Allgemein 03.06.2019 | 12:53von Colin McGourty

Auftakt zur Schach-Revolution beim Norway Chess

Peter Svidler und Jan Gustafsson werden für chess24 live kommentieren, wenn Magnus Carlsen, Fabiano Caruana und acht weitere Weltklassespieler ab heute beim Altibox Norway Chess antreten. Nach dem heutigen Blitzturnier wird es ab morgen richtig ernst, wobei in Stavanger erstmals mit einem System experimentiert wird, das für jedes Duell einen Sieger vorsieht. Endet die Turnierpartie remis, wird direkt im Anschluss eine Armageddon-Partie mit zehn gegen sieben Minuten ausgetragen, bei der ein weiterer Punkt ausgespielt wird.


Die mittlerweile siebte Austragung von Norway Chess zählt auch in diesem Jahr zu den Höhepunkten des Schachjahrs, und einige bewährte Elemente wurden auch nicht geändert. So sind auch dieses Jahr zehn Weltklassespieler am Start:


Und auch dieses Jahr geht es um 18:30 Uhr mit  einem neunrundigen Blitzturnier los (3 Minuten plus 2 Sekunden Bonus), bei dem die Startnummern ausgespielt werden.

Als englischsprachige Kommentatoren könnt ihr euch auf chess24 wieder auf das Dreamteam Peter Svidler und Jan Gustafsson freuen. Wie in den Vorjahren gibt es in Absprache mit dem Veranstalter auch Videos von den Spielern zu sehen, doch dafür müsst ihr Premium-Mitglieder sein. Seid Ihr noch kein Premium, gibt es folgende Spezialangebote für euch:

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Wir freuen uns, wenn Ihr uns auf diese Weise unterstützt, ihr könnt aber natürlich auch die kostenlose Live-Übertragung mit Judit Polgar und Anna Rudolf auf der Turnierseite verfolgen.

Kommen wir nun zu den großen Veränderungen! Zunächst wird die bei solchen Turnieren seltene Bedenkzeit von zwei Stunden für die ganze Partie angewendet. Nach dem 40. Zug gibt es keine frische Bedenkzeit, aber dafür erhält man einen Zeitbonus. Hier werden statt der üblichen 30 Sekunden nur 10 Sekunden gut geschrieben.

Gewinnt ein Spieler eine Turnierpartie, erhält er 2 Punkte, richtig interessant wird es aber bei einem Remis. Wird der Punkt geteilt, müssen die Spieler eine Armageddon-Partie austragen, bei dem es um den zweiten Punkt geht. Weiß hat dabei zehn Minuten, und Schwarz sieben, aber bei einem Remis erhält Schwarz den Punkt. Ab dem 61.Zug gibt es einen Bonus von drei Sekunden pro Zug.

Bei jedem Duell gibt es also entweder 2 Punkte (Sieg in der Turnierpartie), 1,5 Punkte (Remis in der Turnierpartie und Sieg beim Armageddon), 0,5 Punkte (Remis in der Turnierpartie und Niederlage beim Armageddon) oder 0 Punkte (Niederlage in der Turnierpartie).

Schauen wir uns noch einige zentrale Fragen an:

1. Welche Strategie wählen die Spieler?

Selten weiß man vor einem Supergroßmeisterturnier so wenig, was einen erwartet. Werden die Spieler mehr auf einen Sieg im Turnierschach aus sein, um den Bonuspunkt einzustreichen und das Armageddon zu vermeiden? Oder streben sie ein schnelles Remis in der Turnierpartie an, um Kräfte fürs Armageddon zu sparen und dort die Entscheidung zu suchen? Die Regeln besagen, dass der Spieler, der in der Turnierpartie Weiß hat, auch beim Armageddon den Anzugsvorteil hat, was ebenfalls Auswirkungen auf die Strategie haben kann, etwa zweimal mit Schwarz auf Remis zu spielen, um 1,5 Punkte zu bekommen. Wie ihr seht, gibt es viele offene Fragen! 

Wesley So gab am Samstag ein Simultan | Foto: Lennart Ootes, Altibox Norway Chess

2. Wird das Experiment ein Erfolg?

Wie bei jedem Experiment besteht die Gefahr des Scheiterns. Das komplizierte Punktesystem und die Vermischung verschiedener Bedenkzeiten könnten dem Ruf dieses Turniers abträglich sein. Armageddon-Schach kann selbst bei längeren Bedenkzeiten wie in Stavanger in Chaos ausarten, und die Spieler könnte die potentielle Wartezeit zwischen Turnierpartie und Armageddon irritieren. Wenn aber alles gut geht, kann dieses Format zu einem spannenden Rundenturnier werden, in das die positiven Elemente eines K.O.-Turniers integriert sind.

