Berichte 04.09.2016 | 15:02von Colin McGourty

Baku 2016, R2: Carlsens 1. e3, philippinische Riesentöter

Die norwegischen Mannschaftskollegen von Magnus Carlsen haben entdeckt, dass er ein Gesicht "zum Zuschlagen" hat, als er seinen Plan bekannt gab, in seiner ersten Partie bei der Olympiade 2016 mit 1. e3!? eröffnen zu wollen! Die "Mausausrutscher"-Eröffnung funktionierte, und Jan Gustafsson ist zurück, um einen weiteren Carlsen-Angriff zu analysieren, der schon vor jeglichem materiellen Opfer überwältigend war. Andernorts sorgte das philippinische Frauenteam für den Aufreger des Tages, als sie die amtierenden Weltmeisterinnen Georgien vernichteten.  

Alle Blicke sind auf Magnus Carlsens erste Partie bei der Olympiade 2016 gerichtet - wird er seine bisherigen enttäuschenden Resultate verbessern können?

In der zweiten Runde kommen bei der Olympiade traditionsgemäß die großen Kaliber erstmals zum Einsatz, und dieses Mal war keine Ausnahme, da die besten vier Spieler der Welt ihr Debut feierten: Carlsen, MVL, Caruana und Kramnik. Magnus und seine Norweger saßen zwar nur am 39. Brett, aber er sorgte bald dafür, dass die Aufmerksamkeit der Schachwelt auf seine Partie gegen den Bangladescher Enamul Hossain gerichtet war.  Jon Ludvig Hammer erklärte die Reaktion von Magnus' Teamkollegen:

Als er uns von seiner Absicht informierte, bemerkten wir plötzlich, wie sehr zum Zuschlagen Maggies Gesicht ist - sehr zum Amüsement unserer Fäuste.

Was macht ein Gesicht zum Zuschlagen aus? Von diesem Grinsen einmal abgesehen, gibt es eine Reddit-Kategorie, die dem gewidmet ist!

Die Partie war jedoch bald auf ausgetretene Pfade zurückgekehrt, und Jan Gustafsson zeigt uns, wie der Weltmeister eine für ihn typische Partie gewann und seiner Mannschaft so zu einem knappen 2,5:1,5-Sieg verhalf:

Quelle: 2700chess.com

Bei den anderen drei Top 4-Leuten gab es stilvolle Siege für Fabiano Caruana und Vladimir Kramnik; letzterer zeigte, dass die Berliner Verteidigung als Angriffswaffe nicht unterschätzt werden darf. MVL war der einzige, der ins Schwanken geriet und gegen den 49-jährigen Aleksandr Baburin - einem aus Russland stammenden Großmeister, der seit über zwei Jahrzehnten in Irland lebt - nicht über ein Remis hinauskam. Das bedeutete, dass der Kampf um Platz 2 in der Weltrangliste hinter Magnus irrwitzig eng wird.

Das russische Team wurde in der zweiten Runde nicht allzu sehr gefordert | Foto: Eteri Kublashvili, Schacholympiade Baku

Im offenen Turnier gab es keine wirklich überraschenden Mannschaftsergebnisse - wir hatten Georgien - Iran bereits als engen Kampf vorhergesagt, wo der Teenager Parham Maghsoodloo sein wundervolles Jahr mit einem Sieg über Mikheil Mchedlishvili fortsetzte. Was wir jedoch zu sehen bekamen, war einige überraschende Einzelergebnisse. 

Die Spitzenbretter der USA sind ein furchterregender Anblick, Sam Shankland verdarb aber beinahe seine jüngsten Resultate bei der Olympiade | Foto: Paul Truong, Schacholympiade Baku 

Colin McNab stand kurz davor, Sam Shankland zu besiegen, Dritan Meheti eroberte in einer spannenden Partie beinahe den Skalp von Yuriy Kryvoruchko, Wei Yi spielte Remis gegen Nicola (oder Al, wie er von den Kommentatoren in mindestens drei Sprachen genannt wurde) Capone, und der ebenfalls passende Name Muhammad Ali überstand ein 166-zügiges (!) Remis gegen Mickey Adams. Wäre Mickey auf der Suche nach dem Gewinnweg ein Fehler unterlaufen, hätte England gegen Indonesien verloren, da Irwanto Sadikin Thi (2327 Elo) Luke McShane (2671) in gerade einmal 79 Zügen bezwang.

Wir können das offene Turnier aber nicht verlassen, ohne den - laut einigen Witzbolden - Schocker der Olympiade bisher zu erwähnen... ein zweiter Sieg für Anish Giri, dieses Mal gegen Yehuda Gruenfeld:

Ein zweiter Sieg für @anishgiri, der den  Gruenfeld bezwang...

Der Gruenfeld spielte niemals die Grünfeld-Verteidigung.

Und auch noch diese Taktik:


Gerade als der Costa Ricaner Sergio Minero Pineda alles gedeckt zu haben schien, ließ der Inder Adhiban 47. Lf6!! vom Stapel und ließ den Läufer auf einem zweimal angegriffenen Feld stehen. Sergio hatte nichts Besseres, als das Opfer mit 47. ... Txf6 anzunehmen, worauf die Pointe 48. Ta6+ folgt. Schwarz gab auf, da der Bauer von der Umwandlung (kurzfristig) nur durch Aufgabe des Turms abgehalten werden kann.

