Berichte 06.03.2019 | 12:21von Colin McGourty

Auftakt zur Mannschafts-WM in Astana

An seinem 21. Geburtstag holte Vladislav Artemiev gegen Alireza Firouzja den entscheidenden Punkt für Russland und sorgte so für den knappen Auftaktsieg des Mitfavoriten gegen den Iran. China gewann mit 3,5 zu 0,5 gegen Aserbaidschan, und auch Indien, USA und England siegten im Offenen Turnier. Die größte Überraschung des Tages war das Unentschieden der US-Damen gegen die an Nummer 2 gesetzten Ukrainerinnen, wo die 15-jährige Carissa Yip in Zeitnot gegen Anna Ushenina triumphierte.

FIDE-Präsident Arkady Dvorkich machte den ersten Zug bei der Partie Lagno-Abdumalik | Foto: David Llada, Turnierseite

Wer fehlt?

Das futuristische Internationale Finanzzentrum in Astana | Foto: Eteri Kublashvili, Russischer Schachverband

Die Mannschafts-WM ist so etwas wie der kleine Bruder der Schach-Olympiade und findet alle zwei Jahre als vollrundiges Turnier mit zehn Mannschaften statt. Allerdings sind dieses Jahr leider nicht alle Teams mit der stärksten Mannschaft vertreten. Hauptgrund ist die späte Ansetzung des Turniers, dessen Termin erst im Januar bekannt gegeben wurde. Der Ausrichter Astana konnte sogar erst im Februar gefunden werden.

  • Internationales Finanzzentrum, Astana

Dieses Mannschaften hatten sich qualifiziert:

Offenes TurnierQualifiziert durch:FrauenQualifiziert durch:
ChinaTitelverteidigerRusslandTitelverteidiger
AserbaidschanEuropameisterChinaAsienmeister
IranAsienmeisterUSAHöchster Eloschnitt in Amerika
USAHöchster Eloschnitt in AmerikaÄgyptenHöchster Eloschnitt in Afrika
ÄgyptenHöchster Eloschnitt in AfrikaUkraineFIDE Olympiade 2018
RusslandFIDE Olympiade 2018GeorgienFIDE Olympiade 2018
PolenFIDE Olympiade 2018UngarnFIDE Olympiade 2018
EnglandFIDE Olympiade 2018ArmenienFIDE Olympiade 2018
KasachstanAusrichterfreiplatzKasachstanAusrichterfreiplatz
IndienVom FIDE-Präsidenten nominiertIndienVom FIDE-Präsidenten nominiert

Von den genannten Teams verzichtete nur Polen auf eine Teilnahme, da Radek Wojtaszek, Jan-Krzysztof Duda und Mateusz Bartel bereits beim Prager Schachfestival zugesagt hatten.

Nach der Absage der Polen verzichteten auch Vietnam, Armenien, Frankreich und die Ukraine auf einen Start, aber der Elftplatzierte der Schach-Olympiade 2018 in Batumi, Schweden, sagte zu.

Alexander Grischuk durfte in Runde 1 aussetzen | Foto: David Llada, Turnierseite

Die anderen qualifizierten Teams sind zwar alle dabei, doch fehlen einige bekannte Namen in den Aufstellungen. Indien tritt ohne Anand, Vidit und Harikrishna (letztere spielen in Prag) an, Aserbaidschan muss auf Mamedyarov und Radjabov verzichten und bei den USA fehlt das komplette Olympia-Team, was zweifellos mit der anstehenden US-Meisterschaft zu tun hat.

Mit voller Kapelle treten aber immerhin Russland und China an, und auch das Damenturnier ist sehr stark besetzt.

Geburtstagskind Artemiev rettet Russland

Vladislav Artemiev besiegte Alireza Firouzja | Foto: Eteri Kublashvili, Russischer Schachverband

Die Favoriten gewannen ihre Kämpfe in Runde 1 allesamt, aber manchmal war es ganz schön eng:

2019 ist bisher das Jahr von Vladislav Artemiev, der gleich zum Auftakt das Gibraltar Masters gewinnen konnte. Am Dienstag wurde er 21 Jahre alt und holte den entscheidenden Punkt für Russland gegen das gefährliche junge Team aus dem Iran, nachdem Sergey Karjakin, Ian Nepomniachtchi und Dmitry Andreikin remisiert hatten. Artemiev meinte nach der Partie:

Mein Gegner ist sehr talentiert, aber auch noch sehr jung, daher hatte ich vor der Parte gewisse Hoffnungen.

Laut Artemiev ging Firouzja mit 16…De6 große Risiken ein, die bestraft werden sollten:


Mit 17.Lxh6!? Sxg4 18.Lxg7 Kxg7 19.hxg4 Dxg4 20.Sb5! gewann Weiß einen Bauern, doch Schwarz hatte ausreichende Kompensation, als der weiße Springer wenig später als potentielle Schwäche auf d6 landete. Weitere Komplikationen folgten, und an deren Ende war klar, dass das Schicksal des Springers über den Ausgang der Partie entscheiden würde.  27…Dxe5 hätte die Partie in der Waage gehalten, doch 27…Lb7? ermöglichte einen Trick:


28.Se8+! Kg8 (28...Txe8? 29.Txd7 Dxd7 30.e6+ verliert Haus und Hof) 29.Txd7 Dxd7 30.Sf6+ Sxf6 31.exf6 und Weiß hatte zwei Bauern mehr. Trotz beidseitiger Zeitnot machte Artemiev keinen Fehler mehr und brachte die Partie sicher nach Hause.

