasimdzhanov schaffte es aber nicht, seinen Vorteil zu verwerten und aus Kavalyovs hoffnungslos vom Spiel ausgeschlossenen Läufer Kapital zu schlagen:


In der letzten Partie verhedderten sich jedoch Kasimdzhanovs Figuren und 24.Db5! stellte ihn vor zu viele Probleme:


Wird es jemals enden?| Foto: official website

Zumindest war er nicht alleine:

"Kasimdzhanov als Sieger aus 2004, Kamsky als Sieger aus 2007 und Gelfand als Sieger aus 2009 werden alle in der ersten Runde ausgeknockt."

Armageddon

Damit blieb nur noch ein alles entscheidendes Duell übrig. Die Spieler sind geteilter Meinung, ob es besser ist, Schwarz und weniger Zeit zu haben, dafür aber nur ein Remis zu benötigen. Für Armeniens Gabriel Sargissian lief es aber perfekt. Er suchte Zuflucht in einem leicht schlechteren Endspiel und hatte ausreichend technische Fertigkeiten, um das Remis zu sichern - tatsächlich war sogar er näher am Sieg dran als sein Gegner. Der Pole Mateusz Bartel ist nun einer von 64 Spielern, die den FIDE-Weltpokal 2015 verlassen mussten.

Es kam bis zum... | photo: official website

Manche Spieler nutzten den "Stichkampftag", um ihren Akku wieder aufzuladen:


"Ruhetag in Baku. Kaffeepause im Hotel"

Das Glück hatten die Gewinner der Stichkämpfe nicht, denn die zweite Runde beginnt bereits heute und hält hochspannende Paarungen für uns bereit, unter anderem:

  • Nisipeanu – Svidler
  • Artemiev – Wojtaszek
  • Mamedyarov – Hou Yifan
  • Sethuram – Harikrishna (looking on the bright side for India, they will have one player in Round 3)
  • Bruzon – Kramnik
  • Fressinet – Nepomniachtchi
  • Shankland - Nakamura

Schaut euch die erste Partie der zweiten Runde am Montag um 12:00 Uhr an.

Alle Partien könnt ihr auch mit unseren kostenlosen Apps verfolgen:

         

Zum Weiterlesen:


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