3. Stellt Magnus einen neuen Rekord auf?

Weltmeister Magnus Carlsen hat vor dem Altibox Norway Chess schon eine sensationelle Elo von 2875 und liegt damit 100 Punkte vor der Nummer 5 der Setzliste Alexander Grischuk. Sofern die Turnierpartien normal ausgewertet werden, sind mehrere Rekorde möglich. Magnus kann die höchste je erreichte Elo von 2882 knacken, seine höchste Live-Elo (2889,2) und sogar die 2900er-Grenze. Wie üblich hat Tarjei Svensen schon einmal nachgerechnet:

Wie man aber sieht, schnitt Magnus bei seinem Heimturnier in der Vergangenheit nicht besonders ab. Er gewann nur 2016, während Karjakin (2013, 2014), Topalov (2015), Aronian (2017) und Caruana (2018) in den anderen Jahren erfolgreich waren.

4. Wer sind seine Hauptrivalen?

Wenn ehemalige Turniersieger wie Wesley So und Levon Aronian nur die Nummer 8 bzw. 9 der Setzliste sind, sagt dies schon viel aus. Vorjahressieger Fabiano Caruana wäre der logische Name, der außer Carlsen zu nennen ist, aber seine Chancen sind durch die Einführung des Armageddon vermutlich schlechter. Alexander Grischuk hat sich zuletzt in Topform präsentiert, die Bedenkzeitregel begünstigt aber seine ohnehin problematische Zeitnot.

5. Wie schneidet Yu Yangyi ab?

Der einzige klare Außenseiter ist der Chinese Yu Yangyi, der bei seiner Einladung auf dem Sprung in die Top Ten war. Seither ist der 24-jährige Chinese aber auf Platz 20 zurückgefallen und beendete das Shenzhen Masters mit drei Niederlagen sieglos. Beim Norway Chess wird es sicher nicht leichter, aber der Chinese darf auf keinen Fall unterschätzt werden.     

Yu Yangyi verlor in Shenzhen gegen Giri, der in Stavanger fehlt | Foto: cca.imsa.cn

6. Hat Ding Liren den Vorfall im letzten Jahr überwunden?

Beim Norway Chess 2018 kam es zu einem dramatischen Zwischenfall, denn Ding Liren musste nach einem schweren Unfall, bei dem er sich die Hüfte brach, das Turnier abbrechen und hatte noch lange an den Folgen zu leiden. Bis heute ist sein Bewegungsvermögen eingeschränkt, daher hat die chinesische Nummer 1 sicher noch einige unangenehmen Erinnerungen. Obwohl er derzeit oft remis spielt, sollte er bei einigermaßen normalem Verlauf die Qualifikation für das Kandidatenturnier 2020 durch den besten Elo-Schnitt schaffen – allerdings muss man sagen, dass der Chinese derzeit seine Rechenkünste vor allem dafür einsetzt, eigene Probleme zu vermeiden als gegnerische zu verursachen.

Ding Liren kochte mit Vishy Anand, und danach brach er sich die Hüfte | Foto: Lennart Ootes, Altibox Norway Chess

7. Überzeugt MVL wieder beim Blitzen?

Beim heutigen Blitzturnier bekommt Maxime Vachier-Lagrave erneut die Chance, die Klingen mit Magnus Carlsen zu kreuzen. Vor kurzem meinte er in einem Interview mit chess24:

Ich gehe davon aus, dass ich einer der drei Spieler hinter Magnus bin, aber wenn ich meine neue Stabilität im Blitz beibehalten kann, kann ich sein ärgster Rivale bei dieser Bedenkzeit werden.

Bisher hat Magnus dreimal das Eröffnungs-Blitz gewonnen, während Maxime einmal erfolgreich war. Da MVL in Abidjan gegen den Weltmeister beide Blitzpartien gewann, sinnt Carlsen sicher auf Revanche.

Jan & Peter sind zwar nicht in Stavanger, aber dafür gibt es mehr Analysen! | Foto: Jose Huwaidi

Das Blitzturnier beginnt um 18:30, und davor werden Jan und Peter noch ein Geschwätzblitz bestreiten. Dabei kann jeder zuschauen, aber um mitzuspielen, muss man Premium-Mitglied sein!

Und das Blitzturnier könnt ihr ab 18:30 Uhr LIVE hier auf chess24 verfolgen! 

Weitere Links:


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