Damit war Indien unter den sieben Mannschaften, die im offenen Turnier perfekte 8 aus 8 Punkten hatten, aber nicht weniger als 38 Teams haben in Baku bisher beide Begegnungen gewonnen. Während des ganzen Tagesgeschehens berichteten die GMs Illescas und Miroshnichenko live:

An diesem Tag sah man die Riesentöter im Frauenturnier, in dem - wie Jan in seinem Video erwähnte - die an 46. Stelle gesetzten Philippinen einen 2,5:1,5-Sieg über eines der großen vier Teams errang: Georgien:


Das Schockierende war jedoch, dass der Sieg noch überzeugender ausfallen hätte können. Am Spitzenbrett akzeptierte Janelle Mae Frayna in besserer Stellung ein Remis gegen die Top 10-Spielerin Nana Dzagnidze. Am zweiten Brett geriet Bela Khotenashvili in etwas, das als besseres Endspiel für sie begonnen hatte, völlig auf den Irrweg. 31. ... Ke6? wurde von Jan Jodilyn Fronda rücksichtslos ausgenutzt:


32. b4!! und Schwarz konnte die a- und f- Bauern nicht aufhalten.

Das Ganze gelangte mit Catherine Secopito zum Abschluss, die das Schicksal mit dem Ziehen der Bauern vor dem König herauszufordern schien, aber im Endspiel führte sie ihre Bauern fehlerfrei zum Sieg, während sie von ihren Teamkolleginnen von der Seitenlinie angefeuert wurde.


Andernorts gab es kleinere Überraschungen, wie etwa Dänemark und Estland, die gegen Bulgarien bzw. Spanien ein Remis erreichten, aber nichts war so aufregend wie Harika Dronavallis Niederlage in einem kniffligen, aber trotzdem gewonnenen Endspiel gegen die Brasilianerin Juliana Sayumi Terao. Es scheint, als ob Harika auf ihre Uhr vergessen hat, aber es entstand durch den indischen 3:1-Sieg kein allzu großer Schaden.

Im Frauenturnier haben nur fünf Teams - China, Russland, Litauen, Italien und Frankreich - makellose 8 aus 8, aber 20 Teams haben beide Begegnungen gewonnen.

Die US-Meisterin Nazi Paikidze erzielte beim knappen Sieg über Norwegen den einzigen Partiegewinn, was mit einem Match gegen die Titelanwärterinnen Ukraine belohnt wurde | Foto: David Llada, Schacholympiade Baku

Richtig zur Sache geht es in Baku am Sonntag, wo die dritte Runde eine ganze Reihe großer Partien liefert. Einige kurze Beispiele:

  • Bologan – Karjakin
  • Dominguez – Wojtaszek
  • Mamedyarov – Rapport
  • Giri – Le Quang Liem
  • Nisipeanu – Eljanov
  • Lupulescu – Carlsen
  • Navara – Kasimdzhanov
  • Shirov – Grandelius
  • Adams – Bareev

Im letztgenannten Länderspiel spielt der ehemalige russische Spieler und Mannschaftsführer Bareev für Kanada, wo er jetzt lebt, während Nigel Short am letzten Brett gegen Eric Hansen spielt:

Ich besuche das erste Mal Kanada und sehe, dass wir zugelost worden sind.

Schöne Flagge, aber falscher Hashtag :)

Im Frauenturnier spielt Hou Yifan ihre erste Partie, während bei Abdumalik - Stefanova am 16. Brett eine ehemalige und eine potentiell zukünftige Weltmeisterin gegeneinander spielen.

Petition an die FIDE wegen Toilettenbesuchen   

Während bei der Olympiade beinahe alles die Teilnehmer beeindruckt, gab es Probleme bei der Sicherheit (Ian Rogers schreibt auf Twitter mehr dazu), und es scheint Einigkeit zu herrschen, dass die Anti-Betrugsregeln in manchen Bereichen zu weit gegangen sind. Judit Polgar hat eine Petition gegen die Verpflichtung der Spieler gestartet, die Schiedsrichter über ihre Toilettenbesuche zu informieren, welche viele Mannschaftsführer und Spieler bereits unterschrieben haben:

Es wird sich noch zeigen, ob die Regeln während des Turniers geändert werden können. Silvio Danailov unternahm womöglich einiges, um Argumente für seine Gegner zu liefern:

Als die #FIDE endlich das Richtige tat und die "Kramnik-Anti-Betrugsregel" einführte, begannen alle Amateure, nach "Privatsphäre" zu schreien.

Angelina Kontini hat einige Argument hier in Betracht gezogen.

And so that’s all on Day 2… ideally this report would end like this!

Das ist kein schlechter Ort, um die tägliche Zusammenfassung der #bakuchessol2016 zu beenden.

Hier geht es zur dritten Runde am Sonntag! Open | Frauen 

Ihr könnt alle Partien auch über unsere kostenlosen Apps mit verfolgen:

         
Weitere Links:


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