Allgemein 30.08.2017 | 15:25von Colin McGourty

Averbakh, Spassky, Karjakin & der 4-jährige Misha

Der älteste Schachgroßmeister der Welt, Yuri Averbakh, spielte gestern im Alter von 95 Jahren gegen den gerade einmal 4 Jahre jungen Misha Osipov. Sergey Karjakin gab bei dem Aufeinandertreffen der Generationen ein Simultanturnier. Ebenso anwesend war der 80-jährige ehemalige Weltmeister Boris Spassky. Die Ereignisse in den Räumlichkeiten der 'Ostankino TV Studios' in Moskau wurden überall in den russischen Medien verbreitet.

Elmira Mirzoeva moderiert die Begegnung Misha Osipov-Yuri Averbakh an. Sergey Karjakin spielt im Hintergrund.| Foto: Eteri Kublashvili, Russian Chess Federation

Yuri Averbakh wurde 1922 geboren und sah als Kind Emanuel Lasker beim spielen zu. Das Highlight seiner langen und erfolgreichen Karriere als Spieler, Schiedsrichter, Journalist und nun auch Historiker, war wohl sein Turniersieg in der formidablen USSR Meisterschaft im Jahr 1954, was 63 Jahre her ist. Es muss nicht erwähnt werden, dass der 4-jährige Misha zu der Zeit nicht zugegen war.

Yuri Averbakh ist mit 95 der älteste Großmeister der Welt. Er kann kaum noch die Figuren sehen, doch möchte er noch aktiv am Schach als Spieler und Historiker teilnehmen. | Foto: Eteri Kublashvili, Russian Chess Federation

Misha bekam in Russland bei einer Talent-Show die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit, als er mit 3 Jahren gegen Anatoly Karpov antrat. Der 12. Weltmeister des Schachspiels bot dem Jungen ein Remis an und riet ihm, "die Situation objektiv zu beurteilen". Der Junge wollte davon nichts wissen. Dann verlor Misha die Partie auf Zeit, was Karpov ihm rührend erklärte. Er vergoss noch ein paar Tränen, wurde aber mit dieser einen Schachpartie berühmt.

Jetzt, ein Jahr später, ist Osipov mit seinen vier abgeschlossenen Lebensjahren der vielleicht zweitberühmteste russische Schachspieler hinter Sergey Karjakin und hat bereits einen eigenen Sponsorenvertrag.

Misha hat bereits von einem Bauunternehmen einen Sponsorenvertrag bekommen| Foto: Russian Chess Federation

Er kann auch mit stolz von sich behaupten, einen Großmeister geschlagen zu haben. Gegen Yuri Averbakh hatte er korrekterweise in der Schnellschachparti ein Remisangebot abgelehnt. Die Partie wurde mit 10 Minuten Bedenkzeit und 5 Sekunden Zeitbonus für jeden ausgeführten Zug gespielt. Der Großmeister hatte zunächst einen Vorteil, übersah dann aber eine Taktik, die ihm einen Turm kostete.

Misha bei der Siegerehrung| Foto: Moscow Chess Federation

Boris Spassky gibt Sergey Karjakin ein paar Tipps vor dem Weltpokal? | Foto: Moscow Chess Federation

Ein weiteres Ereignis waren die Simultanpartien von Sergey Karjakin. Die Veranstaltung wurde von der Wohltätigkeitsorganisation “Change One Life” gesponsort, die sich für Waisenkinder einsetzt. Die acht Gegner von Sergey waren Kinder aus Pflegefamilien. Der amtiere Weltmeister im Blitzschach gewann an allen Brettern.

Die Simultanpartien beginnen| Foto: Eteri Kublashvili, Russian Chess Federation

Eine weitere Darbietung gabe es noch. Karjakin und Osipov haben im Team gegen Averbakh und Alexander Zhukov, der ein namhaften Politiker und Präsident des russischen olymphischen Komitees ist, gespielt.

Alexander Zhukov, Sergey Karjakin (man beachte die Frisur...) und FIDE Präsident Kirsan Ilyumzhinov | Foto: Eteri Kublashvili, Russian Chess Federation

Am denkwürdigsten war vielleicht das Aufeinandertreffen von Averbakh und Spassky, die über 60 Jahre gemeinsames Schach Revue passieren ließen.

Yuri Averbakh und Boris Spassky gestern in Moskau| Foto: Moscow Chess Federation

Yuri Averbakh und Boris Spassky in jüngeren Jahren | Foto: sportkadr.ru

Mark Taimanov, Yuri Averbakh und Boris Spassky teilten sich den ersten Platz bei der UdSSR-Meisterschaft 1956 - Taimanov gewann den Stichkampf | Foto: chesslibrary.ru

Als nächstes geht es für Sergey Karjakin natürlich am Sonntag zum Turnier um den Weltpokal nach Tiflis. Sergey kann versuchen, seinen Titel zu verteidigen. In der ersten Runde tritt er gegen den jüngsten Teilnehmer im Feld, den 16-jährigen Australier IM Anton Smirnov, an. Für das Kandidatenturnier 2018 hat sich Sergey allerdings schon qualifiziert, deshalb kann er frei aufspielen.

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