Ding Liren hat weiterhin alle Chancen, sich den Elo-Freiplatz für das Kandidatenturnier zu sichern | Foto: Eteri Kublashvili, Russischer Schachverband

Auf dem Papier sieht das 3,5 zu 0,5 von China gegen Aserbaidschan wie eine klare Sache aus, doch brauchten Wei Yi und Yu Yangyi 86 bzw. 92 Züge, ehe sie ihre Gegner niedergerungen hatten. Ding Lirens “schneller” Sieg in 54-Zügen gegen Rauf Mamedov brachte ihn bis auf 3,5 Elo-Punkte an Fabiano Caruana heran.

Beide US-Teams feierten in Astana einen guten Start | Foto: David Llada, Turnierseite

USA war gegen Ägypten zwar favorisiert, aber nicht am Spitzenbrett, wo Dariusz Swiercz (2655) bei seinem Debüt für die USA Bassem Amin (2709) überraschend mit Schwarz besiegte. Zviad Izoria steuerte den zweiten Punkt zum sicheren 3:1-Sieg bei. 

Rinat Jumabayev landete einen Überraschungscoup gegen Mickey Adams| Foto: David Llada, Turnierseite

Auch das Spitzenbrett beim Duell England-Kasachstan endete mit einer Überraschung, da Rinat Jumabayev einen unachtsamen Moment von Mickey Adams ausnutzen konnte:


Adams hätte die Türme tauschen sollen, da 25…Dd6! sowohl Sxb7 vorbereitete als auch die Flucht des weißen Läufers über a6 verhinderte. Zu 26.Le4 gab es keine Alternative, doch nach 26…Sxe4 27.Txe4 Dxa3 28.bxa3 hatte Weiß zwar einen Bauern mehr, aber eine ruinierte Struktur, die Jumabayev schließlich nach 50 Zügen zum vollen Punkt ausnutzen konnte. Da David Howell und Gawain Jones an den hinteren Brettern die Scharte auswetzen konnten, blieb diese überraschende Niederlage aber ohne größere Konsequenzen.

Am spektakulärsten ging es aber bei Indien-Schweden zu, wo die Inder einigen Spaß hatten…

…und Schweden mit 3,5:0,5 klar besiegten. Als Erster war Ganguly fertig, der Axel Smith kurzerhand mattsetzte:


Überraschenderweise verliert 20…Lxb3? bereits und 20…f5! war erzwungen. In der Partie ging dem Schwarzen bald die Luft aus:

Einen ähnlichen Verlauf nahm die Partie am Spitzenbrett, wo Nils Grandelius seine Rettungschance im 27.Zug verpasste:


27…Se3!! hätte Adhibans Pläne empfindlich gestört, aber nach 27…Se7? 28.Dg3! war der weiße Angriff am Königsflügel nicht mehr zu stoppen.

Carissa Yip ärgert die Ukraine

Bei den Damen holten Russland und China ebenfalls Siege, allerdings bot Gastgeber Kasachstan den Russinnen mehr Widerstand, als das 3:1 verrät. Zhansaya Abdumalik fand gegen Kateryna Lagno einige geniale taktische Ressourcen, griff dann aber doch fehl. Einfacher hatte es da Aleksandra Gorachkina, doch Valentina Gunina konnte die 15-jährige Bibisara Assaubayeva auch nach 109 Zügen nicht in die Knie zwingen. 

Mariya Muzychuk schlug Tatev Abrahamyan am Spitzenbrett, aber das reichte nicht für einen Sieg der Ukrainerinnen | Foto: Eteri Kublashvili, Russischer Schachverband

Armenien gewann erwartungsgemäß gegen Ägypten, aber die beiden anderen Begegnungen endeten unentschieden. Indien hielt überraschend Georgien in Schach, und noch überraschender war das Remis der USA ohne Irina Krush und Anna Zatonskih gegen die Nummer 2 des Turniers, die Ukraine. Mariya Muzychuk schlug Tatev Abrahamyan am Spitzenbrett, doch die 15-jährige Carissa Yip machte diese Scharte an Brett 2 wett. Ex-Weltmeisterin Anna Ushenina stand gut, spielte dann aber mit 12 Sekunden auf der Uhr 36.Db1? (Nach 36.Sc1! hätte Weiß weiter Vorteil gehabt):


Carissa hatte selbst auch nur noch zwei Minuten, fand aber 36…b4!, wonach die weiße Stellung schnell zusammenbricht: 37.axb4 Dxb4 38.Da2? Sxb3 39.Dxa7 Sd4 40.Dxd7 Dxc3! Die schwache Grundreihe entscheidet die Partie:

Auf dem Papier sind China und Russland in Runde 2 des Offenen Turniers klare Favoriten gegen die USA und Ägypten, doch die anderen Duelle sind sehr ausgeglichen: Schweden-Kasachstan, Aserbaidschan-England und Indien-Iran.

Sergey Shipov hat einen tollen Ausblick! | Foto: Eteri Kublashvili, Russischer Schachverband

Jeden Tag könnt ihr ab 10 Uhr die Live-Übertragung mit Evgeny Miroshnichenko und Anna Burtasova (Englisch) und  Sergey Shipov (Russisch) verfolgen: Offenes Turnier | Frauen

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